Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 2
1. Einleitung 3
2. Allgemeines 3
2.1 Theorien zur Entstehung 4
2.2 Charles Perrault und sein Zielpublikum. 5
3. Varianten 6
3.1 Cendrillon ou la petite pantoufle de verre von Charles Perrault (A) 6
3.2 Aschenputtel von den Gebrüdern Grimm (B) 7
3.3 La gatta cennerentola von Basile ()C 9
3.4 La Cendrouse von C. Pineau (D) 10
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede. 10
4.1 Sozialer Abstieg in der Familie. 11
4.2 Magische Hilfe. 13
4.3 Treffen mit dem Königssohn 15
4.3.1 Bedingung 15
4.3.2 Anbandelung mit dem Königssohn. 15
4.4 Schuhprobe und Vermählung. 17
4.4.1 Rache oder Vergebung. 19
5. Schlussbetrachtung. 20
6. Literaturverzeichnis 21
6.1 Primärliteratur 21
6.2 Sekundärliteratur. 21
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1. Einleitung
Gegenstand der Untersuchung des Hauptseminars Leser und Lektüren der « Contes »(1697) von Charles Perrault im Wintersemester 2003/04 war zum einen ein umfassender Überblick über Perraults Contes, deren Funktion und Leserschaft und unter anderem ein Vergleich jener Contes mit ähnlichen Erzählungen gleichen Inhalts. Mit Letzterem wird sich diese Arbeit beschäftigen. Nach einer kurzen Definierung des Märchentypus, welcher den hier zu analysierenden Märchen zu Grunde liegt, möchte ich ebenfalls einige Theorien zu der Herkunft des Inhalts vorstellen. Beide Kapitel sind nicht Thema dieser Arbeit, so dass sie nur kurz erläutert werden und somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Was den Märchenvergleich betrifft, so werden insgesamt vier sich im Inhalt ähnelnde Märchenerzählung verwendet: Cendrillon ou la petite pantoufle de verre, Aschenputtel, La gatta cennerentola und La Cendrouse. Sie werden inhaltlich getrennt voneinander vorgestellt und im Anschluss daran Abschnitt für Abschnitt auf einzelne Elemente untersucht, welche es uns ermöglichen, in der Schlussbetrachtung die Leitfrage zu beantworten. An welche Art von Publikum richtete sich Perrault mit diesem Märchen und wie veränderte er somit einzelne Schlüsselelemente?
2. Allgemeines
Da in meiner Hausarbeit hauptsächlich verschiedene Variationen desselben Märchens vorgestellt und erläutert werden, halte ich es für sinnvoll, den Begriff des Märchens genauer zu betrachten. Lilyane Mourey beruft sich auf Northrop Frye, wenn sie schreibt:
« les contes sont, en effet, la ‚chronique’ non seulement de tous les conflits psychologiques et sociaux des hommes devant les lois, les tabous, les structures sociales, mais aussi des interrogations devant les phénomènes naturels. » 1
Uns erwartet also eine Thematik, welche hauptsächlich im gesellschaftlichen Bereich einer Bevölkerungsschicht angesiedelt ist, und auf verschiedene Art und Weise je nach Zielpublikum ausgeschmückt ist. Im Verlauf dieser Arbeit werden wir Charakteristika erkennen können, welche dem Genre Conte Populaire zuge- 1 Mourey,Lilyane: Grimm et Perrault, Paris 1978, S. 11.
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ordnet werden. Dies wäre z.B. die Verarbeitung von Mythen, Legenden, Sagen etc. 2
2.1 Theorien zur Entstehung
In der heutigen Forschung werden mehrere Thesen diskutiert, woher diese Art von Mythen und Legenden stammen. Denn was Perrault betrifft, so können wir mit Sicherheit sagen, dass er über Quellen, seien es mündliche oder auch schriftliche, an die Thematik gelangt ist und sie sich mit Sicherheit nicht selbst ausgedacht hat, da seine Märchenerzählungen nicht die ersten im europäischen Sprachraum waren.
An dieser Stelle möchte ich nun einige Thesen zu der Herkunft dieses Märchentypus vorstellen und eine mögliche Verbindung zu Perrault diskutieren. Was die Herkunft des Inhalts betrifft, so sollen die im Anschluss kurz vorgestellten wichtigsten Theorien 3 ausreichen:
Indo-europäische Theorie: Diese Theorie beruht auf der inhaltlichen und symbolischen Gleichheit von europäischen, persischen und indischen Erzählungen. Interessant bei dieser Theorie ist die Tatsache, dass nicht nur die Sprache, sondern auch die traditionellen Erzählungen denselben Ursprung haben und somit jeden Sprachwandel durchlaufen haben müssen.
Indische Theorie: Der Ursprung der Märchen liegt im indischen Sprachraum. Ab dem 10. Jahrhundert wurden diese durch die Eroberungen der Moslems, da sie Verbindungen nach Indien pflegten, in den europäischen Sprachraum gebracht. Als Zentren galten das Byzantinische Reich, Italien und Spanien. Dies soll auch der Grund für die Existenz verschiedener Varianten einer Erzählung sein, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht schriftlich festgehalten, sondern nur mündlich tradiert wurden.
Ethnographische Theorie: Vor allem inhaltliche Elemente, wie z. B. Kannibalismus, Magie und Verwandlungen von Tieren, sind ein Überrest von den ehemals
2 vgl. Simonsen, Michèle: Le conte populaire français, Paris 1981, S. 9-11.
3 Klassifikation nach : Simonsen, Michèle: Le conte populaire français, Paris 1981, S. 29 ff.
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primitiven Völkern. Diese Theorie beruht nicht auf linguistischen bzw. geographischen Wurzeln, sondern vielmehr auf den Riten und Bräuchen verschiedener Kulturen, da diese Wurzeln in keiner Weise in Verbindung gebracht werden können. Lediglich das Stadium der kulturellen Entwicklung spielt dabei eine große Rolle. Für diese Theorie spricht die Existenz ähnlicher Märchen, welche nicht dem indogermanischen Kultur -bzw. Sprachraum zugeordnet werden können.
2.2 Charles Perrault und sein Zielpublikum
Trotzdem fällt es der Forschung schwer, die Märchen von Charles Perrault nur als Contes populaires zu bezeichnen, da sie darin die tradition orale auf ein Minimum reduziert sehen. 4 Um herauszufinden welcher Art Perraults Märchen angehören, ist es von Nöten, die zeitgenössische Leserschaft Perraults genauer zu beschreiben. Einzelne Motive müssen dabei genauer betrachtet werden und auf eine mögliche Verbindung zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe analysiert werden. Krüger schreibt, dass
„ aus der Analyse der Märchenzusätze und Motivinterpretationen sich jedoch auf ein Leserpublikum schließen lässt, das am höfischen und gesellschaftlichen Leben der führenden Kreise Frankreichs teilnehmen muss, um die Märchen überhaupt verstehen zu können.“
Diese Aussage sehe ich in direktem Gegensatz zu Perraults Behauptung, er habe die Thematik aus « les contes que nos aïeux ont inventés pour leurs enfants » entnommen. 5 Dieser Widerspruch erklärt die Tatsache, dass die Märchen Perraults einen „literarischen Wandel“ durchlaufen mussten, um die von Krüger beschriebene Gesellschaft erreichen zu können. Auf diesen Aspekt wird jedoch an späterer Stelle eingegangen, vielmehr soll uns das oben Aufgeführte die Tatsache verdeutlichen, dass Perrault in seine Erzählungen Elemente miteingebracht haben muss, welche in erster Linie auf « la cour et la ville » 6 und nicht auf ein kindliches Publikum hinweisen. Ein wichtiger Hinweis auf dieses potentielle Publikum sind z.B. die Moralitäten am Ende der Märchen, welche oftmals Kritik an der zeitgenössi-
4 vgl.Simonsen, Michèle: Le conte populaire français, Paris 1981, S. 9.
5 zitiert nach Simonsen, Michèle: Perrault, Contes, Paris 1992, S. 20.
6 Auerbach, Erich, zitiert nach : Krüger, Helga : Die Märchen von Charles Perrault und seine Leser, Kiel 1969, S. 133.
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schen Lebensführung in Bezug auf Mode, Eitelkeit, Ständeunterschiede etc. üben. Als Beispiel soll uns hier eine der Moralitäten des Cendrillonmärchens dienen:
Es ist deutlich zu erkennen, dass Perrault an die Gesellschaft appelliert, die Schönheit eines Menschen nicht nur an den Kleidern festzumachen, sondern auch am Menschen selbst.
3. Varianten
Bevor ich nun mit dem direkten Vergleich verschiedener « Cendrillon-Märchen » beginne, möchte ich sie zu aller erst inhaltlich, voneinander getrennt vorstellen. Diese Inhaltsangaben halte ich für notwendig, da im späteren Verlauf der Arbeit des öfteren ein direkter Bezug auf die Erzählung unumgänglich ist.
3.1 « Cendrillon ou la petite pantoufle de verre » 8 von Charles Perrault (A)
Die Erzählung beginnt mit der Vorstellung der Familie der Protagonistin. Erst im Folgenden wird darauf hingewiesen, dass der Vater noch aus erster Ehe eine Tochter habe, welche überaus gütig sei. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, indem dieses Mädchen als „Hassobjekt“ besonders der Stiefmutter und der Stiefschwestern dargestellt wird, so dass der Leser für die Protagonistin von sich aus Partei ergreift. Letztendlich erhält die Hauptfigur der Geschichte einen Namen, welcher von ihrer Gewohnheit, sich nach all den Arbeiten im Haus in die Asche an den Kamin zu setzen, abgeleitet wird, Cendrillon.
Eines Tages veranstaltet der Königssohn einen Ball, zu dem « toutes les personnes de qualité » 9 eingeladen sind. Darunter auch die Stiefschwestern, die sich von Cendrillon zu diesem Anlass ihre Kleider bügeln und ihre Frisuren herrichten lassen. Nachdem sich ihre Stiefschwestern auf den Weg machen, bricht Cendrillon in Tränen aus, da es ebenfalls gerne dort hingehen würde. An dieser Stelle begegnet uns Cendrillons Patin, welche eine Fee ist, und ihr jenen Wunsch erfüllen kann.
7 Perrault, Contes, Jean-Pierre Collinet (Hg.), S. 177.
8 ibid., S. 171-177.
9 ibid., S. 172.
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Arbeit zitieren:
M. A. Christoph Hollergschwandner, 2004, Cendrillon - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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