Gliederung
Einleitung: 3
2. Reliquien und ihre Bedeutung. 4
3. Frömmigkeit und Kirchentreue zu Zeiten Karls IV 6
3.1. Karls eigene Frömmigkeit 7
3.2. Frömmigkeit und Kirchentreue als Instrumente d. politischen Ideologie Karls IV. 10
4. Karls Architektur am Beispiel Prags 12
5. Karlstein 15
5.1 Der Zweck des Karlsteins 19
6. Schlusswort 22
7. Bibliographie 23
2
Einleitung:
Karl IV. war einer der größten und bedeutungsvollsten Kaiser des Mittelalters, auch wenn er nicht immer mit dieser Wertigkeit versehen wurde. Sein größter politischer Erfolg, die Goldene Bulle, war es was ihn berühmt gemacht hatte. Doch er hat der Nachwelt noch viel mehr hinterlassen. Er, der den Frieden liebte, sorgte mit seiner Politik für eine erstarktes Böhmen und führte die premyslidische Hausmachtsbildung weite, wobei dessen Hauptstadt Prag eine ganz besondere Stellung inne hatte. Er propagierte auch seine politischen Vorstellungen in eigenen Schriften und stellte sie in sakralen Bauwerken dar. Die Zeit, in der er lebte war indes auch geprägt von tiefster Frömmigkeit. „Selbst im religiösen Alltag, der vom Morgen- bis zum Abendläuten jedermann umfing, rührten sich Neuerer. Laien, unzufrieden mit der Priesterschaft, suchten ihre eigene Frömmigkeit, auch außerhalb der Kirche; Bünde und Bruderschaften, mit mystischen Spekulationen und eigener Bibelkenntnis um ihr religiöses Heil bemüht, schufen mit und ohne geistliche Führung eine umfangreiche Frömmigkeitsliteratur.“ Diese Worte benutzt Ferdinand Seibt, einer der bedeutendsten Geschichtswissenschaftler auf der Gebiet der Forschung über Karl IV., in seinem Buch „Kaiser Karl IV. - Staatsmann und Mäzen“ um einen Teil der Zeit zu beschreiben in der Karl IV. gelebt hatte. Karl IV. war ein ebenso frommer Mensch wie seine damaligen Mitmenschen. Dies spiegelte sich in seiner Politik, seinen Bauwerken und auch in seinen hinterlassenen Reliquien wieder. Mit dieser Hausarbeit möchte ich beleuchten, in welchem Maße sich dieser Reliquienkult bei Karl IV. wiederfindet. Dabei möchte ich damit beginnen, zu erklären, was Reliquien eigentlich sind und wofür sie stehen. Des Weiteren möchte ich die Frage in den Mittelpunkt stellen, wie es zu Karls Reliquienkult kam und welche Bedeutung er für den Kaiser hatte. Man kann wenn man sich mit Karls Politik und auch mit seiner Reliquienpolitik befasst, auch eine gewisse Systematik feststellen. Diese Systematik bzw. die Ziele der Reliquienpolitik möchte ich ebenfalls behandeln. Zu guter Letzt, ist der Karlstein ein weiterer Punkt, den es in dieser Hausarbeit zu beleuchten gilt. Der Karlstein gilt als Karls besonderes Bauwerk, da es mehr als nur eine Burg ist. Was sich hinter dem Karlstein verbirgt und wie beispielhaft er für Karls Reliquienpolitik ist, soll auch untersucht werden.
3
2. Reliquien und ihre Bedeutung
„Das was übrig bleibt“ - so lautet die Übersetzung des lateinischen Wortes „Reliquie“. Reliquien sind Gegenstände religiöser Verehrung und es handelt sich dabei besonders um Körperteile oder Teile des persönlichen Besitzes von Heiligen. Eine Sonderform sind sogenannte Berührungs- oder Kontaktreliquien also Gegenstände wie Kleidungsstoffe, mit denen der Heilige in Berührung kam oder gekommen sein soll. 1
Reliquien sind jedoch keineswegs als religiöse Souvenirs zu betrachten, wie z.B. Museumsstücke. Wahrer Reliquienkult diente in der Vergangenheit der Heiligenverehrung und orientiert sich von der Vergangenheit des vorbildlichen Lebens des Heiligen ausgehend her auf die religiöse Gegenwart und Zukunft. Verehrung und Hochschätzung waren dabei zu allen Zeiten echte Prüfsteine des Glaubensgewissens. Im Katholizismus wurden drei Reliquienklassen unterschieden:
1. Reliquien erster Klasse: Körperteil des Heiligen, insbesondere Partikel
2. Reliquien zweiter Klasse (Berührungsreliquien): Gegenstände, die der
3. Reliquien dritter Klasse (mittelbare Berührungsreliquien): Gegenstände, die
Eine Sonderstellung außerhalb dieses Schemas haben die biblischen Reliquien inne, also jene Gegenstände, die mit dem neutestamentlichen Heilsgeschehen, insbesondere mit Jesus und Maria direkt in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen vor allem die Kreuzreliquien, kleine Holzsplitter vom Kreuz Christi, von denen viele tausend über die ganze Welt verteilt in katholischen und orthodoxen Kirchen
1 http://www.pfarrer.at/reliquien_buchenhuell.pdf, S. 10
2 Angenendt, A., Heilige und Reliquien
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verehrt werden. Zu den Passionsreliquien, die Bezüge zur Passion, also zur Leidensgeschichte Jesu in seinen letzten Lebenstagen aufweisen, gehören daneben auch die berühmte Heilige Lanze des Longinus, Partikel der Kreuznägel zum Beispiel in der Eisernen Krone, Partikel der Dornenkrone und andere Marterwerkzeuge. Heutzutage hat die Klasseneinteilung der Reliquien vor allem kirchenrechtliche Bedeutung, was einschließt, dass Katholiken der Handel mit biblischen Reliquien sowie Reliquien erster und zweiter Klasse verboten ist. Katholiken dürfen solche Objekte zwar von nicht katholischen Dritten oder von dazu offiziell befugten kirchlichen Einrichtungen erwerben, besitzen oder privat verehren, sie aber nicht weiter verkaufen. Im Mittelalter dagegen war der Reliquienhandel (ebenso wie das Handwerk der Reliquienfälschung) hingegen weit verbreitet. 3 Damals war es unter Christen üblich, Reliquien weiter zu schenken. Wichtige Persönlichkeiten der Christenheit die mit Klöstern in Kontakt waren, bekamen oftmals Reliquien geschenkt. Somit entstanden Sammlungen von verschiedensten Reliquien, die oftmals über Jahrhunderte zusammengetragen wurden. Oftmals artete die Reliquienverehrung damals häufig auch zu einer regelrechten Reliquiensucht aus. Reliquienkult entstand im Mittelalter aus dem Heiligenkult heraus. Dieser wiederum entstand schon früh in der Geschichte, hatte aber im Mittelalter das Problem, «dass das Christentum von Hause aus nicht genügend „Religion“ anbot» 4 . Bereits früh wird vom Reliquienkult gesprochen. Erstmals von Polykarp, über dessen auf das Jahr 156 oder vielleicht 167 zu datierenden Flammentod es den ältesten Märtyrerbericht geben soll, wird erwähnt, dass man die Überbleibsel wie Edelsteine gesammelt habe: «So sammelten wir später seine Gebeine auf, die wertvoller sind als kostbare Steine und besser als Gold, und setzten sie an geeigneter Stätte bei.» 5 Später dann wurde die Abtrennung von Gliedmaßen selbstverständlich, wobei besonders der Kopf eine Sonderstellung besaß. Als z.B. «die 1231 verstorbene Elisabeth von Thüringen 1236 erhoben und dabei der Leichnam „ganz“, „unversehrt“ und unverwest angetroffen wurde, da trennte man ihr Haupt ab, wobei Haut und Haar entfernt wurden, um den reinen Schädel zu haben. Während der erhobene Leib in den Elisabeth- Schrein kam, erhielt der Schädel ein von Kaiser Friedrich II. gestiftetes Kopfreliquiar». 6 Die Fülle der Heiligenreliquien nahm mit der Zeit phantastische Formen. Der Glaube,
3 http://www.pfarrer.at/reliquien_buchenhuell.pdf
4 Angenendt, A., Heilige und Reliquien, S. 12
5 .Angenendt, A, Heilige und Reliquien, S. 149
6 Heiligen und Reliquien, S. 153
5
dass in den Gebeinen und der Hinterlassenschaft der Heiligen eine heilende und heiligende Kraft präsent sei, die sich von dort aus sogar weiter übertrage, steigerte sowohl die Anzahl de Reliquien wie auch ihre Vielfalt. «Weil die Reliquien aufgrund ihrer Virtus Heilsträger waren, besaßen sie eine Kraft, wie sie eigentlich nur Sakramenten zukam.» 7 Deshalb trugen Bischöfe umfängliche Reliquiensammlungen zusammen. In der Vita des Kölner Erzbischofs Brun (bis 965) wird z.B. berichtet: «Leiber und Reliquien von Heiligen und fromme Gegenstände aller Art sammelte er von überall her, um den Seinen immer mehr Fürsprecher zu verschaffen und um durch ihre Verehrung den Ruhm des Herrn bei vielen Völkern nah und fern zu verbreiten. Für sie errichtete er mit allem Aufwand und Prunk reichlich ausgerüstete Stätten und Dienste.» 8 Karl IV. hatte ebenfalls ein solches Verlangen nach dem Sammeln von Reliquien. Er war wurde selbst zu seinen Lebzeiten schon für diese Leidenschaft von seinen Zeitgenossen belächelt. Für die Reliquien ließ er die edelsteinverzierten Kapellen zu Prag und auf dem Karlstein errichten, die man „wie an die Innenschale des Gebäudes projizierte Schrein-Außenwände“ gedeutet hat.
3. Frömmigkeit und Kirchentreue zu Zeiten Karls IV
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, also kurz vor der Zeit Karls IV., machte die offizielle kirchliche Ideologie eine schwere Krise durch. Damals gab es den Konflikt zwischen Papst Bonifaz VIII. und dem französischen König Phillip dem Schönen. Diesen entschied der französische König und damit die weltliche Macht für sich mit der Entstehung des Grundsatzes, dass der Herrscher der Souverän „von Gottes Gnaden“ direkt und nicht über den Auftrag und durch die Vermittlung der Kirche sei. Dies war ein kleiner Schritt zur Schaffung eines eigenständigen monarchistischen Prinzips, womit auf den souveränen Kaiser oder König auch der theoretische Anspruch übertragen wurde, unmittelbarer „Vertreter Christi auf Erden“ zu sein. Durch diese Umwandlung der Funktion der kirchlichen Ideologie in ein machtpolitisches Instrument der Herrschergewalt änderte bzw. erweiterte sich auch die Funktion des Glaubens. Diese äußerte sich im Bereich der königlichen bzw. kaiserlichen Macht besonders in der offen zur Schau getragenen Frömmigkeit. 9 Allgemein handelte es sich in jener Zeit um ein sehr frommes Zeitalter und die
7 Angenendt, A., Heilige und Reliquien, S. 157
8 Angenendt, A., Heilige und Reliquien, S. 159
9 Spevacek, J.: Frömmigkeit und Kirchentreue
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Arbeit zitieren:
André Hoffmann, 2007, Reliquienkult Karls IV. am Beispiel Karlstein, München, GRIN Verlag GmbH
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