Autoren:
Meike Gesenhues Nicole Huppmann Andreas Waltrich
FACHHOCHSCHULE ASCHAFFENBURG
FACHBEREICH WIRTSCHAFT UND RECHT
WÜRZBURGER STRASSE 45
D-63743 ASCHAFFENBURG
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VII
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VIII
1 EINLEITUNG 1
2 JÜRGEN KLINSMANN 2
2.1 Leben und Werk 2
2.1.1 Kindheit und Jugend 2
2.1.2 Fußballprofi im In- und Ausland 3
2.1.3 Leben nach der Profikarriere 7
2.1.4 Ernennung zum Bundestrainer 9
2.2 Leadership 10
2.2.1 Definition und Aufgabe des Leaders 10
2.2.2 Eigenschaften des Leaders am Beispiel von Jürgen
Klinsmann 11
2.2.2.1 Energie 12
2.2.2.2 Zielstrebigkeit Mut und Beharrlichkeit 15
2.2.2.3 Willenskraft 17
2.2.2.4 Glaubwürdigkeit 18
2.2.2.5 Sozialkompetenz 19
2.2.2.5.1 Empathie 20
Inhaltsverzeichnis – Seite IV
2.2.2.5.2 Kommunikationsfähigkeit 21
2.2.2.5.3 Teamfähigkeit 22
2.2.2.6 Charisma 25
3 CHANGE MANAGEMENT BY KLINSMANN 29
3.1 Entwicklung der Nationalmannschaft 29
3.1.1 Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bis 1990 29
3.1.2 Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bis 2004 31
3.1.2.1 Entwicklung unter Berti Vogts 31
3.1.2.2 Entwicklung unter Erich Ribbeck 32
3.1.2.3 Entwicklung unter Rudi Völler 33
3.2 Change Management durch Klinsmann 34
3.2.1 Definition und Hintergrund des Wandels 34
3.2.2 Auslöser des Wandels 35
3.2.2.1 Krisen als Auslöser des Wandels 35
3.2.3 Das Projekt Weltmeisterschaft 2006 36
3.2.4 Elemente des Wandels 38
3.2.4.1 Struktur 39
3.2.4.2 Kultur 42
3.2.4.3 Individuum 44
3.2.5 Störende Faktoren im Wandlungsprozess 46
3.2.5.1 Individuelle Faktoren 47
3.2.5.2 Kollektive Faktoren 48
3.2.6 Widerstände gegen Änderungen 49
3.2.6.1 Ursachen für Widerstände 50
Inhaltsverzeichnis – Seite V
3.2.6.2 Arten der Widerstände 51
3.2.6.3 Umgang mit Widerständen 53
4 TEAM MANAGEMENT BY KLINSMANN 55
4.1 Begriffsklärung 55
4.1.1 Definition des Begriffs Team 55
4.1.2 Teammerkmale der Nationalmannschaft 55
4.2 Das Team Klinsmann 56
4.2.1 Der Trainerstab 56
4.2.2 Der Betreuerstab 57
4.2.3 Die Mannschaft 58
4.3 Teamentwicklung 60
4.3.1 Formierungsphase 61
4.3.2 Sturmphase 61
4.3.3 Normierungsphase 63
4.3.4 Reifephase 64
4.4 Das geniale Team 65
4.4.1 Merkmale eines genialen Teams 66
4.4.1.1 Starker Leiter 66
4.4.1.2 Hervorragende Mitglieder 66
4.4.1.3 Außergewöhnliches Talent 67
4.4.1.4 Verfolgen einer Vision 68
4.4.1.5 Rückzug von der Außenwelt 68
4.4.1.6 Begeisterung für eine Außenseiterrolle 69
4.4.1.7 Bedeutung eines Feindbildes 70
Inhaltsverzeichnis – Seite VI
4.4.1.8 Volle Konzentration 70
4.4.1.9 Optimistische Grundhaltung 71
4.4.1.10 Rückendeckung für alle Mitglieder 71
4.4.1.11 Relevanz von Belohnung 72
4.4.2 Die Nationalmannschaft als geniales Team 73
5 FAZIT 74
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 77
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Tor des Jahres 1987 durch Jürgen Klinsmann 3
Abbildung 2: Weltmeister Jürgen Klinsmann 1990 4
Abbildung 3: Klinsmann bei der WM 1994 in den USA 5
Abbildung 4: Fußballer des Jahres 1994.......................................................................6
Abbildung 5: Familie Klinsmann 8
Abbildung 6: Klinsmanns Partner bei soccersolutions 9
Abbildung 7: Das Leadership-Haus: Aufgabe eines Leaders 11
Abbildung 8: Energetischer Jürgen Klinsmann 13
Abbildung 9: Kahn und Lehmann im Spiel gegen Argentinien 24
Abbildung 10: Trainergespann beim Singen der Nationalhymne 25
Abbildung 11: Charismatischer Jürgen Klinsmann 26
Abbildung 12: Diver Jürgen Klinsmann 27
Abbildung 13: Europameister Jürgen Klinsmann 1996..................................................28
Abbildung 14: Die Weltmeistermannschaft von 1974 30
Abbildung 15: Rudi Völler vor seinem Abschied als Nationalcoach 34
Abbildung 16: Klinsmann startet das Projekt 2006 37
Abbildung 17: W-MQuartier in Berlin 41
Abbildung 18: Marc Verstegen und die neuen Trainingsmethoden 46
Abbildung 19: Ursachen wodurch ein Wandel scheitern kann 50
Abbildung 20: Klinsmann und Bierhoff denken über Kritik nach 51
Abbildung 21: Allgemeine Symptome für Widerstand 52
Abbildung 22: Der Trainerstab 57
Abbildung 23: Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft 59
Abbildung 24: Mannschaftsfoto der Nationalmannschaft 60
Abkürzungsverzeichnis
BRD Bundesrepublik Deutschland
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. circa
DFB Deutscher Fußball-Bund
EM Europameisterschaft
f. folgende
ff. fortfolgende
grch. griechisch
L.A. Los Angeles
o.V. ohne Verfasser
S. Seite
U21 unter 21 Jahren
UEFA Union of European Football Associations
USA United States of America
Vgl. Vergleiche
WM Weltmeisterschaft
WM-OK Weltmeisterschafts-Organisationskomitee
z.B. zum Beispiel
ZDF Zweites Deutsches Fernsehen
1 Einleitung
Adieu, „Tante Käthe“. Rudi Völler, unter dessen Leitung die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2002 in Korea und Japan zum Vize- Weltmeister wurde, verpasste nur zwei Jahre später bei der EM in Portu- gal mit seiner Mannschaft den Einzug in die Hauptrunde. Das war am 23. Juni 2004. Noch in der gleichen Nacht teilte Völler DFB-Präsident Mayer- Vorfelder seinen Rücktritt mit. Er sah sich nach der gescheiterten EM nicht mehr in der Lage, die deutsche Elf optimal auf die WM 2006 im ei- genen Land vorbereiten zu können. Nach langem Hin und Her und für viele überraschend wurde Jürgen Klinsmann am 29. Juli 2004 das Amt des Bundestrainers übertragen. Bereits an diesem Tag gab Klinsmann seine Vision bekannt: „Ich will 2006 Weltmeister werden! Und deshalb muss der ganze Laden hier auseinander genommen werden (Vgl. o.V./2004a)! Er wollte das „Heimspiel“ nutzen, um an die glorreichen und ruhmreichen Zeiten vergangener Tage anzuknüpfen, das altbekannte Sprichwort „Das Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen immer die Deutschen“ sollte wieder Gültigkeit erlangen. Ein „Sommermärchen“ auf deutschem Boden sollte es werden, mit tollen Toren, grandiosen Spie- len und leidenschaftlichen Fans, geprägt durch Fairness, Toleranz und Teamgeist (Vgl. Merkel/2006). „Wenn ich nach der EM gesagt hätte, wir wollen 2006 Weltmeister werden, hätten alle gefragt: Hat der Völler in seiner Karriere zu viele Kopfbälle gemacht? Glaubwürdig konnte das nur ein neuer Mann rüberbringen. Einer, der Zuversicht ausstrahlt, so wie das Jürgen Klinsmann auch immer tut!“ (Vgl. Oberschelp, Schmidt/2006/S. 28) so Völler zur Person Klinsmann.
Die Arbeitsweise von Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit genauer betrachtet. Zu Beginn wird die Person Jür- gen Klinsmann mit ihren wichtigsten beruflichen und privaten Stationen vorgestellt, da Klinsmanns Handeln im Fokus der Arbeit steht. Anschlie- ßend wird anhand ausgewählter Eigenschaften gezeigt, dass Klinsmann in der Situation von 2004 der richtige Mann war, um die deutsche Elf nach der Ära Völler auf die WM 2006 im eigenen Land vorzubereiten. Weiterhin werden der Wandel sowie die einzelnen Veränderungsprozesse in der Nationalmannschaft unter Klinsmann beschrieben. Hierbei wird zuerst die Entwicklung des deutschen Fußballs von 1954 bis 2004 analysiert, bevor in einem weiteren Schritt die revolutionären Maßnahmen Klinsmanns sowie die Widerstände, mit denen er bei seinen Änderungen konfrontiert wurde, geschildert werden. In einem dritten Schritt wird das Team Klins- mann näher betrachtet. Es wird geklärt, unter welchen Bedingungen von einem Team gesprochen werden kann und in welche Phasen sich der Prozess des Teambuildings unterteilen lässt. Abschießend wird geprüft, ob es sich beim Team Klinsmann um ein geniales Team handelte, das in der Lage war, außergewöhnliche Leistungen zu vollbringen.
2 Jürgen Klinsmann
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Jürgen Klinsmann und seiner Arbeitsweise als Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmann- schaft. Bevor auf die spezifische Handlungsweise von Jürgen Klinsmann eingegangen wird, muss man den Menschen Jürgen Klinsmann kennen lernen, da dessen Handeln im Fokus der Arbeit steht. Das folgende Kapi- tel beschäftigt sich daher mit der Person und dem Leader Jürgen Klins- mann.
2.1 Leben und Werk
Zu Beginn wird der Mensch Jürgen Klinsmann betrachtet. Hierfür wird sein Leben in die Abschnitte Kindheit und Jugend, Fußballprofi im In- und Ausland, Leben in den USA und Ernennung zum Bundestrainer unterteilt. Es wird gezeigt, wie Jürgen Klinsmann zum Fußball gekommen ist und welche Stationen er während seiner Fußball-Karriere durchlaufen hat. Anschließend wird sein Leben nach dem Fußball geschildert und berich- tet, wie er letztendlich im Sommer 2004 zum Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft ernannt wurde.
2.1.1 Kindheit und Jugend
Jürgen Klinsmann wurde am 30. Juli 1964 in Göppingen geboren (Vgl. Mende/2006/S. 167). Er ist der zweite von vier Söhnen der Eltern Martha und Siegfried Klinsmann (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 54). Die Familie lebte in Gingen an der Fils, wo sich die Eltern mit einer eigenen Bäckerei selbstständig gemacht hatten. Als Jürgen Klinsmann eingeschult wurde, nahm ihn sein Vater Siegfried, selbst leidenschaftli- cher Turner und Übungsleiter im Sportverein von Gingen, mit zum Turnen (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni./S. 57). Klinsmann konnte sich allerdings nicht für den Turnsport begeistern und fing deshalb an, Hand- ball zu spielen, was ihm aber auch keinen Spaß bereitete. Im Winter 1972 nahmen ihn Freunde mit zum Fußballtraining und Jürgen Klinsmann hatte den Sport gefunden, der ihn später berühmt machen sollte. Er spielte seine erste Saison als Stürmer in der E-Jugend des TB Gingen und machte bereits damals auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam. In seiner ersten Fußball-Saison gewann sein Team ein Spiel gegen Aichelberg mit 20:0, Klinsmann selbst steuerte 16 Tore dazu bei (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 66). Insgesamt erzielte der jun- ge Klinsmann in seiner ersten Saison 106 Tore.
1974, im Alter von 11 Jahren, wechselte Jürgen Klinsmann zum ersten Mal den Verein (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 58).
2 Jürgen Klinsmann – Seite 3
Werner Gass, ein Nachbar der Familie, erkannte das Talent des jungen Stürmers und überzeugte die Eltern, dass ihr Sohn seine Fähigkeiten bei einem anderen Verein besser entwickeln könnte. So spielte Klinsmann ab 1974 für den SC Geislingen. 1978 wechselte er zu den Stuttgarter Kickers und wurde in die Jugend-Nationalmannschaft des DFB berufen (Vgl. hier- zu und im Folgenden: Horeni/S. 60). Er spielte für den Verein sechs Jahre lang bis 1984, länger, als er später je bei einem anderen Verein bleiben sollte. Im Alter von 16 Jahren bekam Jürgen Klinsmann seinen ersten Profivertrag angeboten, der zwei Jahre darauf in Kraft treten sollte. Eben- falls mit 16 begann er eine Ausbildung in der Bäckerei seines Vaters, da die Familie eine solide Ausbildung trotz der anstehenden Profilaufbahn für erforderlich hielt. Er absolvierte diese aus zweckmäßigen Gründen bei seinem Vater, der ihm die nötige Zeit für sein Fußballtraining gab. Im Alter von 18 Jahren bestritt er dann bei den Stuttgarter Kickers sein erstes Pro- fispiel in der zweiten Fußball-Bundesliga (Vgl. Mende/2006/S. 104).
2.1.2 Fußballprofi im In- und Ausland
1984 feierte Jürgen Klinsmann beim VfB Stuttgart sein Debüt in der ers- ten Fußball-Bundesliga (Vgl. Horeni/2005/S. 65). Bereits in der Saison 1984/85 wurde er zum Stammspieler und spielte in 32 von 34 Spielen für seine Mannschaft, in denen er insgesamt 15 Treffer erzielte (Vgl. Men- de/2006/S. 69). In seiner dritten Spielzeit für die Stuttgarter machte Klinsmann gegen den FC Bayern München das wohl spektakulärste Tor (siehe Abbildung 1) seiner Karriere, das später zum „Tor des Jahres 1987“ gewählt wurde (Vgl. Horeni/2005/S. 68).
Abbildung 1: „Tor des Jahres 1987“ durch Jürgen Klinsmann
2 Jürgen Klinsmann – Seite 4
1988 war ein erfolgreiches Jahr für den jungen Stürmer (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 69ff.). Zum einen feierte Klinsmann sein Nationalmannschafts-Debüt gegen Brasilien unter Trainer Franz Becken- bauer und spielte bei der EM in Deutschland für sein Land. Zum anderen wurde Klinsmann Torschützenkönig der Bundsliga mit 19 erzielten Tref- fern (Vgl. Mende/2006/S. 167). Obwohl sich Deutschland im Halbfinale der EM mit 2:1 gegen Holland geschlagen geben musste, begeisterte Klinsmann die Menschen und wurde mit fast 70 Prozent aller Stimmen zum „Fußballer des Jahres“ gewählt (Vgl. Horeni/2005/S. 70f.). Im glei- chen Jahr wurde Klinsmann mit der deutschen Mannschaft bei den Olym- pischen Spielen in Seoul Dritter (Vgl. hierzu und im Folgenden: Men- de/2006/S. 167). 1989 verließ er den VfB Stuttgart nach vier Runden in Richtung Italien. In 156 Spielen schoss Jürgen Klinsmann insgesamt 79 Tore für die Schwaben.
1989 startete Jürgen Klinsmann in seine erste Saison im europäischen Ausland (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 167). Er spielte in Italien für den Verein Inter Mailand und erzielte dort von 1989 bis 1992 insgesamt 34 Treffer in 95 Spielen. 1990 spielte Klinsmann in seiner neu- en Heimat um den Weltmeister-Titel mit (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 85ff.). Im Achtelfinale trafen die Deutschen auf Holland, die Klinsmann quasi im Alleingang mit 2:1 besiegte. Deutschland wurde durch einen Finalsieg gegen Argentinien schließlich Weltmeister in Italien. Im Jahr darauf gewann er mit Inter Mailand den UEFA-Cup (Vgl. Men- de/2006/S. 167).
Abbildung 2: Weltmeister Jürgen Klinsmann 1990
2 Jürgen Klinsmann – Seite 5
In seinem letzten Jahr in Italien erlitt Jürgen Klinsmann seinen ersten Karriereknick (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 95ff.). Im Verein machte er nur sieben Tore, weshalb er seinen Stammplatz im Nationalteam unter dem neuen Bundestrainer Berti Vogts verlor. Bei der EM 1992 in Schweden brach sich Rudi Völler im ersten Gruppenspiel den Arm, und nur deshalb stand Klinsmann wieder im Stammaufgebot von Vogts. Deutschland musste sich als Favorit im Endspiel gegen Dänemark mit 0:2 geschlagen geben.
Nach der EM in Schweden gab Jürgen Klinsmann im Juli 1992 seinen Wechsel zum AS Monaco bekannt (Vgl. Horeni/2005/S. 97). Die Spielwei- se seines dortigen Trainers Arsène Wenger, der viel Wert auf Teamgeist innerhalb der Mannschaft legte, sollte ihn nachhaltig beeindrucken und prägen (Vgl. Horeni/S. 104). Bereits vier Monate vor der WM 1994 in den USA verkündete Klinsmann seinen Weggang mit noch unbekanntem Ziel (Vgl. Horeni/S. 114). Er spielte in den beiden Jahren in 65 Spielen für den Verein und erzielte dabei 29 Tore (Vgl. Mende/2006/S. 167).
1993 spielte Jürgen Klinsmann mit der deutschen Nationalmannschaft um den US-Cup mit. Deutschland gewann das Finale 2:1 gegen England durch den entscheidenden Treffer von Klinsmann (Vgl. hierzu und im Fol- genden: Horeni/2005/S. 109). Er wurde nach dem Turnier als bester Schütze und bester Spieler geehrt. 1994 stand Klinsmann im deutschen Aufgebot für die WM in den USA (Vgl. Mende/2006/S. 167). Durch ein 1:2 im Viertelfinale gegen Bulgarien war das Turnier für die Deutschen vorzei- tig beendet (Vgl. Horeni/S. 113).
Abbildung 3: Klinsmann bei der WM 1994 in den USA
Nach der verlorenen WM holte Alan Sugar, Vorstandsvorsitzender der Tottenham Hotspurs, Jürgen Klinsmann in die englische Premier League
2 Jürgen Klinsmann – Seite 6
(Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 115ff.). Bereits am Ende seiner ersten Saison in England gab Klinsmann seinen Wechsel zum FC Bayern München bekannt, da ihm die Perspektiven in Tottenham zu limi- tiert erschienen (Vgl. Mende/2006/S. 77). In Deutschland wurde er im gleichen Jahr bereits zum zweiten Mal zum „Fußballer des Jahres“ ge- wählt (Vgl. Mende/S.167). 1995 avancierte er mit 29 Toren zum Welttor- jäger und wurde als erster Deutscher in England „Fußballer des Jahres“ (Vgl. Mende/S. 77). Jürgen Klinsmann erzielte in der einen Spielzeit bei den Tottenham Hotspurs 20 Tore in 41 Spielen (Vgl. Mende/S. 167).
Abbildung 4: „Fußballer des Jahres“ 1994
1995 kehrte Jürgen Klinsmann nach sechs Jahren im Ausland nach Deutschland zurück, um für den FC Bayern München zu spielen (Vgl. Mende/2006/S. 167). Am 19. Juni des gleichen Jahres heiratete er seine Freundin Debbie Chin in Kalifornien (Vgl. Horeni/2005/S. 134) und grün- dete die Kinderstiftung Agapedia, die sich um Waisen- und Straßenkinder in Osteuropa kümmert und nach Pflege- und Adoptiveltern für diese Kin- der sucht (Vgl. Mende/2006/S. 119). Ebenfalls im gleichen Jahr machte der Bundestrainer Berti Vogts den schwäbischen Stürmer zum neuen Kapitän der Nationalmannschaft (Vgl. hierzu und im Folgenden Hore- ni/2005/S. 161ff.). Unter der Führung Klinsmanns wurde die deutsche Elf ein Jahr später durch einen 2:1-Finalsieg gegen Tschechien Europameis- ter in England.
Jürgen Klinsmann wurde mit den Bayern 1996 UEFA-Cup-Sieger und 1997 deutscher Meister (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/S. 167). Während seiner zweijährigen Spielzeit bestritt er 65 Spiele für die Münch- ner und erzielte dabei insgesamt 31 Tore.
2 Jürgen Klinsmann – Seite 7
In den beiden Jahren nach der EM in England durchlief Klinsmann noch- mals zwei Stationen im europäischen Ausland, um sich bestmöglich auf sein letztes großes Ziel, 1998 Weltmeister in Frankreich zu werden, vor- zubereiten (Vgl. Horeni/2005/S. 181ff.). 1997 ging er zurück nach Italien zu Sampdoria Genua (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 167). Er blieb dort bis Dezember 1997 und schoss 2 Tore in 8 Spielen. Im gleichen Jahr, am 10. September, bestritt er sein 100. Länderspiel gegen Armenien (Vgl. Horeni/2005/S. 187). Zudem wurde sein Sohn Jonathan im Frühjahr 1997 geboren (Vgl. Horeni/S. 136).
Fünf Monate vor der WM in Frankreich verließ Klinsmann Sampdoria Ge- nua und ging ein zweites Mal nach England zu den Tottenham Hotspurs (Vgl. Horeni/2005/S. 190). Aufgrund von Differenzen mit Trainer Gross kündigte Klinsmann auch den Vertrag mit den Engländern bereits vor der WM in Frankreich zum Ende der Saison (Vgl. Horeni/S. 195). Sein letztes Profi-Spiel absolvierte Klinsmann am 03.05.1998 bei den Tottenham Hotspurs (Vgl. Horeni/S. 191) und erzielte in der gesamten Spielzeit 9 Treffer für den Verein in insgesamt 15 Spielen (Vgl. Mende/206/S. 167).
Trotz eines geglückten Starts in das WM-Turnier 1998 blieb der er- wünschte Erfolg Klinsmanns aus (Vgl. hierzu und im Folgenden: Hore- ni/2005/S. 203ff.). Die deutsche Mannschaft verlor im Viertelfinale 0:3 gegen Kroatien und Klinsmanns internationale Karriere als Fußballprofi war beendet. Ende 1998 gab Jürgen Klinsmann das Ende seiner Profi- Karriere offiziell bekannt (Vgl. Horeni/S. 224).
In seiner aktiven Fußballkarriere bestritt Jürgen Klinsmann insgesamt 108 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, in denen er 47 Treffer erzielte (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2005/S. 167). In 221 Bun- desliga-Spielen markierte er 110 Tore, in 103 Spielen in der italienischen Serie A erzielte er 36 Treffer. In seinen 65 Partien für den AS Monaco in der 1. französischen Division traf er das gegnerische Tor 29 mal, in 56 Spielen der englischen Premier League für die Tottenham Hotspurs eben- falls 29 mal. Des Weiteren erzielte er in 61 Spielen der 2. Bundesliga 22 Tore für die Stuttgarter Kickers.
2.1.3 Leben nach der Profikarriere
Nach der verlorenen WM 1998 in Frankreich wanderte Jürgen Klinsmann mit Frau Debbie und Sohn Jonathan (siehe Abbildung 5) in die Vereinig- ten Staaten aus (Vgl. Horeni/2005/S. 215ff.). Die Familie zog in eine Wohnanlage nach Huntington Beach in der Nähe von L.A., wo sie auch heute noch lebt (Vgl. Mende/2006/S. 104). Klinsmanns Frau Debbie ist Kalifornierin und ihre Eltern leben in der gleichen Wohnanlage wie die Klinsmanns (Vgl. Kocur/2006). „Die Geborgenheit der Familie ist das al- lerhöchste Gut!“ sagte Klinsmann nach seinem Umzug in die USA (Vgl. hierzu und im Folgenden Horeni/2005/S. 215ff.). Ihm war und ist die Fa-
2 Jürgen Klinsmann – Seite 8
milie sehr wichtig, er wollte seinem Sohn ein Familienleben mit Großeltern bieten und dem Rummel um seine Person in Deutschland entkommen. Klinsmann nahm sich eine berufliche Auszeit und bildete sich in dieser Zeit selbstständig über ein Fernstudium weiter (Vgl. Horeni/S. 219f.).
Abbildung 5: Familie Klinsmann
Zehn Monate nach seinem letzten Fußballspiel als Profi erhielt er eine E-mail von Mick Hoban und Warren Merserau (siehe Abbildung 6), die gemeinsam die Firma soccersolutions betrieben (Vgl. hierzu und im Fol- genden: Mende/2006/S. 112f.). Soccersolutions beschäftigt sich mit einer Reihe von Geschäftsfeldern rund um den Fußball, bspw. mit dem Marke- ting, dem Personalmanagement und der Führung eines Profiklubs. Er traf sich mit den beiden Experten aus der amerikanischen Sportindustrie, um über seine berufliche Zukunft in den USA zu sprechen. Nach zahlreichen Gesprächen stieg Klinsmann in deren Unternehmen ein und so oblag ihm bspw. die Konzeption eines Sportparks für den Fußballverein L.A. Galaxy, die Entwicklung eines Elitecamps für die besten Jugendspieler Amerikas gemeinsam mit Adidas sowie die Vermittlung von Partnerschaften zwi- schen amerikanischen Profiklubs und Vereinen aus Europa und Südame- rika (Vgl. Horeni/2005/S. 235ff.).
2 Jürgen Klinsmann – Seite 9
Abbildung 6: Klinsmanns Partner bei soccersolutions
Im Jahr 2000 erwarb Klinsmann seine Trainerlizenz durch einen verkürz- ten Trainerlehrgang des DFB (Vgl. Mende/2006/S. 118), auf welchen er sich bei dem Fußball-Verein L.A. Galaxy gut vorbereitet hatte (Vgl. Hore- ni/2005/S. 32). Mit den Kollegen, die er bei diesem Trainerlehrgang ken- nen lernte, rief er anschließend das Projekt „fussballd21.de“ ins Leben, ein Portal, das Kinder zum Sport bewegen, ein gesundes Leben sowie Spaß bringen sollte (Vgl. Horeni/2005/S. 235ff.). Im Jahr darauf wurde Klinsmanns Tochter Laila geboren (Vgl. Horeni/S. 239).
2003 feierte Klinsmann sein Fußball-Comeback (Vgl. hierzu und im Fol- genden: o.V./2003). Er spielte in der amerikanischen Premier Develop- ment League für die Orange County Blue Stars unter dem Pseudonym „Jay Goppingen“. „Ich habe mich für einen falschen Namen entschieden, weil ich kein Aufsehen erregen wollte“ begründet Klinsmann seine Ent- scheidung für den gewählten Namen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Jürgen Klinsmann für viele überraschend zum Bundestrainer ernannt wurde, ar- beitete er mit seinen beiden Partnern in der Firma soccersolutions zu- sammen (Vgl. Mende/2006/S. 113). Auch während seiner Zeit als Bun- destrainer war Klinsmann Partner bei soccersolutions (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 41). Er war zwar nicht mehr aktiv am Tages- geschäft des Unternehmens beteiligt, griff aber auf die Ressourcen seiner Firma zurück.
2.1.4 Ernennung zum Bundestrainer
„Mit dem Trainerschein habe ich eine weitere Option auf die Zukunft“, so Klinsmann nach dem absolvierten Trainerlehrgang beim DFB (Vgl. Hore- ni/2005/S. 237). Nach dem EM-Endspiel 2004 und dem Rücktritt von Bundestrainer Rudi Völler gab Jürgen Klinsmann der Frankfurter Allge- meinen Zeitung ein Interview, mit dem er auf seine Person aufmerksam machte (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/S. 254ff.). Er wies eindeu- tig auf die schlechten Dinge im deutschen Fußball und beim DFB hin und machte deutlich, dass sich etwas ändern müsste. „Wir müssen über unse- re Gesamtstruktur nachdenken! Es sind Fehler nach dem Ausscheiden passiert, die nicht passieren durften! Wir haben die einmalige Chance,
2 Jürgen Klinsmann – Seite 10
uns bei der WM im eigenen Land zu präsentieren. Die müssen wir nut- zen!“ Nachdem die Wunschkandidaten des DFB allesamt die Übernahme des Trainer-Amtes abgelehnt hatten, wiederholte Klinsmann seine Forde- rungen an den deutschen Fußball in prägnanterer Form in einem Inter- view mit der Süddeutschen Zeitung. „Man schaut, wo es nicht passt, und dann muss man Leute suchen, die das ändern können. Diese Leute gibt es! Die gesamte Trainerlehre beim DFB muss dringend reformiert wer- den!“ Nach Gesprächen mit seinem Berater Eitels und Berti Vogts traf sich Jürgen Klinsmann mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in New York und stellte seine Ideen für ein neues Konzept vor. Die neuen Ideen kamen gut an und am 29. Juli 2004 stand der neue Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft fest: Jürgen Klinsmann (Vgl. Men- de/2006/S. 167).
2.2 Leadership
Im bisherigen Verlauf der Arbeit wurde die Person Jürgen Klinsmann mit den wichtigsten privaten und beruflichen Stationen vorgestellt. Der fol- gende Abschnitt befasst sich mit Leadership und dem Leader Jürgen Klinsmann. Zu Beginn wird der Begriff Leadership definiert sowie die Auf- gabe eines Leaders beschrieben. Weiter werden wichtige Eigenschaften, über die ein erfolgreicher Leader verfügen sollte, erläutert. Anhand dieser Eigenschaften wird gezeigt, dass Jürgen Klinsmann ein Leader im be- triebswirtschaftlichen Sinne ist und somit der richtige Mann war, der die deutsche Nationalmannschaft zur WM 2006 in Deutschland geführt hat.
2.2.1 Definition und Aufgabe des Leaders
Leadership ist eine Form der Personalführung 1 und wird auch als trans- formative Führung bezeichnet (Vgl.Steinmann/Schreyögg/2005/S. 659). Es bezeichnet die Führung im eigentlichen Sinne, stets mit dem Gedan- ken des Wandels 2 verbunden (Vgl. Kotter/1991/S. 8). Im Gegensatz zum Management, bei dem Probleme kreativ gelöst werden und Bestehendes optimiert wird (Vgl. Hinterhuber/Krauthammer/2005/S. 21), wird im Lea- dership etwas Neues geschaffen (Vgl. Hinterhuber/2005/S. 16). Daher ist Leadership gerade bei großen Veränderungen die richtige Führungsform (Vgl. Kotter/1991/S. 8). Die aktive Gestaltung der Veränderungen ist die Aufgabe des Leaders (Vgl. hierzu und im Folgenden: Stein- mann/Schreyögg/2005/S. 660). Als Leader wird die Führungskraft be- zeichnet, die andere Menschen dazu bringen kann, von dem überzeugt zu sein, was sie selbst erreichen möchte. Hierfür gibt der Leader eine Vision 1 Personalführung bezeichnet die zielorientierte Einflussnahme auf andere (Vgl. Brö- ckermann/2000/S. 35) 2 Wandel bedeutet die Veränderung von Bestehendem. Change Management ist das Instrument, das den Wandel vollzieht, und wird unter Punkt 3 noch näher erläu- tert.
Arbeit zitieren:
M. Gesenhues, A. Waltrich, N. Huppmann, 2006, Management 'by Klinsmann', München, GRIN Verlag GmbH
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