Im Großen und Ganzen beschränken sich die Hauptargumente auf zwei Argumentationsstränge: Zum einen bestreiten ID-Theoretiker, wie bspw. William Dembski, einer der bekanntesten ID-Befürworter, dass derartig komplexe Wesen, wie der Mensch, durch eine Reihe von zufälligen Mutations- und Selektionsprozessen entstanden sein können. Begründend wird angeführt, dass bei solch komplexen Lebewesen, wie sie existieren, davon ausgegangen werden muss, dass nur eine Intelligenz fähig ist, diese zu kreieren. Untermauert wird dieses Argument mit einem Vergleich zwischen einem materiellen, aber ebenfalls komplexen, Artefakt und dem Lebewesen: Ebenso wie nicht bezweifelt werden kann, dass bspw. eine Uhr von einem intelligenten Lebewesen geschaffen worden ist, müsse angenommen werden, dass etwas weitaus Komplexeres, nämlich ein Lebewesen wie bspw. der Mensch, ebenfalls von einem intelligenten Wesen geschaffen worden sein müsse. Das Argument der spezifizierten Komplexität, oder auch komplex-spezifizierte Information (CSI) soll erklären, dass eine komplexe Form nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit durch Zufall entstehen kann. Jedes Wesen zeigt demnach spezifisch komplexe Muster, welche nur auf einen intelligenten Designer schließen lassen können. Zur Stärkung dieses Arguments unternimmt Dembski Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die eine Evolution ausschließen.
Das zweite Signal oder Argument pro ID ist die so genannte nichtreduzierbare Komplexität von Systemen, die einer der führenden ID-Theoretiker, Prof. Michael Behe, in seinem Buch Darwins Black Box erläutert. Demnach setzt sich ein komplexes System aus mehreren zusammenwirkenden Teilen zusammen, die jedes für sich zu einer Basisfunktion des Systems beitragen. Fällt nur ein Teil des Systems aus oder hört auf zu funktionieren, ist das gesamte System gestört. Dieses Argument soll zum einen den Ursprung von Leben explizieren, zum andern vor allem Darwin widerlegen. Den Ursprung des Lebens durch einen intelligenten Akteur meint dieses Argument zu beweisen, denn dieser ist der einzige, der komplexe Systeme in ihrer Vollkommenheit schaffen kann. Wichtiger scheint aber an diesem Argument, die scheinbare Widerlegung der Evolution: Denn, wenn es sich gemeinschaftlich organisierende Systeme gibt, deren Funktion beim Ausfallen eines Teiles gesamtheitlich gestört wird, scheint es unmöglich, dass durch Evolution, also quasi durch Mutationen, allmählich ein komplexes System
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entstanden sein kann. Eine Entwicklung im Sinne der Evolution müsse ausgeschlossen werden, da sich nicht-funktionierende, weil nicht komplexe, also funktionslose Systeme nicht evolutionär weiterentwickeln könnten. Würde man eine evolutionäre Entwicklung unter Ausblendung jeglicher wissenschaftlicher Ergebnisse der Biologie, Paläontologie, Anatomie, Biogeographie, etc. tatsächlich in Frage stellen, scheint es durchaus möglich, diese Argumente nachzuvollziehen. Jedoch tritt ein grundlegendes Problem auf, dass die Wissenschaftlichkeit der ID-Theoretiker in Frage stellt, noch bevor man überhaupt die Argumente pro oder contra ID-Theorie diskutiert. Wissenschaftlichkeit zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass nicht ziel- oder ergebnisorientiert gearbeitet wird. Es ist nicht im Sinne der Wissenschaft, ein Modell oder eine Theorie zu entwerfen, und dieses dann nur mit Daten und Hypothesen zu untermauern, die gerade zuträglich für den Entwurf sind. Wissenschaftlichkeit heißt, alle empirischen Belege aufzunehmen und ihre Kohärenz mit der jeweiligen Theorie zu prüfen und im Falle eines Widerspruchs die Theorie auch verwerfen zu können, zu falsifizieren. Das bedeutet bei empirischen Wissenschaften, wie der Evolutionslehre, dass sie zum Teil lückenhaft, zum Teil aber auch spekulativ bleibt. Das ist aber nicht als Mangel oder Schwäche der Theorie zu betrachten, sondern schlicht charakteristisch für Naturwissenschaften. Was machen jedoch die Vertreter der ID-Theorie? Zum einen scheint es, als definierten sie ihre Theorie über die Negation der Evolutionstheorie, in dem sie deren Lückenhaftigkeit nutzen und hier ihre „Beweise“ für einen intelligenten Designer ansiedeln. Beispielsweise wird, wie im ersten vorgestellten ID-Argument, die zufällige, evolutionäre Entwicklung eines komplexen spezifizierten Lebewesens in Frage gestellt und als Beweis werden Wahrscheinlichkeitsrechnungen angeführt, die die zufällige Entwicklung ausschließen sollen. Zugegebenermaßen wäre es so, dass würde man die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass sich aus einem Zellhaufen selbst in Jahrmillionen ein Mensch entwickelt, das Ergebnis wahrscheinlich eher unerfreulich ausfallen würde und der Glaube an einen intelligenten Designer würde gestärkt würde. Jedoch beachten ID-Theoretiker folgendes nicht: In Jahrmillionen hat sich aus einem Zellhaufen nicht zufällig der Mensch als komplex-spezifiziertes Lebewesen herausgebildet, sondern durch spontane Veränderungen, Mutationen - also vielmehr Fehlleistungen - haben
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Arbeit zitieren:
Cornelia Clauss, 2006, Intelligent Design als Alternative zu Darwins Evolutionstheorie?, München, GRIN Verlag GmbH
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