Inhalt
1. Einführung 3
2. Biographie 4
3. Gert Ledig als Autor 6
3.1 Die Stalinorgel 6
3.2 Vergeltung 9
3.3 weiteres literarisches Wirken 12
4. W. G. Sebalds Thesen in Zusammenhang mit dem Werk Vergelung 13
5. Schlussbemerkung 16
6.Bibliographie 17
1. Einführung
Im Spätherbst 1997 initiiert der deutsche Schriftsteller und Germanist W. G. Sebald die Diskussion um „Luftkrieg und Literatur“ in seinen Züricher Vorlesungen, welche er 1999 in leicht abgewandelter Form als Buch veröffentlicht. Sebald wirft der deutschen Literatur vor, angesichts des Grauens des Luftkrieges versagt zu haben. Im Rahmen der im Anschluss daran aufflammenden Diskussion erinnerte man sich an den Roman „Vergeltung“ Gert Ledigs, welcher das Geschehen während des Bombardements einer deutschen Großstadt beschreibt.
Gert Ledig, ein bis dahin literarisch völlig im Dunkeln versunkener Mann, wird von dem Spiegel-Redakteur Volker Hage als Reaktion auf Sebalds These ins Gespräch gebracht. Ledig ist in den Fünfzigern und Sechzigern teilweise ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, gibt das Schreiben aber Mitte der Sechziger auf und gerät in Vergessenheit. Volker Hage treibt Ledig in Utting am Ammersee auf, berichtete im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über dessen Vergessen, besorgt eine Neuauflage von „Vergeltung“ und gibt damit den Anstoß zur Wiederentdeckung dieses großen deutschen Nachkriegsschriftstellers.
Seinerzeit, 1956, mit seinem Werk „Vergeltung“ scharf kritisiert und abgelehnt, sieht man ihn heute ganz anders. In den fünfziger Jahren des Nachkriegsdeutschlands hat niemand Interesse daran, sich an das kaum zehn Jahre zurückliegende Grauen zu erinnern, etwa über grauenvoll sterbende Frauen und Kinder zu lesen. Ist es doch kaum und endlich überstanden und dennoch so gegenwärtig, als wäre es erst gestern gewesen. Ledig ist damals, wie schon erwähnt, in der literarischen Szene kein Unbekannter. Sein Roman „Stalinorgel“ gilt vielen als bester Roman über den Zweiten Weltkrieg, sein Au-tor gehört demnach „in die vorderste Reihe der deutschen Gegenwartsliteratur“. Ja, sogar internationaler Erfolg bleibt ihm mit „Stalinorgel“ nicht verwehrt, wird der Roman doch in 14 Sprachen übersetzt. Stilistisch ähnlich aufgebaut und in seinen Schilderungen nicht weniger schonungslos und brutal, hat dieser jedoch das Sterben und Dahinve- getieren an der Front zum Thema und nicht das Leiden und Sterben der Zivilbevölke-
rung. Nicht Alte und Kranke, nicht Frauen und Kinder sind hier völlig wehrlos dem Tod und den Qualen ausgeliefert. Nein hier sind es Soldaten. Dies kann die geschundenen Seelen jener Zeit noch verarbeiten. Was darüber hinaus geht, und ist es doch genauso eine Realität jener Zeit, wird nicht toleriert.
Auch W. G. Sebald berücksichtigt Ledigs Werk in seiner Urfassung nicht. Als dieser sich später, aufgrund verschiedener Reaktionen auf seine Vorlesungen, genötigt sieht, darauf einzugehen, macht er dies auch nur am Rande.
Dass Gert Ledigs Werk nach Sebalds These angesichts des Geschehenen versagt hat, ist meiner Meinung nach nicht korrekt. Dies werde ich im Nachfolgenden ausführen.
2. Biographie
Robert Gerhard Ledig wird am 4. November 1921 als Sohn eines Kaufmanns in Leipzig geboren. Seine Familie siedelt bald nach Wien über, wo sein Vater eine Maschinenfabrik leitet.
Nach einem Jahr kehrt er mit seiner Mutter nach Leipzig zurück, um bei seinen Großeltern mütterlicherseits zu wohnen. Zu dieser Zeit wird die Familie vom Vater wie auch anderen Verwandten finanziert. In Leipzig besucht Ledig eine Versuchsklasse der pädagogischen Lehranstalt. Im privaten Bereich legt man viel Wert auf kulturelle Bildung, was unter anderem Theaterbesuche mit sich bringt. Als Ledig 13 Jahre alt ist, werden er sowie seine Mutter durch den Selbstmord seiner Tante in finanzielle Bedrängnis gebracht.
1936 verlässt Ledig fünfzehnjährig die Schule und arbeitet für ein Jahr in einer Schokoladenfabrik. Danach nimmt er eine Stelle als Ausgeher in einem Elektrobetrieb an und besucht eine elektrotechnische Fachschule. Das Jahr 1938 ist wohl eines der schwersten in Ledigs Leben. Seine Mutter sowie seine Großmutter nehmen sich das Leben. Durch diesen Schicksalsschlag schwer getroffen zieht Gert Ledig zu seinem Onkel nach Wien. Dies wird unter anderem durch seinen Vater ermöglicht, da dieser sich nun wieder fi- nanziell großzügiger um seinen Sohn kümmert.
In dieser Zeit besucht er auch eine Theaterschule mit dem Ziel Regisseur zu werden. Jetzt entstehen auch erste literarische Arbeiten, zu deren Gunsten Ledig jedoch nicht die Schule abbricht.
Als Achtzehnjähriger meldet er sich freiwillig bei Kriegsbeginn zu den Pionieren. Er absolviert eine zweimonatige Ausbildung, nach deren Ende er an die Westfront geschickt wird. Dort zum Gefreiten befördert, wird er als Reserveoffizier vorgeschlagen und später zum Unteroffizier befördert. Ein halbes Jahr übt er eine Ausbildertätigkeit auf einer Pionierschule in Frankreich aus, von wo aus er 1941 an der Ostfront eingesetzt wird. Dort wird er zum ersten Mal verwundet und wegen Unstimmigkeiten mit einem Vorgesetzten in eine Strafkompanie versetzt. Später kämpft er in der karelischen Landenge sowie vor Leningrad. 1942 wird Gert Ledig ein zweites Mal schwer verwundet und als kriegsuntauglich eingestuft. Jetzt macht Ledig eine technische Ausbildung zum Schiffbauingenieur und wird Sachbearbeiter bei der Kriegsmarine. Seit Kriegsende 1945 ist er als Holzfäller, Gerüstbauer, Hausierer, Vertreter und Kunstgewerbler tätig. Auch tritt er gleich bei Kriegsende der westdeutschen KPD bei und besucht, wie auch später noch des öfteren, die Ostzone. Zu einer Übersiedlung oder einem längeren Aufenthalt kommt es jedoch aus verschiedenen Gründen nicht. 1950 bis 1953 arbeitet er im amerikanischen Hauptquartier in Österreich als Dolmetscher, wobei er nebenbei in Salzburg Hochschulvorträge besucht und sich psychologischen Studien widmet. 1953 beendet er dann seine Tätigkeit als Dolmetscher und beginnt zu schreiben. Dies ermöglicht er sich durch kleinere Gelegenheitsarbeiten. 1955 erscheint dann sein erster Roman „Stalinorgel“, welcher von allen Seiten nur Lob und Zuspruch erhält. Auch wird er zum Frühjahrstreffen der Gruppe 47 eingeladen, was er allerdings nicht wahr nimmt. In den Jahren 1956 und 1957 kommt es zu Zusammenkünften, wobei sich Ledig allerdings nicht dazu entschließen kann beizutreten. Später wird er sagen, dass er die Gespräche der Gruppe 47 - aber auch des P.E.N. - für Gequassel hielt.
1956 folgt auch schon gleich sein zweites Werk „Vergeltung“ und 1957 sein drittes „Faustrecht“. 1958 wird dann auch Ledigs Hörspiel „Das Duell“ herausgegeben. Nun widmet er sich anderen Themen, schreibt ab 1960 Handbuch- und Ratgeberlitera- tur, um Mitte der sechziger Jahre dann ganz das Schreiben aufzugeben.
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Björn Müller, 2003, Gert Ledigs "Vergeltung" im Kontext von W. G. Sebalds "Luftkrieg und Literatur", Munich, GRIN Publishing GmbH
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