Gedichtinterpretation:
Georg Trakl- „An die Verstummten“ (1913)
von: Olivia Winter
WS 2006/2007, 3. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Interpretation des Gedichts „An die Verstummten“ von Georg Trakl Seite 3 - 9
3. Inwiefern stimmt das Gedicht „An die
Verstummten“ von Georg Trakl mit den
Vorstellungen in Filippo Tommaso
Marinettis Manifest „Die futuristische
Literatur. Technisches Manifest“ überein? Seite 9 – 12
4. Das Gedicht Seite 13
5. Literaturverzeichnis Seite 14
1. Einleitung
Als Thema meiner Gedichtinterpretation im Grundkurs A „Einführung in die neuere deutsche Literatur - Expressionismus“ habe ich das Gedicht „An die Verstummten“ (1913) von Georg Trakl gewählt. Ich habe mich für ein Gedicht Trakls entschieden, da ich ihn für einen besonderen Künstler seiner Zeit halte und seine Lyrik schon seit Jahren gerne lese.
Ich werde zunächst in Punkt zwei das Gedicht in Zusammenwirkung von inhaltlichen und stilistischen Aspekten Vers für Vers interpretieren.
Weitergehend werde ich in Punkt drei einen weiteren Text in meine Arbeit einbeziehen. Filippo Tommaso Marinettis „Die futuristische Literatur. Technisches Manifest“. Dieses Manifest beinhaltet eine Art Richtlinie für die expressionistische Literatur. Nachdem ich Trakls Gedicht analysiert habe, wird es mir möglich sein zu vergleichen, inwiefern das Gedicht den Vorstellungen Marinettis gerecht wird.
2. Analyse des Gedichts „An die Verstummten“ von Georg Trakl
Das Gedicht „An die Verstummten“ besteht aus drei Strophen, in denen viele Bilder aneinander gereiht werden. Die Anzahl der Verse nimmt von Strophe zu Strophe ab, als würden dem lyrischen Ich die Worte ausgehen.
Der Titel ist durch das „An“ direkt an jemanden gerichtet. In diesem Fall „An die Verstummten“, an die verstummte Menschheit, wahrscheinlich an alle, die durch eine passive Haltung schweigen, aber wer genau angesprochen wird, erschließt sich durch die Analyse des Gedichts.
Strophe eins ist die längste Strophe und besteht aus fünf Versen. Vers eins birgt die Thematik des Gedichts in sich: Die Großstadt und Dunkelheit. Der Vers beginnt mit dem Ausruf „O“ (Z.1), welcher im Nachfolgenden auch in Vers fünf und neun als Satzeinleitung dient. Durch die Wiederholung dieses Terminus prägt er sich beim Leser ein. Desweiteren kann man „O“ als einen Ausdruck der Klage werten. In diesem Vers beklagt das lyrische Ich den „Wahnsinn der großen Stadt“ (Z.1). Durch das Wort „Wahnsinn“ drückt es seine Aversion gegen die Stadt aus und beklagt die Zustände in ihr. „Da am Abend“ (Z.1) macht deutlich, dass sich das Szenario im Dunkeln abspielt. Vers eins ist ein Enjambement, was dem Leser den Einstieg in das Gedicht erleichtert. Dementsprechend steht am Ende von Vers eins ein Komma und steht in direktem Zusammenhang zu Vers zwei.
Dort geht das lyrische Ich genauer auf seine Klage im vorausgegangenen Vers ein: „An schwarzer Mauer verkrüppelte Bäume starren“ (Z.2). Zunächst analysiere ich den Terminus „schwarz“[…](Vgl. Z.2). Wenn es sich überhaupt um eine Farbe handelt, so ist es die dunkelste aller Farben. Dadurch steht der Zusammenhang zu Tod und Zerstörung. Dies wird umso deutlicher, wenn wir das Adjektiv mit dem ihm zugeordneten Substantiv betrachten. Die Schwarzfärbung der Mauer deutet auf eine starke Verschmutzung der Stadt hin, womöglich durch die Industrie. An eben diese Mauern lehnen sich „verkrüppelte Bäume“ (Z.2). Die Natur ist dem Untergang geweiht, denn gesunde Bäume sind nicht „verkrüppelt“[…](Vgl.Z.2), sondern grün. Den Bäumen wird das Verb „starren“ (Z.2) zugeordnet, wodurch die Bäume vermenschlicht und somit zu Repräsentanten für das Lebendige werden. Für gewöhnlich umschließen Mauern eine Stadt und wenn Bäume sich an ihnen anlehnen, kann man daraus schließen, dass das kranke, elendige Leben in den Randbezirken der Stadt verkommt.
Im dritten Vers wird verdeutlicht, wer nicht zu Grunde geht. Das lyrische Ich berichtet von einer „silbernen Maske“ (Z.3) aus welcher „der Geist des Bösen schaut“ (Z.3). „Silber“[…](Vgl.Z.3) ist zunächst ein Symbol für Reichtum, aber es strahlt auch eine gewisse Kälte aus. Den Terminus „Maske“(Z.3) verwendet man häufig als Metapher für Hinterlistigkeit und Unehrlichkeit, sowie wenn jemand etwas zu verbergen hat bzw. sich hinter etwas verstecken will. Zusammen genommen könnte die „silberne Maske“[…](Vgl.Z.3) ein Fenster sein. Durch die Symbolik des Reichtums könnte man vermuten, dass es sich um ein Fenster handelt, hinter welchem sich der wohlhabendere Teil der Bevölkerung befindet. Diese Menschen stellen den „Geist des Bösen“(Z.3) dar. Die negative Seite des „Bösen“(Z.3) wird durch die Bedeutung der Farbe Silber (Kälte und Reichtum), sowie die der Maske verstärkt. Man könnte sich fragen, warum Trakl hier nicht die Farbe Gold gewählt hat, um den Reichtum anzudeuten, da Gold wertvoller ist als Silber. Es ging Trakl also wirklich um die weitere Symbolik von Silber, der Kälte. Hätte er Gold gewählt, hätte die Maske etwas Freundliches, Warmes erhalten und dies wollte er scheinbar vermeiden.
Im folgenden Vers heißt es „Licht mit magnetischer Geißel die steinerne Nacht verdrängt“ (Z.4). Da dieser Vers durch ein Semikolon vom Vorangegangenen getrennt ist, sind die beiden Verse miteinander verbunden. Das Licht käme also, wenn die Annahme es handle sich bei der „silbernen Maske“ […](Vgl.Z.3) um ein Fenster, aus eben diesem.
[...]
Arbeit zitieren:
Olivia Winter, 2007, Gedichtinterpretation: Georg Trakl - An die Verstummten (1913), München, GRIN Verlag GmbH
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