Inhalt
Inhalt. 2
1. Seminar „Soziale Bewegungen, Aufstände und Rebellionen“ 3
2. Quellenlage. 3
3. Definition: Machtkonzept 3
4. Die klassische Guerilla 4
5. Zapatistische Gesellschaftsanalyse 5
5.1. Hegemonie. 5
6. Ideengeschichtliche Einordnung. 5
6.1. Antonio Gramsci 6
6.2. Michel Foucault 7
7. Internationale Analogien 7
8. Machtpolitik. 8
8.1. Kategorischer Machtverzicht 8
8.2. Demokratisierung. 8
8.2.1. Konstitutionelle Demokratie 9
8.2.2. Direkte Demokratie 9
8.3. Autonomie 9
8.4 Innere Struktur. 10
9. Politik der Abgrenzung 10
9.1. Einzelpersonen 10
9.2. Andere linke Organisationen. 11
9.2.1. EPR 11
9.2.2. PRD. 12
10. Aussicht 12
11. Literatur 14
2
1. Seminar „Soziale Bewegungen, Aufstände und Rebellionen“
Das Seminar „Soziale Bewegungen, Aufstände und Rebellionen“ am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin beschäftigte sich im Wintersemester 2001/02 mit „Widerstands- oder Aufstandsbewegungen..., deren Wirkungsgrad sehr unterschiedlich war oder erst im historischen Abstand neu entdeckt und interpretiert werden konnte.“
Da als Studienobjekt „für die Gegenwart die neue Zapatistenbewegung (EZLN) in Chiapas seit 1994“ 1 behandelt wurde, ist sie Gegenstand dieser Arbeit. Besonderes Augenmerk galt dabei der Herausstellung von Spezifika, die die Zapatisten von anderen, früheren und heutigen Guerilla-Gruppen und Aufstandsbewegungen unterscheiden. Dargestellt wurde auch „die Bewegung der Landlosen in Brasilien“ und „die Arbeit von Barrington Moore (1966) ... deren Befunde ... mit lateinamerikanischen Bewegungen verglichen werden“ 2 sollte. Strukturiert war das Seminar neben Einführungen der Dozentin durch Referate der teilnehmenden Studierenden.
2. Quellenlage
Die Quellensituation ist insgesamt als unbefriedigend zu bezeichnen. Das Thema betreffende Sekundärliteratur hat in aller Regel eher politischen, denn im engeren Sinne wissenschaftlichen Charakter, gerade zur ideengeschichtlichen Einordnung des zapatistischen Ansatzes liegt (zumindest dem Autor) kaum geeignetes Material vor. Die hier getroffenen Aussagen beziehen sich also auf im Seminar getroffene Feststellungen und dem Studium diverser Publikationen politischer Gruppen, marxistischer TheoretikerInnen und einiger Presseerzeugnisse.
3. Definition: Machtkonzept
Unter dem zapatistischen Machtkonzept ist hier zweierlei zu verstehen. Zum einen ein allgemeines, quasi politologisches Verständnis von Macht und ihrer Wirkungsweise und zum anderen die daraus gezogenen Konsequenzen für das eigene politische Handeln und die eigene Machtstrategie.
1 Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis, 2001, S. 23
2 ebd. S. 23
3
Einem möglichen Missverständnis sei an dieser Stelle vorgebeugt: In vielen der deutlich propagandistisch und narrativ gehaltenen Veröffentlichungen der EZLN/ FZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) ist von „der Macht“ die Rede, wenn es um die Herrschenden, genauer die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Eliten Mexikos geht. Hier jedoch meint Macht stets ein soziales Verhältnis und nicht dessen Personalisierung, zumal die Gleichsetzung von Macht und Mächtigen auch den Grundlagen des zapatistischen Politikansatzes widerspricht, wie dieser Aufsatz zu zeigen versuchen wird.
4. Die klassische Guerilla
Auf beiden Ebenen lassen sich die mit dem zapatistischen Ansatz verbundenen Innovationen am leichtesten in der Kontrastierung mit der Politik der klassischen Guerilla aufzeigen. Denn bereits auf der Analyseebene bricht die EZLN radikal mit früheren Vorstellungen anderer lateinamerikanischer Aufstandsbewegungen, die vor allem an den Arbeiten und dem praktischen Beispiel des Argentiniers Ernesto Che Guevaras (14.06.1928 - 09.10.1967) orientiert waren und zum Teil noch sind.
Der guevaristischen Konzeption zufolge geht Macht von einem eindeutig zu lokalisierenden Zentrum aus - den Mächtigen - und wird allein mit Mitteln des Zwanges und der Gewalt durchgesetzt. Die Hauptinstanz dabei ist der Staat mit seinen Repressionsorganen (Militär, Polizei, Geheimdienst). Macht scheint demzufolge eroberbar durch die Entwicklung von Gegenmacht in Form von Gegengewalt, durch das Besetzen bestimmter Institutionen und Positionen und die Entmachtung und gegebenenfalls Liquidation bisheriger Machthaber. Mit dieser Reduktion der Machtfrage allein auf die militärische Ebene übertrug Guevara das leninistische Avantgardekonzept und den ländlichen Klassenkampf Mao Zedongs und der KP Chinas auf lateinamerikanische Verhältnisse. Der revolutionäre Kampf wird dabei zur Auseinandersetzung einer geschlossenen, relativ kleinen Elite (der Partei bzw. Guerilla) mit den Herrschenden und ihren Helfern.
Aber selbst im Gegensatz zur Konzeption und Praxis der frühen Bolschewiki (1903 -1921), aber auch der frühen chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong, sind die Aktionen Che Guevaras, aber auch der Stadtguerillas der Tupamaros (MLN) eher militaristisch und der Bevölkerungsmehrheit fremd geblieben. Große Teile der Bevölkerung konnten allenfalls durch die logistische Unterstützung Relevanz erlangen. 3 Die meisten Befreiungs-
3 vgl:Che Guevara, Ernesto: Der Partisanenkrieg, Berlin 1962 bzw.: Che Guevara, Ernesto: Guerillakampf
und Befreiungsbewegung, in: Gross, H.-E.: Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Band 1, Bonn 1990
4
bewegungen Lateinamerikas blieben bis zu dessen Zusammenbruch am realsozialistischen Machtblock orientiert, vor allem an der Sowjetunion, Kuba und China, auf deren politische, logistische, finanzielle und militärische Unterstützung sie angewiesen waren. Der Neuanfang der EZLN/ FZLN ist daher auch als Phänomen der postsozialistischen 1990er Jahre zu sehen.
5. Zapatistische Gesellschaftsanalyse
Im Gegensatz dazu begreift der Ansatz der EZLN Macht als die Summe einer Vielzahl verschiedenster Mechanismen auf allen sozialen Ebenen: Nicht nur in der gesamtgesellschaftlichen Sphäre staatlicher Unterdrückung, sondern auch auf der Mittelebene verschiedener sozialer Teilsysteme und der individuellen Mikroebene von alltäglichen Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Gesten.
5.1. Hegemonie
Das wichtigste Mittel der Machterhaltung ist demnach nicht Repression von oben sondern kulturelle, soziale und politische Hegemonie, d.h. die positive Identifikation auch der Beherrschten mit hegemonialen Werten, Normen und Ideologien und dem politischen Status Quo. Macht äußert sich also auch in der Umformung und Konditionierung der Beherrschten und nicht nur in ihrer (militärischen und polizeilichen) Unterdrückung.
6. Ideengeschichtliche Einordnung
Eine ideengeschichtliche Einordnung der eigenen Politik widerspräche der politischen Kultur der Zapatisten, denen die Anbindung der eigenen Intervention an die unmittelbare Lebenswelt wichtiger ist als die abstrakte inhaltliche Debatte. Auch in der bisher vorliegenden Sekundärliteratur wird diese nur unzureichend vorgenommen. Doch trotz der viel proklamierten und tatsächlichen Nähe zur einfachen Bevölkerung und dem Bruch mit konventionellen Politikformen ist der zapatistische Ansatz in der Tradition früherer Gruppen und Diskurse zu sehen. Vor allem unter den Vordenkern und Kommandanten der Führungsebene finden sich relativ viele Intellektuelle mit politischer bzw. sozialwissenschaftlicher Vorbildung. Bekanntestes Beispiel ist hier natürlich Subcommandante Marcos, ein ehemaliger
Arbeit zitieren:
Hannes Heine, 2002, Die Machtkonzeption der EZLN aus ideengeschichtlicher Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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