Inhalt
1. Einleitung 1
2. Soziale Probleme 2
2.1 Ethnische Minderheiten und Integration als soziales Problem 2-3
3.Ethnische Gruppen, Ethnische Minderheiten und Ethnizität 3-5
4. Integration ethnischer Minderheiten 5-7
5.Ethnische Schichtung 7-9
5.1Ethnische Schichtung in der BRD 9-10
5.2 Folgen ethnischer Schichtung auf die Integration 10 -11
5.3 Fremdethnisierung und ethnische Schichtung 11- 13
6.Selbstethnisierung 13- 14
6.1 Folgen von Ethnisierung für die Integration 14- 16
7. Ethnische Schichtung und Ethnisierung als Integrationshemmnisse 16-17
8. Rekurs: Integration als soziales Problem 17-19
9. Schlussbemerkung und Ausblick 19-21
10. Literatur 22-24
II
1.Einleitung
Zunehmende kommt es zu Debatten über Integrationsschwierigkeiten ethnischer Minderheiten. Es ist in den Medien vom „Ende der Multikulti -Lüge“ von „Parallelgesellschaften“ und von der „Integrationsunwilligkeit“ ethnischer Minderheiten die Rede.
Die Integration vor allem von Zuwanderer- Minderheiten wird als soziales Problem thematisiert, das gesamtgesellschaftliche Folgen hat und Maßnahmen erfordert.
Die Debatte geht teilweise von einer mangelnden Integrationsbereitschaft der Minderheitsgesellschaft aus und kritisiert die Bildung ethnischer Kolonien, den Rückzug in die eigene ethnische Gruppe und den Widerstand gegen kulturelle Muster des Aufnahmelandes.
In dieser Arbeit möchte ich nun den Hintergründen dieses sozialen Problems auf den Grund gehen. Schwerpunkte bilden in diesem Zusammenhang die ethnische Schichtung sowie Prozesse der Selbst -und Fremdethnisierung und die Folgen auf die Integration von ethnischen Minderheiten.
Zunächst werde ich versuchen den Begriff „soziales Problem“ zu umreißen um dann die Integration ethnischer Minderheiten in den Kontext sozialer Probleme einzuordnen. Im Folgenden werde ich eine Definition von ethnischen Gruppen, ethnischen Minderheiten und Ethnizität geben. Dann werde ich das
Integrationskonzept Hartmut Essers vorstellen. Darauf werde ich den Prozess der ethnischen Schichtung und seine Folgen auf die Integration schildern. Im Anschluss werde ich dann Prozesse der Zuschreibung ethnischer Zugehörigkeit durch die Mehrheitsgesellschaft und durch die Gruppe der ethnischen Minderheit mit ihren Folgen erläutern.
Deutlich werden sollen die Auswirkungen von Ethnischer Schichtung und Ethnisierungsprozessen auf die Integration. Integration soll als soziales Problem bearbeitet werden, welches im gesellschaftlichen Kontext steht und Thema politischer Diskurse und Debatten ist. In diesem Zusammenhang soll auch die strategische Nutzung und mediale Verarbeitung des sozialen Problems klar werden.
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2.Soziale Probleme
Der gemeinsame Hauptaspekt im Bezug auf eine Theorie sozialer Probleme ist die kollektive Definition eines sozialen Tatbestandes als Soziales Problem. Strittig ist, ob und in welche Weise diese kollektive Definition auf konkreten gesellschaftlichen Bedingungen aufbaut oder ob soziale Probleme unabhängig davon konstruiert werden. Unabhängig von dieser Diskussion lassen sich drei Elemente von sozialen Problemen festhalten.
Das erste Element eines sozialen Problems ist der Bezug auf bestimmte soziale Bedingungen, Strukturen oder Situationen, die als Störung, Widerspruch oder Funktionsproblem der Gesellschaft analysiert werden können. Das zweite Element ist die Wahrnehmung, Benennung oder kollektive Definition als Soziales Problem. Das dritte Element ist die Wahrnehmung der Notwendigkeiten von Veränderung der Situation und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen und Politik (Groenemeyer 18 ff). Im kollektiven Definitions- Prozess setzen sich verschiedene Akteure mit verschiedenen Definitionspotentialen und Ressourcen (wie z. B Macht) dafür ein um bestimmte Deutungsmuster und Sachverhalte als Soziale Probleme in den öffentlichen und politischen Arenen zu platzieren. Soziale Probleme können demnach auch strategisch genutzt werden .Sie sind häufig das Ergebnis von Interessendurchsetzungen und eingebettet in Ideologien. Soziale Probleme sind damit „ Bestandteil gesellschaftlicher Auseinandersetzung und politischer Konflikte, in denen die Art und das Ausmaß der Thematisierung sozialer Probleme entwickelt wird“ (Groenemeyer 1999: 20).
2.1 Ethnische Minderheiten und Integration als soziales Problem
Die vorliegende Arbeit behandelt einen Teilbereich der sozialen Problematik ethnischer Minderheiten. Das soziale Problem, dass hier analysiert werden soll, wird in der medialen Debatte teilweise als „Integrationsunwilligkeit“ ethnischer Minderheiten und Migranten thematisiert. Wertfreier kann man von der Integrationsproblematik ethnischer Minderheiten sprechen. Diese Problematik beinhaltet die räumliche Segregation von ethnischen Minderheiten, der Widerstand gegen kulturelle Muster der Mehrheitsgesellschaft, den Rückzug in die eigene ethnische Gruppe und weitere Problembereiche, die in der These münden, dass in Deutschland ein soziales Problem im Bezug auf
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die Integration von Minderheiten vorliegt. Die öffentliche Diskussion von den Problemen „der Rütli Schule“, „Ehrenmorden“ und mangelnden Sprach- und Bildungskompetenzen ethnischer Minderheiten fällt in diesen Komplex. Zu beobachten ist, dass weniger die objektiven Problemlagen des Problems der Integration öffentlich debattiert werden, als die Auswirkungen ebendieser. In dieser Arbeit möchte ich mich nun den Hintergründen dieser Integrationsproblematik zuwenden, die ich in ethnischer Schichtung und Ungleichheit, sowie in Ethnisierungsprozessen sehe.
3.Ethnische Gruppen, ethnische Minderheiten und Ethnizität Ethnische Gruppen sind Teilbevölkerungen von staatlich verfassten Gesamtgesellschaften. Diese Teilbevölkerungen sind wiederum Angehörige eines Volkes oder Teile von Völkern. Ethnische Gruppen haben eine Vorstellung einer gemeinsamen Herkunft, sowie ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein und sind durch Gemeinsamkeiten von Geschichte und Kultur gekennzeichnet. Ein kollektives Bewusstsein entsteht aus der Gruppe selbst und durch Zuschreibungen von außen, genauer seitens anderer Gruppen (Heckmann 1992: 55).
Die klassische Definition einer ethnischen Gruppe formulierte Max Weber: „Wir wollen solche Menschengruppen, welche auf Grund von Ähnlichkeiten des äußeren Habitus oder Sitten oder beider Erinnerung an Kolonisationen und Wanderung einen subjektiven Glauben an eine Abstammungsgemeinschaft hegen, derart, dass dieser für die Propagierung von Vergemeinschaftung wichtig wird, dann, wenn sie nicht Sippen darstellen, ethnische Gruppen nennen, ganz einerlei, ob eine Blutsverwandtschaft objektiv vorliegt oder nicht “(Weber 1972:237). Ethnische Gruppen existieren also nicht von sich aus, sondern sie entstehen durch bestimmte Definitions- und Zuschreibungsprozesse. Ethnische Minderheiten sind nun ethnische Gruppen mit spezifischen Merkmalen. Der Begriff der Minderheit meint zum einen die ethnische Andersartigkeit gegenüber der ethnischen Gruppe der Mehrheits-Gesellschaft. Hier spielt die Ethnizität eine wichtige Rolle im Bezug auf Zuordnung zur ethnischen Minderheiten Gruppe, die durch die Mitglieder der ethnischen Gruppe selbst und durch die Mitglieder der Gruppe der ethnischen Mehrheit erfolgt. “
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Ethnizität bezeichnet handlungsrelevante Tatsache, dass eine relativ große Gruppe von Menschen durch den Glauben an eine gemeinsame Herkunft, durch Gemeinsamkeiten von Kultur, Geschichte und aktuellen Erfahrungen verbunden sind und ein bestimmtes Identitäts- und Solidarbewusstsein besitzen“ (Heckmann 1992: 56).
Ethnizität ist ein auch Mittel zur Aufrechterhaltung sozialer Grenzen im Kontakt zu anderen Gruppen. Diese Grenzen konstruieren sich im Wechselspiel zwischen Fremd- und Selbstzuschreibung. Die Kategorie Ethnizität ermöglicht die Bildung ethnischer Kollektive. Dies eröffnet ethnischen Minderheiten neue Möglichkeiten der Allianzenbildung. Menschen, die sich einer bestimmten ethnischen Gruppe zugehörig fühlen, können sich zusammenschließen um gemeinsame Ziele zu verfolgen, wobei dieser Zusammenschluss relativ unabhängig davon ist, wie sehr sie privat in der jeweiligen Sprache, Religion und Kultur der ethnischen Gruppe verankert sind (Heinemann2001: 113). Weiterhin meint der Minderheitenbegriff eine mit der ethnischen Zugehörigkeit verbundene Benachteiligung, Diskriminierung und Stigmatisierung. Ethnische Minderheiten sind also „innerhalb eines Systems ethnischer Schichtung benachteiligte, unterdrückte, diskriminierte und stigmatisierte ethnische Gruppen“(Heckmann 1992:56).
Es lassen sich verschiedene Typen ethnischer Minderheiten unterscheiden: nationale und regionale Minderheiten, Einwandererminderheiten, kolonisierte Minderheiten und neue soziale Minderheiten (Heckmann 1992: 58). Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Einwanderminderheiten und ihre Nachkommen. Hier vor allem auf die Nachkommen der Arbeitsmigranten 1 .
4.Integration ethnischer Minderheiten
Es gibt zahllose Modelle zur Eingliederung von Einwanderern und ethnischen Minderheiten. Ich werde meine folgenden Ausführungen auf das Modell von Hartmut Esser stützen, da es im Sinne der handlungstheoretischen Konzeption Barrieren und Opportunitäten der Eingliederung aufzeigt und auch Ethnizität ein wichtiger Teil des Konzeptes ist.
1 Zur Geschichte der Arbeitsmigration siehe zum Beispiel Tuna (1990)
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Arbeit zitieren:
Rieke Leemhuis, 2006, Die Integration ethnischer Minderheiten, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Rechte der dänischen und der sorbischen Minderheit in der BRD
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