1. Bonhoeffer beginnt seine Ausführungen mit einer Analyse der jetzigen Zeit und konstatiert, dass wir in einer religionslosen Zeit leben. Er stellt die These auf, dass die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens vorbei ist und sagt: „dass wir einer völlig religionslosen Zeit entgegengehen.“ Weiter meint er, dass es sich zeigt, dass der religiöse Vernunftsatz unserer Theologie nicht existiert, sondern nur menschliche Ausdrucksform ist.
Dabei versteht Bonhoeffer unter Religion oder unter religiösem Reden einerseits metaphysisch, anderseits individualistisch reden. So ist z. B. die Frage nach dem persönlichem Seelenheil als individualistische Frage eine religiöse. Wo menschliche Erkenntnis und Kräfte versagen, dort lässt Gott religiöses Reden und Denken als „deus ex machina“ aufmarschieren.
Gott hat hier die bestimmte Aufgabe die Lösung für unlösbare Probleme (beispielsweise in Wissenschaft, Gesellschaft, Ethik) oder als Kraft bei menschlichem Versagen (wie Not, Sünde, Schuld) zu sein. Bonhoeffer glaubt nun an seinem Umfeld beobachten zu können, dass dieser „deus ex machina“ immer überflüssiger wird, da der Mensch
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gelernt hat, in allen wichtigen Fragen mit sich selbst fertig zu werden, ohne Gott zu Hilfe zu nehmen.
Diese Autonomie wird üblicher Weise in der Formel „etsi deus non daretur“ (auch wenn es keinen Gott gäbe) zum Ausdruck gebracht, mit der die Unabhängigkeit des Naturrechts von einen Gottesbegriff behauptet wird.
Folgt man Bonhoeffer lebt die Welt so: „etsi deus non daretur“. Er sagt, dass im menschlichen Leben eben so wie im wissenschaftlichen Bereich Gott immer mehr verdrängt wird und er somit seine Vormundschaft gegenüber dem Menschen verloren hat. Der Mensch ist also mündig geworden.
Später stellt Bonhoeffer dann auch noch fest, dass es auf die allgemeinen menschlichen Fragen von Tod, Leiden und Schuld menschliche Antworten gibt, die Gott außen vor lassen. Somit stellt er fest: Die Welt ist mündig geworden.
2. Dieser Situation, der mündigen Welt, steht nun die Theologie der Kirche mit einer großen Hilflosigkeit gegenüber.
Bonhoeffer macht der Theologie ganz allgemein zum Vorwurf, dass sie sich zum einen mit dieser Entwicklung abgefunden hat und daher den Rückzug angetreten habe und anderseits aber eine vergebliche Attacke gegen dieselbe Entwicklung reite. So beobachtet er die Verdrängung der Kirche aus der Welt - aus der Öffentlichkeit und den Rückzug auf den Bereich des „Persönlichen“ und des „Innerlichen“.
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Gunnar Schulze, 2005, Bonhoeffers Interpretation biblischer Begriffe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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