Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Neorealismus nach Waltz 4
2.1 Politische Strukturen und Prinzipien 4
2.2 Einheiten des internationalen politischen Systems 5
2.3 Distribution von Ressourcen. 6
2.4 Interdependenz und Integration 6
2.5 Verhältnis von Strukturen und Strategien 6
2.6 Freiheit als Kennzeichen von Anarchie 7
2.7 Handlungsmodelle im Neorealismus 7
2.7.1Balance of Power 7
2.7.2Bandwagoning. 8
2.7.3Balancing oder Bandwagoning? 8
3. Der Atomstreit mit Iran 9
4. Das Sicherheitsdilemma. 11
5. Lösungsansätze aus Sicht des Neorealismus. 12
5.1 Balancing 12
5.2 Bandwagoning 12
5.3 Aspekte einer Konfliktlösung 13
5.3.1Geschlossenes Vorgehen gegen Iran. 14
5.3.2Anreize für Iran 15
5.3.3Kosten-Nutzen-Aspekte 16
6. Ausblick. 17
7. Literaturverzeichnis. 18
2
1. Einleitung
Bereits seit geraumer Zeit ist das Verhältnis zwischen der westlichen Welt und Iran deutlich angespannt. Der Grund für die momentan extreme Anspannung liegt im Wesentlichen im aktuellen Atomstreit zwischen den Konfliktparteien. Während die auf Kontrolle und Sicherheit bedachten Staaten der westlichen Welt bzw. des UN-Sicherheitsrats darauf bestehen, dass Iran sein Atomprogramm der Kontrolle der internationalen Gemeinschaft unterwirft und sich an die Bedingungen des Atomwaffensperrvertrags hält, erhebt Iran uneingeschränkten Anspruch auf einen geschlossenen atomaren Energiekreislauf und die Anreicherung von Uran, welches nicht zuletzt zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Vor allem jedoch verwehrt sich das Land den gestellten Forderungen und sorgt auf diese Weise für eine zunehmende Eskalation der Situation. Grund für dieses Vorgehen scheint nicht zuletzt die kritische Sicherheitslage im Nahen Osten zu sein, die zumindest dafür sorgt, dass Iran offiziell Anspruch auf einen eigenen und somit geschlossenen atomaren Energiekreislauf erhebt. Iran befindet sich geografisch in einer recht prekären Lage: Zum einen stellt der Nahe und Mittlere Osten nahezu ständig einen Krisenherd dar, zum anderen ist das Land umgeben von allgemein bekannten Atommächten wie Israel, Russland, Pakistan und Indien. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei auch die Vereinigten Staaten, die in der gesamten Region militärisch präsent sind und ebenfalls über atomare Ressourcen verfügen.
Es ist dies ein klassisches Szenario, wie es im Neorealismus nur allzu oft beschrieben wird. Das geschilderte Problem wirft dabei die Frage auf, welche Lösungsansätze und Perspektiven in diesem Konflikt aus neorealistischer Sicht möglich sind. Bezeichnend ist dabei das aus Sicht des Neorealismus typische Verhalten Irans, das sich als offensichtlicher „Underdog“ den Forderungen der Weltmächte vehement widersetzt. In dieser Hausarbeit sollen daher die unterschiedlichen Rollen der Konfliktparteien näher untersucht werden; die Analyse soll dabei aus Sicht des Neorealismus nach Waltz die aufgeworfene Fragestellung beantworten. Dabei ist die (globale) Sicherheit einer der Kernpunkte des Problems und gleichzeitig einer der Schlüsselbegriffe des Neorealismus. Der theoretische Rahmen der Analyse wird sich dabei im Wesentlichen an Waltz’ Ausführungen orientieren, weitere Aspekte des Neorealismus und Quellen zu dem hier vorliegenden Konflikt werden ebenfalls in die Analyse einfließen. Dabei sollen nach einem Überblick über den Konflikt anhand der eingeführten Überlegungen und
3
Begriffe mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt werden. Am Ende der Ausführungen steht ein Ausblick auf einen möglichen Ausgang des Konflikts.
2. Der Neorealismus nach Waltz
Waltz’ Ausführungen zum Neorealismus stehen nicht am Anfang einer Theorie. Bereits zuvor hatte Morgenthau mit seinem Buch „Politics among Nations“ (1948) wesentliche Begriffe des Realismus geprägt. Kenneth Waltz nahm diese Überlegungen Ende der 1970er Jahre in seinem Buch „Theory of International Politics“ auf und stellte den Überlegungen Morgenthaus zum internationalen Machtsystem den Aspekt der Sicherheit gegenüber. Wesentlich ist für Waltz dabei die Frage der Struktur, die er im Hinblick auf das Ordnungsprinzip, die Funktionen der Einheiten sowie die Distribution von Ressourcen bestimmt.
2.1 Politische Strukturen und Prinzipien
Die Grundannahme von Waltz ist, dass ein System aus einer Struktur sowie miteinander in Beziehung stehenden Einheiten besteht (vgl. Waltz 1979: 79). Für die Struktur ist es dabei von wesentlicher Bedeutung, dass das Augenmerk auf die Position der einzelnen Einheiten gelenkt wird. Die Beziehung zwischen den einzelnen Einheiten bleibt nach Waltz unbedeutend (vgl. Waltz 1979: 80). Auf diese Weise erhält man eine Skizze der Gesellschaft, in der die Positionen deutlich werden, was dazu führt, dass eine fixe Struktur gegeben ist, die universell anwendbar ist und auf andere Fälle übertragen werden kann (vgl. Waltz 1979: 80).
Waltz überträgt diese Annahmen nun auf seine Analyse von politischen Systemen und hält fest, dass die Struktur die Anordnung eines Systems bestimmt (vgl. Waltz 1979: 81). Eine nationale politische Struktur besteht demnach aus dem Prinzip, nach dem sie geordnet ist; ferner aus den Funktionen, die den unterschiedlichen Einheiten zugeschrieben werden; schließlich aus der Verteilung von Fähigkeiten unter den einzelnen Einheiten (vgl. Waltz 1979: 82). Bereits hier wird deutlich, dass sich Waltz in seinen weiteren Ausführungen zum Neorealismus ausschließlich auf die gegenseitige Wirkung von Struktur und Prozess konzentriert und dabei politische Abläufe unberücksichtigt lässt (vgl. Waltz 1979: 82). So lange die politische Struktur bestehen bleibt, sorgt sie für eine ähnliche Leistung und einen ähnlichen Ablauf von Prozessen (vgl. Waltz 1979: 87).
4
Nachdem Waltz zunächst auf nationale Strukturen eingeht und eine dreigliedrige Definition aufgestellt hat (s.o.), wendet er nun seine Definition auf das internationale System an, mit dem er sich anschließend intensiver beschäftigt: Während in nationalen Strukturen eine klare Hierarchie herrscht und eine Orientierung auf das Zentrum der Macht, d.h. ein System der Über- und Unterordnung existiert, sind die Einheiten eines internationalen Systems auf Koordination angewiesen. Formal gesehen steht keine Einheit über einer anderen: Weder darf eine Einheit anderen Befehle erteilen noch muss sie anderen Befehlen Folge leisten (vgl. Waltz 1979: 88). Internationale Systeme zeichnen sich durch einen hohen Grad an Dezentralisierung und Anarchie aus und stellen ein klares Gegenteil zur Struktur nationaler Systeme dar (vgl. Waltz 1979: 88). Besonders auffällig ist dabei die Abwesenheit einer übergeordneten Instanz, wodurch sich Befehlsgewalt schnell durch die individuelle Fähigkeit einer Einheit bemessen lässt (vgl. Waltz 1979: 88). Diese Ausprägung führt dazu, dass die Einheiten individualistisch und auf ihr eigenes Wohlergehen aus sind (vgl. Waltz 1979: 91). So entsteht ein internationales System der Selbsthilfe, in welchem die einzelnen Akteure ihr Überleben sichern wollen (vgl. Waltz 1979: 91). Das Streben nach Überleben ist deshalb notwendig, weil die Sicherheit - einer der Kernpunkte von Waltz‘ Theorie - nie gewährleistet ist und aufgrund der anarchischen Struktur des Systems auf der eigenen Initiative der Akteure beruht (vgl. Waltz 1979: 92).
2.2 Einheiten des internationalen politischen Systems
Das zweite Kriterium, das Waltz zur Definition von politischen Strukturen heranzieht, liegt in den Eigenschaften der Einheiten. Internationale Strukturen verändern sich dabei nur durch unterschiedlich ausgeprägte Ressourcen („capabilities“) der Einheiten (vgl. Waltz 1979: 93). Waltz vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass Staaten zwar nicht die einzigen internationalen Akteure sind, sehr wohl aber die wichtigsten (vgl. Waltz 1979: 93). Daher ist eine Entscheidung nötig, um die Struktur beschreiben zu können - andere Akteure bleiben bei ihm unberücksichtigt, allein die Staaten spielen eine Rolle. Waltz macht ferner deutlich, warum er Staaten als gleiche Einheiten („like units“) bezeichnet. Dies gilt nach seinen Ausführungen lediglich in der Hinsicht, dass ein Staat einem anderen im Hinblick auf die politische Autonomie gleicht, d.h. souverän ist (vgl. Waltz 1979: 95). Damit darf jedoch nicht die Annahme einhergehen, dass diese Souveränität beliebiges Handeln von Staaten zulässt - ein Einfluss von außen durch andere Staaten kann hier im Wege stehen (vgl. Waltz 1979: 96).
5
Arbeit zitieren:
Johannes Neufeld, 2006, Der Atomkonflikt mit Iran - Lösungsansätze und Perspektiven aus neorealistischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das iranische Nuklearprogramm aus neorealistischer Sicht
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 22 Seiten
Untersuchungen der deutschen Mediendebatten um den möglichen EU-Beitri...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Forschungsarbeit, 55 Seiten
Hobbes und Rousseau: Der Vertragsschluss als staatsbegründendes Moment...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 21 Seiten
Comparing Euroscepticism in Poland and the Czech Republic
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Das Priming-Konzept in 'Agenda-Building, Agenda-Setting, Priming, ...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Hausarbeit, 16 Seiten
Ein möglicher Türkei-Beitritt zur Europäischen Union
Implikationen für die EU-Außen...
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Weltbank und ihr Vorgehen zur Bekämpfung der globalen Armut
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Diplomarbeit, 79 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Eine empirische Untersuchung i...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Der Konvent für eine Verfassung Europas und die öffentliche Meinung de...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Der Krieg und die Metaphern: Wie die britische und die US-amerikanisch...
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Der lange Weg zur europäischen Verfassung
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Hausarbeit, 19 Seiten
Branding, Positioning and Segmentation at Volkswagen
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 20 Seiten
Darstellung der Eigentumstheorie von John Locke im Naturzustand
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 23 Seiten
Cyclic or dynamic - Neorealism versus Neoliberalism
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 8 Seiten
Das politische System Großbritanniens - Parteien und Wahlen
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Seminararbeit, 32 Seiten
Johannes Neufeld's Text Der Atomkonflikt mit Iran - Lösungsansätze und Perspektiven aus neorealistischer Sicht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Johannes Neufeld hat den Text Der Atomkonflikt mit Iran - Lösungsansätze und Perspektiven aus neorealistischer Sicht veröffentlicht
Johannes Neufeld hat einen neuen Text hochgeladen
Mehrsprachigkeit aus neurolinguistischer Sicht
Eine empirische Untersuchung z...
Gerda Videsott
Mehrsprachigkeit aus neurolinguistischer Sicht
Eine empirische Untersuchung z...
Gerda Videsott
Aus anderer Sicht / The Other View
Die frühe Berliner Mauer / The...
Annett Gröschner, Arwed Messmer, Martin Hager
Perspektiven Transzendental-PH Nomenologischer Forschung: F R Ludwig L...
K. Held, U. Claesges
Roma-/Zigeunerkulturen in neuen Perspektiven
Romani/Gypsy Cultures in New P...
Fabian Jacobs, Johannes Ries
European Prospects / Europäische Perspektiven
Jürgen Habermas, Frank-Walter Steinmeier, Julian Nida-Rümelin, Wolfgang Thierse
Metaphysik heute - Probleme und Perspektiven der Ontologie / Metaphysi...
Matthias Lutz-Bachmann, Thomas M. Schmidt
0 Kommentare