Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Außenpolitische Voraussetzungen des Faschistischen Italiens 4
1.1 Die außenpolitischen Leitlinien des faschistischen Italiens. 5
1.2 Das Bild des faschistischen Italien in Europa 6
2 Der Balkan und das ungarisch-österreichische Machtvakuum 7
2.1 Die Rolle Deutschlands auf dem Balkan. 7
2.2 Das Tiroler Problem 8
3 Der Abessinienkonflikt. 9
4 Die erste militärische Zusammenarbeit: Der Spanische Bürgerkrieg. 12
5 Die Außenpolitische Entwicklung - Eine vorsichtige Annäherung
Deutschlands und Italiens? 14
5.1 Von der Verfestigung der „Achse“ und Italiens direkter Weg in den
Zweiten Weltkrieg 16
5.2 Von der Verfestigung der „Achse“ und Mussolinis Vorbehalte
gegen über Hitler. 20
6 Schluss. 23
7 Literaturverzeichnis. 24
1
1 Einleitung
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges scheint sich das damalige Europa in zwei Lager geteilt zu haben. Auf der einen Seite standen die demokratischen Länder des Kontinentes, die sich gegen die territorialen Expansionsbestrebungen des autoritären Regimes zur Wehr setzen mussten. Die Rolle des faschistischen Italiens ist bei dieser dichotomen Betrachtungsweise der Lage in Europa somit schon lange vor Beginn des Konfliktes festgelegt. Auch die persönliche Nähe, das freundschaftliche Verhältnis beider Diktatoren zueinander wird in vielen Darstellungen hervorgehoben. Der gegenseitige Vorbildcharakter der faschistischen und nationalsozialistischen Bewegung und ihre gegenseitige Unterstützung scheinen bei dieser Betrachtungsweise auf eine Angleichung beider Regime und ihre Parallelisierung bezüglich innen- und außenpolitischer Interessen hinaus zu laufen. Die Entwicklung des faschistischen Italiens in den 30er Jahren soll in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen. Zu fragen ist hierbei nach der Geradlinigkeit dieser Entwicklung in Bezug auf die Annäherung an den Nationalsozialismus mit dem Höhepunkt des Kriegseintrittes Italiens an der Seite Deutschlands, wodurch der zeitliche Rahmen gegeben ist. Beginnend mit den Vorraussetzungen des faschistischen Regimes nach dem Ersten Weltkrieg endet die Arbeit mit dem Kriegseintritt Italiens im Jahr 1940.
Diese Arbeit ist grob in zwei Teile gegliedert, wobei der Erste geographische Bedingungen holzschnittartig umreißen und auf einer deskriptiven Ebene verbleiben wird. Diese sich nicht am zeitlichen Ablauf, sondern an territorialen Schwerpunkten orientierende Darstellung bietet die Grundlage für die politische Betrachtungsweise im zweiten Teil.
Zu Beginn dieser Arbeit muss die außenpolitische und territoriale Situation Italiens nach dem Ersten Weltkrieg zusammengefasst werden, um die revisionistischen Bestrebungen der faschistischen Bewegung darstellen zu können. Hierbei seht die Frage im Mittelpunkt, welches die außenpolitischen Ziele Mussolinis waren und welche Spielräume er für ihre Verwirklichung hatte.
In Teil zwei werden die außenpolitischen Bestrebungen beider Länder in Bezug auf den Balkan bzw. auf den alpinen Raum dargestellt. Da beide politischen Systeme durch einen starken wirtschaftlichen und sozialen Expansionsdrang gekennzeichnet waren, trafen sie in diesem Raum aufeinander. Hier sollen Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufgezeigt werden.
2
Mitte der 30er Jahre begannen die Expansionsbestrebungen des faschistischen Regimes auch in militärischen Konflikten ihren Ausdruck zu finden. In Nordafrika und Spanien begann man eigene Interessen im Einvernehmen, bzw. in gegenseitiger Absprache mit dem Dritten Reich gegen die internationale Gemeinschaft und das Völkerrecht durch zu setzen. In Teil fünf verlagert sich die Betrachtung von der territorialen Ebene zur politischen. Hierbei steht ebenfalls die Frage nach Annäherungen und Gegensätzen der beiden Diktaturen im Mittelpunkt. Bruchlinien und Zäsuren sollen, vergleichbar mit der geographischen Darstellung der Teile zwei bis fünf, anhand von politischen Ereignissen aufgezeigt und gewertet werden. Nach dem allgemeinen Rahmen in Teil sechs werden in den Teilen sieben und acht zwei mögliche Argumentationslinien für bzw. gegen einen (fast) bruchlosen Weg Italiens in den Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschland gegenübergestellt. Vor- und Nachteile beider Argumentationen sollen aufgezeigt und am Schluss miteinander verglichen werden.
3
2 Außenpolitische Voraussetzungen des Faschistischen Italiens
In den Friedensverhandlungen von 1919 wurde für die italienische Seite offensichtlich, dass der große Sieg viel weniger einbrachte, als erhofft und versprochen worden war. In den Pariser Verhandlungen wurde Italien von den anderen Siegermächten wesentlich schwächer eingeschätzt, als es die Italiener selbst taten. Unvereinbar waren die italienischen Ansprüche aus dem Londoner Vertrag von 1915 mit dem Selbstbestimmungsrecht des serbisch dominierten Jugoslawiens, das vom amerikanischen Präsidenten Wilson verfochten wurde. Der Erwerb der Hafenstadt Fiume (Rijeka), die größten Teils von Italienern bevölkert war, wurde von der gesamten italienischen Rechten zu einer Sache des nationalen Prestiges hochgespielt.1 Die Stadt hatte aufgrund ihrer Bedeutung für die kroatische Außenwirtschaft 1920 den Status einer Freistadt erhalten, sie wurde jedoch noch im selben Jahr von italienischen Freicorps unter Führung Gabriele D´Annunzios, einem zeitweiligen Kampfgefährten Mussolinis, besetzt und im März 1925 durch einen Freundschaftsvertrag mit Jugoslawien selbst in eine italienische Stadt verwandelt.2 Im Friedensvertrag von Saint-Germain erhielt Italien das Trentino und Südtirol, Triest, Julisch-Venetien, Teile Istriens und Dalmatiens.
Die Nationalisten dehnten ihre Ansprüche aus: Ganz Dalmatien, einschließlich Cattaros, sowie Albanien werde die Adria zu einem largo italiano machen und potenzielle Bedrohungen durch Jugoslawien ausschließen. Die italienische Großmachtstellung in der Welt sollte zudem durch einen Kolonialverzicht der Alliierten geschaffen werden.3 Kurzum, die hochgesteckten Expansionsziele, wegen denen Italien in den Ersten Weltkrieg eingetreten war, konnten nicht verwirklicht werden. Die Vorstellungen, besonders innerhalb der italienischen Rechten, wurden weder im östlichen Mittelmeerraum noch in Afrika erreicht. Daraus entstanden Aversionen gegen die dafür verantwortlich gemachten Alliierten und jener Revisionismus entstand, der später die Außenpolitik Italiens bestimmen sollte. Der Mythos des verstümmelten Sieges, vittoria mutilata, entstand aus dieser Enttäuschung.4
1 Vgl. Lill, S. 376.
2 Vgl. Procacci, S. 228f. 3 Vgl. Nolte, S. 623. 4 Vgl. Lill, S. 376f.
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2.1 Die außenpolitischen Leitlinien des faschistischen Italiens
Seit der Machtverfestigung 1926 widmete sich Mussolini stärker der Außenpolitik, die durch einen konsequenten Revisionismus gegenüber den Friedensverträgen von 1919 gekennzeichnet war. Das Programm war nicht neu und vereinte die imperialistischen Ansprüche des vorfaschistischen Italiens in sich.5
Mussolini wurde im Oktober 1922 auch Außenminister, beließ jedoch den langjährigen Generalsekretär des Außenministeriums im Palazzo Chigi, Salvatore Contarini, im Amt und behielt die alte Richtung bei. Diese änderte sich auch nicht, als 1925 Dino Grandi Contarini ablöste.6
Sein engster Mitarbeiter in diesem Bereich war bis 1936 der Altfaschist Dino Grandi, der von 1929-32 auch Außenminister war. Grandi folgte der traditionellen Maxime, dass Italien niemals gegen England handeln dürfe und es am günstigsten wäre, als „entscheidendes Gewicht auf der Waagschale“ (peso determinante) zwischen den Blöcken der Westmächte und des Widererstarkenden Deutschlands zu agieren. An dieser Formel versuchte Italien solange wie möglich fest zu halten, was sich nicht zuletzt in den Vermittlungsversuchen während des Münchner Abkommens zeigt.7 Schon 1933 hatte Mussolini versucht sich in Abrüstungsfragen einzuschalten und hatte damals einen Vierbund zwischen England, Frankreich, Deutschland und Italien zur friedlichen Zusammenarbeit iniziiert.8 Voraussetzung für das Funktionieren dieser Strategie war die Erhaltung des europäischen Staatensystems und die Distanz zu beiden Polen. Deutlich wird eine Selbstüberschätzung Italiens in Bezug auf seine Stellung im europäischen Staatensystem.9
5 vgl. Lill, S. 397.
6 Procacci, S. 228. 7 Vgl. Schumann S. 369.
8 Im Juni 1933 wurden die Verträge in Rom zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Vgl. Lill, S. 399. 9 Vgl. Lill, S. 398.
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2.2 Das Bild des faschistischen Italien in Europa
Das Bild des faschistischen Italien im Ausland war aufgrund der wirtschaftlichen und innenpolitischen Erfolge des Regimes in den 20er und 30er Jahren recht gut. Durch die Deflationspolitik, welche Mussolini ab Mitte der 20er Jahre betrieb, gelang es ihm, die Macht der Großindustrie gegenüber dem Staat zurück zu drängen und den Wertverlust der Lira zu stoppen. Die wirtschaftlichen Autarkiebestrebungen halfen Italien dabei, die Wirtschaftskrise von 1929 zu überstehen. Die Meisterung dieser beiden Krisen hatte im Ausland den Eindruck verstärkt, dass der Faschismus Stabilität bedeute.10 Stabilität nach innen und Prestige nach außen brachte auch der Ausgleich mit der katholischen Kirche 1927. Die Schaffung des vatikanischen Kirchenstaates war wohl der größte politische Erfolg Mussolinis gewesen, der über die Grenzen des eigenen Landes Anerkennung fand.11 Zu Beginn der 30er Jahre trat eine überraschende Entwicklung der faschistischen Bewegungen in Europa ein, die durchweg Mussolini als Vorbild oder sogar als Früher anerkannten.12 So bezeichnete die Londoner „The Times“ Hitler am 18. Oktober 1922 als „den viel versprechenden bayrischen Schüler Mussolinis.“13 Womit sie bezüglich Hitlers späteren Versuch, den „Marsch auf Berlin“ zu inszenieren, nicht ganz falsch lag. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 wirkte sich zudem positiv für Italien aus, da nun das ebenfalls revisionistische Deutsche Reich die Annäherung suchte und somit Mussolini Trümpfe zuspielen konnte. Aber auch die Westmächte, die im Wiedererstarken Deutschlands eine Bedrohung sahen, suchten nun den Kontakt zu Italien, welches einen Gegenpol auf dem Balkan bilden konnte.
10 Vgl. Lill, S. 395.
11 Vgl. Procacci, S. 228. 12 Vgl. Nolte, S. 636. 13 Petersen, S. 14.
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Arbeit zitieren:
Ulrich Hamenstädt, 2006, Italiens Weg in den Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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