Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Intellektuelle unter Franco“. In Bezug auf dieses Thema soll zunächst die Entwicklung der Lage der Intellektuellen unter Franco beschrieben werden. Dazu wurde die Zeit der Diktatur Francos in Spanien von 1939 bis 1975 in sechs ungefähr gleich lange Zeitabschnitte eingeteilt. Untersucht werden soll hier vor allem die schrittweise Liberalisierung des intellektuellen Denkens und parallel dazu die politische Entwicklung Spaniens in dieser Epoche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Situation der Intellektuellen unter Franco
2.1. Kriegsende und Zusammenbruch des Geisteslebens (1939-1945)
2.2. Internationale Isolation und Wiederentdeckung des liberalen Denkens (1945-1951)
2.3. Geistige Liberalisierung und politische Öffnung nach außen (1951-1956)
2.4. Wirtschaftliche Liberalisierung (1956-1962)
2.5. Institutionalisierung und zweite Phase der Liberalisierung (1962-1969)
2.6. Wirtschaftskrise und politische Wende (1969-1975)
3. Zum Werk „Cinco horas con Mario“ und zum Autor Miguel Delibes
3.1. Charakterisierung des Don Mario in „Cinco horas con Mario“
3.2. Der Gegensatz zwischen Don Mario und seiner Frau Doña Carmen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Lage der Intellektuellen in Spanien während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1975 und analysiert in diesem Kontext den Roman „Cinco horas con Mario“ von Miguel Delibes hinsichtlich der Darstellung seiner Hauptfigur.
- Entwicklung des intellektuellen Denkens unter dem Franco-Regime.
- Phasen der Liberalisierung und politische Rahmenbedingungen in Spanien.
- Charakterisierung der Figur Don Mario als intellektuelles Gegenmodell zur Franco-Gesellschaft.
- Kontrastanalyse zwischen Mario und seiner Frau Doña Carmen.
- Autobiografische Parallelen zwischen Autor und Romanfigur.
Auszug aus dem Buch
3.1. Charakterisierung des Don Mario in „Cinco horas con Mario“
Wie eingangs erwähnt, soll hier nun näher auf die Hauptfigur des Romans „Cinco horas con Mario“ eingegangen werden. In Form des Mono-Dialogs, in dem Carmen sich an ihren verstorbenen Mann Mario wendet, wird der Leser über Mario, wie er zu Lebzeiten war, informiert. So wird er äußerlich als schlanker, blasser Mann beschrieben, der eine Brille trägt (S.193; Zitate und Seitenzahlen im Folgenden, wenn nicht anders angegeben aus: „Cinco horas con Mario“). Was die Charakterisierung des Mario betrifft, so wird im Roman schnell deutlich, dass er einen Intellektuellen während der Zeit des Franco-Regimes verkörpert. So ist der Gymnasiallehrer nebenbei als Schriftsteller tätig und schreibt auch gelegentlich für die links-liberale Zeitung „El Correo“ (S.115/ 120). Außerdem bezeichnet Carmen ihn in ihrem Monolog als Intellektuellen, und sagt, er sei „belesen“ und „studiert“ (S.98: “de moderna y de leída“; S.74: “estudiaras tanto“). Darüber hinaus wirft sie ihm „intellektuelles Getue“ vor und erkennt bei ihm in politischer Hinsicht „proletarische Neigungen“ (S.64: “golpe de intelectuales“; S.69: “gustos proletarios“). In Bezug auf Marios politische Einstellung charakterisiert ihn Delibes auch als Intellektuellen, der „gegen den Strom schwimmt“ und „bei den kleinen Leuten einen Stein im Brett“ hat (S.111: “ir contra corriente“; S.18: “tenía un gran cartel entre la gente baja“). An anderer Stelle wiederum wird Mario als Systemkritiker und Sozialist dargestellt (S.179: “tanto criticar, tanto criticar“; S.207: “hay que cortar de arriba y añadir de abajo“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der zeitlichen Einteilung der Franco-Diktatur sowie der Forschungsfragen zur literarischen Analyse.
2. Situation der Intellektuellen unter Franco: Detaillierte Darstellung der sechs Phasen der geistigen und politischen Entwicklung in Spanien zwischen 1939 und 1975.
2.1. Kriegsende und Zusammenbruch des Geisteslebens (1939-1945): Beschreibung der intellektuellen Isolation und des Exils nach dem Bürgerkrieg.
2.2. Internationale Isolation und Wiederentdeckung des liberalen Denkens (1945-1951): Analyse der außenpolitischen Annäherung an den Westen und der Besinnung auf liberale Werte.
2.3. Geistige Liberalisierung und politische Öffnung nach außen (1951-1956): Erörterung der beginnenden Öffnung, gestört durch die Universitätskrise von 1956.
2.4. Wirtschaftliche Liberalisierung (1956-1962): Untersuchung des Endes der Autarkie und der Entstehung einer friedlichen intellektuellen Opposition.
2.5. Institutionalisierung und zweite Phase der Liberalisierung (1962-1969): Betrachtung der Enttotalisierung des Regimes und der Rolle der katholischen Kirche.
2.6. Wirtschaftskrise und politische Wende (1969-1975): Analyse der Faktoren, die zum Ende des Regimes und zur „Transición“ führten.
3. Zum Werk „Cinco horas con Mario“ und zum Autor Miguel Delibes: Einführung in die Romanhandlung und biografischer Abriss des Autors.
3.1. Charakterisierung des Don Mario in „Cinco horas con Mario“: Analyse von Mario als intellektueller Systemkritiker durch den Monolog seiner Ehefrau.
3.2. Der Gegensatz zwischen Don Mario und seiner Frau Doña Carmen: Gegenüberstellung der Weltanschauungen und Kommunikationsstile der Ehepartner.
4. Resümee: Zusammenführung der historischen Analyse mit der literarischen Interpretation unter besonderer Berücksichtigung autobiografischer Züge.
Schlüsselwörter
Intellektuelle, Franco-Regime, Spanien, Miguel Delibes, Cinco horas con Mario, Liberalisierung, Diktatur, Systemkritik, Exil, Zensur, Don Mario, Doña Carmen, Transición, Romananalyse, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die intellektuelle Landschaft im Spanien der Franco-Zeit und verbindet historische Analysen mit einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung des Werks „Cinco horas con Mario“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die politische Geschichte Spaniens (1939-1975), den Liberalisierungsprozess der Gesellschaft sowie die literarische Darstellung von Intellektuellen unter Zensurbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung des intellektuellen Denkens chronologisch nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Miguel Delibes diese gesellschaftlichen Spannungen in seiner Romanfigur Mario reflektiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-chronologische Einteilung der Epoche in Kombination mit einer textimmanenten Analyse des Romans und einem Vergleich mit zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Franco-Diktatur in sechs Phasen und eine anschließende Charakterisierung der Romanfiguren Mario und Carmen im Licht ihrer Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Franco-Diktatur, intellektuelle Opposition, Liberalisierung, soziale Identität und literarische Systemkritik geprägt.
Wie unterscheidet sich Mario von seiner Ehefrau Carmen?
Mario repräsentiert das links-liberale, kritische Denken, während Carmen als konservative, regimetreue und an sozialen Konventionen festhaltende Person gezeichnet wird.
Welche Bedeutung hat das Jahr 1956 für die Intellektuellen in Spanien?
Das Jahr 1956 markiert mit der Universitätskrise einen Wendepunkt, der einerseits einen Rückschlag für die geistige Liberalisierung bedeutete, andererseits jedoch den Beginn einer festen Opposition einleitete.
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- Magister Artium Björn Schröder (Author), 2003, Intellektuelle unter Franco, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74272