I. Einleitende Worte 3
II. „Das ungleiche Paar“ 4
1. Analyse von Bildaufbau und -inhalt 4
2. Zur Bedeutung des Bauernsujets und der Gegenüberstellung von jung und alt 8
3. Bedeutung und Kritik eines französischen Phänomens - Der Realismus 10
III. Schlußbetrachtung. 12
2
„...dem größten Malergenius seit der Renaissance“
(Max Liebermann über Wilhelm Leibl 1929)
I. Einleitende Worte
Das auf Leinwand gemalte, hochformatige Ölgemälde „Das ungleiche Paar“ (auch „Dachauerbauern-Ehepaar“ genannt) wurde von Wilhelm Maria Hubertus Leibl 1875 in Unterschondorf am Ammersee im Gasthaus Steininger gemalt und zeigt den Bildausschnitt eines bayrisches Bauernpaares unterschiedlichen Alters vereinigt auf einer engen Stubenbank. Das Bild hat die Maße und befindet sich seit im Besitz des Städelschen Kunstinstituts.
Leibls Malweise entwickelte sich von der Akademiemalerei mit detailgetreuer Abbildung antiker Vorbilder zu den beiden Hauptströmungen, an denen sich seine Malerei zeitlebens orientierte - der Leichtigkeit der Pinselzüge, wie man sie bei den Impressionisten vorfindet (möglicher Einfluß Eduoard Manets [1832-1883]) und der Temperatechnik mit dicht geschlossener Oberfläche und strenger Plastizität, wie sie die der handwerkliche Eigenart der altdeutschen Meister (Hans Holbein d. J. [1497-1543]) kennzeichnete. Nachvollziehbar sind diese gegensätzlichen Stile zeitlebens in seinen Gegenüberstellungen von jungen Figuren, deren Gestaltung des Gesichts in zarter und impressionistisch-verwischter Darstellung, und alten Personen, deren Falten plastisch herausgearbeitet sind, so auch anhand des Gemäldes „Das ungleiche Paar“ (Abb. 1) von 1875.
3
II. „Das ungleiche Paar“
1. Analyse von Bildaufbau und -inhalt
Das hochformatige und fast quadratische Bild Leibls zeigt zwei, die Bildfläche einnehmende und eng beieinander sitzende Personen, einen alten Mann und ein junges Mädchen. Beide sind dem Betrachter nach links zugewandt und sitzen auf einer hölzernen Stubenbank. Das Mädchen ist in Dreiviertelansicht gegeben, während der Greis hinter der Frau in Frontalansicht gegeben ist. Die Komposition weist einen knappen, nahgerückten Bildausschnitt auf: der rechte Arm des Greises wird vom Bildrand geschnitten, nur eine kleine Raumecke mit einer Fensternische am linken Bildrand ist für den Betrachter sichtbar. Die geschlossenen und geschnittenen Fensterläden verstärken den Eindruck dieser intimem Atmosphäre. Besitzergreifend hat der Bauer seinen linken Arm um das Mädchen gelegt und selbstgefällig die andere Hand auf die Knie gestemmt. Dieser rechte Arm und die dem Mädchen zugewandte Körperhaltung, welches selbst mit ihren linken Arm auf der Lehne in bildparalleler Manier den Betrachter auf Abstand hält, symbolisiert eine innere Geschlossenheit der gesamten Komposition und private Intimität des ungleichen Paares. Der goldene Ehering hebt sich im Sinne ehelicher Zusammengehörigkeit deutlich vom hellen Inkarnat des Armes ab.
Das Paar scheint sich in einem unterschiedlichen Gemütszustand zu befinden: der lachende Greis und das zurückhaltende Mädchen, welches den Beobachter fragend und ein wenig trotzig ins Gesicht blickt. Dennoch werden diese unterschiedlichen Charaktere, die einander nicht anblicken oder durch zärtliche Gebärde als Verliebte zu erkennen sind, durch Situation und Raum zum Paar. Besonders die junge Frau scheint dieser Verbindung eher reserviert gegenüber zu stehen, anstatt ihren Geliebten eine vertraute Geste zu signalisieren hat sie beide Arme an den Körper gelegt, eine Abwehrhaltung signalisierend. Dem Partner an ihrer nicht der kirchlichen Tradition entsprechenden, rechten Seite scheint sie nicht seelisch zu bedürfen, er tritt wörtlich wie bildlich in ihren Hintergrund.
4
Arbeit zitieren:
M.A. Martina Merten, 2001, Zu: Wilhelm Maria Hubertus Leibl - „Das ungleiche Paar" (1875), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Einsatz von Gebärden bei nichtsprechenden Menschen
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 32 Seiten
Erwerb von Gebärdensprache - Analyse des Gebärdenspracherwerbs
Hausarbeit, 32 Seiten
Heinrich von Kleist - Das Käthchen von Heilbronn
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Referat (Handout), 11 Seiten
Eine Analyse der Fuge in c-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier Band ...
Seminararbeit, 17 Seiten
Martina Merten's Text Zu: Wilhelm Maria Hubertus Leibl - „Das ungleiche Paar" (1875) ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martina Merten hat den Text Zu: Wilhelm Maria Hubertus Leibl - „Das ungleiche Paar" (1875) veröffentlicht
Martina Merten hat einen neuen Text hochgeladen
Kunstgeschichte in Farbe 01. Neue deutsche Malerei. Das Haus der Deuts...
Friedrich Burgdorfer
Kunstgeschichte in Farbe 02. Neue deutsche Malerei. Das Haus der Deuts...
Friedrich Burgdorfer
0 Kommentare