Gliederung Seite
1. Einleitung 3
2. Definition 4
2.1 Was ist eine Definition 5
2.2 Definition und Wesentliches 5
2.3 Definition und Wissenschaft 6
2.4 Definition und Interesse 7
3. Terrorismusdefinition(en) 9
3.1 „Terrorismus“ im Wandel der Zeit 10
3.2 Terrorismus und Merkmalsfindung 12
3.3 Aspekte der Definitionsproblematik 14
3.4 Terrorismusdefinition(en) und Interesse 16
Quellenverzeichnis 22
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1. Einleitung
„Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist das, was man sich im Allgemeinen unter einem Kinderspiel vorstellen kann. Seine Erwähnung in der Einleitung einer kriminologischen Hausarbeit, die sich zudem noch mit dem Thema „Problematik der Terrorismusdefinition(en)“ beschäftigt, gibt daher unter Umständen Anlass zur Verwunderung. Nichts desto trotz, liefert der Rückgriff auf ein vermeidlich naives Spiel, eine Reihe von möglichen Fragestellungen, welche die Thematik dieser Arbeit einleitend veranschaulichen sollen.
Die Spielregeln
Beim „Ich sehe was, was du nichts siehst“ spielen, geht es darum, mit Hilfe der Nennung von einzelnen spezifischen Eigenschaften, einer dem Mitspieler zu erratenden Sache (z.B. ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün), diesen in die Lage zu versetzen, dieses Etwas im „Trial and Error“ - Verfahren herauszufinden, indem er all diejenigen Dinge aufzählt, denen er diese genannte Eigenschaft zuschreibt und die sich in der sichtbaren Umgebung der Spieler befinden. Vorraussetzung für das Gelingen des Spieles ist daher die Bedingung, dass beide Spieler derselben Sache auch dieselben Eigenschaften zuschreiben, also dieselbe „Idee“ oder „Interpretation“ von der wahrnehmbaren Wirklichkeit des Spielobjektes haben. Gelegentlich kommt der Mitspieler, welche an der Reihe ist zu raten, nicht auf die richtige Lösung. Dann besteht die Möglichkeit noch eine weitere Eigenschaft, welche das zu erratene Objekt auszeichnet zu nennen, um den Kreis der Möglichkeiten weiter einzukreisen (z.B. ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün und hat Blätter). The-oretisch könnte man dieses Vorgehen soweit treiben, bis so viele spezifische Eigenschaften des Objektes genannt wurden, dass sie in ihrer Gesamtheit nur noch auf das ihnen zugrunde liegende Objekt zutreffen und bei ihrer angemessenen Würdigung nur noch die korrekte Antwort zulassen.
Die Voraussetzungen
Das geschildertes Spiel überhaupt möglich ist, verdankt es dem Vorhandensein von Definitionen. Im Prozess des „Definierens“, wird einem sprachlichen Ausdruck eine exakte Bedeutung gegeben, wodurch dieser überhaupt erst für den allgemeinen und im Besonderen auch für den wissenschaftlichen Sprachgebrauch nutzbar wird und einen, wie auch immer gearteten, Diskurs darüber gestattet.
Berücksichtigt man diese ersten Überlegungen, könnte man meinen, dass es nicht so schwer sein kann, den Begriff „Terrorismus“ zu definieren. Doch was im kindlichen Uni-
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versum in der Regel ohne größere Schwierigkeiten zu der Antwort „Pflanze“ führt, steht in der Welt der Erwachsenen vor einem Berg der „Wenns“ und „Abers“, was bis dato zu der stolzen Summe von weit mehr als 100 verschiedenen Definitionen geführt hat, die alle für sich beanspruchen, dass wenn sie auf die Worte „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist…“ folgen, nur eine Antwort zulassen können: „Terrorismus“.
Die offenen Fragen
Aus genannten Zusammenhängen ergeben sich dann auch die Fragen, die in dieser Hausarbeit bearbeitet werden sollen. Ganz grundsätzlich ist zu klären, was denn überhaupt eine Definition ist. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Vorhandensein einer bestimmten Definition, bzw. welche Folgen hat das Nichtvorhandensein einer Definition? Ist es möglich, dass sich die Definition ein und desselben Begriffes im Laufe der Zeit oder an verschiedenen Orten grundsätzlich voneinander unterscheidet? Gibt es vielleicht sogar unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Charakteristika einen bestimmten Sachverhalt grundsätzlich ausmachen und ihn daher definieren sollten, und kann es für den Fall, dass es solche kommutabelen Definitionen gibt, überhaupt die eine „richtige“ und „wahre“ Definition geben? Ferner soll der Frage nachgegangen werden, ob sich ein Zusammenhang zwischen der verwendeten Definition und dem eigenen Interesse an dem hierin definierten Sachverhalt ausmachen lässt und welche Konsequenzen sich hieraus für die Analyse der Terrorismusdefinition(en) selbst ergeben.
2. Definition
Die Definitionsproblematik des Terrorismusbegriffes ist aus kriminologischer Sicht kein neues Problem, geschweige denn ein Einzelfall. Ähnliche Schwierigkeiten findet man auch im Zusammenhang mit anderen kriminologischen Grundbegriffen, wie zum Beispiel bei „Korruption“ und/ oder „organisierter Kriminalität“; ja selbst die Frage, was denn überhaupt „Kriminalität“ ist, füllt eine Vielzahl von Bänden einer wohl sortierten kriminologischen Bibliothek. Um sich der Problematik der Definition von Terrorismus zu nähern, soll in dieser Arbeit eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Definition“ selbst vorangestellt werden. Dieses Vorgehen resultiert aus der Annahme, dass elementare Aspekte der Terrorismusdefinitionsschwierigkeiten bereits im Zusammenhang mit der Analyse des Begriffes der „Definition“ augenscheinlich werden. Ziel dieses Abschnittes soll es dabei sein, eine Art analytisches Werkzeug zu entwickeln, welches in der Lage ist, die für diese
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Hausarbeit entscheidenden Punkte herauszuarbeiten und somit das Rüstzeug für die Analyse der Problematik der Terrorismusdefinition(en) in Abschnitt 3 darstellt.
2.1 Was ist eine Definition
Eine Definition beschreibt die exakte sprachliche Bedeutung eines Begriffes. Dies geschieht im Prozess des Definierens, dessen Resultat eine Definition darstellt. „Der Ausdruck, dessen Bedeutung angegeben werden soll, der zu definierende Ausdruck - das Definiendum [..], soll dabei dem Ausdruck, mit dessen Hilfe er definiert wird - dem Definiens […] äquivalent sein.“ (Radnitzky, 1989, S. 27) Sehr anschaulich ausgedrückt, ist eine Definition also eine Art Gleichung, bei der sich Definiendum und Definiens gegenüberstehen, wobei das Definiens mindestens 2 Ausdrücke beinhalten muss, da es sich bei nur einem Begriff um keine Definition, sondern um ein Synonym handeln würde. Bei einer Definition werden verschiedene sprachliche Ausdrücke gleichgesetzt, die für einander eintreten können, ohne dass sich dabei etwas an der Bedeutung des Ausgesagten ändern würde. (vgl. Seiffert, 1971, S. 13) Eine Definition nach diesem Muster könnte z.B. so aussehen: X (Definiendum)=Y+Z (Definiens) (vgl. Schmid, 1983, S.5)
2.2 Definition und Wesentliches
Es erscheint einleuchtend, dass allgemeingültige Definitionen Grundvoraussetzung für die sinnvolle Verwendung von Sprache sind und besonders im Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten stellen sie den Ursprung jedweder Analyse dar. In diesem Sinne können sie als die Fundamente jedes wissenschaftlichen Theoriekonstruktes angesehen werden und erlangen so ihre existentialistische Bedeutung für die Wissenschaft. So auch für Thomas Hobbes, für den Definitionen die einzige materielle Basis der Wissenschaft darstellen. (vgl. Gabriel, 1972, S. 15) Ist man sich der weit reichenden Bedeutung von Definitionen bewusst, läuft man aber zugleich Gefahr, diese zu überschätzen. Denn Definitionen sind von Menschen festgelegte Beschreibungen und Regeln, die sie auf Begriffe, welche stellvertretend für die unterschiedlichsten Dinge, Objekte, Phänomene und Strukturen stehen, anwenden. Daher ist zu berücksichtigen, dass: „Die Definition ist nämlich nicht das Wesentliche eines Dinges, sondern sie ist ein Satz, der das ausdrückt, was wir für das Wesentliche des Dinges halten.“ (Hobbes, 1918, S.51) Hobbes gibt hiermit einen ersten Hinweis auf Probleme, die in Zusammenhang mit Definitionen auftauchen, denn was das Wesentliche eines Dinges ist, unterliegt, wie zu zeigen sein wird, einem mehr oder weniger subjektiven
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Bewertungs- und Selektionsprozess, der damit auch einen immensen Einfluss auf den Definitionsprozess und damit auch per se auf die Definition selbst hat.
2.3 Definition und Wissenschaft
Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn fußt auf dem Vorhandensein von exakten Definitionen, welche die Objekte ihrer Untersuchung handhabbar und nutzbar machen, oder aber die Wissenschaft macht eben die Definition selbst zum Ziel ihrer Bemühungen, um dann hierauf aufbauen zu können. Dabei ist z.B. die Soziologie auf ein Regelwerk angewiesen, welches es ihr ermöglicht eine wissenschaftliche Sprache zu entwickeln um wissenschaftlichen Ansprüchen, wie z.B. Objektivität und Wertneutralität zu genügen, um damit eine kontextinvariante Terminologie zu entwickeln. (vgl. Seiffert, 1971, S.15) „Der erste Schritt des Soziologen muss also darin bestehen, die Dinge, die er behandelt, zu definieren, damit man weiß, und genau weiß, um welches Problem es sich handelt.“ (Durkheim, 1980, S.131) Um dem in Punkt 2.2 beschriebenen Bewertungs- und Definitionsprozess vorzubeugen, müssen wissenschaftliche Definitionen objektiv sein. Das bedeutet, dass die zu entwickelnde Definition nicht Ausdruck einer bestimmten Auffassung oder Interpretation der Dinge sein darf, sondern, dass sie die dem zu definierenden Objekt innewohnenden Eigentümlichkeiten und Merkmale beinhalten muss. Das bedeutet dann darüber hinausgehend, dass eine solche Definition alle Phänomene umfassen muss, auf welche die ihr innewohnenden Charakteristika zutreffen. „Denn wir haben weder einen Grund noch ein Mittel, um unter ihnen eine Auswahl zu treffen.“ (Durkheim, 1980, S.131) Hiermit gibt Durkheim einen Hinweis auf einen weiteren Gefahrenpunkt eines Bewertungs- und Selektionsprozesses, dem im Hinblick auf die Definition(en) von Terrorismus eine wichtige Rolle zuzusprechen ist, wie später noch zu zeigen sein wird.
Ein nach diesen Regeln gebildeter Begriff unterscheidet sich mitunter von der Bedeutung, welche sie im allgemeinen Sprachgebrauch innehaben, wie zum Beispiel die von Durkheim aufgestellte Definition von Selbstmord (siehe Durkheim, 1987, S.27). Für die hier vorliegende Arbeit ist dieser Umstand von Bedeutung, da die Differenz zwischen dem allgemeinen und dem wissenschaftlichen Verständnis von Terrorismus als extrem hoch einzustufen ist. Dieser Umstand ändert natürlich nichts an der wissenschaftlichen Notwendigkeit, sich von dem allgemein gültigen Wortgebrauch abzuwenden und sich einer exakten Terminologie zu bedienen, dieses Missverhältnis an sich, sollte aber durchaus Teil der Analyse des hier zu bearbeitenden Sachverhaltes sein.
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Arbeit zitieren:
Dipl. Soz. Pädagoge Robert Siegl, 2005, Problematik der Terrorismusdefinition(en), München, GRIN Verlag GmbH
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