Gliederung
Gliederung 2
1 Einleitung: Geschichte der Familienpolitik in Deutschland 3
2 Die Anfänge der Familienpolitik in Deutschland 6
2.1 Das Familienbild in den 50er Jahren 6
2.2 Institutionalisierung von Familienpolitik 9
2.3 Familienpolitik unter Franz-Josef Wuermeling. 11
2.4 Bilanz der Amtszeit Wuermelings. 14
3 Allmählicher Wandel in Familienbild- und -politik 16
3.1 Das Familienbild in den 60er Jahren 16
3.2 Familienpolitik unter Bruno Heck 18
3.3 Bilanz der Amtszeit Hecks 20
3.4 Familienpolitik unter Aenne Brauksiepe 20
4 Abschließendes Fazit 22
5 Literatur. 24
2
„Wir kämpfen für die Rechte der Familie und den freien Lebensbereich des einzelnen,
1 Einleitung: Geschichte der Familienpolitik in Deutschland
Familienpolitische Maßnahmen haben in Deutschland bereits Tradition. So können etwa Beratungshilfen oder Familienpflegedienste auf eine lange Geschichte zurück blicken. Allerdings ohne, dass diese als Familienpolitik im expliziten Sinne galten. Die Integration in eine umfassende Familienpolitik erfolgte erst in jüngerer Zeit. Dennoch wurde dem Schutz und der sozialen Förderung der Familie als Staatsaufgabe schon in der Weimarer Verfassung in Artikel 119 ein Platz eingeräumt. Dort heißt es unter anderem: „Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge. Die Mutterschaft hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge des Staates.“ 2 Doch was schriftlich bereits fixiert war, wurde noch lange nicht in eine praktische Familienpolitik umgesetzt. Die Entwicklung in diesem Bereich wurde durch historische Einschnittewie den ideologischen Missbrauch durch die Nationalsozialisten - immer wieder unterbrochen. Vor allem die Thematisierung bevölkerungspolitischer Aspekte wurden dadurch bis heute belastet. 3
Der Begriff „Familienpolitik“ wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg fest eingebürgert und bezeichnet „das bewußte und planvoll-ordnende öffentliche Einwirken auf die äußeren, insbesondere wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen derjenigen Gemeinschaften, die dem jeweils maßgeblichen Verständnis von Familie
1 Kohl, Helmut: 40 Jahre Familienpolitik. In: Bundesministerium für Familie und Senioren: 40 Jahre
Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Rückblick - Ausblick. Berlin/Bonn 1993. S. 7.
2 Ehrmann, Sandra: Familienpolitik in Frankreich und Deutschland. Ein Vergleich. Frankfurt am Main
1999. S. 11.
3 Vgl. Ebd., S. 11.
3
entsprechen“ 4 . In der Nachkriegszeit standen vor allem die wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse kinderreicher Familien im Fokus der politischen Maßnahmen - es handelte sich vorwiegend um lohnergänzende familien- und kinderbezogene Einkommenshilfen. Derartige Leistungen waren in Deutschland schon vor dem ersten Weltkrieg durch Initiativen einzelner Unternehmer eingeführt worden. Nach 1918 wurden in einigen Wirtschaftszweigen Familienausgleichskassen gegründet, die allerdings im Zuge der Inflation weitgehend untergingen. Durch die fast völlige Abschottung Deutschlands von internationalen Entwicklungen während des NS-Regimes, konnte sich die Gesetzgebung für Familienzulagen erst nach dem zweiten Weltkrieg weiter entwickeln. 5 Hinzu kam auch, dass Maßnahmen, die vor 1945 entwickelt wurden, vom Alliierten Kontrollrat aufgehoben wurden, da sie von „eugenischen, rassenpolitischen und bevölkerungspolitischen Motiven stark geprägt waren“ 6 . Sowohl das Kindergeld als auch familienbezogene Steuerbegünstigungen wurden deshalb abgeschafft.
Ab 1946 wurde dann wieder ein Kinderfreibetrag gewährt, um der geringeren steuerlichen Leistungsfähigkeit von Ehepaaren mit Kindern Rechnung zu tragen. Daran knüpfte die Bundesrepublik 1949 an und erhöhte als erste familienpolitische Maßnahme den Kinderfreibetrag von 400 auf 600 DM für alle Kinder. Zu einer institutionalisierten und systematischen Familienpolitik kam es jedoch zunächst nicht. Familienfragen wurden in den ersten Jahren der Bundesrepublik lediglich als Teil der Sozialpolitik behandelt, eine institutionelle Vertretung gab es weder auf legislativer noch auf exekutiver Ebene. 7 Erst mit der Gründung des Familienministeriums im Jahre 1953 erfolgte ein Neubeginn der deutschen Familienpolitik. Dadurch wäre es auch möglich gewesen, das Familienbild zu modernisieren. Allerdings knüpfte die Politik an das bürgerliche Modell der Hausfrauenehe an, das sich bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts „etabliert“ hatte. Dadurch blieb die Vorstellung der patriarchalischen Familie bestehen, wenn auch im Laufe der Zeit mit „tendenziell angelegter
4 Kuller, Christiane: Familienpolitik im föderativen Sozialstaat. Die Formierung eines Politikfeldes in der
Bundesrepublik 1949-1975. Oldenburg 2004. S. 13.
5 Vgl. Wingen, Max: Familienpolitik. Stuttgart 1997. S. 20ff.
6 Ehrmann 1999, a.a.O., S. 11.
7 Vgl. Gerlach, Irene: Familienpolitik. Lehrbuch. Wiesbaden 2004, S. 151.
4
Partnerschaftsideologie“ 8 . Nicht erwerbstätig zu sein wurde für Frauen als Ausdruck von Wohlstand gedeutet und auch die Familienpolitik verstärkte dies durch zahlreiche gesetzliche Absicherungen. 9
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Folgenden daher mit der Institutionalisierung und den ersten Phasen der Familienpolitik von 1949 bis 1969, also bis zur Regierungsübernahme durch die Sozialliberale Koalition. Es werden Einstellung und Arbeit der Familienminister Franz-Josef Wuermeling, Bruno Heck und der ersten weiblichen Familienministerin Aenne Brauksiepe vorgestellt sowie das Familienleitbild der 50er und 60er Jahre, das die Politik nachhaltig prägte.
8 Jurczyk, Karin: Frauenarbeit und Frauenrolle. Zum Zusammenhang von Familienpolitik und
Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland von 1918-1975. Frankfurt/München 1976, S. 69.
9 Vgl. Opielka, Michael: Familie und Beruf. Eine deutsche Geschichte. In: Aus Politik und
Zeitgeschichte, B 22-23/2002, S. 22f.
5
„Das Familienbild in den 50ern beschwört eine Idyllebeschränkt auf die Zwei-Generationen-Kleinfamilie, im eigenen Häuschen.
2 Die Anfänge der Familienpolitik in Deutschland
2.1 Das Familienbild in den 50er Jahren
„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“, so wurde es 1949 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geschrieben. Ehe und Familie wurden als Institution gesehen und Familienpolitik von 1949 bis 1969, also bis zur Übernahme der Regierung durch die Sozialiberale Koalition, wurde daher hauptsächlich als Institutionenpolitik betrieben. Wie Ehe und Familie auszusehen haben, dafür gab es konkrete Leitbilder. Die Politik orientierte sich am bürgerlichen Familienbild, stand jedoch vor allem unter dem Einfluss der katholischen Kirche, der auch Adenauer nah stand. „Der Mann ist [dabei] Oberhaupt und der Ernährer der Familie, die Frau sorgt für den Haushalt und die Kinder und ist möglichst nicht erwerbstätig.“ 11 Diese Vorstellung prägte die Familienpolitik der CDU. Als Grundlage für diese konservative Familienideologie diente die katholische Naturrechts- und Soziallehre, die jedem in der Schöpferordnung Gottes einen festen Platz zuweist. Dabei kommt der Frau wie gerade zitiert, die Rolle der „treusorgenden Gattin und Mutter“ 12 zu.
10 Kriwet, Hildegard: Familiengeschichte, Planet-Wissen, http://www.planet-
wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,D4A4FA6FF9B68C95E030DB95FBC335D5,,,,,,,,,,,,,,,.html, Zugriff am
12.03,2006
11 Kriwet, Hildegard: Familienpolitik, Planet-Wissen, http://www.planet-
wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,D4A5E3095C70ED6FE030DB95FBC33FBE,,,,,,,,,,,,,,,.html, Zugriff am
12.03.2006
12 Köpcke, Monika: Vor 50 Jahren. Deutschlandradio,
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/kalender/329544/, Zugriff am 25. November 2005.
6
Da die Ehe als natürliche Ordnung galt, wurde beispielsweise Ehescheidung abgelehnt oder erschwert und im allgemeinen wurde „die Ehe- und Familiengesetzgebung recht restriktiv“ 13 gehalten.
Angesichts des Einflusses der katholischen Kirche auf Familienbild und -politik, ist es auch nicht verwunderlich, dass mit Franz-Josef Wuermeling ein „strenger Katholik zum Chef des neuen Ministeriums gemacht“ 14 wurde - Konrad Adenauer tat damit den kirchlichen Kräften in der BRD einen Gefallen. Wuermeling war verheiratet, fünffacher Vater und strenger Katholik - also genau der richtige Repräsentant für das patriarchalische Geschlechtermodell der Adenauer-Ära. Da dadurch auch viele Forderungen der katholischen Kirche realisiert wurden, stand sie voll und ganz hinter der Familienpolitik der Regierung. Ein Zitat aus dem Jahr 1962 bringt die Einstellung des ersten Familienministers zum Ausdruck: „Eine Mutter daheim ersetzt vielfach Autos, Musiktruhen und Auslandsreisen, die doch allzu oft mit ihrer Kinder gestohlener Zeit bezahlt wurden.“ 15 Wuermeling ging selbstverständlich davon aus, dass die Frau ihre von Natur aus gegebene Mutter- und Hausfrauenrolle erfüllt. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass Kindergärten und Hortplätze nicht vorhanden waren und auch lange Zeit nicht gefördert wurden. So war die Mutter für ihre Kinder unentbehrlich. Die Idealvorstellung Wuermelings von der Mehrkinderfamilie fördert die Familienstabilität durch die Bindung der Frau an den Haushalt noch zusätzlich. „Deshalb ist für ihn Frauenerwerbstätigkeit aus familienstabilisierenden Gründen etwas Abzulehnendes und Kinderreichtum besonders förderungswürdig.“ 16
Die Realität der Nachkriegsjahre gestaltete sich dennoch ein wenig anders. Denn die deutsche Wirtschaft konnte schon damals Frauen als Arbeitskräfte gut gebrauchen. Viele Städte waren durch Bomben fast völlig zerstört worden, die Menschen hatten Besitz und Wohnung verloren und der Strom an Flüchtlingen war groß. Aufgrund der vielen gefallenen Männer sowie derer, die vermisst oder in Kriegsgefangenschaft waren, waren viele Frauen dazu gezwungen, schwerste Arbeit auf sich zu nehmen.
13 Textor, Martin: Familienpolitik - Probleme - Maßnahmen - Forderungen. München 1991. S. 35.
14 Gerlach 2004, a.a.O., S. 152.
15 Gerlach 2004, a.a.O., S. 153.
16 Jurczyk 1976, a.a.O., S. 97.
7
Arbeit zitieren:
Cornelia Wolf, 2006, Die Anfänge der Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1969 , München, GRIN Verlag GmbH
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