Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung - 3 -
II. Bernhards Wirken in Kirche und Religion - 4 -
II.1 Bernhard und die Zisterzienser - 4 -
II.2 De diligendo Deo (Über die Gottesliebe) - 6 -
III. Bernhards Wirken in der Welt - 9 -
III.1 Bernhard und der Templerorden - 9 -
III.2 Bernhard und der zweite Kreuzzug - 11 -
IV. Fazit - 12 -
V. Literaturverzeichnis - 14 -
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I. Einleitung
Bernhard von Clairvaux nannte sich selbst einmal in einem Brief an den Prior der Kartause von Portes als „chimaera mei saeculi“ 1 , was Peter Dinzelbacher als „Chimäre meiner Generation“ übersetzte. 2 Eine Chimäre ist nach Homer ein Mischwesen aus Löwe, Ziege und Schlange und wurde im Mittelalter als Verkörperung des Bösen in der Buchmalerei, auf Mosaiken und in Stein nachgewiesen. 3 Im Folgenden beschäftigen uns mit der Frage, warum Bernhard sich selbst als ein solches Mischwesen bezeichnete. Dabei wollen wir zum Einen auf sein Wirken als Mönch und seine Lehre eingehen und zum Anderen sein weltliches Wirken beschreiben. Besonders deutlich sieht man diese Multifunktionalität seiner Person an der Pluralität der überlieferten Werke: Obwohl davon auszugehen ist, dass nicht alle Schriftstücke Bernhards überliefert sind 4 , finden sich in der Gesamtausgabe der Werke von Bernhard von Clairvaux 5 in 10 Bänden Predigten (davon allein 86 Predigten über das Hohelied (1 bis 3,1)), mindestens acht Parabeln und über 550 Briefe. Jean Leclercq hat mit seiner Kritischen Edition bereits die Vorarbeit geleistet, die Echtheit der Quellen zu prüfen und auch zwei der Urheberschaft wegen umstrittenen Traktate nicht mit aufgenommen. Ansonsten können wir davon ausgehen, dass die in die Edition aufgenommenen Werke von Bernhard selbst stammen. 6 Doch sogar diese umfangreiche Sammlung wird gelegentlich erweitert, da auch in jüngster Zeit noch Funde in Abteien gemacht werden 7 .
Schwierig bei der Biographie Bernhards ist vor allem die Tendenz der Vita prima, welche den später Heiliggesprochenen natürlich in bestem Licht erscheinen lässt und alle problematischen Aspekte beiseite lässt. Auch die Biographien der Ordensbrüder und Zeitgenossen spiegeln vor allem den charismatischen Prediger wieder, der von seinem Glauben überzeugt ist und zu
1 Epistola 195,1 = VIII, 49, 6ff.
2 DINZELBACHER, Peter: Bernhard von Clairvaux, Leben und Werk des berühmten Zisterziensers (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1998.
3 Art: Chimäre.In: Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bd, 19. völlig neu bearb. Aufl., Bd 4, Mannheim 1987, S. 475f.
4 Seine Kreuzzugspredigt ist beispielsweise nicht erhalten, wir haben nur Hinweise auf deren Inhalt aus anderen Werken und von anderen Autoren und natürlich einige Briefe Bernhards, die zum Kreuzzug aufriefen.
5 BERNHARD von Clairvaux: Sämtliche Werke, lat/dt, hg. von Gerhart B. WINKLER, Innsbruck 1990.
6 Nach Leclerq hat Bernhards Schreibstil über die Jahre kaum variiert und von den erhaltenen Handschriften ist auch keine Abweichung zu bemerken.
7 Vgl. HEINZER, F.: Zwei unbekannte Briefe Bernhards von Clairvaux in einer Handschrift der Zisterzienserabtei Lichtental. In: Scriptorium 41, 1987, S. 97-105.
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überzeugen weiß. Dennoch haben wir in der Rezeption der Lebens Bernhards auch den, wenn auch oft verschwiegenen, unangenehmeren Aspekt seines Tuns zum Beispiel im Umgang mit seinem Ordensbruder Abaelard. 8
II. Bernhards Wirken in Kirche und Religion
Die nachhaltige Wirkung, die Bernhard von Clairvaux auf die damalige Gesellschaft und deren Gottesbild und die römisch-katholische Kirche hatte, zeigt sich zum Einen an der Heiligsprechung durch Papst Alexander III am 18.1. 1174 und der Verleihung des offiziellen Titels »Doctor ecclesiae« durch Pius VIII im Jahre 1830 9 . Zum Anderen wird sie an der immensen Ausbreitung des Zisterzienserordens und, damit verbunden, auch an der Verbreitung der Mystik und des Gottesbildes Bernhards, welche bis heute präsent sind, deutlich.
II.1 Bernhard und die Zisterzienser
Bernhard wurde 1091/91 auf der Burg Fontaines bei Dijon geboren. Als drittes von sieben Kindern genoss er eine sehr strikte Erziehung, was wohl besonders auf den Einfluss der Mutter Aleth von Montbard zurückgeht, welche selbst sehr fromm war 10 . Seine Schulbildung erhielt er in dem kanonischen Stift St. Vorles in Chatillon-sur-Seine. Er studierte wohl auch die sieben freien Künste, was seine Kunstfertigkeit in Rhetorik und Grammatik zeigt. In seiner Jugendzeit kam Bernhard auch mit weltlichen Genüssen in Berührung und verließ kurz den geistlichen Weg, was er allerdings später bereute. 11 Nach seiner Conversio, die im Gegensatz zu anderen Heiligen keinen abrupten Umschwung in seinem Leben bedeutete, sondern sich langsam und „nicht ohne innere Widerstände“ 12 vollzog, fasste er den Entschluss, Mönch zu werden. Der Tod der Mutter und das Bedürfnis, ihrem Wunsch zu
8 ROBL, Werner: Das Konzil von Sens 1141 und seine Folgen, Der Ketzerprozess gegen Peter Abaelard im Spiegel der Zeitgeschichte, Online-Buch im PDF-Format, Juli 2003, Url: http://www.abaelard.de/abaelard/030029sens.htm (Stand Mai 2003).
9 BAUTZ, Friedrich Wilhelm: BBKL, Bd. I, Hamm 1990, Sp. 530-532.
10 GOTTFRIED von Auxerre: Fragmenta, Les fragmenta de vita et miraculis S. Bernardi. In: Analecta Bollandiana 50, 1932, S. 83-122.
11 Epistola 42, 23 = VIII, 118f.
12 DINZELBACHER: Bernhard von Clairvaux, Darmstadt 1998, S. 10.
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folgen, wie auch die Möglichkeit, „der Gefahr von Sünde und Verdammnis zu entrinnen“ 13 mögen Gründe dafür gewesen sein.
Dinzelbacher begründete die Wahl des Ordens mit Bernhards kompromissloser Einstellung und seiner Furcht, „bei einem Leben in der Welt mit ihren Versuchungen“ 14 seine Seele nicht retten zu können. Der Kompromiss zwischen dem Eremitentum, das ein unter Brüdern und in der Familie aufgewachsener Gemeinschaftsmensch scheuen muss und seinem Wunsch nach streng sittlicher Lebensführung, war die Wahl des 1098 von Robert von Molesmes neu gegründeten Klosters Cîteaux. Diese hob sich durch seine strikte Ausübung der Benediktsregel, 15 wie auch durch die Unwirtlichkeit seiner Lage hervor. 16 Bezeichnend für die Sozialisation Bernhards ist die Tatsache, dass er, bevor er dem Orden beitrat, seine ganze Familie einschließlich des verheirateten Bruders dazu brachte, dem weltlichen zu entsagen und gemeinsam mit ihm den Zisterziensern beizutreten. Auch wenn solche „Adelsbekehrungen ganzer Familien“ 17 im Mittelalter wohl nicht so ungewöhnlich waren, 18 wie ein moderner Mensch das beurteilen würde, zeigt sich doch die suggestive Wirkung Bernhards auf seine Umwelt.
Der Andrang in das neu gegründete Kloster war so groß, dass wenige Jahre nach Gründungs Cîteauxs 1098 bereits die ersten Töchterklöster gegründet wurden. Die erste Filiation fand 1113 mit LaFerté statt, ein Jahr später dann Pontigny. 1115 betraute der mittlerweile dritte Abt von Cîteaux, Stephen Harding, welcher 1108 die erste Verfassungsurkunde des Ordens, die Charta caritatis, formuliert hatte 19 , Bernhard mit der Gründung eines neuen Klosters im sog. „Wermuttal“ auf dem Grund eines Vetters von Bernhard, nämlich Josbert le Roux de La Ferté (Gosbert der Rote). 20 Der erst 25jährige Bernhard zog, wie vorgeschrieben durch die
13 Ebd, S. 12.
14 Ebd, S.14.
15 Volltext der Benediktusregel nach der Salzburger Äbtekonferenz unter: http://www.kloster-ettal.de/regel/
16 Eine Genauere Darstellung der Gründung Cîteaux findet sich im Aufsatz von SCHNEIDER , Reinhard: Anfänge und Ausbreitung des Zisterzienserordens. In: Von Cîteaux nach Bebenhausen, hg. von Barbara SCHOLKMANN und Sönke LORENZ, Tübingen 2000, S.1-20.
17 DINZELBACHER: Bernhard von Clairvaux, Darmstadt 1998, S.17.
18 Man vergleiche dazu das Beispiel des Grafen Cappenberg: Lit: BEWERUNGE, R.: Der Ordenseintritt des Grafen Gottfried. In: Archiv für mittelrheinische Kirchgeschichte 33, 1981, S. 31-81.
19 Vgl. Die Geschichte des Zisterzienserordens, Url: http://www.abtei-waldsassen.de/ (Stand: 20.9.2004)
20 Vgl. EBERL, Immo: Die Zisterzienser, Geschichte eines europäischen Ordens, Stuttgard 2002, S.39ff.
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Arbeit zitieren:
Sandra Schwab, Anna Franziska Krantz, 2007, Bernhard von Clairvaux - Leben und Wirken des berühmten Zisterziensers, München, GRIN Verlag GmbH
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