1. Einleitung
Was ist Offener Unterricht? Als angehende Lehrer und Lehrerinnen fragen wir uns oft in dem Studium, wie wir später den Unterricht kindgerechter gestalten können, so dass die Schüler etwas für ihr Leben lernen. Sie sollen nicht nur den Schulstoff vermittelt bekommen, sondern lernen, wie sie sich selber verwirklichen können und wie sie ihr Leben gestalten können. So stellt sich schnell heraus, dass der Unterricht an der Lebenswirklichkeit und Interessen der Kinder anknüpfen muss. Durch den Frontalunterricht lernen die Kinder nur eine Regel: Und zwar zuhören und aufsaugen. Dadurch bleibt bei der Unterrichtsmethode wenig Raum für die Wirklichkeit und Handlungsorientierung. Auch die Differenzierung leidet oft unter dem Frontalunterricht, da alle Kinder einen unterschiedlichen Wandel und Standpunkt haben. Sie sind nicht synchron in ihrer Entwicklung und wir als zukünftige Lehrer müssen bei jedem Kind da ansetzen, wo es grad steht. Um jedes Kind zu greifen und jedem Kind zu ermöglichen den Schulstoff und alles andere wie soziales Verhalten, Handlungen und Verknüpfungen an die Realität zu ermöglichen kann der Offene Unterricht ein Weg zur Lösung sein. In dieser Arbeit setze ich mich zuerst mit dem Begriff „Offener Unterricht“ auseinander. Danach beziehe ich mich auf die verschieden Aspekte, wie Ziele und Arbeitsweisen, des Offenen Unterrichts. So soll hier ein kurzer aber ausführlicher Überblick über den Offen Unterricht entstehen, wo alle Aspekte kurz und verständlich umrissen sind. Und um den Offen Unterricht noch deutlicher und greifbarer zu machen, gehe ich schwerpunktmäßig auf eine Arbeitsweise des Offenen Unterrichts ein: der Wochenplan. Dadurch soll ein ausführlicher Einblick in eine mögliche Arbeitsweise des Offenen Unterrichts gegeben werden.
2
2. Was ist Offener Unterricht?
Will man nur auf den Begriff Offener Unterricht eingehen so finden sich viele Definitionen. Eine mögliche Definition, die sich (fast) nur mit der Deutung des Begriffs beschäftigt ist z.B. die nach Wallrabenstein: Offener Unterricht ist ein „Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.“ 1
Doch diese kurze Definition reicht nicht, um zu verstehen, was Offener Unterricht wirklich ist. Um zu begreifen, was Offener Unterricht ist, muss man sich mit den einzelnen Elementen der vielschichtigen Definitionen des offenen Unterrichts beschäftigen. Denn beim Offenem Unterricht geht es nicht um eine kurzweilige didaktische Modewelle, sondern vielmehr um ein „pädagogisches Verständnis und eine pädagogische Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen“ 2 . Der Offene Unterricht verlangt somit Offenheit in der Erziehung der Kinder. Dies gibt Lehrern, Eltern und Erziehern einen offenen Zugang zur Erziehung und ermöglicht dadurch Veränderungen in der Lebenswelt und der Lebenssituation der Kinder. Dies wird durch neue methodische Konzeptionen und Erkenntnisse vom Lernen, unter Einbezug der individuellen Erfahrungen, verschiedene Ereignisse und am meisten die Freiheit der Kinder, die ihr Lernen selber an ihre jeweiligen Stärken und Schwächen anpassen können und somit den Unterricht mitbestimmen und individuell beeinflussen können, ermöglicht. 3
Die Unterrichtsmethode Offener Unterricht ist nicht in einem Rahmen einer Zeitspanne entstanden, sondern entwickelte sich im Laufe mehrere Jahrzehnte und wurde durch viele unterschiedliche Reformansätze geprägt, die von Pestalozzi bis Montessori, von Petersen, Gaudig, Kerschensteiner bis zu dem französischen Reformpädagogen Freinet reichen. So entstand die pädagogische Methode des Unterrichts aus vielen traditionellen und auch neuen Ansätzen.
1 Wallrabenstein, Wulf: Offene Schule - Offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. Reinbek bei
Hamburg 1991 Seite 54.
2 Ebd. Seite 53-54.
3 Vgl. Ebd. Seite 54.
3
Somit kann man hier auch keinen bestimmten Gründer für den Offenen Unterricht aufweisen, da in diesem viele verschiedene Methoden und Ansätze zu finden sind, die von verschiedenen Pädagogen stammen. 4
Will man aber den Offenen Unterricht deutlicher kennzeichnen, kann man sich auf die vier Thesen nach Wallrabenstein beziehen. These 1:
Handlungsorientiertes und entdeckendes Lernen. Kinder wollen von Anfang an als Lerner, Entdecker und Forscher ernstgenommen werden. Sie müssen sich in einer Umwelt wieder finden, wo sie ihre Erfahrungen verwirklichen können und auch ebenso neue Erfahrungen sammeln können. Die Öffnung des Unterrichts ermöglicht, durch Handlungen, auf das individuelle Erleben und Wahrnehmen der Kinder einzugehen. 5 These 2:
Praktische Teilnahme an dem gesellschaftlichen Leben. Den Kindern soll durch die Öffnung des Unterrichts eine „individuelle Aneignung und gemeinsame Arbeit die praktische und handelnde Teilnahme an dem notwendigen gesellschaftlichen Wissen, Erfahrungen und deren Veränderungen“ 6 ermöglicht werden. Somit muss die Veränderung des Unterrichts in der Öffnung der inhaltlichen, organisatorischen und methodischen Dimensionen stattfinden. 7 These 3:
Lernen lernen mit allen Sinnen. Um den Kindern ein schnelles und effektives Lernen zu ermöglichen, muss man im Unterricht alle Sinne der Kinder ansprechen. Das Kind lernt am besten, wenn es sich in seiner eigenen Lebenswelt wiederfindet und diese handelnd entdecken kann.
4 Vgl. Wallrabenstein, Wulf: Offene Schule - Offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. Reinbek
bei Hamburg 1991 Seite 54-55.
5 Vgl. Ebd. Seite 56.
6 Ebd. Seite 57.
7 Vgl. Ebd. Seite 57.
4
Durch diese Greifung „Lernen mit allen Sinnen“ ermöglicht man dem Kind eine „aktive Ausbildung eigener Sinne und Erkenntnisstrukturen“. 8 Somit lernt das Kind Veränderungen und alles Neue mit allen Sinnen zu lernen und zu begreifen. 9 These 4:
Veränderung in den Schultraditionen. Die Schule muss für sich selber von den alten Traditionen weichen und neue Wege durch die Öffnung des Unterrichts ermöglichen. Die Öffnung des Unterrichts ist nicht nur die Angelegenheit der Lehrer, sondern bezieht sich auf die ganze Schule und somit auch auf die Gesellschaft. Somit muss nicht nur in der Handlungsweise des Lehrers die alte Tradition vom Unterrichten aufgegeben werden, sondern die Gesellschaft muss ihre Denkweise verändern, um die Öffnung des Unterrichts zu ermöglichen. 10
Diese vier Thesen geben einen groben Überblick über den Offenen Unterricht wieder. Doch sind diese auf den Offenen Unterricht in der Offenen Schule zugeschnitten, so dass man hier weitere Merkmale des Offenen Unterrichts hinzuziehen muss, um einen allgemeinen Rahmen bei dem Versuch die Definition des Offenen Unterrichts zu bilden. Weitere Merkmale, die zu beachten wären sind:
Beteiligung der Schüler an der Unterrichtsplanung. Die Schüler sollen sich zunehmend an den unterrichtlichen Entscheidungen beteiligen. So wirken die Schüler aktiv in der Planung, Durchführung und Gestaltung des Unterrichts mit. Dabei sollen die Schüler nicht nur in den Methoden und Medien mitentscheiden, sondern auch die Ziele und das Thema festlegen.
Die Schüler haben eine komplette Mitbestimmung was ihren Unterricht und ihre Lernziele angeht. Bei der Mitbestimmung muss aber der Stand der Schüler mitbedacht werden. So können die Schüler je nach ihrem Stand über Arbeitsschwerpunkte in einem Unterrichtsabschnitt, einer Unterrichtseinheit oder über alternative Rahmenthemen mitbestimmen.
8 Wallrabenstein, Wulf: Offene Schule - Offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. Reinbek bei
Hamburg 1991 Seite 58.
9 Vgl. Ebd. Seite 58.
10 Vgl. Ebd. Seite 59.
5
Arbeit zitieren:
Veronika Weigel, 2005, Offener Unterricht - Ziele, Methoden, Möglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Offener Unterricht und Unterrichtsplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Realisierung von 'Offenem Unterricht' unter der Berücksichtigu...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 28 Seiten
Berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Theoretische Grundlagen und Um...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Das Für und Wider des Offenen Unterrichts
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit, 18 Seiten
Offener Unterricht - Definitionsansätze, verschiedene Ansätze (Freiarb...
Hausarbeit, 12 Seiten
Unterrichtseinheit: Unsere 5 Sinne - Die Zunge
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Unterrichtsentwurf, 13 Seiten
Das Problem der Leistungsbewertung im Offenen Unterricht
Hausarbeit, 20 Seiten
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Lernbehinderung - Definition, Ursachen, Ansätze der schulischen Förder...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 19 Seiten
Lernen an Stationen - Eine Möglichkeit kindgerechten Lernens
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Notwendigkeit der Fehleranalyse beim Orthographieerwerb
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 20 Seiten
Kalender und Feiertage der jüdischen Religion
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit, 35 Seiten
Veronika Weigel's Text Offener Unterricht - Ziele, Methoden, Möglichkeiten ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Veronika Weigel hat den Text Offener Unterricht - Ziele, Methoden, Möglichkeiten veröffentlicht
Veronika Weigel hat einen neuen Text hochgeladen
Offener Unterricht in der Primar- und Sekundarstufe I
Praxisleitende Theorie und the...
Manfred Bönsch
Die ' neue' Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht
Theorie, Praxis und Forschungs...
Eiko Jürgens
Lehrerfortbildung zum Offenen Unterricht
Ein empirischer Vergleich vers...
Susanne Lin-Klitzing
0 Kommentare