Inhalt
1. Einleitung 3
2. Erzählen 3
3. Krise 4
4. Roman 5
5. Kritik 8
6. Inhaltszusammenfassung: Walter Benjamin, Der Erzähler (1936) 9
Literatur 14
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1. Einleitung
Der Essay wurde 1936 in „Orient und Okzident. Staat-Gesellschaft-Kirche. Blätter für Theologie und Soziologie“ veröffentlicht. Benjamin wollte „eine neue ‚Theorie des Romans“ formulieren, „die sich ihres Platzes neben Lukács versichert hält“. B.’s „Neue Theorie“ greift aber auf Lukács zurück.
2. Erzählen
B.s Projekt ist, grob gesagt, eine Theorie des Epischen, die auf dessen Geschichtlichkeit und Wandel aufbaut. Der Anfang ist, wie so oft, eine Unterscheidung. Benjamin greift die Frage nach Unterschieden zwischen Erzähler und Romancier auf. Thema war Anfang des 20. Jh. viel diskutiert. Das gleicht Lukács, da dieser Ggs. Epos-Roman beschreibt, ähnlich wie B. unter allgemeinkulturellen Bedingungen. Aber es gibt wichtige Differenzen: Das schon deshalb, weil für B. „Erzählen“ festen Kern hat, der „naturgeschichtlich“ begründet ist. Triebkraft zur
a) Weitergabe von Erfahrung bes. mit Blick auf Umgang mit Tod, denn in ihr liegt die Fähigkeit der Erinnerung. Erzählung überlistet den Tod, indem sie gelebte Erfahrung weitergibt (vgl. Lukács: Erinnerung als Zeiterlebnis, das zugl. Überwindung der Zeit ist). Gleichzeitig übergreift sie Rahmen des einzelnen Lebens und macht „Naturgeschichte“ sichtbar: Geschichte vom Menschen, vom Werden und Vergehen.
b) Begegnung mit Außermenschlichem: Natur, Anorganisches. Einheitsgedanke der Mystik
Charakteristisch für das Erzählen ist nach B. die unmittelbare mündliche Vermittlung von Erfahrungen, die kollektive Rezeption, der praktische Bezug. Jede Erzählung „weiß“ dem Zuhörenden „Rat“, verstanden als Vorschlag, wie man sich entwickelnde Geschichte fortzusetzen hat. B. spricht von „moral von der Geschichte“. Verwobenheit von Erzählen und Leben: Erzählung ist gemeinsam erfahrene Lebenssituation. Leben ist Geschichte, die sich fortspinnt und bis Tod offen ist
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Auch Erzählen selbst praktisch, „handwerklich“. Erstens durch Umfeld, in der sie stattfindet, zweitens durch Figuren, von denen sie handelt. Drittens handwerkl. Tätigkeit: Erzähler flicht sie in eigenes Leben ein, indem er erzählt, wie er von Begebenheit erfahren hat. Allg. Aufgabe des Erzählers ist „den Rohstoff der Erfahrung auf eine solide, nützliche und einmalige Art zu bearbeiten.“ Erzähler benutzt dafür erlernbare Kenntnisse. Nikolai Lesskow (1831-1895) ist für B. idealer Erzähler. Er ist vertraut mit Heimat und deren Glauben, aber auch weit gereist. Seine Figuren sind „Gerechte“, mystisch angehaucht, werden zu Heiligen. Benjamin schätzt Lesskows Sinn für die Heilsgeschichte, die er selbst mit Natur und Naturgeschichte zu verbinden weiß (vgl. „Stimme der Natur“ Welchen Rat gibt Geschichte?). Vgl. dazu Lukács: Auch nicht frei von Gottessehnsucht. Bei L. ist Gott im Epos nat. anwesend, auch im Roman in neg. Mystik, fällt dort unter Sinnkategorie. B. erwähnt nie, dass Lesskow auch 2 Romane geschrieben hat, idealisierte Rolle. B. spricht ja selbst in I vom Blick in Fels
3. Krise
Wie bei Lukács entsprechen Gattungen Geschichtsstand der Kultur, auch Weltverhältnis. Für B. hat die Ggw. Erfahrungen als wertlos erwiesen, desh. verliert Erzählen als Vermittlung von Erfahrung an Wert. Erzählen als lit. In Missverhältnis zum Industriezeitalter: Z. B. Gleichgült. Für Fiktion/Fakt widerspr. Ideal vom pos. Wissen. Bes. der Krieg entwertet Erfahrungen. Größere Gefahr für Erzählen durch Wandel der Kommunikationsformen. Im Zeitalter des Bürgertums etabliert die Tagespresse die Mitteilungsform der Information, die sich durch „prompte Nachprüfbarkeit“ auszeichnet und unmittelbar einleuchten muss. Die „Schwingungsbreite“ des Erzählens, das „vom Wunder borgt“, nichts erklärt und so den Leser zur Interpretation zwingt, fehlt der Information. Die Information lebt von ihrer Neuigkeit, die Erzählung davon, dass sie nie alt wird. Warum? Ihre Offenheit für Interpretationen hält sie jung. Vgl. Psammenit
Das alles zeigt: B. historisiert stärker als L. An Stelle von geschichtsphilosophischen, ideengeschichtlichen Epochen tritt die gesellschaftliche Wirklichkeit. Vermeidet „allzu oft zu willkürliche Konstruktionen“ (Lukács 1962). Marxist. Prägung, materialist. Haltung
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Arbeit zitieren:
2002, Über Walter Benjamin: "Der Erzähler", München, GRIN Verlag GmbH
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