Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMSTELLUNG : INTERAKTIONSFORMEN IM SPORT 3
2 DIE VIER INTERAKTIONSFORMEN 4
2.1 Kommunizieren. 4
2.1.1 Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun 5
2.1.2 Die fünf Axiome der Kommunikation. 6
2.1.3 Kommunikation innerhalb einer Mannschaft. 8
2.1.4 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Kommunizieren 9
2.2 Kooperieren 10
2.2.1 Aufgaben- und Sozialkooperation 10
2.2.2 Vorraussetzungen um zu Kooperieren 12
2.2.3 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Kooperieren 13
2.3 Konkurrieren. 14
2.3.1 Arten des Konkurrierens 14
2.3.2 Vorraussetzungen um zu Konkurrieren 14
2.3.3 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Konkurrieren 15
2.4 Helfen/Schädigen. 16
2.4.1 Zum Begriff der Schädigung 16
2.4.2 Klassen schädigender Handlungen im Sport 17
2.4.3 Zum Begriff des Helfens. 18
2.4.4 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Helfen/Schädigen 18
3 DARSTELLUNG DER UNTERSUCHUNG 19
3.1 Zielsetzung. 19
3.2 Untersuchungsmethodik 20
3.3 Darstellung der Ergebnisse, Interpretation 23
4 ZUSAMMENFASSUNG 27
5 LITERATURVERZEICHNIS/ ABBILDUNGSVERZEICHNIS 28
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 3
1 Problemstellung : Interaktionsformen im Sport
Die sportliche Tätigkeit bietet eine günstige Gelegenheit soziales Verhalten zu Erleben und Erlernen. Bei vielen gemeinsamen sportlichen Tätigkeiten lernen Sportler die Wechselseitigkeit des Gebens und Nehmens, indem sie Vereinbarungen treffen und sie auch selbst einhalten. Nach Müller (1999) zählen Verlässlichkeit, Hilfe, Akzeptanz und Vertrauen zu den Gewünschten sozialen Eigenschaften auf die sich soziales lernen in der Bewegungserziehung beziehen kann.
Thomas (1995) beschreibt, dass sich in nahezu allen sportlichen Tätigkeiten soziale Interaktionsformen wieder finden: Während bei Mannschaftssportarten Kooperation und Kommunikation das zentrale Thema ist, stehen beispielsweise bei Kampfsportarten die Auseinandersetzung zweier Sportler mit den Regeln und der Taktik des Gegenübers im Vordergrund. Sogar Individualsportler werden subtil beeinflusst durch Reaktionen von Zuschauern oder von Leistungen anderer Sportler.
Dem Sport wird ein großer Stellewert zur Vermittlung der oben genannten wünschenswerten sozialen Werte attestiert, welche als prosoziales Verhalten zusammengefasst werden. Jedoch geht aus der aktuellen Literatur keine einheitliche Gliederung der Interaktionsformen im Sport hervor. Baumann (2000) beispielsweise unterteilt sie in handelnde Kooperation, verbalen Austausch und nonverbale Interaktion (Blickkontakt). Er unterscheidet außerdem zwischen formeller Interaktion, die sich bei Sporttreiben ergibt und einer informellen Interaktion die bei außersportlichen Zusammenkünften auftritt wie zum Beispiel der Weg zum Wettkampf. Thomas (1995) unterscheidet folgenden Formen des sozialen Interagierens: Hilfreiches Verhalten, Kooperieren, Führung und Attraktivität.
Die in der Literatur verwendeten Begriffe kann man in vier große Gruppen zusammenfassen:
- Kommunizieren
- Kooperieren
- Konkurrieren
- Helfen/ Schädigen
Die Einteilung der Interaktionsformen im Sport in diese 4 Gruppen wird auch in der folgenden Arbeit verwendet.
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 4
Mit dieser Arbeit wird versucht eine klare Gliederung der Interaktionsformen im Sport zu schaffen, im Hauptteil wird beschrieben wie sich diese Prozesse Interagierenden Handelns charakterisieren, welche von besonderer Wichtigkeit in der Bewegungserziehung sind und welche möglichen Konsequenzen sich für die praktische Umsetzung ergeben.
Im empirischen Teil der Arbeit wird mittels Experteninterviews der Frage nachgegangen, welche Interaktionsformen häufig beim Sporttreiben beobachtet werden können und welche Vorraussetzungen und Ziele gegeben sein müssen, damit eine funktionierende Kooperation zwischen Sportlern zustande kommt. Spieler von Mannschaftssportarten (Fußball, Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball) bilden hierbei das Feld meiner Untersuchung.
Am Ende der Arbeit steht eine Zusammenfassung, die einen Grobüberblick über die gesamte Arbeit gibt und die wichtigsten Punkte in kompakter Form schildert.
2 Die vier Interaktionsformen
Auf den folgenden Seiten werden die Interaktionsformen im Detail dargestellt. Zu Beginn jedes Teilabschnittes steht jeweils eine Definition der Interaktions-form, darauf folgen detailliertere Informationen über den interaktiven Prozess. Am Ende wird versucht die pädagogische Bedeutsamkeit der jeweiligen Interak-tionsform herauszuarbeiten.
Die klare Einteilung der Interaktionsformen ist sehr schwierig da sich einzelne Interaktionen untereinander bedingen, dennoch erscheint die Einteilung in die oben genannten Formen sinnvoll, da sie die Gesamtheit der interaktiven Möglichkeiten im sportlichen Handeln abdecken.
2.1 Kommunizieren
Es gibt leider keine allgemein anerkannte Definition des Begriffes Kommunikation. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Kommunikation ist erstens ein komplexes Phänomen, das nicht einfach beschrieben werden kann. Das Thema Kommunikation wird zweitens mit unterschiedlichen Einstellungen und unter unterschiedlichen Zielsetzungen behandelt (nach Maletztke, 1998). Der Prozess der Kommunikation wird versucht in Form von Modellen zu beschreiben. Ein sehr gutes Modell liefert dazu Schulz von Thun mit seinem Kommunikationsquadrat, oder auch Vier-Ohren-Modell. Das Kommunikationsquadrat beschreibt kurz gesagt die Mehrschichtigkeit einer menschlichen Äuße- rung in Form von vier Ebenen.
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 5
2.1.1 Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
Die vier Ebenen der Kommunikation haben nicht nur Bedeutung für das private Miteinander, sondern auch und vor allem auch auf den sportlichen Bereich, wo das Professionelle und das Menschliche ständig miteinander verzahnt sind. In seinem Modell hat also jeder Sender 4 Schnäbel und jeder Empfänger 4 Ohren. Psychologisch gesehen sind also auf jeder Seite 4 Schnäbel und 4 Ohren beteiligt wenn wir miteinander reden. Die Art und Qualität des Gespräches hängt sehr davon ab in welche Weise diese Instrumente zusammen spielen.
Abb.1: Das vier Seiten Modell nach Schulz von Thun. 1981
Im Folgenden werden die vier Ebenen einer Nachricht beschrieben (nach Schulz von Thun, 1981):
Sachebene: Hierbei stehen Sachinformationen im Vordergrund, es geht 1.
um Daten Fakten, und Sachverhalte. Dabei gilt zum einen das Wahrheitskriterium wahr oder unwahr (zutreffend/nicht zutreffend), zum anderen das Kriterium der Relevanz (sind die aufgeführten Sachverhalte für das anstehende Thema von Belang/nicht von Belang?) und zum Dritten erscheint das Kriterium der Hinlänglichkeit (sind die angeführten Sachhinweise für das Thema ausreichend, oder muss vieles andere auch bedacht sein?)
Selbstkundgabe: Wenn jemand etwas von sich gibt, gibt er auch etwas 2.
von sich. Jede Äußerung enthält auch, ob ich will oder nicht, eine Selbstkundgabe, einen Hinweis darauf, was in mir vorgeht, wie mir ums Herz ist, wofür ich stehe und wie ich meine Rolle auffasse. Während der Sender also mit dem Selbstkundgabe-Schnabel, implizit oder explizit, Informationen über sich preisgibt, nimmt der Empfänger diese mit dem Selbstkundgabe-Ohr auf: Was sagt mir das über den Anderen? Was ist der für einer? Wie ist er gestimmt?
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 6
Beziehungsseite: Ob ich will oder nicht: Wenn ich jemanden anspre- 3.
che, gebe ich (durch Formulierung, Tonfall, Begleitmimik) auch zuerkennen, wie ich zum Anderen stehe und was ich von ihm halte — jedenfalls bezogen auf den aktuellen Gesprächsgegenstand. In jeder Äußerung steckt somit auch ein Beziehungshinweis, für welchen der Empfänger oft ein besonders sensibles (über)empfindliches Beziehungs-Ohr besitzt. Aufgrund dieses Ohres wird entschieden: "Wie fühle ich mich behandelt durch die Art, in der der andere mit mir spricht? Was hält der andere von mir und wie steht er zu mir?"
Apellseite: Wenn jemand das Wort ergreift und es an jemanden richtet, 4.
will er in der Regel auch etwas bewirken, Einfluss nehmen; den anderen nicht nur erreichen sondern auch etwas bei ihm erreichen. Offen oder verdeckt geht es auf dieser Ebene um Wünsche, Appelle, Ratschläge, Handlungsanweisungen, Effekte etc. Das Appell-Ohr ist folglich besonders empfangsbereit für die Frage: Was soll ich jetzt machen, denken oder fühlen?
Ein Beispiel:
Der Trainer sagt zu seinen Spielern: „Heute spielen wir aber schlecht!“ Für seine Spieler hört sich das vielleicht so an:
Sachebene: Wir sind heute schlecht.
Selbstkundgabe: Schade ich hätte heut gern gewonnen. Beziehungsseite: Ihr lässt ihr mich hängen und bringt nicht eure Leistung Apellseite: Bitte gebt euer bestes!
2.1.2 Die fünf Axiome der Kommunikation
In den 60er Jahren haben Psychologen und Psychiater in Kalifornien Überlegungen über die Wirkung von Kommunikation angestellt. Sie haben sich mit der Frage beschäftigt: Gibt es Ähnlichkeiten in der Gesprächsführung, unabhängig davon, ob ich mit meinem Partner in trauter Zweisamkeit rede, ob sich eine Schulklasse unterhält oder ob sich eine Familie streitet? Gibt es pragmatische
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 7
Wirkungen der menschlichen Kommunikation? Der Österreicher Paul Watzlawick und andere Stellten fünf Gründgesetze auf.
1. Man kann nicht nicht kommunizieren: Sobald Menschen zusammentreffen, teilen sie sich durch ihr Verhalten mit, sie kommunizieren und zwar sowohl verbal als auch nonverbal. Daher so wie es unmöglich ist sich nicht zu Verhalten ist es unmöglich nicht zu kommunizieren. 2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts und einen Beziehungsaspekt, dass letztere den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist. Jede Kommunikation enthält über die reine Sachin-formation (Inhaltsaspekt) hinaus einen Hinweis, wie der Sender seine Botschaft verstanden haben will und wie er seine Beziehung zum Empfänger sieht (Beziehungsaspekt). Der Inhaltsaspekt stellt das Was einer Mitteilung dar, der Beziehungsaspekt sagt etwas darüber aus, wie der Sender diese Mitteilung vom Empfänger verstanden haben möchte. Der Beziehungsaspekt zeigt, welche emotionale Beziehung von einem Kommunikationspartner gesetzt wird. Daraus folgt, dass der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern ist für das gegenseitige Verständnis von grundlegender Bedeutung.
3. Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion seitens der Partner bedingt. Im Kommunikationsablauf werden Zeichen gesetzt, es entstehen Pausen. Diese Interpunktion wird geleitet durch die Beziehungsstruktur von Sender und Empfänger. Die Interpunktion organisiert also das Verhalten. (Beziehungsstruktur Interpunktion Verhalten und umgekehrt)
Menschliche Kommunikation ist digital und analog. Nicht nur das 4.
gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken,...) teilen etwas mit. Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, die analoge Kommunikation über eine semantische Bedeutung von
Pircher Manuel: Interaktionsformen im Sport 8
2.1.3 Kommunikation innerhalb einer Mannschaft
Leistungsstarke Mannschaften zeichnen sich durch eine gute Kommunikation untereinander aus. Natürlich spielen auch noch eine Rolle von anderen Faktoren mit, (Kooperation, Führung der Mannschaft, Rollenverteilung) dennoch ist die Stellung der Kommunikation für eine funktionierendes Mannschaftsgefüge herauszustreichen. Man könnte sagen eine reibungsfreie Kommunikation innerhalb einer Mannschaft ist das Fundament auf dem schlussendlich die Leistung steht.
Vorteile einer guten Kommunikation lassen sich zusammenfassend nach Thomas, Baumann und Weinberg/Gould wie folgt beschreiben:
- sie beugt Konflikten vor, indem in Einzel oder Gruppengesprächen die Probleme frühzeitig erkannt und beseitigt werden können. In diesem Zusammenhang verweisen Weinberg und Gould (2003) auf ihre DESC Formel. D steht für Describing (Beschreibung der Situation), E steht für Expressing ( vermitteln und ausdrücken der eigenen Gefühle), S steht für specifiying (Lösungsvorschläge Erarbeiten, Probleme spezifizieren) und C steht für Consequences (Konsequenzen)
- es kommt zu einer Verbesserung der interpersonellen Beziehungen un-tereinander und damit zu einer Verbesserung der aufgabenbezogenen und sozialen Zusammenarbeit. „Dies fördert die Leistungs- und Sympathiestruktur innerhalb der Mannschaft und damit das Maß ihres Zusammenhaltes“ (Baumann, 2000)
- sie fördert die Empathie der Teammitglieder, und trägt damit zu einem besseren Rollenverständnis untereinander bei.
- Durch eine offenen Kommunikation und eine damit verbundenen gemeinsame Zielsetzung können Prozesse wie der Zug zur Mitte oder der sozialen Faulheit gebremst werden. Wenn die Rollenverteilung innerhalb einer Mannschaft klar definiert ist verhindert man dass Leistungsstarke Spieler sich zu stark dem Durchschnitt anpassen und schlechte Spieler nur mitgezogen werden.
Arbeit zitieren:
Bacc. Manuel Pircher, 2007, Interaktionsformen im Sport - Kommunizieren, Kooperieren, Konkurrieren, Helfen/Schädigen, München, GRIN Verlag GmbH
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