Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Regionale Innovationssysteme
Deutung und Rolle des ökonomischen Begriffs der Region unter Heranziehung geographischer und soziologischer Aspekte
Thomas Goldbach
Inhaltsverzeichnis
0 Management Summary ... 7
1 Einleitung ... 8
1.1 Hintergrund und Problemstellung ... 8
1.2 Aufbau der Arbeit ... 10
2 Begriffliche Grundlagen ... 12
2.1 Region ... 12
2.1.1 Überblick zur regionalen Vielfalt ... 12
2.1.2 Regionalismus, Regionalisierung und Regionalpolitik ... 13
2.2 Innovation ... 15
2.2.1 Begriffsverständnis ... 15
2.2.2 Begründer der Innovationstheorie – Joseph Alois Schumpeter ... 16
2.2.3 Arten und verwandte Begriffe von Innovationen ... 17
2.2.4 Der Innovationsprozess ... 18
3 Region aus geographischer Perspektive ... 21
3.1 Historie und Regionen in Deutschland ... 21
3.2 Raum-, Maßstabs- sowie sachlicher Bezug ... 22
3.2.1 Der Raumbezug ... 22
3.2.2 Der Maßstabsbezug ... 23
3.2.3 Der sachliche Bezug ... 24
3.3 Theorie der Raumstruktur ... 26
3.3.1 Transportkosten ... 26
3.3.2 Nachfrageverhalten ... 27
3.3.3 Agglomerationseffekte ... 27
3.4 Regionsbildung ... 29
4 Region aus soziologischer Perspektive ... 31
4.1 Region als soziales Gebilde ... 31
4.2 Segregation ... 32
4.3 Disparitäten ... 33
4.3.1 Regionale Disparitäten ... 33
4.3.2 Soziale Disparitäten ... 34
4.3.3 Ost-West-Disparitäten ... 35
4.4 Räumliche Mobilität und Migration ... 37
5 Region aus ökonomischer Perspektive ... 39
5.1 Ökonomischer Strukturwandel ... 39
5.2 Standortfaktoren im Überblick ... 40
5.3 Situationsanalyse ... 42
5.4 Regionalmarketing ... 43
5.5 Theorie von Unternehmensnetzwerken ... 45
5.5.1 Begriff und Hierarchie ... 45
5.5.2 Informationsaustausch und Innovation ... 47
6 Kritische Würdigung der drei Perspektiven ... 48
6.1 Gegenüberstellung der Ansichten – Zwischenfazit ... 48
6.2 Auswirkungen von Maßnahmen ... 49
7 Innovationssysteme ... 51
7.1 Das Diamant-Konzept ... 51
7.2 Nationale Innovationssysteme ... 53
7.2.1 Begriffsbestimmungen ... 53
7.2.1.1 Erste Ansätze ... 53
7.2.1.2 Die Lundvall-Version ... 55
7.2.1.3 Der OECD-Ansatz ... 56
7.2.2 Das deutsche Innovationssystem ... 57
7.2.3 Kritikansätze ... 59
7.3 Regionale Innovationssysteme ... 61
7.3.1 Theoretische Erklärungsansätze regionaler Innovationsdynamik ... 62
7.3.1.1 Industrial Districts und Cluster ... 62
7.3.1.2 Innovative Milieus und (regionale) Innovationsnetzwerke ... 66
7.3.1.3 Technopols und lernende Regionen ... 69
7.3.2 Das Konzept regionaler Innovationssysteme ... 72
7.3.2.1 Definitorische Grundlagen und Charakteristika ... 73
7.3.2.2 Regionen- und Systemverständnis ... 74
7.3.2.3 Typologie von regionalen Innovationssystemen ... 75
7.3.2.4 Bewertung regionaler Innovationssysteme ... 78
7.3.2.5 Regionale Innovationssysteme in Deutschland ... 80
7.4 Region Baden-Württemberg ... 82
7.4.1 Geographische Rahmenbedingungen ... 82
7.4.2 Soziologische Perspektive ... 84
7.4.3 Wirtschaftliches Profil ... 85
7.4.4 Regionale Innovationssysteme in Baden-Württemberg ... 86
7.4.4.1 Hochschul- und Forschungslandschaft ... 87
7.4.4.2 Erklärungsansätze regionaler Innovationssysteme des Landes ... 88
7.4.4.3 Konzept und Typologie regionaler Innovationssysteme des Landes ... 90
8 Zusammenfassung und Schlusswort ... 92
Literaturbeiträge ... IX
Internetquellen ... XVIII
0 Management Summary
Die vorliegende Arbeit behandelt den ökonomischen Begriff der Region unter Heranziehung geographischer und soziologischer Aspekte. Nicht nur die Ökonomie spielt bezüglich der Region eine wesentliche Rolle, sondern gerade die geographischen und soziologischen Bedingungen bilden den entsprechenden Rahmen und dürfen keineswegs unberücksichtigt bleiben. So bildet aus geographischer Sicht die Historie einer Region ein wesentliches Fundament zur Erklärung des Begriffes. Auch die Soziologie in Verbindung mit Disparitäten, räumlicher Mobilität und Migration gibt eine Grundlage zum Verständnis der Region. Der ökonomische Begriff der Region ist darüber hinaus sehr facettenreich. Schlagworte wie Strukturwandel, Standortfaktoren, Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken einer Region bilden dessen Grundlage. Auch das Regional-marketing ist als ein aktuell diskutierter ökonomischer Aspekt zu berücksichtigen.
Aus der Verschmelzung dieser Perspektiven ist ersichtlich, dass die drei Komponenten nicht verbindungslos betrachtet werden können. Aktivitäten in einem Bereich können sich positiv als auch negativ auf die anderen auswirken. Vielmehr muss daher versucht werden, eine gleichmäßige Berücksichtigung zu finden und die Komponenten in Einklang zu bringen.
Auf die Konzepte der Innovationssysteme haben die drei Ansichten von Region ebenfalls einen bedeutenden Einfluss. Die Innovationssysteme werden als Instrument zur Untersuchung einer Region benutzt und bilden den wesentlichen und umfangreichsten Teil der Arbeit, wobei die Theorie des Diamant-Konzeptes mit den Aspekten der Wettbewerbsfähigkeit eine Grundlage dazu darstellt. Nationale bzw. regionale Innovationssysteme werden zur Steigerung der Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften und Regionen benutzt, wofür die Aktivitäten der Hauptakteure konzentriert werden müssen. Die nationalen Innovationssysteme bilden dabei die Grundlage für die regionalen Innovationssysteme, wobei Baden-Württemberg als Paradebeispiel für ein regionales Innovationssystem betrachtet wird. Weiterhin ist es relativ gesehen das Bundesland mit den besten Ausgangsbedingungen sowohl aus geographischer und soziologischer als auch aus ökonomischer Perspektive.
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
In der wirtschaftswissenschaftlichen Theoriewelt spielt seit Anfang der 90er Jahre die räumliche Dimension ökonomischer Aktivitäten eine zunehmend wichtigere Rolle. Der amerikanische Außenhandelsökonom Paul Krugman stellte in seinem 1991 erschienen Buch „Geography and Trade“ fest, dass „about a year ago I more or less suddenly realized that I have spent my hole life as an international economist thinking and writing about economic geography, without being aware of it“.1
Sinkende Wachstums-, Investitions- und Exportquoten, steigende Arbeitslosenqouten und zunehmende Direktinvestitionen im Ausland verweisen auf neue Herausforderungen, denen sich verschiedene Regionen seit Beginn der 90er Jahre stellen müssen. In einem weltweiten Standort- und Innovationswettbewerb müssen neue Trümpfe entwickelt werden, um weiterhin eine ausreichende Anzahl qualifizierter Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.2 Durch Deregulierung und Globalisierung sind heute viele Unternehmen in einem stärkeren Ausmaß als früher dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Daher besteht ein Zwang, Maßnahmen zur Sicherung und Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, wie z. B. die optimale Wahl der Betriebsstandorte zu ergreifen. Folglich ist ein wichtiger Ansatz der jeweiligen Wirtschaftsförderung darin begründet, das Ansiedlungsverhalten von Unternehmen zu beeinflussen. Weiterhin sollten Unternehmen selbst versuchen, sich in ein wettbewerbsstarkes Branchencluster einzugliedern und Standortverlagerungen sowie Gründungen von Filialen und andere standortbezogene Strategien in Betracht zu ziehen.3
Wie kann die innovationszentrierte Zusammenarbeit zwischen Technikherstellern und Anwendern, zwischen Zulieferern und Abnehmern, zwischen Wissenschaft und Politik, zwischen Industrie und Handwerk ermöglicht werden? Vor diesen Fragen stehen auch erfolgreiche Industrieregionen, die sich in einem weltweiten Innovationswettbewerb behaupten müssen. Wichtiger Ausgangspunkt hierbei ist zunächst, die Stärken und Schwächen einer Region herauszuarbeiten, wobei der wirtschaftliche Erfolg vor allem von der erfolgreichen Entwicklung und Verankerung innovationsförderlicher Regulationsstrukturen abhängt.4
Mit Blick auf die sich immer stärker globalisierende Wirtschaft spielen regionale Innovationssysteme (RIS) eine große Rolle. Sie bieten Regionen die Chance, sich in die globalen Produktions- und Innovationsnetze einklinken zu können und zwischen Welt-Konzern und Region wechselseitige Abhängigkeiten herauszubilden. Folglich können sich die regionalen Akteure Freiräume schaffen und sind keineswegs den großen multinational operierenden Konzernen ausgeliefert. Jedoch ist die Entwicklung RIS eine schwierige Aufgabe. Verbesserte Innovationsfähigkeit von Unternehmen, Branchen und ganzen Volkswirtschaften und die Umorientierung des Innovationsgeschehens auf neue Produkte und Märkte erfordert häufig, dass bisherige Abläufe und Strukturen neu ausgerichtet werden müssen. Bei der Bildung von RIS können strategische Projekte helfen, in denen man im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure neue Produkt- und Prozessideen sowie neue Produktionskonzepte entwickelt und realisiert.5
Zwischen räumlichen Faktoren und Innovationstätigkeit besteht folgender enger Zusammenhang:6
Eine der bedeutendsten Herausforderungen in einer Zeit sich schnell ändernder globaler Märkte ist es, die Wettbewerbsfähigkeit RIS zu stärken und damit die Lebensqualität derer zu sichern, die in diesen Wirtschaftsräumen eingebunden sind. Das neue Instrument des Innovationsmanagements kann eine Möglichkeit bieten, regionale Innovationspotenziale wechselseitig zu verstärken. Bereits in mehreren europäischen Ländern und Regionen wurden erste Erfahrungen mit Aktivitäten zur Steigerung der industriellen und gesellschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit gemacht.7 Weiterhin gibt es in der jüngeren Forschung einen unübersehbaren Trend, nicht mehr so sehr den einzelnen Standortfaktoren Gewicht beizumessen, sondern vielmehr die Komplexität und wechselseitige Vernetzung dieser Faktoren zu betrachten.8 Die dominante Rolle der Region bei der Innovationsgenerierung wird dabei durch die Wichtigkeit von Nähe und Interaktionen sowie der Existenz von stark innovierenden Regionen beeinflusst.9
[...]
1 Krugman, P. zitiert in Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 1
2 Vgl. www.fortunecity.com, Stand: 07.09.05
3 Vgl. Fernau, A. K., Werkzeuge zur Analyse und Beurteilung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, S. 1 f.
4 Vgl. www.fortunecity.com, Stand: 07.09.05
5 Vgl. www.uni-protokolle.de, Stand: 09.09.05
6 Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 9
7 Vgl. www.unternehmen-region.de, Stand: 09.09.05
8 Vgl. Fernau, A. K., Werkzeuge zur Analyse und Beurteilung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, S. 2
9 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 25
Arbeit zitieren:
Dipl.Betriebsw. / Dipl.Hdl. Thomas Goldbach, 2006, Regionale Innovationssysteme, München, GRIN Verlag GmbH
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