Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Die Bewegte Schule 4
2.1. Begründung der Bewegten Schule 4
2.1.1 Anthropologische Begründung 5
2.1.2 Gesundheitliche Begründung 5
2.1.3 Sozialökologische Begründung 6
2.2 Das Konzept der Bewegten Schule 8
2.2.1 Der Schulsport 9
2.2.2. Bewegter Unterricht 10
2.2.3 Bewegte Pausen 10
2.3 Zusammenfassung: Bewegte Schule 13
3. Das Bewegte Schulkonzept am Beispiel der Ganztagsgrundschule XXX 15
3.1. Das Konzept der Ganztagsschule 15
3.2 Die Ganztagsgrundschule XXX 18
4. Bewegte Schulen und Ganstagsschulkonzepte 20
4.1 Die Bewegte Schule am Beispiel der Ganztagsgrundschule XXX 20
4.2 Bewegte Schulen und Ganztagsschulkonzepte 23
5. Abschließende Bemerkung 26
6. Literaturverzeichnis 27
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1. Einleitung
„Wollt ihr also die Intelligenz eures Zöglings fördern, so fördert die Kräfte, die sie beherrschen muss. Trainiert ständig seinen Körper, macht ihn robust und gesund damit er klug und vernünftig wird. Haltet ihn dauernd in Bewegung, lasst ihn rennen, schreien, sich anstrengen, lasst ihn durch Kraft ein Mensch sein und bald wird er es durch die Vernunft.“ (Jean-Jacques-Rousseau, 1762/1987. In Müller, 2003, 16)
Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts erkannte Rousseau in seinem Erziehungsroman „Emile“, einen positiven Zusammenhang von Bewegung und Lernen. Körperliche Bewegung schafft das Erlangen der Vernunft, welche seit Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) im Zuge der Aufklärung, den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen – Sapere aude! – beschreibt.
Rousseau ist hier kein Einzelfall. Etwa zwanzig Jahre vor ihm äußerte GutsMuths einen ähnlichen Anspruch.
„Ihr lehrt Religion, ihr lehrt sie Bürgerpflicht. Auf ihres Körpers Wohl und Bildung seht ihr nicht.“ (GutsMuths, 1739/1970, 290)
GutsMuths setzte als einer der Ersten ein pädagogisches System der Leibesübungen in die Praxis um. In seiner Erziehungsanstalt, dem Schnepfenthal, übten seine Schüler körperliches Wohl zur Ertüchtigung der geistigen Entwicklung.
Auch Maria Montessori oder Peter Petersen stellen zu einem späteren Zeitpunkt ähnliche Behauptungen auf. Ihnen allen ist gemein, dass sie die vermeintlich positive Eigenschaft der sportlichen und körperlichen Ertüchtigung in Bezug auf das Lernen bzw. der kognitiven Entwicklung unterstützen.
Aktuelle Pädagogen greifen diesen Ansatz in Debatten um geeignete Schultheorien/modelle ebenfalls auf. Einen primären Bezugspunkt stellt das Konzept der Bewegten Schule dar. So beschäftigt sich, seit etwa Mitte der 80er Jahre, der Schweizer Pädagoge Urs Illi mit dieser Thematik (vgl. Betrifft Sport. 6/05, 14).
Das Konzept der Bewegten Schule möchte ich in einem ersten Teil der Arbeit, neben deren Begründungslinien und Problemfelder, näher erläutern.
In einem zweiten Schritt, werde ich mich mit dem bereits in der Überschrift dieser Hausarbeit vorfindbaren Thema, der Ganztagsschule befassen. Hierfür empfand ich es zunächst als
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notwendig grundlegende Konzepte der Ganztagsschulen zu erläutern, um anschließend am Beispiel der Ganztagsgrundschule XXX ein mögliches Konzept der Bewegten Schule mit deren Perspektiven und Chancen zu erörtern.
Abschließend möchte ich eine daraus resultierende Kombination der beiden Schulkonzepte verallgemeinernd formulieren.
Das von mir dargelegte Konzept der Bewegten Schule bezieht sich vor allem auf Müllers (2003) „Bewegte Schule“. Im Rahmen eines Forschungsprojektes an vier Sächsischen, sowie einer Grundschule Rheinland-Pfalz, wurde diese Schulform von 1996-2000 erprobt. Müllers (2003) Monografie überzeugte mich, aufgrund seiner Vielschichtigkeit und der stark ausgeprägten Praxisnähe. So werden beispielsweise im Anhang des Werkes praktische Anregungen, in Form von Bildern für Bewegungsgeschichten, Anleitungen zu Massage- und Entspannungsgeschichten, sowie Gehirngymnastik und Gummitwist, gegeben. Als ein weiteres Werk diente mir Hildebrandt-Stramanns (1999) „Bewegte Schulkultur“. Auch hier werden sehr umfangreich Praxistipps dargestellt. „Das mobile Klassenzimmer“, eine von ihm dargelegte Alternative zur gewohnten „Sitzpraxis“, soll als ein Beispiel gelten. Der zweite Teil meiner Hausarbeit richtet sich an die Ganztagsschulen. Hierbei half mir, um grundsätzliche Kenntnisse zu erlangen, das „Handbuch Ganztagsschule“ von Appel (2002). Zudem waren mir eigene praktische Erfahrungen an der Ganztagsgrundschule XXX und der Mittelschule Niederwiesa, welche während meines Orientierungspraktikums noch in den Anfängen der Ganztagskonzeption stand, sehr nützlich.
Meine Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Institution der Grundschule. Daher möchte ich darauf hinweisen, dass ich bei der Verwendung des Begriffes Schule oft eine Grundschule „vor Augen hatte“. Jedoch sind die angesprochenen Konzepte nicht ausschließlich für die Grundschule konzipiert. In der Literatur werden diese Vorschläge auch für die weiterführenden Schulen dargelegt.
2. Die Bewegte Schule
2.1. Begründung der Bewegten Schule
Die bereits in der Einleitung vorgetragenen Zitate bekannter Schulpädagogen, bilden eine Begründungslinie der Bewegten Schule. Ich möchte sie im Rahmen dieser Arbeit als die historischen Beweggründe bezeichnen.
In der Literatur wird im Wesentlichen zwischen drei Begründungsansätzen unterschieden. Diese sind die anthropologischen, sozialökologischen, sowie gesundheitserzieherischen
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Gründe einer Bewegten Schule (vgl. Hildebrandt-Stramann, 1999; Müller, 2003; Thiel et al., 2006).
Im Folgenden werde ich versuchen die drei genannten Begründungslinien in ihren wesentlichen Zügen darzustellen.
2.1.1 Anthropologische Begründung
Anthropologische Grundsätze beurteilen körperliche Bewegung, neben dem Sprechen und Denken, als fundamentale Daseinsweise des Menschen. Bewegung wird als Ausgangspunkt für sämtliche Leistungen und Werte wie Intelligenz, Sprache, Denken oder Sozialkompetenz betrachtet.
„Durch Bewegung erkunden Kinder ihre Umwelt, sie verständigen und vergleichen sich, sie drücken sich aus und strengen sich beim Bewegen körperlich an.“ (Kretschmer, 1981. In Müller, 2003, 17)
Über Bewegungen schaffen sich Kinder Verbindungen zwischen Sich, den Dingen und den Menschen. Bereits im frühkindlichen Alter stellt das Greifen nach dargebotenen Dingen ein Erforschen der Umwelt, auf der Basis von Bewegung, dar. Bewegung wird als Mittler zwischen der Mit- und Umwelt erfahren. Die kindliche Neugier lässt die Welt erleben, erfahren und erkunden, gleichzeitig aber auch gestalten und formen. Vielfältige Materialerfahrungen der Umwelt werden ermöglicht.
In Mannschaftsspielen werden soziale Kompetenzen, wie Siegen und Verlieren oder Kooperieren und Verständigen, verlangt. Diese werden auf kindliche und spielerische Weise erprobt und gelernt. Obwohl die Behauptung, Kinder würden gelernte Verhaltensweisen des Spiels nicht automatisch in die Wirklichkeit umsetzen, dem gegenübersteht, werden dennoch Sozialerfahrungen im Zuge dessen gesammelt. Sie bilden einen weiteren Beweggrund. Körpererfahrungen werden durch Ausdruck und Anstrengung, über die direkte Auseinandersetzung mit dem Körper und der Bewegung, verstärkt. Das emotionale Erleben wird unter anderem beim Siegen und Verlieren angeregt. Der Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes wird mittels körperlichem Schaffen unterstützt.
2.1.2 Gesundheitliche Begründung
Die gesundheitliche Begründungslinie betont das körperliche Wohlfühlen. „Gesundheit als Balance“(Hildebrandt-Stramann, 1999, 26) reflektiert das Ausbalancieren von äußeren und inneren Antrieben und Widerständen. In der Gesundheitswissenschaft wird dieser Ansatz als
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Salutogenese (vgl. Antonovsky, 1979/1989: In Hildebrandt-Stramann, 1999; Dordel, 2003) bezeichnet. Diese fragt nach dem Entstehen von Gesundheit und möglichen Schutzfaktoren, orientiert sich also an der Stärkung gesundheitsfördernde Faktoren (salutogenetischer Ansatz) und nicht an der Bewältigung krankmachende Faktoren (pathogenetischer Ansatz). Gesundheit wird hier als Eigenleistung des Individuums verstanden. Das Ausbalancieren zwischen verschiedenen persönlichen Belastungen steht dabei im Mittelpunkt. Diese Belastungen können äußere objektive Einflüsse (Umweltverschmutzung, Abgas- und Schadstoffkonzentration in der Luft, Wasser und Nahrung) und innere subjektive Einflüsse (familiäre Konflikte, Schicksalsschläge, schulische, berufliche Probleme) sein. Über gesundheitsgerechte Lebensbedingungen nachzudenken und Kompetenzentwicklungen in Bezug auf ein aktives Eintreten bei vorhandenen Verhältnissen, ist als Gesundheitsförderung zu verstehen. Das subjektive Gesundbleiben wird durch den Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes, also der Überzeugung der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns, sowie sozialer Integration und Anerkennung gestärkt.
„Eine gesunde Grundschule trägt den vitalen Bedürfnissen von Kindern ausreichend Rechnung, so dass diese vielfältige Körper-, Sozial- und Materialerfahrungen machen können. Hierzu ist es notwendig, dass sie ausreichend Bewegungsraum haben.“ (Hildebrandt-Stramann, 1999, 28)
Die Entwicklung gesundheitserzieherischer Fähigkeiten erfolgt bei Kindern vor allem über Bewegung. Daher ist eine gesunde Schule in erster Linie eine bewegte Schule. (vgl. Hildebrandt-Stramann, 1999, 28)
2.1.3 Sozialökologische Begründung
Die sozialökologische Begründung geht von der „Veränderten Kindheit“ aus. Diese vielschichtige Problematik werde ich im Folgenden versuchen darzulegen.
Die Straßenspielkultur der 50er und 60er Jahre, in der Kinder den Bewegungsraum eroberten, ist heute nur noch selten vorherrschend. Natürliche Spiel- und Bewegungsgelegenheiten sind, wenn dann meist nur noch auf dem Land zu finden, von künstlich angelegten Bewegungsräumen ersetzt worden. Diese stehen oft unter Aufsicht der Eltern und lassen ein Spielen ohne deren Beisein kaum zu.
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In der Literatur wird die heutige Lebenswelt der Kinder mit den Begriffen „Verhäuslichung“, „Vereinzelung“ und „Verinselung“ beschrieben (vgl. Hildebrandt-Stramann, 1999; Dordel, 2003; Müller, 2003).
„Verhäuslichung“ meint in diesem Zusammenhang den Rückzug der Kinder aus der Natur in das Haus. Der steigende Medienkonsum ist Beleg dieser Tatsache. Obwohl ein abnehmender Fernsehkonsum zu beobachten ist, von 1994 bis 2004 ist dieser um 10% gesunken, liegt die tägliche Fernsehzeit bei etwa 100 Minuten im Durchschnitt. Allerdings muss man dem entgegenhalten, dass die Nutzung anderer Medien mehr in den Vordergrund gerät. So ist der tägliche Computerkonsum bei den 6- bis 13-Jährigen auf 26% gestiegen (vgl. KIM Studie 2005).
Dies führt gleichzeitig zu der angesprochenen „Vereinzelung“. Für die Nutzung des PCs oder Fernsehers sind für gewöhnlich keine Kameraden von Nöten.
Auch spricht man von verplanter Kindheit, wenn Eltern ihre Kinder mit einer Vielzahl von Aktivitäten überhäufen (Ballet, Nachhilfe, Musikstunden…). Dies fällt zudem unter die Rubrik der „Verinselung“. Den Kindern werden um ihre „Wohninsel“ bzw. um den eigenen Lebensmittelpunkt (vgl. Dordel, 2003, 231) verschiedene Bezugspunkte geschaffen. Eine kleine Auswahl dieser stellen folgende Inseln dar: Schule, Freunde, Nachhilfe, Sportverein, Einkaufen, Verwandte und Urlaub. In unserer modernisierten Welt werden diese Inseln häufig mit Automobilien, seltener mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreicht. Der Raum zwischen den „Inseln“ ist selten erforscht.
Folgeerscheinungen der neuen kindlichen Lebenswelt sind die Zunahme von Haltungs-, Koordinations-, Konzentrations- und Kooperationsschwächen, -mängel, und -schäden sowie muskulären Dysbalancen (vgl. Müller, 2003).
Steigende Zahlen an ADS und ADHS leidenden Kindern sowie adipösen Kindern, derzeit 7 % betroffene Kinder und Jugendliche (vgl. Schott, Proseminar „Psychomotorik des Kindes- und Jugendalters“, WS 06/07), sind Beweis dieser Entwicklung, welche wiederum psychische Folgebelastungen mit sich führen können. Dordel (2003, 305-309) fasst dieses Erscheinungsbild unter dem so genannten Teufelskreis zusammen. Dieser beschreibt im Wesentlichen einen Rückzug von negativ Erlebtem, wie z.B. dem Sport und eine damit einhergehende Schwächung dieser Leistungen. Folgebelastungen können unter Anderem depressive Verhaltensweisen sein. Ein Ausbruch aus dem Teufelskreis ist solange möglich, wie er erkannt wird. Wobei gilt, je eher dies geschieht, desto wahrscheinlicher und leichter erfolgt der Ausbruch.
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Somit lässt sich als Begründung zusammenfassen, dass Bewegung als Erfahrungs- und Gestaltungsorgan für eine harmonische Entwicklung, d.h. die Ausgewogenheit kognitiver, sozialer, emotionaler und körperlich-motorischer Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich ist. Der Erwerb der menschlichen Bewegung bedarf der Erziehung. Hierbei kann die Schule neben dem Elternhaus, eine wesentliche Rolle einnehmen.
2.2 Das Konzept der Bewegten Schule
Bewegte Schule, Bewegungsfreudige Schule oder Bewegungsfreundliche Schule. Dies sind Bezeichnungen einer Schule, die ein Lernen und Leben in dieser Einrichtung mit gezielten Bewegungsanlässen attraktiver gestalten soll und sich dabei die positiven Eigenschaften der Bewegung zu nutze macht, wobei vielfältige Chancen eröffnet werden (vgl. Kap. 2.1 Begründung der Bewegten Schule).
Basierend auf Müllers (2003) Ausführungen, besteht die Bewegte Schule aus vier stützenden Säulen:
• das Bewegte Schulleben,
• der Bewegte Unterricht,
• die Bewegte Pause und
• der Schulsport.
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Sandra Kittner, 2007, Die Bewegte Schule am Beispiel einer Ganztagsgrundschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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