Parasoziale Interaktion
von Aurelie Cahen
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Parasoziale Interaktion 4
1.1 Die "Illusion" 4
1.2. "So-tun-als-ob" 6
1.3. "sich hineinversetzen" 8
2. Parasoziale Beziehungen 11
2.1. Der "Medienfreund" 11
2.2. Empirische Ergebnisse 15
Schluß 19
Literaturverzeichnis 20
Einleitung
Der Begriff "parasoziale Interaktion" wurde von den amerikanischen Psychiatern Donald Horton und Richard R. Wohl geprägt. Horton und Wohl untersuchten in den 50er Jahren den Umgang des Rezipienten mit den sich rasch verbreitenden Massenmedien Radio, Fernsehen und Kino. Wichtig war ihnen dabei vor allem die Frage, welche psychischen Prozesse bei der Rezeption ablaufen. In ihrem 1956 veröffentlichten Aufsatz ,,Mass communication and parasocial interaction: Observation on intimacy at a distance" (Horton/Wohl, 1956), beschreiben sie das Phänomen, das Zuschauer gegenüber den Personen auf dem Bildschirm in ähnlicher Weise reagieren, wie in zwischenmenschlichen Interaktionsprozessen: Sie verhalten sich so, als ob sie von ihnen persönlich angesprochen seien. Diese simulierte Interaktion nennen sie "parasoziale Interaktion". Mit diesem Konzept lehnten Horton und Wohl die damals verbreitete Vorstellung von Zuhörern bzw. Zuschauern als passive Beobachter des Geschehens ab und verwarfen Rezeptionsmodelle, die die Massenmedien in Analogie zu Träumen und Phantasien interpretieren. 1957 folgte eine Arbeit von Horton und Strauss, in welcher die anfängliche Idee weiter entwickelt und präzisiert wurde. Dennoch blieben einige Aspekte des ursprünglichen Konzepts unklar, was leider dazu führte, daß dieses Konzept in der Vergangenheit häufig mißverstanden wurde und lange Zeit ein "Schattendasein" in der Kommunikationswissenschaft führte (Mikos, 1996, S. 97). Die geringe Beachtung, die dieses Konzept in der Kommunikationswissenschaft erfuhr, kann zudem darauf zurückgeführt werden, daß sich die Forschung zur interpersonalen Kommunikation und die Massenkommunikationsforschung zunächst als zwei mehr oder weniger voneinander getrennte Disziplinen mit unterschiedlich theoretischen Hintergründen und Forschungsschwerpunkten entwickelt haben (Frey, 1996, S. 145). Nachdem aber die Massenkommunikationsforschung sich Jahrzehnte vordergründig mit der Frage beschäftigt hatte, ob Medien Einstellungs- und somit auch Verhaltensänderungen bewirken könnten, rückte in den letzten Jahren immer mehr die Frage in den Vordergrund, wie die Zuschauer mit dem Fernsehen umgehen und welche psychischen, sozialen und emotionalen Prozesse bei der Rezeption ablaufen. Auf der Suche nach neuen Erklärungsansätzen, u.a. auch für den großen Erfolg von Sendeformen wie "game shows", "soap operas" oder "talk shows", wurde das Konzept der "parasozialen Interaktion" wiederentdeckt und die Forschungen in diesem Bereich vorangetrieben. Der 1996 erschienene Band "Fernsehen als ‚Beziehungskiste′. Parasoziale Beziehungen und Interaktionen mit TV-Personen" (Vorderer, 1996) gibt einen Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse. Diese Arbeit versucht, anhand dieses Buches, einige Unklarheiten des ursprünglichen Konzeptes aufzuklären. Zunächst wird im ersten Kapitel versucht, den Begriff "parasoziale Interaktion" genauer zu definieren und zu klären, wie es zu parasozialer Interaktion kommen kann und ob es dazu einer Adressierung an die Zuschauer bedarf. Das zweite Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich mit parasozialen Beziehungen, die sich aus vorangegangener parasozialer Interaktion ergeben können und versucht zu klären, welchen Stellenwert diese Beziehungen im realen sozialen Gefüge haben und ob der Zuschauer über das Erleben von medial vermittelten Beziehungen zu Fernsehfiguren soziale Mangelgefühle kompensieren können.
1. Parasoziale Interaktion
1.1. Die ,,Illusion"
Die amerikanischen Psychiater Horton und Wohl hatten beobachtet, daß sich Zuschauer gegenüber den Personen auf dem Bildschirm nicht nur distanziert beobachtend verhalten, sondern auf sie reagieren: Die Rezeption sei häufig nicht nur von mimischen oder anderen nonverbalen Kommunikationsformen begleitet, sondern auch von verbalen Äußerungen:
"This simulation of conversational give and take may be called parasocial interaction" (Horton/Wohl, 1956, S. 215).
[...]
Arbeit zitieren:
Aurélie Cahen, 2002, Parasoziale Interaktion, München, GRIN Verlag GmbH
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