Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Begriff Tourismus 2
2.1 Definition und Abgrenzung von Tourismus 2
2.2 Historische Entwicklung des Tourismus 3
2.3 Globale Expansion des Tourismus 4
2.4 Tourismusforschung 6
3. Wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs 7
3.1 Deviseneffekte 7
3.2 Beschäftigungseffekte 8
3.3 Einkommenseffekte und Einkommensmultiplikatoren 9
4. Tourismus in Mexiko 11
4.1 Attraktivität Mexikos als Tourismusziel 11
4.2 Die Rolle des Staates 11
4.2.1 Maßnahmen des Staates zur Tourismusentwicklung 11
4.2.2 Defizite der staatlichen Fremdenverkehrspolitik 15
4.2.3 Das Nationale Programm für Tourismus 2001-2006 18
4.2.4 Die Bedeutung des Tourismus für die mexikanische Volkswirtschaft 20
5. Ökotourismus als mögliche Lösung für nachhaltige Entwicklung 22
6. Fazit 26
7. Literaturverzeichnis 27
8. Anhang 33
2
1. Einleitung
Nachdem Mexiko eine lange Phase mit fast ununterbrochenem wirtschaftlichen Wachstum von 1930 bis 1980 erlebte, was auch als mexikanisches Wirtschaftswunder bezeichnet wird („milagro mexicano“), musste das Land schwere ökonomische Krisen überstehen – 1982 bis 1988 und 1994 bis 1995 –, welche die Strukturschwächen und die Instabilität des
mexikanischen Wirtschaftssystems zeigten. 1 Trotz dieses „milagro mexicano“ konnte das ehrgeizige Ziel der Industrialisierung sowie ein Ausgleich der Disparitäten nicht erreicht
werden. 2 Mit ca. 20 Mio. internationalen Touristen 3 zählt Mexiko zu einer der Top-Destinationen der Welt (Rang 8) und liegt damit vor so bekannten europäischen Urlaubsländern wie
Griechenland und der Türkei. 4 Somit ist Mexiko nach der Volksrepublik China (Rang 5) die mit Abstand wichtigste Tourismusdestination der Dritten Welt. Bei den Deviseneinnahmen
durch den Tourismus erreichte Mexiko 2003 den 12. Rang. 5 Mexiko scheint also eine Spitzenposition im weltweiten Tourismus einzunehmen.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob der Tourismus eine Chance für Mexiko darstellt, sich wirtschaftlich zu entwickeln und die Disparitäten, v.a. die Schere zwischen Arm und Reich, zu verringern.
Im zweiten Kapitel der Arbeit soll auf den Tourismus in allgemeiner Weise eingegangen werden. Im dritten Kapitel dreht es sich um mögliche wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs. Im vierten Kapitel der Arbeit handelt es sich um den Tourismus in Mexiko selbst. Es wird untersucht, inwieweit der Staat in den Tourismus in der Vergangenheit eingriff und wie er dies heute tut. Zusätzlich werden die Zukunftspläne der Regierung Mexikos sowie die Bedeutung des Tourismus für die mexikanische Volkswirtschaft untersucht. Im fünften Kapitel wird schließlich auf einen möglichen Lösungsansatz eingegangen.
1 Vgl. Brenner (1996), S. 11; vgl. Clancy (2001), S. 32f.
2 Vgl. Brenner (1996), S. 33f.
3 Vgl. SECTUR (2004).
4 Vgl. WTO (2004).
5 Vgl. WTO (2004).
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2. Der Begriff Tourismus
2.1 Definition und Abgrenzung von Tourismus „Der Ursprung des Tourismus kommt aus dem Griechischen (tornos) und dem Lateinischen (turnus) und bezeichnet die Wiederholung. Tourismus lebt vom jährlichen Turnus, von der ständigen Wiederholung. Aus dem Kreislauf von versprochener Bedürfnisbefriedigung und stetig wiederholter Weckung der ungestillten Wünsche bezieht die Tourismusindustrie ihre Dynamik. Die frühen Formen des Tourismus waren die Pilgerfahrten. Ein Beispiel hierfür ist die Pilgerreise nach Mekka, die bis heute von vielen Anhängern des Islams angetreten wird.
Der Tourismus hat sich immer weiter entwickelt.“ 6 Ein wesentlicher Unterschied im Vergleich zu früher dürfte eine wachsende Anzahl von Reisenden sein, die sich immer schneller und leichter von einem Ort zu einem anderen bewegt. In unserer heutigen Zeit kann man, bedingt durch den technischen Fortschritt und die modernen Fortbewegungsmittel wie z.B. das Flugzeug, in nahezu jeden Winkel der Welt reisen. Ein Zustand, der vor einigen hundert Jahren nur schwer vorstellbar gewesen sein dürfte, für die Menschen des 21. Jh. aber zur Normalität gehört. Die World Tourism Organization (WTO) „[…] zählt für den internationalen Reiseverkehr alle Menschen als Touristen, die als Ausländer eine Staatengrenze überschreiten und sich mindestens 24 Stunden im Land aufhalten, nicht aber
Transitreisende, Arbeitnehmer, Flüchtlinge usw.“ 7 Hier wird eine genauere Eingrenzung des Begriffes „Tourist“ vorgenommen. Wenn also ein deutscher Staatsbürger mit dem Auto nach Italien reisen möchte, um sich dort länger als 24 Stunden aufzuhalten, würde er in Österreich als Transitreisender, in Italien schließlich als Tourist gelten. Eine exaktere Definition des Begriffes wird durch die Subtraktion von Arbeitnehmern und Flüchtlingen erreicht, denn die Freiwilligkeit seiner Reise sollte die Grundmotivation eines Touristen sein. Arbeitnehmer und Flüchtlinge sind zwar auch Reisende, sie überschreiten Staatsgrenzen und halten sich länger als 24 Stunden in einem anderen Land auf. Aber weder Arbeitnehmer, die von ihren Arbeitgebern beauftragt werden, und noch weniger Flüchtlinge, die sich z.B. vor Verfolgung oder anderen Notlagen retten müssen, und somit gezwungen werden zu reisen, führen ihre Reisen freiwillig durch.
Bei KASPAR wird Tourismus als „die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort
weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“ 8 , definiert. Hier wird,
6 Ellenberg et al. (1997), S. 42.
7 Ellenberg et al. (1997), S. 42.
8 Kaspar (1996), S. 16.
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ähnlich der WTO, der Arbeitnehmer ausgeklammert. Welche Merkmale des Tourismus lassen sich also aus den vielfältig existierenden Definitionen ableiten?
Ein wichtiges Kriterium wäre die Bewegung außerhalb des normalen Arbeits- und Wohnumfeldes: So darf man z.B. den Einkauf eines Einwohners von Schwabach in Nürnberg nicht zum Tourismus zählen, einen Flug nach Mailand über das Wochenende zum Shopping
hingegen schon. 9 „Der moderne Mensch verbringt immer weniger Zeit in seinem normalen angestammten Lebensumfeld. Jemand, der seine gesetzlichen Ferien in einem westeuropäischen Industrieland voll ausschöpft und eine durchschnittliche Anzahl Tages- und Wochenendreisen unternimmt, verbringt 12-15 Prozent seines aktiven Lebens als Tourist.
Darin sind Geschäftsreisen nicht eingerechnet.“ 10 Wie man hier deutlich sehen kann, nimmt Tourismus also einen durchaus beträchtlichen Teil unseres Lebens ein. Dies alles ist nur eine kleine Auswahl der in Fülle vorhandenen Definitionen des Phänomens „Tourismus“. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass Tourismus nicht eindeutig und allgemeingültig abgrenzbar ist.
2.2 Historische Entwicklung des Tourismus Bereits im Altertum um 770 v. Chr. sind viele der uns heute bekannten Motivationsformen des Tourismus erkennbar. Mit Beginn der Olympischen Spiele setzte ein Sporttourismus zu einer aktiven oder passiven Teilnahme an Sportveranstaltungen ein. Eine weitere einsetzende Form des Tourismus waren Bildungsreisen, beispielsweise durch den griechischen Geografen und Historiker Herodot (480-421 v. Chr.). Dieser wird als einer der ersten Reisenden und
Touristen seines Landes angesehen. 11 In der Zeit des römischen Reiches erfuhr der Tourismus einen erneuten Aufschwung. So wurde das kontinentale Straßennetz ausgebaut, zusätzlich kam es zu einer Intensivierung des Handels, und es entstanden außerdem wieder Bildungsreisen durch ganz Europa. Durch die Errichtung von Badezentren an einigen zentralen Orten (z.B. Baden-Baden) entstand bereits damals ein Vorläufer des heutigen „Gesundheitstourismus“. Außerdem gab es auch eine ursprüngliche Form des modernen „Zweitwohnungstourismus“. In Städten wie z.B. Rom, die überbevölkert waren, begab sich der wohlhabende Teil der Bevölkerung während des Sommers in die Hügel des Appenins oder an die Küsten, wo sie ein zweites Domizil
besaßen. 12 Im Mittelalter verfiel dann das römische Straßennetz, außerdem wurde durch fehlende Präsenz des Militärs das Reisen zunehmend unsicherer. Bevölkerungsgruppen, die sich auf
9 Vgl. Bieger (2006), S. 36.
10 Bieger (2006), S. 36f.
11 Vgl. Kaspar (1996), S. 23.
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Reisen begaben, waren hauptsächlich Beamte, Studenten und Wallfahrer. Zu ihnen gesellten sich Händler, Handwerker und Entdecker. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Reisen in
dieser Epoche keinen Selbstzweck hatten, sie wurden als „Muss“ angesehen. 13 Während des Zeitalters der Aufklärung verlor das Reisen den Charakter der strikten Zweckhaftigkeit, ab dem 18. Jh. begannen vornehmlich junge Adelige mit einem
ausgeprägten Bildungstourismus. 14 Bei BROCKHAUS findet sich eine Beschreibung für die Situation während der Industrialisierung sowie nach dem Zweiten Weltkrieg. So wurde die Gesellschaft im Zuge der Industrialisierung wohlhabender, dadurch erhöhte sich auch die Reisefreudigkeit der Menschen. Hierfür wirkten u.a. auch die Entwicklung des Dampfschiffes, der Dampflokomotive sowie die Entwicklung des europäischen Straßennetzes unterstützend. Eine eigenständige Infrastruktur bildete sich durch die Gründung von Reisebüros (z.B. COOK, 1845 in Leicester) und das Entstehen eines Beherbergungs- und Versorgungsgewerbes. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Auslands- und Ferntourismus massiv an Bedeutung. Es war der Ausdruck eines neuen Wohlstands und demonstrierte gleichzeitig die verbesserte Mobilität der Menschen. Durch die Erschließung neuer Verkehrsmittel (z.B. das Flugzeug) wurden die Reisezeiten erheblich verkürzt und somit auch spontane Reiseentscheidungen
gefördert („Last-Minute“). 15
2.3 Globale Expansion des Tourismus In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. lässt sich der Tourismus als ein zentrales Merkmal dieser Zeit ausmachen. Die rapide Entwicklung des Tourismus kann als wichtiger Bestandteil der
immer weiter wachsenden weltweiten Verflechtung angesehen werden. 16 Seit den fünfziger Jahren steht die Entwicklung des internationalen Tourismus in Zusammenhang mit wirtschaftlichen, technischen, sozialen und politischen Veränderungen. Diese haben sich vor allem in den westlichen Industrienationen herausgebildet und führten zu einer bis dahin nicht gekannten Mobilität. Beispiele für die Veränderungen sind u.a. eine verstärkte Liberalisierung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg, wachsende Freizeit in Verbindung mit ständiger Verkürzung der Arbeitszeit, technische Entwicklungen (u.a. im Bereich des Luftverkehrs), die Entstehung einer speziellen Reiseindustrie oder die regionale Erweiterung des touristischen Angebots und die touristische
12 Vgl. Bieger (2006), S. 47f.
13 Vgl. Enzensberger (1958), S. 705ff.
14 Vgl. Bieger (2006), S. 48.
15 Vgl. Brockhaus (1999), S. 216.
16 Vgl. Vorlaufer (1996), S. 8.
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Erschließung neuer Zielgebiete. 17 In der folgenden Abbildung sind die internationalen Touristenankünfte (in Mio.) zwischen den Jahren 1950-2000 dargestellt: 18
Abbildung 1: Internationale Touristenankünfte (1950 - 2000)
Wie man aus Abbildung 1 erkennen kann, hat sich die Anzahl der internationalen Touristenankünfte zwischen 1950 und 1980 bereits mehr als verzehnfacht. Bei einer Betrachtung des Zeitraumes zwischen 1990, als sich die Grenzen in Osteuropa öffneten, und dem Jahr 2000 lässt sich noch einmal eine Zunahme um knapp 50 Prozent auf 686 Mio. feststellen. Bis zum Jahr 2000 gab es insgesamt gesehen fast ausnahmslos immer Zuwächse bei den Touristenankünften zu verzeichnen. Trotz gravierender Ereignisse wie z.B. die Ölkrise 1974/75, der Golfkrieg 1991 oder die Wirtschaftskrise in Asien 1997/98 blieben Rückgänge auf einzelne Regionen begrenzt. Im betrachteten Zeitraum ist nur für das Jahr 1982 (-0,4%) ein Rückgang der internationalen Touristenankünfte beobachtbar. Diese Abnahme resultiert nach Angaben der WTO aus der Verknüpfung der Nachwirkungen der zweiten Ölkrise aus dem Jahr 1979, Reisebeschränkungen in Zentral- und Osteuropa, dem Falkland-Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien sowie der Invasion Israels in den
Libanon. 19
17 Vgl. Aderhold (2006), S. 2.
18 Vgl. Aderhold (2006), S. 3, Tab. 1.
19 Vgl. Aderhold (2006), S. 3f.
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Arbeit zitieren:
Wolfgang Höfler, 2006, Mexiko - Tourismus als Chance?, München, GRIN Verlag GmbH
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