Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Kritik und Forderungen der Reformpädagogen 3
2.1. Kritik der Reformpädagogen 3
2.2. Grundlegende Gedanken und Konzepte Forderungen 3
3. Reformpädagogen 4
3.1. Hermann Lietz 4
3.2. Gustav Wyneken 6
3.3. Paul Geheeb 7
4. Die ländliche Umgebung 8
5. Der Familiencharakter der Heime 9
6. Die erzieherische Aufgabe 10
6.1. Naturgemäße Erziehung der Jugend 10
6.2. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis 11
6.3. Der Gemeinschaftsgedanke: Schulgemeinde und Schülermitwirkung 11
7. Besondere erzieherische Elemente 12
7.1. Die Koedukation 12
7.2. Die körperliche Arbeit 13
7.3. Die künstlerische Erziehung 13
7.4. Die religiös-sittliche Arbeit 14
8. Abschließende Zusammenfassung 15
9. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Die deutsche Landerziehungsheimbewegung ist, neben der Jugend-, Kunsterziehungs- und Arbeitsschulbewegung, ein Bestandteil der reformpädagogischen Bewegung. Diese setzte um die Jahrhundertwende ein und dauerte in Deutschland bis etwa zur Zeit des Nationalsozialismus an. Mit der Bezeichnung Reformpädagogik wird umfassend eine pädagogische Erneuerungsbewegung charakterisiert. Das Kind wird nicht mehr als kleiner Erwachsener betrachtet, sondern als „kleine ganzheitliche gegliederte Persönlichkeit“ (vgl. Röhrs 1998, S.6) Die kindliche Entwicklung wurde nun nicht mehr als stufenförmig angenommen, sondern als „offener (...), dynamischer (...) Prozess (Winkel 1993, S.12.). Es entstand ein neues Verständnis von Kindheit. Während die einen dabei mehr der Entfaltung der Individualität dienen wollten, stellten andere ihren Erziehungsversuchen, vor allem Gemeinschaftserziehungselemente in den Vordergrund.
In dieser Arbeit sollen die fundamentalen Erziehungsgrundsätze der deutschen Landerziehungsheime dargestellt werden. Dabei werden auch unterschiedliche Positionen innerhalb der Bewegung Berücksichtigungen finden.
Diese fand zur Wende des 20. Jahrhunderts statt, beginnend mit Cecil Reddies. Dieser gründete 1889 in England das Heim Abbotsholme. Auf dieser Grundlage basierend entstand im Jahre 1898 das erste deutsche Landerziehungsheim bei Ilsenburg im Harz durch Hermann Lietz. Es kam in der darauf folgenden Zeit zu weiteren Gründungen, einerseits durch Lietz, später durch Gustav Wyneken (Freie Schulgemeinde Wickersdorf) und Paul Geheeb (Odenwaldschule).
Bei genauerer Betrachtung des Grundgedankens der Landerziehungsheime, darf man die Unterschiede der Heime in pädagogischen Fragen nicht außer Betracht lassen. Daran ist zu erkennen, dass obwohl in einigen Bereichen verschiedene pädagogische Akzente gesetzt wurden sind, alle Heimgründungen in ihren wesentlichen Erziehungsgrundsätzen von gleicher Gestalt waren. Aufgrund der einheitlichen Absichten, kann man dies als "Landerziehungsheimbewegung" zusammenfassen. Sie lassen sich generell als jene Heime bezeichnen, die die drei fundamentalen pädagogischen Leitgedanken tragen, wobei diese bereits in dem Wort enthalten sind: Ländliche Umwelt, Familiencharakter und Vorrangstellung des Erzieherischen. (vgl. von den Driesch 1961, S.296f.) Grundlegend gilt für alle Heimtypen, dass sie einen aktiven, schöpferischen, gemeinschafts- verbundenen und selbstverantwortlichen Menschen erziehen wollten. (vgl. Dietrich 1967, S.168) Bei dieser Forderung stimmen die Landerziehungsheime mit anderen Reformbestrebungen überein. Mit dieser Arbeit soll versucht werden, die wichtigsten Erziehungsgrundsätze darzustellen, welche die Landerziehungsheime prägten.
Dies erfolgt auf der Grundlage der drei maßgeblichen Gründer der deutschen Landerziehungsheim- bewegung. Diese sind Hermann Lietz, Gustav Wyneken und Paul Geheeb. Die Heimgründungen sind sehr stark durch deren unterschiedliche Wesenszüge geprägt. Hierzu darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es sich dabei um drei ausgewählte Hauptvertreter der Landerziehungsheim- idee handelt. Neben Ihnen gab es noch weitere durchaus bedeutsame Vertreter, welche ebenfalls erwähnenswerte Heimgründungen durchführten, wie beispielsweise Kurt Hahn und die "Kurzschulen" (hier vor allem „Salem“). In den pädagogischen Auffassungen gibt es zum Teil erhebliche
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Unterschiede (z.B. beim Elitegedanken oder der Gemeinschaftsideologie), die immer wieder zu Spaltungen und Neugründungen führten. Die Reformer wehrten sich gegen die krankmachenden Bedingungen der modernen Großstadtzivilisation. Schwerpunkte setzten sie auf die Einheit von Schule und Heim, auf Handarbeit, Werkstätten, Koedukation und das Familienprinzip im Zusammenleben.
Für eine Darstellung der fundamentalen Erziehungsgrundsätze möchte ich mich jedoch in dieser Arbeit auf die drei oben genannten Reformpädagogen beschränken
2. Kritik und Forderungen der Reformpädagogen
2.1. Kritik der Reformpädagogen
Die reformpädagogische Bewegung war in ihrer Gesamtheit der Ausdruck einer Kritik am Erziehungs- stil des 20. Jahrhunderts, am Rationalismus, am Intellektualismus und an der Verwissenschaftlichung von Bildung. (vgl. Scheibe 1984, S.5f). Es findet nur eine einseitige Förderung des Intellektes statt und dadurch kommt es zu einer substantiellen Kritik am formalen Prüfungswesen, sowohl für Schüler als auch für Lehrer.
Zudem findet eine Nichtbeachtung der sozialen und emotionalen Aspekte des Kindes statt. Ein weiterer Kritikpunkt war die Erkenntnis, dass sich die Gesellschaft durch Technisierung und Vermassung in einer tiefen Krise befand. Die Veränderung der Gesellschaft wurde als negativ empfunden. Man sprach von einer krankmachenden Großstadtzivilisation. In allen Bewegungen war dieser Punkt, trotz der Verschiedenheit ihrer Lösungsansätze, inhärent und gewissermaßen deren gemeinsame Wurzel.
Diese Kritikpunkte standen somit in Opposition zu den bestehenden Institutionen und strebten nach neuen freien Schulformen und Erziehungsanstalten. Erste Landerziehungsheime entstanden, welche in ihrem pädagogischen Konzepten zu den bedeutenden wegweisenden Schöpfungen der pädagogischen Reformbewegung gehörten.
2.2. Grundlegende Gedanken und Konzepte/ Forderungen
Die neuen Schulen sollten sich von den traditionellen öffentlichen Schulen und dem altem System im Ganzen abwenden.
Ein wesentliches Ziel war die Herausbildung eines neuen Erziehungsstils, der die Kindes- und Jugendphasen im Lebenslauf des Menschen positiver bewertete. (vgl. Flitner 1984, S.9) Dies war auch ein ganz entscheidender Grundsatz für die Landerziehungsheime. Die Erziehung sollte Vorrang vor dem schulischen Unterricht haben. Das Heim sollte eine "Lebensstätte der Jugend" sein, mit einer Lebensform, die ihr entspricht und in der sie das ihr gemäße Leben führen kann. Die Landerziehungs- heime sollten nicht nur eine Lehrinstitution, sondern als eine lebendige Gemeinschaft und als Modell für eine ideale Lebensform konzipiert sein.
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Die Kinder und Jugendlichen sollten zu selbständigen, gesunden, körperlichen, praktischen, wissenschaftlichen und künstlerisch tüchtigen Menschen erzogen werden. Wobei nicht mehr nur von der Einseitigkeit der Erziehung vom Lehrer auf Zögling ausgegangen wird, sondern von der Gemeinschaft der Jugend, die sich selbst erzieht. Unter anderem war auch das Herstellen eines menschlichen Kontaktes zwischen der erziehenden Generation und der Jugend ein Hauptmotiv der reformpädagogischen Gesamtbewegung. (vgl. ebd., S.16) Die Jugend sollte in den Landerziehungsheimen eine echte Lebensgemeinschaft vorfinden und ihre individuelle Entfaltung sollte gewährleistet werden. Die eigene Verantwortung steht hierbei im Vordergrund. Daraus folgten Formen der Schülerselbst- bzw. Schülermitverwaltung. Das Erleben der Gemeinschaft, das im Mittelpunkt der Jugendbewegung stand, war auch für die Landerziehungsheim- bewegung von bestimmter Bedeutung, ebenso die Formen der Kulturkritik.
Die neuen Schulen sollten auf Grund der Forderungen alle Sinne ansprechen.
Auch die umfassende Naturverbundenheit ist ein wichtiges Thema in der Reformpädagogik. Die Schüler sollen anhand eigener Erfahrungen lernen und selbstaktiv ihre Umwelt gestalten. In dieser geforderten neuen Einrichtung sollten Fragen des wirklichen Lebens im Unterricht aufgegriffen werden.
Das Lernen sollte auf Freiwilligkeit und Selbständigkeit basieren, denn nur so würde sich das Kind gesund entwickeln und lernen.
3. Bedeutende Reformpädagogen und ihre Biographien
3.1. Hermann Lietz
Hermann Lietz, am 28.04.1868 in Dumgenewitz auf der Insel Rügen geboren, war der Begründer der deutschen Landerziehungsheime. Als Zweitjüngster von neun Kindern verbrachte er bis zum Jahre 1878 seine Kindheit in Dumgenewitz. Er beschreibt diese, in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit, in der er auf der Insel Rügen leben durfte, als einzigartig. Die Naturverbundenheit, Ruhe, Zeit und die Entbehrung jeder Ablenkung durch moderne Zivilisation lassen ihn den Wert des wahren Lebens erkennen und schätzen. Seine Gymnasialzeit in Greifswald und Stralsund war von 1878 bis 1888. In dieser Zeit verlor Lietz jegliches Interesse an der Schule. Er sah seine Schulzeit auf dem Gymnasium als „Drillzeit“ an, wo der Bezug zum wahren Leben fehlte. Nach dieser für ihn innerlich belastenden Schulzeit, welche er insbesondere in seinem Aufsatz "Auf deutschen Schulen" zum Ausdruck brachte
- er beendete ihn mit den Worten "Ruhet in Frieden" (vgl. Dietrich 1967, S.7-14) - immatrikulierte er als Student der Theologie in Halle. Dort erfährt Hermann Lietz, dass Lernen sich gänzlich anders gestalten kann. In seinem Studium der Theologie besteht kein Zwang, kein Drill, keine Pedanterie und keine Qual der Paukerei. Sein Studium schloss er bereits im dritten Jahr, also 1890, ab. Von 1890 bis 1892 war er Student in Jena der Philosophie.
Im Jahre 1891 legte Lietz seine Doktorprüfung ab. Er promovierte mit der Arbeit über Auguste Comte, dem Begründer des Positivismus.
Seine erste theologische Prüfung und Staatsprüfung für das höhere Lehramt war im Jahre 1892. Ein Jahr nach dem Doktorandenexamen und sechs Monate nach der theologischen Prüfung, legte er als
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Sandra Pauliks, 2003, Die deutsche Landerziehungsheimbewegung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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