Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biographische Daten Vermeers 3
3. Der Begriff des Interieurs 4
4. Die Genre- Darstellungen in der niederländischen Malerei 5
5. Vermeers perspektivische Konstruktion 6
6. Beispiele für Interieur- Darstellungen bei Vermeer 7
6.1. „Die Malkunst“ (siehe Abbildung 2 ) 7
6.1.1. Daten 7
6.1.2. Die Bildbeschreibung 7
6.1.3. Die Farbliche Gestaltung 8
6.1.4. Die Malweise und die Beleuchtungssituation 9
6.2. Die Raumauffassung bei Vermeers Werk „ Die Malkunst“ 10
6.2.1 Die Perspektivische Konstruktion des Raumes 10
6.2.2 Die Bildebenen des Raumes 10
6.2.3. Die Bildachsen des Raumes 11
6.2.4. „Die Malkunst“ als „virtueller Raum“ 11
6.3. Interpretatorische Ansätze 12
6.4. Die „Dienstmagd mit Milchkrug“(siehe Abbildung 4 ) 14
6.4.1.Daten 14
6.4.2. Die Bildbeschreibung 14
6.4.3. Die farbliche Gestaltung 14
6.4.4. Die Malweise und die Beleuchtungssituation ( siehe
Abbildung 5 ) 15
6.5. Die Raumauffassung bei Vermeers Werk „Dienstmagd mit
Milchkrug“ 16
6.5.1.Die Perspektivische Konstruktion des Raumes 16
6.5.2.Die Bildebenen des Raumes 16
6.5.3. Die Bildachsen des Raumes 17
6.5.4. Die „Dienstmagd mit Milchkrug“ als „virtueller Raum“ 17
6.6. Die Interpretation zur“ Dienstmagd mit Milchkrug“ 17
7. Schlussbemerkung 18
2
Interieurs als „Seelenräume“ - Jan Vermeer van Delft
1. Einleitung
Zu erörtern ist im Kontext des Seminars „der virtuelle Raum“, ob es sich bei Vermeers Werken tatsächlich um virtuelle Räume handelt. Geht man von der im Seminar festgelegten Definition von virtuell aus, d.h. „der Möglichkeit nach vorhanden“, so sind die gemalten Räume virtuell, weil die Möglichkeit bestünde sich in ihnen zu bewegen, wenn sie nicht zweidimensional dargestellt wären. Sie sind zwar nicht wirklich real, aber dennoch an die Realität angelehnt, d.h. zwar nicht als solche greifbar, aber auch nur in gewisser Weise fiktiv. Des Weiteren stellt sich die Frage nach den „Seelenräumen“ und deren Möglichkeit vorhanden zu sein. Diese Betrachtung ist weitaus diffiziler, da man Seelenräume eigentlich weder visuell noch räumlich erfassen kann. Denn bei einem Raum, auch wenn er virtuell ist, weiß man, dass er existieren könnte, da er realitätsnah dargestellt wird. Jedoch eine Seele bzw. einen Seelenraum kann man nicht mit der Realität in einen direkten Bezug bringen, da Beweise einer realen Existenz fehlen. So einfach ist es bei Vermeer hingegen nicht, denn nur wenn man seine Bildsprache richtig deutet, ist es möglich die versteckten Seelenräume zu erschließen. Es ist verständlich, dass es uns heute schwerfällt eine Landkarte mit Reichtum in Verbindung zu bringen, doch ein trauriges Mädchen mit einem Liebesbrief, ruft wohl auch heute noch dieselben Assoziationen wie zu Vermeers Zeit hervor. (siehe Abbildung 1)
2. Biographische Daten Vermeers
Im Jahre 1632 wurde Jan Vermeer van Delft in Delft als Sohn von Reynier Jansz und Digna Balthasar geboren. Wo und wie Vermeer seine Lehrjahre verbracht hat ist nicht bekannt, man weiß nur dass er sich 1653 in das Meisterbuch der Lukasgilde eingeschrieben hat und in demselben Jahr Catharina Bolnes heiratete.
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1661 wurde er Vorsteher der Lukasgilde und ein zweites Mal 1669. Vermeer kam nie zu viel Geld und im Jahre 1675 starb Jan Vermeer, verarmt am 15. Dezember. Von seinem Gesamtwerk sind heute nur noch 33 Bilder erhalten. 1
3. Der Begriff des Interieurs
Der Begriff: Interieur stammt etymologisch aus dem Französischen und bedeutet: Inneres. 2 Aus dem Kontext der bildenden Künste betrachtet, sind Interieurs Innenräume die als Assoziationsräume betrachtet werden und durch den Betrachter sinngemäß ergänzt werden müssen „…da vom Standort des Künstlers nur eine Teilwiedergabe des darzustellenden Interieurs möglich ist…“ 3 Dabei muss man sich fragen aus welchem Grund eine bestimmte Räumlichkeit wie dargestellt worden ist. Die Anfänge des Interieurs sind etwa im 13. und 14. Jahrhundert bei Giottos Wandmalereien in Assisi und Padua anzusetzen. Die Vorläufer bilden pompeijanische Wandbilder. Erst im 15. Jahrhundert wird der Innenraum im gesamten Bild dargestellt und die Perspektive wird von den Künstlern beherrscht. Die thematische Darstellung wird von Genre belebt. 4 Als Genre- Darstellungen bezeichnet man Bilder und Szenen aus dem alltäglichen Leben seit etwa dem 14. und 15. Jahrhundert.
Zu einer eigenen Bildgattung wird die Genremalerei erst durch die holländischen Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts. Auf diese Weise wird das Interieur zu einem Ort der Intimität, indem das seelische Innenleben, der im Raum befindlichen Personen durch die räumliche Gestaltungsweise und Accessoires thematisiert wird, wie etwa durch Stühle, Bilder, Tapeten, Kacheln, Musikinstrumente, Gardinen, offene Fenster sowie Pantoffeln oder Landkarten. Doch nicht nur Gegenstände, sondern auch Licht, z.B. eine dramatische
1 Asemissen, Ulrich, Jan Vermeer. Die Malkunst, Kassel 1986. S.71,72
2 Hrsg. Prof. Dr. H. Olbrich, Lexikon der Kunst, Bd. III, Leipzig 1991, S.444
3 Hrsg. Prof. Dr. H. Olbrich, Leipzig 1991, S.445
4 ebenda
4
Ausleuchtung und die farbliche Gestaltung sowie akzentuierte Kontraste konstruieren die Wirkung eines Genrebildes. 5
Die Themenauswahl reicht von Darstellungen des prosaischen Alltags und des privaten Glücks bis hin zu Liebe, Wissenschaft und Einsamkeit. „…Vermeer ist der Meister der stillgestellten Zeit…“ 6 bzw. der Momentaufnahme, denn es
passiert im eigentlichen Sinne nichts, d.h. es wird keine aktive Tätigkeit vollzogen und das Interieur lebt einzig durch Andeutungen. Durch das Fehlen jeglicher Handlungsdramaturgie wird der Betrachter herangeführt, ohne dass es ihm jedoch möglich ist die Gefühle und Gedanken der dargestellten Person zu erahnen. In dieser „… Deutungsoffenheit liegt der Reiz des holländischen Interieurs…“ 7 . Die Themen scheinen zeitlos und unvergänglich zu sein, denn
auch heute sind wir beispielsweise in der Lage uns in einen verliebten Briefschreiber hineinzuversetzen.
4. Die Genre- Darstellungen in der niederländischen Malerei
Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Genres, das bürgerliche- und das bäuerliche Genre. Das bürgerliche Genre ist jenes, das sich mit der höheren gesellschaftlichen Schicht beschäftigt. Beliebt sind hierbei Pendantbilder z.B. der Briefschreiber und die Briefleserin, sowie Themen wie Bildung und Treue. Das bäuerliche Genre hingegen beschäftigt sich mit der „niederen“ gesellschaftlichen Schicht. Dabei handelt es sich um autonome Darstellungen wie etwa eine Bauernhochzeit, die Darstellung einer Kneipenszene oder alltägliche Verrichtungen.
5 Hrsg. Schulze, Sabine, Innenleben. Die Kunst des Interieur, Vermeer bis Kabakov, Ostfildern
1998, S. 7,9
6 Hrsg. Schulze, Sabine, Ostfildern 1998, S. 10
7 ebenda
5
5. Vermeers perspektivische Konstruktion
Vermeer benutzte bei seinen Werken die Zentralperspektive. Bei 13 seiner erhaltenen Werke erkennt man eindeutig seine Methodik, wie er sie wohl aus Büchern wie etwa „…das von Hans Vredeman de Vries…“ 8 über das
perspektivische Zeichnen erhalten hat. Sichtbar wird jene Methode durch Nageleinstiche in den diversen Werken. Vermeer ging folgendermaßen vor: er steckte an den Fluchtpunkt der bereits grundierten Leinwand einen Nagel. An dem Nagel war eine Schnur befestigt, diese war so lang, dass er mit ihr jeden Winkel der Leinwand erreichen konnte um so „…korrekte orthogonale Linien einzuzeichnen, die sich im zentralen Fluchtpunkt schneiden…“ 9 Es ist
anzunehmen, dass Vermeer seine Schnur vorher mit Kreide eingerieben hat um den dünnen Kreidestrich später übertragen zu können und dass er die Schnur vom Fluchtpunkt aus straff gezogen hat und mit der anderen Hand die Schnur angehoben hat und sie dann zurückschnellen hat lassen. Dadurch ergab sich dann der Kreidestrich, der ihm für die korrekte perspektivische Konstruktion und zum Zeichnen von geraden Linien diente. 10 Erstaunlich ist, dass Vermeer eine
ungeheuer realistische Darstellung gelang, obwohl er keine „camera obscura“ verwendete. 11 Ob das jedoch der Wahrheit entspricht, ist nicht geklärt. Norbert
Schneider behauptet ganz im Gegenteil, dass“…Vermeer bei den meisten seiner Bilder Gebrauch von der Camera obscura…“ 12 gemacht hat
8 Hrsg. A.K. Wheelock, Jr., Vermeer das Gesamtwerk, Stuttgart- Zürich 1995, S. 67
9 Hrsg. A.K. Wheelock, Jr., Stuttgart- Zürich 1995, S. 68
10 ebenda
11 Hrsg. A.K. Wheelock, Jr., Stuttgart- Zürich 1995, S. 72 und 78
12 Norbert Schneider, Jan Vermeer1632-1675, Verhüllung der Gefühle, Köln 1993, S.88
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Quote paper:
Magister Artium Johanna Hartmann, 2003, Interieurs als "Seelenräume" – Jan Vermeer van Delft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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