Rilke und der Symbolismus
von
Radmila Kirilova Freund
7. Semester
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung... 2
2. Literarische Moderne... 3
2.1. Die wichtigsten Stilrichtungen um die Jahrhundertwende... 4
3. Symbolismus... 7
3.1. Dinggedichte... 10
4. „Der Schwan“... 12
5. „Blaue Hortensie“... 20
6. Schlussfolgerungen... 24
7. Literaturverzeichnis... 25
1. Einleitung
In der vorgelegten Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, wie der Symbolismus als literarische Strömung am Anfang des 20. Jahrhunderts in der Zeit der literarischen Modeme im lyrischen Werk von Rainer Maria Rilke vertreten ist. Die Jahrhundertwende ist eine sehr turbulente Zeit nicht nur in gesellschaftlich-historischer Hinsicht, sondern auch für das literarische Leben. Keine literarische Epoche im deutschsprachigen Raum weist so viele Stile, Strömungen oder Richtungen auf: Von der Arbeitsdichtung über Expressionismus, Naturalismus bis zu Surrealismus. Eine wesentliche Richtung dieser Epoche der Modeme ist der Symbolismus, dessen hervorragender Vertreter in der deutschsprachigen Lyrik Rainer Maria Rilke neben George ist. Rilke hat sich selbst nicht als Symbolist bezeichnet, ein Versuch, Rilke als Symbolist zu interpretieren, wird in dieser Hausarbeit unternommen. Eine zentrale Rolle dabei spielt sein lyrisches Schaffen, insbesondere das "Dinggedicht", das seinen Höhepunkt in dem Zyklus "Neue Gedichte" der mittleren Schaffensperiode des Lyrikers findet. Um den theoretischen Ausgangspunkt zu begründen, werden Gedichte von Rilke herangezogen, die die wesentlichen symbolistischen Merkmale illustrieren: "Der Schwan" und "Blaue Hortensie". Die tiefere Werkanalyse dieser Gedichte schließt aber nicht aus, dass auch literarisches Material aus anderen Gedichten oder auch von anderen Autoren berücksichtigt und kommentiert wird. Eines der wichtigsten Ziele der Hausarbeit ist es, Rilke nicht nur als Symbolist einzuordnen, sondern auch ihn von den anderen literarischen "Ismen" abzugrenzen. Deshalb schien es mir nötig, eine kurze Charakteristik der Kunstrichtungen vorzunehmen, damit die Vergleiche oder Parallelen ihr theoretisches Fundament erhalten. Nur sporadisch und nach Bedarf werden Lebensumstände oder Einflüsse von anderen Künstlern angegeben oder erläutert, insoweit dies eine Rolle für sein Werk oder den analysierten Inhalt spielt. Eine systematische biografische Darstellung des Lyrikers ist nicht vorgesehen, da die Arbeit sich ausschließlich auf literaturtheoretische und –geschichtliche Fragen konzentriert. Eine besondere Aufmerksamkeit wird nicht nur der inhaltlichen Analyse, sondern auch der sprachlichen gewidmet. Die symbolistische Lyrik geht ihren eigenen Weg mit der „Sprachmagie“, die einen wesentlichen Bestandteil des schöpferischen Arsenals jedes Symbolisten darstellt. Noch mehr gilt das für Rilke als „Versschmied“, weil er einen eigenen stilistischen Weg als Lyriker und sogar als Symbolist geht.
2. Literarische Moderne
Die literarische Moderne lässt sich zwischen 1870 und 1920 in Europa einordnen: Der Naturalismus als der Vorbote, die literarischen Bewegungen um 1900 (darunter auch der Symbolismus) und der Expressionismus als die Endphase1. Der Ausgang des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch vielfältige Erscheinungen in der Gesellschaft und in der Kunst. Die literarischen Bewegungen dieser Zeit können keinesfalls einheitlich betrachtet oder eindeutig zugeordnet werden, zumal sie in den verschiedenen europäischen Ländern verschiedene Zeiträume umfassen. Doch kann man in dem Hin und Her der literarischen Strömungen bestimmte Linien rekonstruieren: Ein Nebeneinander, Miteinander, Gegeneinander verschiedener Tendenzen und Doktrinen, eine stilistische Vielfalt, gemeinsame Motive und Themen charakterisieren das Leben der Epoche.
Die Eproche, in der Rilke als Dichter im deutschsprachigen Raum tätig war, hat als Sammelbezeichnung „Literarische Moderne“. Es handelt sich um eine Generation junger Dichter, die neue Stoffe und Stile fanden, indem sie die traditionellen Dichtungsformen und die bürgerliche Ästhetik radikal und kategorisch ablehnten. Provokation und Experiment charakterisieren die neuen Ausdrucksmöglichkeiten und das Dichtungsverständnis. Diese literarischen Umwälzungen der europäischen Literatur der Jahrhundertwende entwickeln sich in zahlreiche Strömungen, Richtungen und Stile: Expressionismus (in Deutschland), Futurismus (in Italien und in Russland), Dadaismus (in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich), Kubismus, Surrealismus (in Frankreich), Poetismus (in Tschechien). Oft wird der Naturalismus als die erste Phase, der Impressionismus und Symbolismus als zweite Phase der literarischen Moderne eingeordnet. Innerhalb einer Gruppierung sind auch verschiedene Richtungen oder Gegenströmungen zu registrieren: z.B. der Zürcher Dadaismus war gegen den Berliner Dadaismus. Nur eines ist klar definierbar: Die Zeit des Realismus war bereits vergangen, obwohl sich die Klassiker des Realismus (Wilhelm Busch, Theodor Fontane, Wilhelm Raabe) in der Epoche der Jahrhundertwende im literarischen Leben noch einmischten. Aber als herrschende künstlerische Richtung, die die menschlichen Bedingungen analytisch, konkret und kritisch beschreibt, ist der Realismus bereits Vergangenheit.
2.1. Die wichtigsten literarischen Stilrichtungen um die Jahrhundertwende
Aus dem Realismus geht eine neue Stiltendenz hervor, die versucht, die Wirklichkeit genau, aber ungeschönt wiederzugeben. Der literarische Naturalismus (1870-1900) in Europa fußt auf den im 19. Jahrhundert neu gewonnenen Kenntnissen der Naturwissenschaft, insbesondere der Psychologie und der Evolutionstheorie: August Comte, Hippolyte Taine, Charles Darwin2. Die Quellen dieser Literaturtradition sind bereits in der Antike (z.B. bei Homers „Odyssee“) oder im Mittelalter (bei Boccaccio mit seiner Pestschilderung im „Decamerone“) zu finden. Emile Zola gibt der Literaturdichtung ihre Gestalt und den Abriss, er ist der Programmatiker und das unbestrittene Haupt des europäischen Naturalismus3 – der erste Band von Zolas naturalistischem Romanzyklus Les Rougon-Macquart erschien 1871. „Der deutsche Naturalismus unterscheidet sich vom europäischen zunächst dadurch, daß er spät anfing und nur wenige Jahre dauerte. Die Werke des sog. „konsequenten“ Naturalismus von Arno Holz, Johannes Schlaf und Gerhart Hauptmann gehören fast alle in die Zeit zwischen 1889 und 1893“4.
[...]
1 vgl. Beutin, S. 342-386
2 vgl. Sorensen, S. 100-101
3 Erinnern wir uns an seinen Roman „Thérèse Raquin“ und an das Krankheitsbild, das mit solch gründlicher Genauigkeit beschrieben wird: Abstoßende Pusteln, Pickel, Hautblütchen, Narben infolge einer Windpocken- Erkrankung, die das Gesicht der schönen Thérèse verstümmeln. Diese Beschreibung weist für mich die wesentlichen Charakterzüge der Literaturrichtung auf und stellt die Essenz und die Kulmination des literarischen Naturalismus dar.
4 Sorensen, S. 103
Arbeit zitieren:
Radmila Kirilova Freund, 2003, Rilke und der Symbolismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Rainer Maria Rilke - Sein Leben und seine Gedichte
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 29 Seiten
Rilke zur Zeit des Symbolismus – am Beispiel von „Der Schwan“
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 15 Seiten
Textanalytische Übung zu Eduard Mörike "Auf eine Lampe"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Arbeiten Sie die stilistischen und inhaltlichen Eigenarten des Flugbla...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 10 Seiten
Das Bürgerliche Trauerspiel bei Schiller und Lessing
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Zwischenprüfungsarbeit, 20 Seiten
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 28 Seiten
Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
Die Bedeutung der Märchen im Kindergarten
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Facharbeit (Schule), 29 Seiten
Stationenarbeit zu Zerlegungen der Zahl 10 unter Einbeziehung bekannte...
Unterrichtsentwurf, 28 Seiten
Emanzipation oder Kapitulation? Bürgerliche Frauen in Deutschland im 1...
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Die Verwebung der Realitätsschichten in Arthur Schnitzlers Traumnovell...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld ...
Hausarbeit, 30 Seiten
Der Ekklesiastensold und die Partizipation an der athenischen Volksver...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Emilia Galotti und Luise Millerin - die Protagonistinnen von 'Emil...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 33 Seiten
Unterrichtsstunde: Lautmalerische Elemente im Gedicht „Das Feuer“ von ...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 18 Seiten
Zahlzerlegungen von Null bis zehn und die mathematische Frühförderung
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Radmila Kirilova Freund's Text Rilke und der Symbolismus ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Radmila Kirilova Freund hat den Text Rilke und der Symbolismus veröffentlicht
Radmila Kirilova Freund hat einen neuen Text hochgeladen
The Beginning of Terror: A Psychological Study of Rainer Maria Rilke's...
David Kleinbard, Jennifer Manlowe
Great Stories by Kafka and Rilke/Meistererzahlungen Von Kafka Und Rilk...
Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Stanley Appelbaum
The Beginning of Terror: A Psychological Study of Rainer Maria Rilke's...
David Kleinbard, Julie Manga
0 Kommentare