Amtierender Dekan: Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin
1. Berichterstatter: Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer
2. Berichterstatter: Prof. Dr. Harald C. Traue
Tag der Promotion: 10.05.07
Inhaltsverzeichnis Seite I
Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
1
1.1 Auswirkungen des Ausdauersports
3
1.1.1 Regionale Gehirndurchblutung 3
1.1.2 Neurogenese 4
1.1.3 Neurotransmitterbildung 4
1.1.4 Endorphine 5
1.2 Bewegter Unterricht
6
1.3 Fragestellung
8
2. Material und Methoden
9
2.1 Probanden
9
2.2 Methodik
10
2.2.1 Psychologische Verfahren
1 0 0
2.2.1.1 d2 Konzentrationstest 10
2.2.1.2 Positive And Negative Affects Schedule (PANAS) 11
2.2.1.3 Verbaler Merkfähigkeitstest (VM) 12
2.2.2 Studiendesign und durchführung
1 2 2
2.2.2.1 Versuchsablauf 12
2.2.2.2 Testzeiten 13
2.2.2.3 Testabfolge 13
2.3 Statistische Analyse
13
3. Ergebnisse
1 4 4
3.1 Justus-von-Liebig-Schule
1 4 4
3.1.1 Beschreibung der Stichprobe
1 4 4
3.1.1.1 Sportliche Aktivität 14
3.1.1.2 Body Mass Index (BMI) 15
3.1.2 D2 Konzentrationstest
1 7 7
3.1.2.1 Anzahl der Fehler 17
3.1.2.2 Konzentrationsleistung 19
3.1.2.3 Gesamtzahl 21
3.1.3 Positive And Negative Affect Schedule (PANAS)
2 4 4
3.1.3.1 Positive Affect Schedule 24
Inhaltsverzeichnis Seite II
3.1.3.2 Negative Affect Schedule 25
3.1.4 Verbaler Merkfähigkeitstest
2 7 7
3.2 Friedrich-List-Gymnasium
3 1 1
3.2.1 Beschreibung der Stichprobe
3 1 1
3.2.1.1 Sportliche Aktivität 31
3.2.1.2 Body Mass Index (BMI) 32
3.2.2 d2 Konzentrationstest
3 3 3
3.2.2.1 Anzahl der Fehler 33
3.2.2.2 Konzentrationsleistung 34
3.2.2.3 Gesamtzahl 36
3.2.3 Positive And Negative Affects Schedule (PANAS)
3 8 8
3.2.3.1 Positive Affect Schedule 38
3.2.3.2 Negative Affect Schedule 40
3.2.4 Verbaler Merkfähigkeitstest
4 1 1
3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
4 5 5
4. Diskussion
4 6 6
5. Zusammenfassung
5 0 0
6. Literaturverzeichnis
5 1 1
7. Anhang
5 5 5
7.1 Bewegungsprotokoll der Justus-von-Liebig Schule
5 5 5
7.2 Bewegungsprotokoll des Friedrich-List Gymnasiums
57
7.3 Abbildungsverzeichnis
5 9 9
Abkürzungsverzeichnis Seite III
BMI Body Mass Index
d2 d2 Konzentrationstest
GZ Gesamtzahl
p-Wert/ -Niveau die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines "scheinbaren"
oder "falschen" Zusammenhangs
PANAS Positive And Negative Affect Schedule
Rangsumme Summe der Rangplätze
t1,t2,t3 Messzeitpunkt 1, 2, 3
U Prüfmaß zum nicht-parametrischen Vergleich von Mittelwerten
U-Test Mann-Whitney U-Test
VM Verbaler Merkfähigkeitstest
Z standardisiertes Prüfmaß zum Vergleich von Mittelwerten
Einleitung Seite 1
1. Einleitung
Unsere Kinder bewegen sich immer weniger (BÖS 2003, BREITHECKER 2002, Eggert 2000, KLAES 2003) – „In Deutschland ist bereits jedes fünfte Kind übergewichtig, und die Tendenz ist steigend“ (KUBESCH 2002). Mit solchen Schlagzeilen weisen viele Autoren auf eine Entwicklung hin, die schon vor langer Zeit begonnen hat. Jugendliche betreiben zwar immer mehr Sport, dabei handelt es sich aber um Trendsportarten, die zwar von den Jugendlichen begeistert aufgenommen werden, die aber die fehlende Bewegung im Alltag nicht kompensieren können (BÖS 2003). „An die Stelle des Spielens im Sandkasten oder in der freien Natur rücken andere Beschäftigungen, die mehr und mehr drinnen stattfinden und zudem oft mediatisiert sind. Darüber hinaus zeigten die Werte eine epochale Veränderung: Kinder im Jahre 1995 spielen weniger im Freien und machen weniger großräumige Bewegungserfahrungen als Kinder im Jahre 1985 “(EGGERT et al. 2000). Die Folge ist, dass die Kinder sportmotorisch deutlich schwächer sind als noch vor 25 Jahren, wie eine Untersuchung von Bös eindrucksvoll darstellt (BÖS 2003). Er führte eine statistische Meta-Analyse sämtlicher Studien, die in diesem Zeitraum durchgeführt wurden durch und kam zu dem Ergebnis, dass die sportmotorische Leistung von 1975 bis 2000 um mehr als 10% abgenommen hat. Die deutlichsten Unterschiede waren in der Laufausdauer und der Beweglichkeit zu erkennen (BÖS 2003). Die WIAD-AOK- DSB-Studie zeigt, dass sich der in zahlreichen Untersuchungen berichtete Rückgang der körperlichen Leistungsbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren nicht nur fortsetzt, sondern möglicherweise sogar noch verstärkt. So ist allein bei den 10- bis 14- Jährigen seit 1995 ein Rückgang der Fitness um mehr als 20% zu verzeichnen (KLAES 2003). Es gibt Anzeichen, so Klaes, dass sich diese Entwicklung in jüngeren Jahrgängen besonders stark vollzieht, was sich nachhaltig auf die Gesundheit, Sozialverhalten und Lernvermögen der Jugendlichen auswirken wird.
Das Sportengagement von Kindern und Jugendlichen variiert laut Brinkhoff deutlich mit der sozialen Lage der Familie (BRINKHOFF 1998). So sind Kinder aus benachteiligten sozialen Lagen deutlich häufiger sportabstinent. Die Häufigkeit körperlicher Untätigkeit, d.h. die Verweigerung gegenüber jeglicher sportlicher Aktivität, ist, so Brinkhoff weiter, auch bezogen auf die Schultypen der Kinder und Jugendlichen unterschiedlich. Während Hauptschüler häufiger nicht sportlich aktiv
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sind, nehmen Realschüler eine Mittelposition ein und Gymnasiasten sind nur zu etwa 1/6 nicht sportlich aktiv (BRINKHOFF 1998). Programme der Gesundheitsförderung sollten deshalb schulbasiert sein, damit auch den ansonsten Benachteiligten Zugang verschafft werden kann.
Bisherige Studien beschäftigten sich mit der Auswirkung von Bewegung ganz unterschiedlicher Art. Bei den Probanden handelte es sich vor allem um sehr junge oder eher ältere Menschen. Im Folgenden sollen nun einige Interventionsstudien beispielhaft vorgestellt werden.
Das CHILT-Projekt von Graf zeigt Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und Konzentration im Kindesalter (GRAF et al. 2003), ein Einfluss auf die Konzentration konnte jedoch nicht gezeigt werden.
Wamser und Leyk untersuchten in ihrer Studie die Auswirkungen des „Bewegten Unterrichtes“ an Schülern einer Hauptschule der Jahrgangsstufen 6, 7, 8 und 9. Dabei stellten sie einen Anstieg der Konzentrationsleistung im „Bewegten Unterricht“ in der 2. bis 4. Schulstunde gegenüber einem Abfall der Konzentrationsleistung im „klassischen Unterricht“ fest. Darüber hinaus zeigte sich ein Geschlechtsunterschied: Die weiblichen Probanden wiesen im d2 Aufmerksamkeitstest niedrigere Werte für die Differenz Gesamtzahl-Fehler auf als die männlichen. Außerdem stellten sie fest, dass die Wirkung des „Bewegten Unterrichtes“ in der 3. und 4. Unterrichtsstunde am deutlichsten war (WAMSER 2003).
Breithecker und Dordel untersuchten „Bewegten Unterricht“ in einer Studie an Grundschülern (BREITHECKER 2002). Eine Versuchsgruppe nahm bewegten Unterricht mit Pausenhofaktivitäten an mobilen Bewegungsgeräten wahr. Eine weitere Versuchsgruppe wurde mit ergonomischen Arbeitsplätzen und bewegtem Arbeitsplatzverhalten konfrontiert. Der d2 Aufmerksamkeitstest ergab vor allem bei der zuletzt genannten Gruppe deutliche Steigerungen. Diese Untersuchungen weisen darauf hin, dass Bewegung einen positiven Einfluss auf kognitive Vorgänge - Konzentration und Aufmerksamkeit – haben könntDie vorliegende Studie beschäftigt sich mit Probanden mit einem Altersdurchschnitt von 17 Jahren
Einleitung Seite 3
und liegt damit in einem Altersbereich, über den hinsichtlich der Auswirkungen von Bewegung wenig bekannt ist. Es soll untersucht werden, ob und wie sich die Auswirkungen von Ausdauersport und „Bewegtem Unterricht“ auf die Konzentration, Merkfähigkeit und die Befindlichkeit der Probanden unterscheiden. (Siehe Hypothesen Seite 8)
1.1 Auswirkungen des Ausdauersportes
Die den oben beschriebenen positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität zugrunde liegenden Prozesse sind bis heute nicht hinreichend geklärt. Im Folgenden sollen Erkenntnisse aus tierexperimentellen Untersuchungen sowie Studien am Menschen näher beleuchten, über welche Mechanismen körperliche Aktivität Einfluss auf kognitiven Fähigkeiten nehmen kann.
1.1.1 Regionale Gehirndurchblutung
Bewegung führt im Gehirn zu einer Steigerung der lokalen Durchblutung (HERHOLZ 1987). Noch in der ersten Hälfte der 1980er Jahre ging man davon aus, dass keine Form von muskulärer Beanspruchung die Durchblutung des Gehirns beeinflussen könne. Aufgrund der Bedeutung des Gehirns für den Organismus nahm man an, dass das Gehirn autonom funktioniere und konstant durchblutet sei. Bereits Ende der 1970er Jahre stellte man allerdings mittels positronenemissionstomographischen Untersuchungen fest, dass Mund oder Augenbewegungen und insbesondere Fingerbewegungen an Einzelstellen des Gehirns Durchblutungszunahmen auslösen (ROLAND 1981 a, HOLLMANN 2003). Bereits ab einer sehr geringen Belastungsstufe von 25 Watt auf dem Fahrradergometer konnten mittels PET signifikante Durchblutungssteigerungen in verschiedenen Gehirnabschnitten festgestellt werden (HERHOLZ 1987). Die Größenordnung der Durchblutungssteigerung betrug im Mittel 20%. Eine Belastung von 100 Watt ließ die mittlere Durchblutung gegenüber dem Ruhewert um circa 30% ansteigen (HERHOLZ 1987). Bei beiden Belastungsstufen ließ sich eine stärkere Durchblutungszunahme in der grauen Substanz gegenüber der weißen feststellen (Thomas 1989). Eine höhere Belastungsintensität führt zu einer stärkeren Durchblutung regionaler Gehirnbereiche, jedoch ohne dass eine lineare Beziehung besteht (HOLLMANN 2000).
Einleitung Seite 4
Die vermehrte regionale Gehirndurchblutung könnte darauf hindeuten, „dass bei körperlicher Betätigung im Gehirn vermehrt neuronale Botenstoffe wie zum Beispiel Neuropeptide gebildet würden und der verstärkte Blutstrom die Aufgabe habe, so schnell und kompakt wie möglich an periphere Zielorte zu befördern.“ (HOLLMANN 1996 vgl. HOLLMANN et al. 1988, 1989, 1997, 2004) Regelmäßige körperliche Bewegung führt vermutlich zu Ökonomisierungsprozessen im Gehirn wie es auch im Herz- Kreislauf- Bereich beobachtet wird (HOLLMANN 2000). So werden bei Marathonläufern beim Lernen hochsignifikant weniger Aktivitätsbereiche beobachtet als bei untrainierten Probanden, „insbesondere in präfrontalen Regionen war sogar keine Aktivierung erkennbar“ (HOLLMANN 2000).
Schmidt führt in seinen Untersuchungen diese geringere Aktivierung des präfrontalen Kortex bei trainierten gegenüber untrainierten Probanden auf ein effizienteres neuronales System zurück (SCHMIDT et al. 2001).
1.1.2 Neurogenese
„In früher Kindheit fördern koordinative Beanspruchungen den Erhalt von überschüssig vorhandenen Neuronen und die zugehörige Synapsenbildung. Das bietet Voraussetzungen für eine bessere intellektuelle Entwicklung.“ (HOLLMANN 2003). Hollmann erklärt dies genauer: Allgemeines Koordinations- und aerobes Ausdauertraining führen zu einer signifikanten Zunahme der Produktion an neurotrophen Faktoren (BDNF), speziell im Hippocampus, im Kortex und im Cerebellum (HOLLMANN 2003).
Eine ausreichende Menge an neurotrophen Faktoren ist die Grundvoraussetzung für die Langzeitpotenzierung (LTP) -dem synaptischen Analogon zum Lernen und Gedächtnis (HOLLMANN 2003). Körperliche Aktivität löst also eine Plastizitätsförderung aus und hat neuroprotektive Wirkung. Neben dem verbesserten Lernvermögen werden durch Angiogenese Durchblutungsstörungen verringert. (HOLLMANN 2003) „Vermehrte bewegungstypische Beanspruchung eines Körperteils bewirkt eine Expansion der zugehörigen Repräsentation in der Hirnrinde.“(HOLLMANN 2003) „So besitzt muskuläre Tätigkeit einen maßgeblichen Einfluss auf Gehirnstrukturen und -funktion.“(HOLLMANN 2003)
Einleitung Seite 5
Van Praag untersuchte im Tierexperiment die Auswirkungen von Bewegung auf die Gehirne von Mäusen. Die Versuchstiere liefen 35 Tage lang 5-6 Kilometer täglich. Danach wurden sie getötet und die Anzahl der neugebildeten Nervenzellen im Gehirn wurde bestimmt. Bei den „Läufer“-Mäusen hatten sich wesentlich mehr voll funktionstüchtige Neuronen gebildet als bei den inaktiven Mäusen (VAN PRAAG 1999).
1.1.3 Neurotransmitterbildung
Die freie Aminosäure Tryptophan stellt eine Vorstufe von Serotonin dar, Tyrosin die Vorstufe von den Neurotransmittern Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. (HOLLMANN 1996). Doch weder Tryptophan noch Tyrosin können im Gehirn gebildet werden, so Hollmann weiter. Den einzigen Zugang zum Gehirn bildet die Blut-Hirnschranke. Dort stehen 3 verschiedene Transportsysteme bereit. Aromatische und verzweigtkettige Aminosäuren werden kompetitiv über einen Aminosäuretransporter für große, neutrale Aminosäuren befördert. Der periphere Plasmaspiegel bestimmt dabei die Größenordnung des Transportes. Ein Ausdauertraining erhöht die Aufnahme von verzweigtkettigen und aromatischen Aminosäuren in die Muskulatur, wodurch der Plasmaspiegel dieser Aminosäuren entsprechend sinkt (Vergl. BLOMSTRAND et al. 1991, STRÜDER et al., 1995, 1996 IN HOLLMANN et al. 1996). Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Tryptophan an der Bluthirnschranke einen Transporter besetzen kann, stark an, so Hollmann weiter. Dies ermöglicht eine verstärkte Umwandlung von Tryptophan im Gehirn zu Serotonin. Der Neurotransmitter Serotonin beeinflusst viele zentralnervös gesteuerte Funktionen: Er ist unter anderem beteiligt an der Regulation von Stimmung, Appetit, Schlaf, Schmerzverarbeitung und der zirkadianen Rhythmik.
Über die Beeinflussung der zentralen Neurotransmitter kann körperliche Aktivität direkt und kurzfristig Einfluss nehmen auf Denk- und Merkprozesse, sowie Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden (HOLLMANN 1996, vergl. STRÜDER 1996).
Daraus folgert Hollmann, dass ein „Ausdauertraining spezifische Veränderungen im serotonergen System in Abhängigkeit von der Belastungsintensität und der Leistungsfähigkeit des Sportlers“ bewirkt (HOLLMANN 2003, vergl. STRÜDER 1997).
Einleitung Seite 6
1.1.4 Endorphine
Bei den sogenannten Endorphinen oder opioiden Peptiden handelt es sich um Neurotransmitter. Eine hohe Belastungsintensität, die die Laktatwerte über ca 4mmol/l im arteriellen Blut steigen lässt, oder eine anaerobe Belastung, die länger als 60 Minuten andauert, rufen eine Zunahme der Endorphine im Blut hervor (HOLLMANN 1996, siehe auch HOLLMANN 2000). Hollmann zeigte in seinen Untersuchungen, „dass die Schwelle sowohl für die Schmerzintensität als auch für die Schmerztoleranz nach erschöpfender Belastung auf dem Fahrradergometer stark erhöht war.“(HOLLMANN 1996, siehe auch HOLLMANN 2000) Hollmann vermutet, dass die verstärkte Freisetzung von Endorphinen bei intensiver Arbeit die Aufgabe habe, dem Menschen die körperliche Belastung zu erleichtern und ihn durch eine Stimmungsverbesserung zu erneuter körperlicher Betätigung zu ermuntern. Allerdings müssen die Ergebnisse relativiert werden, da der Endorphinspiegel im Blutplasma gemessen wurde, ein Rückschluss auf die Konzentration im Gehirn ist fragwürdig. Endorphine könnten also einer Motivation zu vermehrter Bewegung dienen und weniger dazu, kognitive Funktionen zu beeinflussen.
1.2 Bewegter Unterricht und Bewegte Schule
Für den Begriff der „Bewegten Schule“ gibt es keine allgemeingültige Definition, vielmehr handelt es sich um einen Sammelbegriff. Darunter verbergen sich unterschiedliche Aspekte, die eine Änderung des Schulalltages fordern. Eine inhaltliche Abgrenzung gestaltet sich schwierig. Das Konzept der „Bewegten Schule“ beruht auf Erfahrungen von Pädagogen und Lehrern. In der vorliegenden Studie soll nun genauer auf den „Bewegten Unterricht“ eingegangen werden. Hierbei handelt es sich um einen Teilaspekt der „Bewegten Schule“.
Breithecker stellt die Hypothese auf, dass je jünger die Schüler sind, desto geringer sei auch deren Aufmerksamkeitsspanne, die dann mit zunehmendem Alter ansteige.
Bei den jüngsten Schülern (5 -7 Jährige) wird diese Zeit auf gerade mal 15 Minuten geschätzt, so Breithecker weiter. Würde diese Zeit ausgeschöpft, sinke die Aufmerksamkeit, und der Schüler verspüre das Bedürfnis sich zu bewegen,
Einleitung Seite 7
was im Widerspruch zur erwarteten Haltung vom still dasitzenden aufnahmebereiten Schüler stehe (BREITHECKER 2002).
Zur Lösung diesen Problems gibt Breithecker die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes und die Abstimmung von Tischen und Stühlen als ein wesentliches Element an. Bewegliche Sitz- und neigbare Tischflächen ermöglichten ein physiologisch dynamisches Sitzen, so Breithecker weiter. Die Bewegungsimpulse der Schüler werden aufgenommen und ein Wechsel zwischen Sitz- und Arbeitshaltung wird aktiv unterstützt. Die klassischen Schulmöbel seien deshalb wenig kindgemäß und stellten dadurch eine erhebliche psycho-physische Belastung dar, die sich dann in vielfältigen körperlichen Beschwerden äußerten (BRINKHOFF 1996).
Um dieser Entwicklung entgegen zu treten, schlägt Breithecker nun eine „Rhythmisierung des Schulalltages“ vor –ein Wechsel von Statik und Dynamik, Spannung und Entspannung, Belastung und Entlastung- nach individuellen psychosomatischen Bedürfnissen. Den dynamischen Anteil der Rhythmisierung stellten dabei die motorischen Aktivitäten dar. Breithecker meint weiter, Pausen gäben zwar die Option für motorische Aktivitäten, jedoch könnten individuelle Unterschiede eines Rhythmisierungsbedürfnisses nicht berücksichtigt werden. Um einer Abnahme der Konzentration und einer Zunahme an Unruhe in der Klasse vorzubeugen, schlägt Breithecker vor, entsprechende Bewegungs- oder Entspannungspausen in die Unterrichtsstunden einzubauen.
Das Spektrum der Aktivitäten, die sich unter dem Begriff des „Bewegten Unterrichtes“ anbieten, ist groß. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um „Auflockerungsminuten“ (z.B. Fingerspiele, kleine Bewegungsgeschichten, Bewegungslieder und darstellende Spiele) und gymnastische Übungen (z.B. Aerobic sowie Dehnungs- und Kräftigungsprogramme für die Muskulatur) (WAMSER 2003). Dabei kann auch themenbezogenes Bewegen eingesetzt werden. Direkte Einflüsse auf kognitive Funktionen sind nicht nachweisbar, so Breithecker , jedoch sei mit der gezielten motorischen Förderung eine Steigerung des Schulerfolges zu beobachten. Diese Entwicklung, so vermutet Breithecker, sei auf eine größere Schulzufriedenheit, erhöhte Lernbereitschaft, gestärktes Selbstvertrauen, größere Frustrationstoleranz und besseres Sozialverhalten zurückzuführen.
Einleitung Seite 8
1.3 Fragestellung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Auswirkungen von Bewegung auf die Konzentration, Befindlichkeit und Merkfähigkeit zu untersuchen. Dabei soll die Intervention durch Ausdauersport und durch „Bewegten Unterricht“ jeweils mit Kontrollgruppen ohne Bewegung verglichen werden. Dazu wurden die Probanden dem d2 Konzentrationstest, dem PANAS (zur Erfassung der Befindlichkeit) und dem Verbalen Merkfähigkeitstest unterzogen.
Folgende Fragen sollen dabei geklärt werden:
N Welchen Einfluss hat täglicher Ausdauersport auf die Konzentration, die
Befindlichkeit und die Merkfähigkeit der Probanden?
N Welchen Einfluss hat der Bewegte Unterricht auf die Konzentration, die
Befindlichkeit und die Merkfähigkeit der Probanden?
Material und Methoden Seite 9
2. Material und Methoden
2.1 Probanden
Alle Probanden für die nachstehende Studie entstammen der Sekundarstufe aus den folgenden Schulen: Friedrich-List-Gymnasium Asperg Justus-von-Liebig-Schule Aalen
Gemäß den internationalen Konventionen von Helsinki wurden alle Probanden ausführlich über die Versuchsordnung und den Versuchsablauf aufgeklärt, und alle volljährigen Probanden und die Erziehungsberechtigten der jugendlichen Probanden gaben ihr schriftliches Einverständnis, an der Studie teilzunehmen.
Insgesamt nahmen 64 Probanden (45 weiblich, 19 männlich) mit einem Durchschnittsalter von 17 Jahren (Minimum 15, Maximum 19) teil.
Die Versuchsgruppe des Friedrich-List-Gymnasiums Asperg absolvierte ein tägliches Ausdauertraining in Form von Joggen und Fahrradfahren von jeweils mindestens 30 Minuten. Zusätzlich wurde an 5 Tagen in der Woche eine Mannschaftssportart wie Fußball oder Hockey gespielt. Ein ausführliches Protokoll der sportlichen Aktivitäten befindet sich im Anhang. Das Durchschnittsalter lag bei
17 Jahren (Minimum 16, Maximum 19). Tabelle 1 zeigt die Verteilung der
Probanden auf die Versuchs- und die Kontrollgruppe.
Tabelle 1: Verteilung der Probanden des Friedrich-List-Gymnasiums Asperg auf die Versuchs- und
die Kontrollgruppe
Die Versuchsgruppe der Justus-von-Liebig-Schule Aalen führte bewegten Unterricht durch. An 3 Tagen in der Woche wurde jeweils eine Unterrichtsstunde 1-3 mal unterbrochen, um für circa 5 Minuten Bewegungspausen abzuhalten. Dabei wurden Elemente des Bewegten Unterrichtes wie das Planetenspiel, Geräuscheorchester, Macarena (Tanz), ein Song und ein Zettellauf durchgeführt (Beschreibung siehe Anhang). Versuchs- und Kontrollgruppe waren jeweils Parallelklassen.
Arbeit zitieren:
Dr. med. dent. Michael Ritteser, 2007, Bewegung und Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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