Fachhochschule Hannover Fachbereich Wirtschaft
Ausarbeitung im Fach Betriebswirtschaftslehre – Consulting
Semester: SS 2004
Due Diligence - Ein Überblick
von
Silke Theilen
Inhaltsverzeichnis
Einleitung... 1
1 Grundlagen der Due Diligence... 1
1.1 Herkunft und Inhalt des Begriffes... 1
1.2 Anlässe und Ziele... 2
2 Verfahrensablauf... 4
2.1 Auswahl, Aufgaben und Beauftragung des Gutachters... 5
2.2 Organisation und Zusammenstellung des Due Diligence-Teams... 7
2.3 Letter of Intent... 9
2.4 Informationsbeschaffung und –verwaltung... 10
2.4.1 Interne Informationsquellen... 11
2.4.2 Externe Informationsquellen... 11
2.4.3 Nutzung und Bedeutung der Informationsquellen in der Praxis... 13
2.4.4 Data-Room... 13
2.5 Verwendung von Checklisten... 14
2.6 Dokumentation und Berichterstattung... 16
2.6.1 Arbeitspapiere... 16
2.6.2 Due Diligence Memorandum... 17
2.6.3 Due Diligence Kompendium... 17
3 Teilreviews der Due Diligence... 19
3.1 Financial Due Diligence... 21
3.1.1 Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken... 23
3.1.2 Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage... 24
3.2 Tax Due Diligence... 25
3.3 Legal Due Diligence... 27
4 Vendor Due Diligence... 28
5 Unternehmensbewertung auf Basis einer Due Diligence... 30
Anlage:... 32
Schrifttumsverzeichnis... 34
Einleitung
Zu dem Begriff „Due Diligence“ gibt es keine einheitliche Übersetzung. Ansätze könnten lauten „erforderliche bzw. angemessene Sorgfalt“ oder „sorgsame Erfüllung“, obgleich diese Übersetzungen wenig Aufschluss über die Inhalte einer Due Diligence geben.1
Hinter der aus dem US-amerikanischen übernommenen Bezeichnung verbirgt sich ein Prozess, der in der heutigen, von einer zunehmenden Zahl an Unternehmenszusammenschlüssen gekennzeichneten Zeit, immer häufiger Anwendung findet. Allgemein wird unter einer Due Diligence die systematische und detaillierte Analyse von Daten einer Gesellschaft verstanden. Ziel der Untersuchung ist es, ein Gesamtbild über das Unternehmen zu erlangen. Darauf aufbauend kann eine fundierte Unternehmensbewertung vorgenommen werden.2
Die vorliegende Ausarbeitung soll einen ersten Überblick zum Thema Due Diligence vermitteln und geht daher nach einem Abschnitt über Herkunft und Inhalt des Begriffes sowie Anlässe und Ziele des Prozesses in erster Linie auf den Verfahrensablauf und bedeutsame Teilbereiche ein. In den weiteren Abschnitten werden zudem die Besonderheiten einer verkäuferseitigen Due Diligence erläutert und Methoden zur Unternehmensbewertung auf Basis einer Due Diligence vorgestellt.
1 Grundlagen der Due Diligence
Zur Eingrenzung der begrifflichen Bedeutung wird zunächst auf Herkunft und Inhalt sowie mögliche Anlässe und die vordergründigen Ziele einer Due Diligence eingegangen.
1.1 Herkunft und Inhalt des Begriffes
Seinen Ursprung hat der Begriff „Due Diligence“ im US-amerikanischen Kapitalmarkt- und Anlegerschutzrecht (securities laws). Die an einer Erstemission von Wertpapieren beteiligten Personen können sich der gesetzlich verankerten Emissionsprospekt- haftung entziehen, indem sie nachweisen, dass sie im Vorfeld eine Prüfung mit angemessener Sorgfalt durchgeführt haben. Diese Funktion im US-amerikanischen Haftungsrecht ist daher mit dem im deutschen Recht verankerten Institut der „im Geschäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt“ vergleichbar. Weiterhin wirkt sich die Durchführung einer Due Diligence im amerikanischen Recht auf Gewährleistungsansprüche bei Unternehmenstransaktionen (Unternehmenskäufe und –zusammenschlüsse) aus.3
In Europa hat die Due Diligence ihre Bedeutung vor allem aus kaufmännischen Gesichtspunkten und aufgrund der zunehmenden Globalisierung international tätiger Unternehmen erlangt.4 Die Analyse dient dabei der Überwindung von Informationsasymmetrien zwischen dem potenziellen Käufer und dem Verkäufer eines Unternehmens. In der Regel zielt die Untersuchung auf die Einigung über einen beiderseitig akzeptablen Kaufpreis für das Zielobjekt ab. Durch die Verbesserung des Informationsstandes, die eine fundiertere Unternehmenseinschätzung ermöglicht, wird die käuferseitige Verhandlungsposition gestärkt.5
Hervorzuheben ist, dass die Due Diligence weder eine Jahresabschlussprüfung noch eine Unternehmensbewertung ist, obgleich Inhalte und Techniken denen von Abschlussprüfungen und Unternehmensbewertungen ähneln können. Je nach Anlass der Due Diligence, Ziel des Auftraggebers und Form des zu untersuchenden Unternehmens variieren jedoch die Analyseschwerpunkte und mit ihnen auch die jeweiligen Vorgehensweisen. Häufig findet parallel zur Due Diligence oder im Anschluss an diese eine Unternehmensbewertung statt, bei der die gewonnenen Informationen verwendet werden können.6
1.2 Anlässe und Ziele
Die möglichen Anlässe für eine Due Diligence sind vielfältig. Eine grobe Differenzierung kann dahingehend vorgenommen werden, ob die Untersuchung aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder freiwillig vorgenommen wird. Die wesentlichen Anlässe sind im Folgenden aufgeführt. Gesetzliche Bestimmungen können Anlass für eine Due Diligence sein, wenn:
• ein Gesellschafter aus einem Unternehmen ausscheidet,
• die Höhe einer Abfindungssumme festzulegen ist,
• eine Verschmelzung, Vermögensübertragung oder Umwandlung geplant ist,
• steuerliche Erhebungen (z.B. Erbschaft- oder Schenkungsteuer) anfallen,
• Erbauseinandersetzungen, Kapitalentnahmen oder Scheidungsverfahren Ausgleichszahlungen nach sich ziehen oder
• eine Enteignung bevorsteht.
Anlässe für eine Due Diligence auf freiwilliger Basis können sein:
• der Kauf/Verkauf eines Unternehmens oder von Unternehmensteilen,
• die Börseneinführung von Aktien eines Unternehmens,
• eine Eigen- oder Fremdkapitalaufnahme,
• Management Buy-Outs,
• Sanierungen, Umstrukturierungen oder Spaltungen von Betrieben,
• gesellschaftsrechtliche Schiedsverträge oder
• Privatisierungen der öffentlichen Hand7
Gemäß der Herkunft ihrer Bedeutung für den europäischen Raum wird eine Due Diligence in der Praxis weiterhin am häufigsten im Zusammenhang mit einem Unternehmenskauf bzw. –verkauf durchgeführt. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Kosten, die durch eine Due Diligence verursacht werden, in der Regel sehr hoch sind. Zudem hat die Zahl der Unternehmenszusammenschlüsse in der jüngeren Vergangenheit stark zugenommen. Bei fehlgeschlagenen Transaktionen war oftmals eine unzureichende Informationsbasis über das Zielunternehmen ein bedeutender Grund für den Misserfolg. Die Erkenntnisse hierüber haben dazu geführt, dass eine Due Diligence als Instrument zur Überwindung des Informationsdefizits vor dem Abschluss eines Kauf- oder Fusionsvertrages immer häufiger zur Anwendung kommt. Hierbei spielen nicht nur Faktoren wie die finanzielle, wirtschaftliche oder steuerliche Lage des Unternehmens eine Rolle, sondern in zunehmendem Maße auch der kulturelle Aspekt, insbesondere bei Zusammenschlüssen international agierender Unternehmen. Ziel der Untersuchung ist es, ein Gesamtbild über das Unternehmen zu erlangen und dabei Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken offenzulegen. Die erlangten Unternehmensinformationen sollen als Entscheidungsgrundlage für den Kauf dienen und zur Preisfindung beitragen.8
Im Rahmen einer empirischen Untersuchung von Berens/Strauch9 wurden deutsche Käuferunternehmen zur Organisation und Durchführung der Due Diligence befragt. Die Untersuchung ergab, dass die Käuferunternehmen im Durchschnitt bei 78,6% ihrer Akquisitionen eine Due Diligence durchführten. Innerhalb einer Dauer von durchschnittlich 16 Tagen wurden 122 Manntage aufgewendet. Die Kosten für eigenes Personal, Berater und Gutachter beliefen sich im Durchschnitt auf 215.000 EUR. Überdies ergab die Untersuchung, dass 38,3% aller durchgeführten Due Diligences nicht zu einem Vollzug der geplanten Investition führten. Das oben genannte Ergebnis zeigt, dass eine Due Diligence also auch entscheidungsrelevant im Sinne des Abbruchs der Verhandlungen sein kann.10 Die weiteren Ausführungen in dieser Ausarbeitung beziehen sich aufgrund der beschriebenen praktischen Bedeutung auf die Durchführung einer Due Diligence anlässlich eines Unternehmenskaufes bzw. -verkaufes.
2 Verfahrensablauf
[...]
1 Vgl. Berens, W.; Brauner, H.U.: Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen, 3. Aufl., 2002, S. 5 und Scott, C. (Hrsg.): Due Diligence in der Praxis, 2001, S. 14.
2 Vgl. Koch, W.; Wegmann, J.: Praktiker-Handbuch Due Diligence, 1998, S. 3 und Scott (2001), S. 5.
3 Vgl. Berens/Brauner (2002), S. 6 und http://www.wiwi.uni-regensburg.de/scherrer/edu/ opi/duediligence.html, 07.04.2004.
4 Vgl. Scott (2001), S. 5.
5 Vgl. Berens/Brauner (2002), S. 5.
6 Vgl. Koch/Wegmann (1998), S. 3 und Scott (2001), S. 64.
7 Vgl. Koch/Wegmann (1998), S. 14 und Scott (2001), S. 14-16.
8 Vgl. Koch/Wegmann (1998), S. 3, 19, 28 und Berens/Brauner (2002), S. XII.
9 Vgl. zu der empirischen Untersuchung Berens, Wolfgang; Strauch, Joachim: Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen – eine empirische Untersuchung, 2002, in: Berens/Brauner (2002), S. V. Die schriftliche Befragung wurde mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt und bezog sich auf die Akquisitionstätigkeit der Jahre 1997-2000. Insgesamt wurden 3.926 Unternehmen aller Rechtsformen befragt, wobei die Rücklaufquote 11,3% betrug.
10 Vgl. Berens/Brauner (2002), S. V.
Arbeit zitieren:
Silke Theilen, 2004, Due Diligence - ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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