Adam Smiths Menschenbild Thomas Braun
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Biographisches zu Adam Smith 4
3 Das Modell des Homo Oeconomicus 6
3.1 Historischer Ursprung 6
3.2 Wesentliche Verhaltensannahmen des homo oeconomicus 9
4 Adam Smiths Menschenbild 11
4.1 Die Inkonsistenz seiner Hauptwerke - Das Adam Smith Problem 11
4.2 Der Mensch als komplexes Wesen - Die Theoriebildung Adam Smiths13
5 Schlussbemerkungen 15
6 Quellenverzeichnis 17
6.1 Literaturverzeichnis 17
6.2 zusätzliche Quellen 19
2
Adam Smiths Menschenbild Thomas Braun
1 Einleitung
Adam Smith (1723-1790) gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie. Mit seinem
Hauptwerk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, welches 1776,
im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, erschien, legte er den Grundstein für
die freie Marktwirtschaft. Smith behandelte in diesem Buch alle fundamentalen Aspekte der
klassischen Wirtschaftstheorie, wie Arbeitsteilung, Marktgleichgewicht, die Rolle des Staates
oder Eigeninteresse der handelnden Akteure, und wurde so zum Wegbereiter des Wirtschafts-
liberalismus. 1 Gerade der Gedanke des Eigennutzes stellt eine wichtige Vorrausetzung in den Überlegungen Smiths dar und ist gleichzeitig eine entscheidende Prämisse für das im Zuge
der industriellen Revolution herausgebildete Menschenbild des homo oeconomicus.
In einem anderem wichtigen Werk, „Theory of Moral Sentiments“, das 1759 veröffentlicht
wurde und eine moralphilosophische Arbeit darstellt, beschäftigt sich Smith mit „der mensch-
lichen Natur und ihrer Eignung für ein Leben in der Gesellschaft“. 2 Soziologen schätzen an der Publikation vor allem Smiths präzise empirische Beobachtungen. Allerdings ist in diesem
Werk das Haupthandlungsmotiv des Menschen, mit anderen zu kooperieren, was nach An-
sicht vieler Autoren im Widerspruch zu dem Menschenbild steht, welches Smiths ökonomi-
schem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ zugrunde liegt. „Alle diejenigen, die auch
seine moralphilosophischen Anfänge zur Kenntnis genommen haben und das nationalökono-
mische Hauptwerk vor diesem Hintergrund zu lesen verstehen, versäumen es nie, auf die As-
pekte aufmerksam zu machen, die einer solchen Propaganda des freien Marktes nicht nur
nicht entsprechen, sondern ihr sogar widersprechen.“ 3 In diesem Zusammenhang wird auch oft vom so genannten „Adam-Smith-Problem“ gesprochen, welches die Gegensätzlichkeit
zwischen dem ökonomischem und dem sozialem Menschen Smiths beschreibt. Das Verhal-
tenmodell Adam Smiths unterscheidet sich von den Modellannahmen des homo oeconomicus
insofern, dass der Mensch bei ihm nicht von der Vernunft sondern von seinen Neigungen und
Leidenschaften gelenkt ist. Andererseits verhält sich auch bei Smith die Mehrheit der Akteure
nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes. Diese Regeln wiederum beschreibt er
mit ökonomischer Rationalität. 4
1 Vgl. Dietz (2005, S. 24).
2 Neubig-Scherf: „Adam Smith - Die Erfindung des Egoismus“ (14.07.1999).
URL: http://www.lsg.musin.de/lkgeschichte/Referate/adam_smith.htm.
3 Fricke & Schütt (2005, S. 1).
4 Vgl. Dietz (2005, S. 25).
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Adam Smiths Menschenbild Thomas Braun
In folgender Arbeit möchte ich daher der Frage nachgehen, inwiefern Smiths Menschenbild
mit dem des homo oeconomicus verglichen werden kann. Des Weiteren erfolgt die Darstel-
lung wichtiger Aspekte der Werke Smiths und der Grundkonzeption des homo oeconomicus,
um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Nach einer kurzen Zusammenfassung biographi-
scher Daten und des historischen Kontextes Smiths Wirkens möchte ich weitere bedeutende
Vertreter der Nationalökonomie und die Entstehung sowie die Grundeigenschaften des wirt-
schaftlich handelnden Menschen vorstellen. Daraufhin soll auf Adam Smiths Menschenbild
eingegangen und das schon erwähnte Adam-Smith-Problem kritisch hinterfragt werden. Fer-
ner fasse ich bedeutende Punkte Adam Smiths Buches „Theorie der ethischen Gefühle“ und
das ökonomische Werk im Hinblick auf seine Auffassung des menschlichen Handelns zu-
sammen, um möglicherweise Übereinstimmigkeiten zwischen seinen beiden Hauptwerken
und dem der klassischen Ökonomie zugrunde liegendem Menschenbild des homo oeconomi-
cus zu finden.
2 Biographisches zu Adam Smith
Adam Smith wurde am 5. Juni 1723 in Kirkcaldy, einer kleinen Stadt in Schottland, geboren.
Sein Vater, ein angesehener Advokat und Beamter, starb noch vor seiner Geburt. Er wurde
deshalb allein von seiner Mutter erzogen, die Tochter von Robert Douglas, einem Grundbesit-
zer und ehemaligen Abgeordneten des schottischen Parlaments, war. 5 1723 hatte der englische Manufrakturkapitalismus bereits seinen Blütestand erreicht. Ebenso
waren in Schottland Handel und Gewerbe, im Zuge der Vereinigung mit England im Jahre
1707, in vielen Städten aufgeblüht. Alte feudale Verhältnisse wurden schnell zerstört. Schott-
land galt daher als wichtige Region für das Hervorbringen gesellschafts- und naturwissen-
schaftlicher sowie literarischer Leistungen. Dies kann dadurch belegt werden, dass viele be-
rühmte britische Denker gebürtige Schotten waren. „Verwiesen sei hier auf David Hume, Ja-
mes Stuart, Adam Ferguson, James Watt oder die Dichter Robert Burns und Walter Scott.“ 6 Wegen der Solidarität ihrer Ausbildung genossen schottische Universitäten im 18. Jahrhun-
dert einen überaus guten Ruf. Auch Adam Smith besuchte ab 1737 seine ersten drei Studien-
jahre die Universität Glasgow. 1740 wechselte er an die Universität Oxford und schloss sein
Studium schließlich 1744 mit dem Titel „Bachelor of Arts“ ab. Neben Sprachen und Literatur
widmete er seine Zeit hauptsächlich philosophischen und politischen Wissenschaften und
5 Vgl. Eckstein (2004, S. XI).
6 Thal (1976, S. 12).
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bemängelte dabei stets die begrenzte Denkweise der Dozenten in Oxford, die sich hauptsäch- lich auf die Lehren Aristoteles bezogen. 7 1751 habilitierte Smith mit der Abhandlung „De origine iderarum“. Noch im selben Jahr bekam er das Angebot der Universität Glasgow, den
Lehrstuhl für Logik und später Moralphilosophie zu übernehmen. Diesen Lehrstuhl, den einst
sein Lehrer Hutcheson innehatte, leitete Smith bis 1763 und beschreibt diese Zeit als die glücklichste seines Lebens. 8 Mit seinem damals sehr engem Freund, dem bedeutendem Philo- sophen David Hume, und dem Maler Allan Ramsey gründete er 1754 den Debatierclub der
„Select Society“. In dieser erlesenen Gesellschaft aus Wissenschaftlern, Philosophen, Adligen
und Literaten wurden regelmäßig Themen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur auf hohem Niveau diskutiert. 9 Den Inhalt seiner Vorlesungen in Glasgow fasste er in seinem philosophischen Hauptwerk „Theory of Moral Sentiments“ zusammen, dessen Erscheinen
einen Wendepunkt in Smiths Leben darstellte. Bis dahin kaum über die Grenzen Schottlands
bekannt, erlangte er mit diesem Buch europäische Berühmtheit. Ein angesehener Politiker
machte ihm daraufhin das Angebot, seinen Stiefsohn, den Herzog von Buccleughs, als Privat-
lehrer und Tutor auf seinen Reisen zu begleiten. Smith willigte ein und machte in den folgen-
den Jahren, in denen er an seinem Buch „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth
of Nations“ zu arbeiten begann, Bekanntschaft mit Pariser Enzyklopädisten wie D´Alembert oder Holbach, dem Physiokraten Turgot und dem von ihm stets verehrten Voltaire. 10 Er kam also in enge Berührung mit den politischen, ökonomischen und philosophischen Einstellun-
gen, die als direkte ideologische Vorbereitung der französischen Revolution von 1789 zu wer-
ten sind. Die physiokratischen Ansprüche zum Schutz des Privateigentums und der Freiheit
bestärkten Smith in seiner Auffassung, dass sich die kapitalistische Ökonomie am besten von selbst durch die ihr innewohnenden, wirtschaftlichen Mechanismen reguliert. 11 1773 begab sich Smith nach London, um die Veröffentlichung seines Werkes zu organisieren.
Es dauerte jedoch aufgrund neuer theoretischer und praktischer Anregungen noch weiter drei
Jahre bis es schließlich, nach 12 Jahren Arbeit, im März 1776 veröffentlicht wurde. Smith
erlangte nun endgültig große Berühmtheit und wurde von Politikern wie auch anderen Wis-
senschaftlern oft zitiert. Die Überlegungen wurden seiner Zeit aber nicht in die Gesetzgebung
und Reglementierung übernommen. Allerdings ist die ideologische Wirkung, der Bourgeoisie
zum Selbstbewusstsein und Selbstverständnis über ihre eigene kapitalistische Welt und deren
Gesetze verholfen zu haben, „in ihrem historischem Wert unvergleichlich höher zu veran-
7 Vgl. Streminger (1989, S. 20).
8 Vgl. Eckstein (2004, S. XIV).
9 Vgl. Winter & Rommel (2006, S. 29).
10 Vgl. ebd.
11 Vgl. Thal (1976, S. 17).
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schlagen als der Umstand, dass einzelne wirtschaftspolitische Forderungen von Adam Smith
entweder erst viel später oder überhaupt nicht in die Wirklichkeit umgesetzt worden sind“. 12 Smith wurde 1778 zum Zollkommissar von Schottland berufen. In den darauf folgenden Jah-
ren widmete er seine Zeit hauptsächlich seiner eigenen kleinen Bibliothek und bereitete Neu-
auflagen der beiden Bücher vor. 1787 wurde er zum Lord Rector der Universität Glasgow
ernannt und verstarb im Alter von 67 Jahren 1790 in Edinburgh.
3 Das Modell des Homo Oeconomicus
Versuche der Schaffung von Menschenbildern zur Erklärung des (wirtschaftlich) handelnden
Menschen gehen zurück bis zur Antike. Schon Aristoteles (384-322 v.Chr.) beschrieb die Er-
langung von Glück nur auf der Basis, dass der Mensch ausreichend Güter und Intellekt be-
sitzt. Nach Niccolò Machiavelli (1469-1527) ist jedes Individuum ein Triebwesen, das unter
allen Umständen und mit allen denkbaren Mitteln versucht, für sich einen Vorteil gegenüber
seiner Mitwelt durchzusetzen. 13 Und auch bei Thomas Hobbes (1588-1679) „steht die philo- sophische Frage im Vordergrund, nach welchen Regeln Zusammenleben und damit die
Staatsbildung zu organisieren ist“. 14 Wenn nicht Gesetze und Autoritäten (der einstimmige Vertrag des Leviathans) die Menschen bändigen würden, würde jeder eigenständig und egois-
tisch zu Lasten Anderer handeln. Smith hingegen zieht die Naturkräfte a la Hobbes, wie
Selbsterhaltung, ebenso in seine Betrachtungen ein, wie die menschlichen Kräfte der Gestal-
tung von konkreten Lebensverhältnissen.
3.1 Historischer Ursprung
Natürlich gilt Adam Smith als Begründer der klassischen Nationalökonomie und damit auch
in gewisser Weise des homo oeconomicus. Allerdings kann Smiths Menschenbild abwei-
chend vom homo oeconomicus interpretiert werden, was im Verlauf der Arbeit noch deutlich
wird. Daher stellt sich die Frage, ob das Konstrukt des homo oeconomicus möglicherweise
erst nach Smith beziehungsweise in abgeänderter Form auf der Grundlage Smiths von ande-
ren Wissenschaftlern eingeführt wurde. Auf die Entstehung des homo oeconomicus als Aus-
12 Thal (1976, S. 19).
13 Vgl. Bendixen (2005, S. 202).
14 Bendixen (2005, S. 193).
6
Quote paper:
Thomas Braun, 2007, Adam Smiths Menschenbild als Grundlage des wirtschaftlichen Modellmenschen Homo Oeconomicus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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