Inhaltverzeichnis
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3 Lebenslauf Schnebels
Über Schnebels Werke und Kompositionstechnik
4 Schnebel und die Tradition
5 Schnebel und die Rezipienten der Neuen Musik
6 Glossolalie 61
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Lebenslauf Schnebels
Dieter Schnebel wurde am 14. März 1930 im badischen Lahr geboren und erhielt bereits als Kind Klavierunterricht. Auf dem Gymnasium fertigte er die ersten eigenen Kompositionen an und beschäftigte sich nebenbei mit Philosophie und Theologie. Nach seinem Abitur 1949 schrieb er sich an der Freiburger Musikhochschule ein, um Konzertpianist zu werden. Da er jedoch nicht in der Meisterklasse aufgenommen wurde, absolvierte er sein Staatsexamen als Privatklavierlehrer.
Bereits zu dieser Zeit pflegte er einen engen Kontakt zu den „Darmstädter Ferienkursen“, einer alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung, bei der sich Komponisten und Instrumentalisten in Seminaren mit den neuesten Strömungen der Neuen Musik beschäftigen. 1952 begann Schnebel das Studium der Musikwissenschaft und Theologie in Tübingen und promovierte in der Musikwissenschaft über die Dynamik bei Schönberg. Gleichzeitig legte er das theologische Examen ab. In den folgenden Jahren komponierte er und wirkte als Pfarrer und Religionslehrer. Seine Position als Lehrer erlaubte ihm nun, auch musikpädagogisch tätig zu werden. So entstand mit seinen Schülern zusammen die Werkreihe „Schulmusik“, mit der die späteren Kompositionen „Maulwerke“ und „Glossolalie“ in Beziehung stehen. 1976 wurde für Schnebel eine Professur für experimentelle Musik und Musikwissenschaft an der Hochschule der Künste in Berlin errichtet, die er bis zu seiner Emeritierung 1995 innehatte. Gleichzeitig übte er eine Predigttätigkeit an der Johann-Sebastian-Bach-Kirche in Berlin-Lichtenfelde aus.
1991 bekam er den Lahrer Kulturpreis, 1999 den erstmals verliehen „Preis der Europäischen Kirchenmusik“ von der Stadt Schwäbisch Gmünd für seine Kirchmusikstücke. Schnebel gilt außerdem als einer der Hauptexponenten des „instrumentalen Theaters“.
Schnebels Werke und Kompositionstechnik
1972 veröffentlichte Schnebel eine Sammlung eigener Publikationen unter dem Titel „denkbare Musik“. Hans-Klaus Jungheinrich schrieb anlässlich des 70. Geburtstags Schnebels in der Neuen Musikzeitung: „Denkbare Musik` - das heißt: alle nur erdenkliche, jedwede vorstellbare Musik; damit ist das Virtuelle und Utopische einbegriffen und das unbeirrbare Experiment, der Entwurf des Unerhörten, des zwar noch nicht Bedachten, gar
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Durchdachten, aber Denkbaren, also des Gedanken Würdigen, durch die Schleuse des Denkens und Machens aus der Möglichkeitssphäre in die Wirklichkeit Eintretenden.“ 1 Für Schnebel zählte also nur, dass die entsprechende Musik realisierbar war. Bestimmten historischen Gesetzmäßigkeiten und Zwängen musste sie dabei nicht unterworfen sein. Schnebel strebte mit seiner Musik nicht nur eine Veränderung der Kompositionsweise an, sondern wollte auch einen Wandel der erstarrten Konventionen des Konzertierens und der Musikrezeption anregen. Er wollte die Aufführungen von ihrer strengen Form entfernen. Zunächst schrieb er ein paar Stücke, die man der seriellen Musik zuordnen kann, danach folgte die Abwendung von dieser Form der Musik und Schnebel wendete sich hin zum „instrumentalen Theater“ und zur „Sprachkomposition“ - beides sind charakteristische Gattungen für die Avantgarde um 1960.
So entstand ein Gesamtwerk von unübersehbarer Fülle mit viele verschiedenen Ansätzen und Perspektiven. Schnebel ging hierbei jedoch nicht wie zum Beispiel Mauricio Kagel kataloghaft-systematisch alle „denkbaren“ Musikbereiche durch, sondern er entwickelte einen „Blick für das Subkutane, für Aspekte und Probleme, die von anderen Komponisten übersehen oder mindestens übergangen werden.“ 2 .
Wie viele Komponisten der Neuen Musik betrachtete auch Schnebel John Cage als Vorbild, dessen Prinzip des Loslassens, das Belassen der Dinge und Klänge wie sie sind die Musikvorstellung veränderte. Schnebel jedoch hatte „nicht die Ruhe des vollkommenen Loslassens, er will erfassen, er will den Menschen als Aktivum dagegen stellen“ 3 Cage lehrte „dass jedwedes Klingende in die Musik aufgenommen werden könne - und ebenso wies er auf die Bedeutung der Stille hin“ 4 , außerdem zeigte er den Umgang mit der Zeit, denn in seiner Musik gab es viel größere zeitliche Dimensionen. Dies diente Schnebel als Anregung.
Schnebel und die Tradition
In seinem Aufsatz „Die Tradition des Fortschritts und der Fortschritt der Tradition“ 5 beschreibt Schnebel die in der Regel als Gegensätzlichkeit verstandene Beziehung von Tradition und Fortschritt: „Tradition ist das, was sich absetzt und verfestigt hat - was alt geworden ist. Das Fortschrittliche dagegen ist das Vorangehende, „Progressive“ - also was sich bewegt (…) und zum Neuen führt.“ 6 . Für ihn selbst jedoch stellen diese Begriffe keine reinen Gegensätze dar. Er glaubt viel mehr, dass Tradition und Fortschritt „verbunden (sind)
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Arbeit zitieren:
Susanne Engelbach, 2006, Zu: Dieter Schnebel - Glossolalie 61, München, GRIN Verlag GmbH
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