Projektarbeit: „Unsere Schule is(s)t gesund
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Problemaufriss 1
1.1 Ernährungssituation in Deutschland 1
1.2 Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen 2
1.2.1 Allgemeine Datenlage 2
1.2.2 Verzehrsverhalten von Kindern und Jugendlichen 3
1.2.3 Einflüsse auf das Ernährungsverhalten Jugendlicher 4
1.2.4 Folgen 6
1.3 Ernährungsbildung 7
2. Entwicklung der Fragestellung 7
2.1 Handlungsbedarf 7
2.2 Handlungsfelder 9
3. Thema und Zielsetzung des Projektes 11
3.1 Generelle Ziele 11
3.2 Ziele des Projektes 12
3.3 Kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele 13
4. Gesundheitspolitische Relevanz 14
4.1 Aktualität der Thematik 14
4.2 Ökonomische Relevanz 15
4.3 Gesetzliche Regelungen 15
5. Entwicklung in der Praxis 16
5.1 Allgemeine Entwicklung 16
5.2 Beispiel aus der Praxis 17
6. Realisierbarkeit und Strategien der Akzeptanzsicherung 17
6.1 Einschätzung der Realisierbarkeit 17
6.2 Risikoanalyse 18
6.3 Strategien zur Akzeptanzsicherung 19
6.4 Einbindung des Projektes in bestehende Strukturen 20
7. Durchführung des Projektes 20
7.1 Vorbereitungsphase 20
7.2 Planungsphase 21
7.3 Durchführung der Interventionen 22
Projektarbeit: „Unsere Schule is(s)t gesund
7.3.1 Durchführung der Projektwoche und der Präsentation der Ergebnisse 22
7.3.2 Vorbereitung und Implementierung des optimierten Pausenverkaufs 23
7.4 Abschlussphase 24
8. Finanz- und Zeitplanung 24
8.1 Zeitplanung 24
8.1.1 Zeitlicher Überblick über den Gesamtverlauf des Projektes 24
8.1.2 Zeitliche Abläufe einzelner Projektschritte 25
8.2 Finanzplanung 25
8.2.1 Personelle Kosten 26
8.2.2 Sachkosten 26
8.2.3 Erwartbare Gesamtkosten und Finanzierung des Projektes im Überblick 27
9. Erwartbare Ergebnisse 27
9.1 Ergebnisse innerhalb der Einrichtung 27
9.2 Ergebnisse im schulischen Umfeld 28
10. Übertragbarkeit 29
Fazit 29
Anhang 30
Abkürzungsverzeichnis 36
Literaturverzeichnis 37
Projektarbeit: „Unsere Schule is(s)t gesund!”
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Einleitung
Innerhalb meines beruflichen Tätigkeitsfeldes - der Beratung von Menschen mit Diabetesbegegnen mir viele Menschen, die durch eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise zu einer Verbesserung ihres Wohlbefindens, ihrer gesundheitlichen Situation und der Minimierung der Entstehung von Begleiterkrankungen beitragen könnten. Es zeigt sich jedoch immer wieder, wie schwer es ist, durch jahrelange Gewohnheiten verfestigte, gesundheitsabträgliche Verhaltensmuster zu verändern.
Erschwerend kommt hinzu, dass gesundes Essverhalten selten unmittelbar spürbare positive Konsequenzen nach sich zieht, sondern ganz im Gegenteil häufig mit Einschränkung und Verzicht einhergeht. Die Entstehung von Krankheiten wird zudem oftmals nicht direkt mit dem eigenen Ernährungsverhalten in Verbindung gebracht. Dazu kommen das Überangebot an Nahrungsmitteln und Speisen und die abnehmende Notwendigkeit von kochtechnischen Fertigkeiten durch fertige Speisenangebote, die nahezu rund um die Uhr zugänglich sind (vgl. auch Pudel 2004).
Motive für das Essverhalten sind äußerst vielschichtig. Im Vordergrund stehen keine rationalen, sondern emotionale Beweggründe, wie Geschmack, Hunger, Sättigung, Angebot, Präferenzen, Gewohnheiten, Traditionen (vgl. auch Pudel 2004).
Nach Pudel (2004) ist „Essverhalten ein überwiegend durch Bedürfnisse emotional reguliertes Verhalten, das durch kognitiv-rationale Argumente wenig (oder nicht) beeinflusst wird“ (S.113).
Da sich Ernährungsgewohnheiten bereits frühzeitig verfestigen und im Erwachsenenalter schwer modifizierbar sind (Pudel 2004), sowie finanzielle und zeitliche Ressourcen für Ernährungsaufklärung knapp bemessen sind, ist es naheliegend, zielgruppenorientiert bei der Gruppe der Kinder und Jugendlichen anzusetzen, um eine größtmögliche Effektivität zu erzielen.
„Die Idee von New Public Health ist „think upstream”, also den Fluss hinaufzugehen und herauszufinden, wo die Ursachen liegen und dann - wo immer es möglich ist - zu verhindern, dass Menschen in den Fluss fallen“ (Bertelsmann 2003, S.28).
Abweichend von den traditionellen, kognitiven Formen der Ernährungsaufklärung underziehung will das Projekt mit den Methoden Partizipation, Ressourcenorientierung, Empowerment und Praxisorientierung einen Beitrag zur Verbesserung des Ernährungs- und Essverhaltens Jugendlicher leisten und im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung an deren lebensweltlichen Bezügen und Ausgangsbedingungen ansetzen. Dem Aspekt der sozialen Ungleichheit und der daraus resultierenden Ungleichheit in der Wahrnehmung gesundheitlicher Chancen wird in diesem Projekt besondere Bedeutung beigemessen 1 .
1. Problemaufriss
1.1 Ernährungssituation in Deutschland
Anhand des Ernährungsberichtes der DGE aus dem Jahr 2000 lassen sich Trends im Ernährungsverhalten der deutschen Bevölkerung ermitteln. Trotz regionaler Unterschiede im Verzehr von Lebensmitteln ist die Energie- und Nährstoffzufuhr bundesweit annähernd gleich.
Betrachtet man die einzelnen Nährstoffe, so ist beim Fettverzehr zwar ein Rückgang zu verzeichnen, jedoch sind die empfohlenen Mengen von 30% der Gesamtenergie mit 34% bei
1 Im gesamten Text werden zur besseren Lesbarkeit bei der Nennung von Personengruppen die männlichen Formen benannt, mit Ausnahme bei der Darstellung geschlechtsspezifischer Unterschiede.
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der weiblichen und 33% bei der männlichen Bevölkerung noch nicht erreicht. Zudem überwiegt hier der Anteil der ungünstigen (d.V.), gesättigten Fette. Die Proteinzufuhr ist ausreichend, die Kohlenhydratzufuhr zu gering, vor allem was den Anteil von Polysacchariden betrifft. Auch die durchschnittliche Zufuhr von Alkohol ist reduzierungsbedürftig. Die Deckung des Vitaminbedarfs wird überwiegend erreicht (mit Ausnahme der Folsäure), bei den Mineralstoffen wird die Calciumversorgung, trotz Anstiegs des Verzehrs an Joghurt und Käse in keiner Altersgruppe gewährleistet (DGE 2000; Mensink et al. 2002).
Trotz eines reichhaltigen, qualitativ hochwertigen und von hoher Sicherheit gekennzeichneten Lebensmittelangebots in Deutschland und trotz der Tatsache, dass sich ein zunehmender Anteil der Bevölkerung mit seinem Ernährungsverhalten auseinandersetzt, gibt es gesundheitliche Probleme, die auf ein ungünstiges Ernährungsverhalten zurückzuführen sind (Mensink 2002).
Dabei hängt ein mehr oder weniger gesundes Essverhalten von der Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe oder von der sozialen Lage ab. Geschlecht, das Ernährungswissen, Geschmack- und Ernährungseinstellungen, Bildung, Einkommen und Klasse sowie die Familien und Haushaltssituation sind Faktoren, die das Ernährungsverhalten in unterschiedlicher Weise beeinflussen (BZgA 2003a).
Eine energetisch über den Bedarf hinausgehende Ernährung führt zu Übergewicht, das wiederum zahlreiche andere Erkrankungen nach sich zieht. So sind in Deutschland nahezu 70% der Männer und ca. 50% der Frauen übergewichtig (BMI ≥ 25 kg/m²). Ca. 20 % der Bevölkerung haben einen BMI ≥ 30 kg/m² und gelten somit als adipös (Mensink 2002). Neben dem Ernährungsverhalten sind es vor allem die genetische Disposition, zunehmende Bewegungsarmut sowie psychische, soziale und umweltbedingte Faktoren, die die
Entstehung von Übergewicht begünstigen (Benecke, Vogel 2003).
Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Osteoporose werden in einem direkten Zusammenhang mit Über- oder Fehlernährung oder einem Nährstoffmangel gesehen. Die Prävalenz dieser Erkrankungen ist steigend (Mensink 2002). Da Therapien der Adipositas meist wenig effektiv und gleichzeitig kostenintensiv sind, kommt einer frühen Förderung einer gesundheitsbewussten Ernährung eine besondere Bedeutung zu (Benecke, Vogel 2003).
1.2 Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen
1.2.1 Allgemeine Datenlage
Die Erhebung von Daten zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist bislang defizitär. Die bisherigen Ergebnisse beziehen sich auf regional begrenzte Studien (vgl. Kersting et al. 2004; DGE 2000), oder auf ein spezielles Umfeld. Die letzte nationale Verzehrsstudie liegt 15 Jahre zurück. Insgesamt zeigt sich für Deutschland noch ein erheblicher Bedarf an Forschung und relevanten Daten und der wissenschaftlichen Begleitung von Projekten, um der zunehmend problematischen Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen wirkungsvoll begegnen zu können.
Eine Erhebung bundesweiter Verzehrsdaten von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) 2 soll dieses Defizit beseitigen. Eine
2 Start 2003, Dauer drei Jahre
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Koppelung dieser Ergebnisse mit weiteren Gesundheitsdaten des Surveys könnte die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Essgewohnheiten und verschiedenen Gesundheitsparametern vorantreiben (Mensink, Burger 2004) Auch die zu einer Bewertung der Situation und daraus resultierenden Strategien zur Verbesserung notwendigen wissenschaftlich basierten Referenzwerten für den Nährstoffbedarf sind lückenhaft (Koletzko et al. 2004).
1.2.2 Verzehrsverhalten von Kindern und Jugendlichen
In den folgenden Ausführungen werden drei aktuelle Studien zur Analyse der Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen herangezogen: DONALD-Studie
HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) Studie des Institutes für Kulturwissenschaften der Uni Leipzig zum Ernährungsverhalten Jugendlicher im Kontext ihrer Lebensstile
Die DONALD-Studie 3 , die seit 1985 am Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung durchgeführt wird, zeigt die Ernährung von Kindern und Jugendlichen anhand des Lebensmittelverzehrs auf, stellt altersabhängige Verzehrsmuster und längerfristige Trends der Ernährung dar und beurteilt diese im Zusammenhang mit der optimierten Mischkost 4 (Kersting et al. 2004).
So liegt laut einer Zusammenfassung der DONALD-Studie von Kersting et al. (2004) im Bundesgesundheitsblatt der Verzehr von Brot und Getreide in allen Altersgruppen unter dem empfohlenen Verzehr und trotz der Tatsache, dass die Präferenz für Vollkornbrot (aus fein gemahlenem Vollkornmehl) genauso hoch ist wie die für Weiß- und Graubrot ist der Anteil mit 20% eher marginal. Auch bei Nudeln und Reis sind Vollkornprodukte eher selten. Obst nimmt einen deutlich höheren Stellenwert ein als Gemüse, allerdings nur unter der Einbeziehung von Obstsäften. Ansonsten bleibt der Verzehr von Obst genauso wie der von Gemüse deutlich hinter den Empfehlungen zurück. Bei der Verzehrshäufigkeit von Milch- und Milchprodukten lässt sich eine geschlechtsspezifische Tendenz erkennen. Mädchen nehmen weniger Milchprodukte zu sich, achten aber mehr auf den Fettgehalt.
Was die gesamte Fettzufuhr betrifft, ist der Trend zu einem übermäßigen Fettverzehr in langfristigen Beobachtungen eher rückläufig. Ähnlich wie bei den Erwachsenen (vgl. 1.1) wird die empfohlene Zufuhr aber noch deutlich überschritten. Hochwertigen Speisefetten kommt eine untergeordnete Rolle zu (Kersting et al. 2004). Die in der optimierten Mischkost sogenannten geduldeten Lebensmittel (zuckerreiche Produkte wie Süßigkeiten, Gebäck, Brotaufstriche...) haben bis zum Alter von 14 Jahren eine steigende Tendenz, die Verzehrshäufigkeit von Fastfood nimmt mit zunehmendem Alter zu. Die Getränkeauswahl ist insgesamt günstig, allerdings ist mit zunehmendem Alter ein steigender Verzehr von süßen Getränken zu beobachten. Die Trinkmengen bleiben jedoch in allen Altersgruppen hinter den Empfehlungen zurück (ebda.).
Insgesamt lässt sich anhand dieser Studie feststellen, dass die Ernährung der befragten Kinder und Jugendlichen in einigen Bereichen erheblich von den Empfehlungen der optimierten Mischkost abweicht, wobei das Verzehrsverhalten der weiblichen Teilnehmer noch eher den Empfehlungen entspricht, als das der männlichen (ebda.).
3 Nähere Informationen zur DONALD-Studie unter http://www.fke-do.de/index.html
4 Nähere Informationen zur Optimierten Mischkost unter http://www.fke-do.de/empfehl/optmisch.html
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Nachfolgend werden die wesentlichen Faktoren dargestellt, die mit mehr oder weniger günstigen Ernährungsgewohnheiten in Verbindung gebracht werden.
1.2.3 Einflüsse auf das Ernährungsverhalten Jugendlicher
Die folgende Darstellung konzentriert sich überwiegend auf die Gruppe der Jugendlichen im Alter von ca. 11-16 Jahren, da der Fokus des Projektes auf diese Zielgruppe gerichtet ist.
Die empirische HBSC-Studie 5 , eine internationale Vergleichsstudie in Zusammenarbeit mit der WHO zeigt in ihren Untersuchungsergebnissen die Bedingungen der Entwicklung gesundheitsrelevanter Einstellungen und Verhaltensweisen Jugendlicher auf und möchte zu deren Verständnis beizutragen. Sie liefert aktuell Daten zu Zusammenhängen von riskantem Ernährungsverhalten und Übergewicht mit sozialer Lage, Bildungsgrad (Schulform) und Lebensgewohnheiten Jugendlicher zwischen 11 und 15 Jahren.
Die Studie des Institutes für Kulturwissenschaften der Uni Leipzig befasst sich - unterstützt und gefördert durch die BZgA - mit jugendlichen Ernährungsweisen (Altersgruppe 13-16 Jahre) im Zusammenhang mit deren Lebensstilen (vgl. auch BZgA 2003a). Mit den Ergebnissen dieser Studie sollen insbesondere Ansatzpunkte für gesundheitliche Aufklärung abgeleitet werden.
Bei den genannten Studien wurden standardisierte Fragebögen und Interviewtechnik eingesetzt. Die Ergebnisse basieren auf selbstberichteten Daten.
Die HBSC-Studie weist einen signifikanten Zusammenhang von Übergewicht mit körperlicher Aktivität, mit einem regelmäßigen Mahlzeitenrhythmus und mit der sozialen Lage 6 nach.
Anhand verschiedener Untersuchungsergebnisse (nach Alter, nach Geschlecht, nach Alter und Geschlecht) lässt sich zusammenfassen, dass etwa 5-6% der Mädchen und 7-10% der Jungen in der Altersgruppe von 11-15 Jahren als übergewichtig 7 einzustufen sind (Zubrägel, Settertobulte 2003).
Übergewichtige Jugendliche bewegen sich durchschnittlich weniger als ihre normal- und untergewichtigen Altersgenossen. Insgesamt sind Jungen körperlich aktiver. Auch die Ernährungsroutinen haben einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht (ebda.).
Auffällig ist beispielsweise die Zahl der Jugendlichen der Teilstudie aus Hessen, die nur unregelmäßig frühstücken. Im Rahmen der Befragung gaben nur 61,4% an, an jedem Schultag ein Frühstück einzunehmen. Hingegen gaben 20,3% der Jugendlichen an, an Schultagen nie zu frühstücken. Unterscheidet man die Ergebnisse weiter nach Schulform, so ergibt sich ein deutliches Gefälle, d.h. bei Schülern an Hauptschulen ist die Zahl derer, die generell ohne Frühstück zur Schule kommen um ca. 10% höher als bei Schülern an Gymnasien (vgl. Tabelle 1 im Anhang, HBSC Hessen 2002).
Nach Zubrägel und Settertobulte (2003) besteht ein deutlich erhöhtes Risiko zu Übergewicht für Jugendliche, die keine regelmäßigen Mahlzeiten zu sich nehmen.
5 Detaillierte Informationen zur HBSC-Studie unter www.hbsc.org. , Informationen zu Stichproben und Methoden in: Jugendgesundheitssurvey 2003, Juventa Verlag, S.11-18
6 vgl. zur Klassifizierung der sozialen Lage: Klocke, Becker (2003): Die Lebenswelt Familie und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit von Jugendlichen, Kap. 5 in: Jugendgesundheitssurvey, Juventa Verlag Weinheim und München, S.183-241
7 Die Klassifikation des Gewichtsstatus orientiert sich an den BMI Perzentilen von Kromeyer-Hauschild et al. (2001): Perzentile für den Body-mass-Index für das Kinder- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. In Monatszeitschrift Kinderheilkunde, 8, 149, 807-818
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„Einer der statistisch auffälligsten Prädiktoren für das Auftreten von Übergewicht ist in den westlichen Industriegesellschaften die soziale Lage der Familie“ (Zubrägel, Settertobulte 2003, S.170). Es konnte nachgewiesen werden, dass mit abnehmendem sozialen Status das Übergewicht von Jugendlichen ansteigend ist. Doch scheint die soziale Lage nicht der alleinige beeinflussende Faktor zu sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass bei Jugendlichen in unteren sozialen Schichten möglicherweise viele Faktoren zusammenkommen, die einen Effekt auf die Entstehung von Übergewicht haben (ebda.).
Ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Verzehrshäufigkeit von ungesunden Nahrungsmitteln und der Entwicklung von Übergewicht konnte im Rahmen dieser Studie nicht nachgewiesen werden. Umgekehrt konnte in der regionalen Befragung in Sachsen auch kein Einfluss durch den Verzehr sogenannter gesunder Nahrungsmittel auf das Körpergewicht festgestellt werden (ebda.).
Auch ein direkter Zusammenhang zwischen der Dauer des Fernsehkonsums und der Begünstigung von Übergewicht ist anhand der Ergebnisse dieser Studie nicht feststellbar, wobei nicht ausgeschlossen wird, dass mit einem vermehrten TV-Konsum auch ein erhöhter Konsum von ungesunden Lebensmitteln einhergeht (ebda.)
Ein Einfluss auf das Ernährungsverhalten zeigt sich auch in der Betrachtung der Körperwahrnehmung. Die Einschätzung des eigenen Körpers entspricht bei den Jugendlichen nicht immer der Realität. So halten sich besonders Mädchen, die normalgewichtig sind für zu dick. Umgekehrt sind bei den übergewichtigen Mädchen nur selten Fehleinschätzungen zu finden (Zubrägel, Settertobulte 2003).
Bei den männlichen Jugendlichen waren es dagegen 18% der Übergewichtigen die sich als normalgewichtig einschätzten.
Immerhin hielten sich auch hier 11,6% der untergewichtigen Jungen für zu dick. Aufgrund dieser subjektiven Einschätzungen kommt es häufig zu einem Diätverhalten, das sich entweder in einer positiven Veränderung des Essverhaltens hin zu gesundheitsbewussterer Ernährung oder aber in vielen Fällen in einer gesundheitsriskanten Verhaltensweise ausdrückt (von Weglassen von Mahlzeiten, strikter Kalorienbegrenzung bis hin zu einem herbeigeführten Erbrechen nach den Mahlzeiten) (ebda.).
Den Ergebnissen der Studie der Universität Leipzig zufolge haben die Lebensstile der Jugendlichen - neben anderen Faktoren, wie dem Geschlecht, dem Ernährungswissen und der Einstellung zur Ernährung - den stärksten Einfluss auf das Ernährungsverhalten. Es erfolgte eine Einteilung in verschiedene Lebensstilsschemata 8 . Demnach gibt es jugendliche Lebensstile, die einer gesunden Ernährung eher förderlich sind und andere, die einer gesunden Ernährung eher abträglich sind (BZgA 2003a). So ist zum Beispiel ein sportorientierter Lebensstil mit geringen Präferenzen für TV-Konsum häufiger mit dem Verzehr von gesunden Nahrungsmitteln gekoppelt, während ein fernsehorientierter Lebensstil mit dem bevorzugten Verzehr von Softdrinks einhergeht. Eine außerhäusliche Spannungsorientierung mit vermehrten Aktivitäten im Bereich Disco, Kneipe, Kino, Musik und engen Bindungen an die Peer-Gruppe ist laut Ergebnissen der Studie verknüpft mit einem vermehrten Verzehr an Softdrinks, Süßigkeiten, Fastfood und Alkohol.
Die innerhäusliche Spannungsorientierung mit Präferenzen u.a. für Videos, Computerspiele, Internet geht einher mit einem vermehrten Konsum an Fleisch, Softdrinks, Süßigkeiten und Snacks (ebda.).
8 Zur differenzierteren Erläuterung der jugendlichen Lebensstile vgl. BZgA 2003, S.25-33
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Das Ernährungsverhalten von Jugendlichen wird demnach von vielen Faktoren beeinflusst, die überwiegend im Kontext des Lebensumfeldes und der Lebensstile zu finden sind. Gerade die besonders vulnerable Phase der Pubertät, die mit Abgrenzungen vom Elternhaus, Orientierungen an den Peer-Gruppen und einer verstärkten Entwicklung der eigenen Identität einhergeht, wird mit riskanten Ernährungsgewohnheiten und gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen in Verbindung gebracht (Zubrägel, Settertobulte 2003; vgl. auch Pinquart, Silbereisen 2004).
„Die physischen, psychischen und sozialen Veränderungen dieser Phase haben einen unmittelbaren Einfluss auf das Essverhalten und die Ernährungsgewohnheiten der Jugendlichen“ (Zubrägel, Settertobulte 2003, S.160).
1.2.4 Folgen
Ungesundes Ernährungsverhalten Jugendlicher hat zunächst einen direkten Einfluss auf das aktuelle Befinden.
Heseker und Beer (2004) beschreiben die Problematik wie folgt: Fehlende Mahlzeiten führen u.a. zu Leistungs- und Konzentrationsschwächen, fett- und kalorienreiche Mahlzeiten zu postprandialer Müdigkeit. Dies trifft besonders für Jugendliche zu, die ohne Frühstück zur Schule gehen und/oder sich auf dem Weg zur Schule oder in der Pause einen Ersatz beschaffen, der in den seltensten Fällen den ernährungsphysiologischen Anforderungen entspricht.
Ein ungünstiges Trinkverhalten - 11,6% der Schüler trinken nie oder nur selten etwas zum Frühstück, während des Schulbesuchs trifft das sogar auf 23,9 % zu - kann zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen führen.
Eine ständig über den tatsächlichen Bedarf hinausgehende Kalorienzufuhr in Verbindung mit geringen körperlichen Aktivitäten begünstigt die Entstehung von Übergewicht (ebda.). Dies kann zu riskantem Diätverhalten und dem Weglassen von Mahlzeiten führen, was wiederum einen Einfluss auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit hat (Zubrägel, Settertobulte 2003).
Für die betroffenen Jugendlichen haben Übergewicht und Adipositas zudem erhebliche Auswirkungen auf das subjektive Gesundheitsbefinden wie auch auf die Häufigkeit von auftretenden Gesundheitsstörungen. Zugleich sind sie verbunden mit einer Abnahme des Selbstwertgefühls. „Unter den Mädchen korreliert das Selbstwertgefühl linear mit dem Gewichtsstatus“ (ebda., S.174). Es ist bei übergewichtigen Mädchen deutlich geringer. Jungen haben dagegen insgesamt ein höheres Selbstwertgefühl, das bei Übergewichtigen aber graduell niedriger ausgeprägt ist.
Übergewichtige Jugendliche erleben häufiger eine soziale Ausgrenzung in Form von Mobbing.
Eine Einschränkung der Lebensqualität bei Jugendlichen mit Übergewicht wird durch die Daten der HBSC-Studie deutlich (ebda. 2003).
Langfristig gesehen hat ein gesundheitsabträgliches Ernährungsverhalten Jugendlicher, besonders, wenn es mit der Entstehung von Übergewicht und Adipositas verbunden ist, ein erhöhtes Risiko für die Entstehung zahlreicher Krankheiten zur Folge. Dazu gehören u.a. Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten, Diabetes mellitus Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen 9 . So begünstigt allgemeine Fehlernährung u.a. die Manifestation von
Fettstoffwechselstörungen, die in Form von erhöhten Cholesterinwerten bereits bei 40% der Erwachsenen auftreten. „Fettstoffwechselstörungen gelten als zentraler Risikofaktor für die
9 Eine detaillierte Beschreibung der Begleit- und Folgeerkrankungen von Übergewicht und Adipositas findet sich in Heft 16 des Robert Koch Institutes (2003): Übergewicht und Adipositas (S.15-18)
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Susanne Bader, 2004, „Unsere Schule is(s)t gesund!“ - Ein Projekt zur Förderung ernährungsbewussten Verhaltens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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