In den Zeiten von Hartz IV, über fünf Millionen Arbeitslosen, einer immer größer werdenden Zahl von nichtintegrierbaren ethnischen Minderheiten mit deutschem Pass und einem stark nachlassenden Interesse an Politik, nimmt das Fernsehen eine immer bedeutendere Rolle im Wahlkampf ein. Während die Menschen früher vor Bundestagswahlen Wahlkampfauftritte besucht und in ihrem Bekanntenkreis über Politik diskutiert haben, lassen sich die Deutschen heute von Angeboten mit nur mageren politischen Inhalten im Fernsehen berieseln. Die meisten Zuschauer bleiben nur dann hängen, wenn die politischen Themen polarisieren oder wenn ihnen Politik in schon vorverdauten leicht verständlichen Häppchen serviert wird, Politik light sozusagen. Über diese Medialisierung der Politik sind sich auch Politiker und Parteien bewusst. Doch statt sich zusammenzuschließen und der Bevölkerung wieder Vertrauen in die Politik zu schenken, hat man sich auf die neue Situation eingestellt und versucht sie sich zu Nutze zu machen. Viele Studien belegen, dass das Fernsehen bei Bundestagswahlen mittlerweile die besten Möglichkeiten bietet, die Rezipienten wahlentscheidend zu beeinflussen. Mit einem einzigen Auftritt oder einer Ausstrahlung wird direkt ein großer Personenkreis angesprochen. Um das Fernsehen für wahlkampfdienliche Zwecke zu nutzen, gibt es viele Möglichkeiten. Eine dieser Möglichkeiten ist die Wahlwerbung. In der vorliegenden Arbeit werde ich die Wahlwerbung in der Bundesrepublik Deutschland untersuchen. Dabei werde ich zunächst auf die historische Entwicklung dieser Sonderwerbeform eingehen. Anschließend werde ich einige gesetzliche Regelungen zum heutigen Stand der Dinge erläutern. Außerdem werde ich die verschiedenen Formen von Wahlwerbung beschreiben und deren Ziele und Strategien darlegen, bevor ich mit einem kurzen Fazit abschließe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Wahlwerbung in Deutschland
2.1 Aller Anfang ist schwer (1949 – 1987)
2.2 Neue Möglichkeiten durch private Medien (1987 – 1992)
2.3 „Klare Regeln“ ab 1992
3. Wer darf wie oft und wann?
4. Formen der Wahlwerbung
5. Ziele und Strategien der Wahlwerbung
5.1 Personalisierung
5.2 Image – Konstruktion
5.3 Negative Campaigning
5.4 (De)Thematisierung
6. Fazit
7. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahlwerbung in der Bundesrepublik Deutschland, ihre historische Entwicklung, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die verschiedenen Formen, Ziele und Strategien, die Parteien nutzen, um Wähler im medial geprägten Wahlkampf zu mobilisieren.
- Historische Entwicklung der Wahlwerbung in Deutschland
- Rechtliche Grundlagen und Regulierungen für Sendezeiten
- Präsentationsformen von Wahlwerbespots
- Strategien der politischen Kommunikation (Personalisierung, Negative Campaigning etc.)
- Bedeutung des Fernsehens für die Wahlentscheidung
Auszug aus dem Buch
3. Wer darf wie oft und wann?
Bei der Regelung der Vergabe der Sendezeiten für Wahlwerbung gilt seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1957 als oberstes Prinzip die Chancengleichheit. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Parteien den gleichen Anspruch auf Sendezeit haben. Vielmehr ist es möglich diese nach der Wichtigkeit der Parteien zu verteilen. Diese Wichtigkeit wird definiert durch das Abschneiden bei der letzten Parlamentswahl, sowie z.B. „die Zeitdauer des Bestehens einer Partei, ihre Kontinuität, die Mitgliederzahl oder ihre Vertretung im Parlament und die Regierungsbeteiligung“ (ebd. S.68). Auch in dem Parteiengesetz, das 1967 verabschiedet wurde, ist eine solche Abstufung von Parteien enthalten.
Doch nach welchen Kriterien wird jetzt festgelegt welche Partei wie viel Sendezeit erhält? Im Laufe der Zeit hat sich dafür die Faustformel „8:4:2“ entwickelt. Um überhaupt einen Werbeeffekt erzielen zu können, muss eine Partei die Möglichkeit haben ihren Werbespot zu wiederholen. Aus diesem Grund steht jeder Partei erst einmal die Ausstrahlung von zwei Werbefilmen zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Medialisierung der Politik und den damit verbundenen Wandel des Wahlkampfes hin zum Fernsehen, wobei das Ziel der Arbeit als Untersuchung der historischen Entwicklung und der Strategien der Wahlwerbung definiert wird.
2. Die Entwicklung der Wahlwerbung in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Verlauf der Wahlwerbung von der Frühphase über die Einführung privater Medien bis hin zu den regulatorischen Rahmenbedingungen ab 1992 nach.
3. Wer darf wie oft und wann?: Hier werden die Kriterien für die Vergabe von Sendezeiten erläutert, wobei das Prinzip der Chancengleichheit und die Faustformel „8:4:2“ im Vordergrund stehen.
4. Formen der Wahlwerbung: Das Kapitel beschreibt verschiedene Präsentationsformen von Wahlwerbespots, unterteilt in Formate mit und ohne Kandidaten, sowie deren funktionale Bedeutung.
5. Ziele und Strategien der Wahlwerbung: Es werden vier zentrale Kommunikationsstrategien – Personalisierung, Image-Konstruktion, Negative Campaigning und (De)Thematisierung – detailliert analysiert, mit denen Parteien Wählerstimmen maximieren wollen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wahlentscheidende Rolle des Fernsehens zusammen und diskutiert kritisch die Auswirkungen der Medialisierung und knapper werdender Sendezeiten auf kleine Parteien.
7. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Wahlwerbung, Deutschland, Fernsehen, Parteien, Wahlkampf, Chancengleichheit, Rundfunkstaatsvertrag, Sendezeit, Wahlspots, Personalisierung, Image-Konstruktion, Negative Campaigning, Politische Kommunikation, Medien, Wahlentscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Instrument der Wahlwerbung im Kontext des deutschen politischen Systems, insbesondere mit Blick auf die Rolle des Fernsehens als wichtigstes Medium im modernen Wahlkampf.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Wahlwerbung, die rechtlichen Bedingungen für die Vergabe von Sendezeiten sowie die verschiedenen strategischen Ansätze der Parteien in der Wahlkampfkommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mechanismen und Strategien aufzuzeigen, mit denen Parteien ihre politischen Botschaften und Kandidaten im Fernsehen präsentieren, um Wähler zu mobilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallstudien und Analysen zur Wahlkampfkommunikation, um ein theoretisches und inhaltliches Bild der Wahlwerbung zu zeichnen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der gesetzlichen Regelungen, die Darstellung der Vergabe von Sendezeiten sowie eine detaillierte Beschreibung verschiedener Werbeformen und politischer Strategien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Wahlwerbung, politische Kommunikation, Chancengleichheit, Medialisierung, Personalisierung und Strategien im Wahlkampf.
Was besagt die „8:4:2“ Faustformel?
Es ist ein Verteilungsschlüssel für Sendezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der die Wichtigkeit der Parteien basierend auf Wahlergebnissen und Parlamentspräsenz gewichtet.
Warum spielt die Personalisierung eine so große Rolle?
Die Personalisierung dient dazu, politische Inhalte an bekannte Gesichter zu binden, um bei den Wählern Vertrauen zu wecken und die Identifikation mit der Partei oder dem Ziel der politischen Stabilisierung bzw. des Wechsels zu erleichtern.
Wie unterscheidet sich die Wahlwerbung im privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
Während im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Sendeplätze zugeteilt werden, können Parteien bei privaten Sendern Sendezeit kaufen, was jedoch finanzstarke Parteien begünstigt.
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- Bachelor of Arts in Social Science Christoph Tautz (Author), 2004, Wahlwerbung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84112