Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Lunfardo 4
2.1. Etymologie 4
2.2. Genese und Definitionsversuch 5
2.3. Historischer Hintergrund 7
2.4. Zusammensetzung und Bildung des Lunfardo-Wortschatzes 9
2.4.1. Neologismen 10
2.4.2. Morphologische Änderungen 12
2.4.3. Entlehnungen aus anderen Sprachen 13
3. Schlusswort 15
4. Quellen und Literatur 16
2
1. Einleitung
„Ein Spanier, der wie ein Italiener spricht, sich wie ein Franzose kleidet und glaubt, er sei Engländer.“
So beschreibt Bruce Chatwin die Argentinier in einem seiner Werke und lässt gleichzeitig die große kulturelle Wichtigkeit der Europäer für das im Süden Südamerikas gelegene Land erkennen. Mit einer großen Einwanderungswelle, die etwa um das Jahr 1880 begann, kamen viele Europäer nach Argentinien. Dort hinterließen sie ihre Spuren sowohl in der Kultur, als auch in der Sprache. Es entstanden viele unterschiedliche Varietäten des Spanischen durch den Einfluss der europäischen Sprachen auf das argentinische Spanisch. Besondere Bedeutung hat die Sprachvielfalt für Buenos Aires, denn hier ließen sich die europäischen Einwanderer vorwiegend nieder. Hier findet man unter anderem den Cocoliche, eine ehemals gesprochene Mischsprache aus Italienisch und Spanisch und auch den Lunfardo, einen typischen Jargon der Porteños 1 .
Letzteres soll in dieser Arbeit das Hauptthema sein.
Dabei werde ich versuchen diese Varietät des Spanischen zu definieren und einzugrenzen. Ich werde den Ursprung des Lunfardos näher erläutern und seine Bildung und Zusammensetzung erklären und auch inwiefern er heute gesprochen wird, soll in dieser Hausarbeit immer wieder anklingen. Die Schwierigkeit bei dieser Arbeit wird es sein, die kontroversen Auffassungen über den Lunfardo der verschiedenen linguistischen Autoren zu vereinen, denn man kann nicht generell sagen, wie genau er entstanden ist, ob man ihn nun Soziolekt oder Dialekt nennen kann, noch ob es sich beim Lunfardo um eine Sondersprache handelt und nicht vielleicht nur um Argentinismen. Um dennoch die gängigsten Meinungen zum Lunfardo darstellen zu können, werde ich mich neben anderen vor allem auf die Werke von José Gobello von der Academia porteña del lunfardo und dem Wissenschaftler Mario E. Teruggi stützen.
1 Einwohner von Buenos Aires, geboren in Buenos Aires.
3
2. Der Lunfardo
2.1. Etymologie
Der Lunfardo wirft viele Fragen auf. Schon wie diese Varietät des Spanischen zu seiner Benennung gekommen ist, lässt sich nicht vollständig klären. Es gibt mehrere Vermutungen zur Etymologie. Eine davon ist, dass das Wort aus dem Italienischen von lombardo 2 abgeleitet ist und demnach, je nachdem ob man es als Adjektiv oder als Substantiv sieht, entweder lombardisch, den Lombarden oder das Lombardische 3 bezeichnet. Auch eine weitere Vermutung lässt sich aus diesem italienischem Wort ziehen. So wurde es aus dem Cocoliche entnommen, bereits zu lumbardo verändert, und in einem argentinischen Theaterstück von 1898 „Ensalada criolla“ als Synonym zu ladrón (Dieb) verwendet, so wie es die Bedeutung in einigen italienischen Dialekten hat. Durch eine neapolitanische phonetische Verfälschung, wobei das plosive [b] als frikatives [v] ausgesprochen wurde, ist über mehrere Schritte letztendlich aus lumbardo lunfardo geworden 4 .
Beide Annahmen zum Wortursprung sind sehr plausibel, da der Lunfardo erst mit der europäischen Immigration in das argentinische Spanisch eingedrungen ist. Fast alle Nationen Europas waren unter den neuen Einwanderern vertreten, aber vor allem machten die Italiener die größte Zahl aus.
In den Jahren zwischen 1880 und 1930 stieg die Anzahl der italienischstämmigen Einwohner von Buenos Aires von 286 000 auf 2,26 Millionen. Bis 1940 waren 40-50% der Bewohner der Hauptstadt Immigranten und etwa die Hälfte waren Italiener. Wodurch auch deren sprachlicher Einfluss größer war. So gibt es in der Lunfardolexik deutlich mehr Entlehnung aus dem Italienischem, als aus anderen Sprachen. So fand lombardo den Einzug ins argentinische Spanisch.
2 www.ponsline.de, Pons Online-Wörterbuch, 20.03.2007.
3 Ausdruck für den Dialekt, der in der Lombardei gesprochen wird
4 Vgl. Pérez Gauli, Carmen: El Lunfardo. In: Kerstin Störl: Romanische Sprachen in Amerika. Festschrift
für Hans-Dieter Paufler zum 65. Geburtstag. Frankfurt am Main (u.a.). 2002. S. 555.
4
2.2. Genese und Definitionsversuch
Auch heute noch wird der Begriff lunfardo 5 synonym zu ladrón (Gauner, Dieb, Verbrecher) verwendet. Was auf eine der Thesen zur Entwicklung der Varietät hinweist, denn man spricht immer wieder von der Sprache des Verbrechens. Man geht davon aus, dass der Lunfardo in den Gefängnissen seinen Ursprung fand, als eine Geheimsprache der Häftlinge um nicht von den Aufsehern verstanden werden zu können. Erklärbar wird diese Annahme dadurch, dass die ersten Aufzeichnungen aus Polizeidokumentationen stammen. Doch diese Genese ist eher zweifelhaft. Es bezieht sich zwar ein großer Teil der Lunfardismen auf das Wortfeld der Delikte, aber gleichrangig finden sich viele andere Wortfelder. Teruggi schließt diesen Ursprung durch Gauner ebenso aus und schreibt den Anfang der Sprechweise den unteren Schichten von Buenos Aires zu. So wie es auch eine von Gobellos Vermutungen ist. Die meisten Immigranten gehörten zur sozial schwachen Schicht, so zum Beispiel auch die große Zahl der jungen Italiener, die Ende des 19. Jahrhunderts einwanderten. Sie bewegten sich vorwiegend in den unteren Milieus der Stadt, also auch in den Kreisen des Verbrechens und der Prostitution. Sie sprachen für gewöhnlich nur einen Dialekt ihrer Sprache. Diese italienischen Dialekte trafen mit dem argentinischen Spanisch zusammen und man übernahm einige der italienischen Worte in die gesprochene Sprache. 6 So kam es dann sicher auch, dass das Wortfeld des Delikts zahlenmäßig gut in der Lexik des Lunfardos vertreten ist.
Nun bleibt noch die Frage offen, worum es sich bei diesem Sprachphänomen definitorisch überhaupt handelt.
Den Lunfardo gibt es nun schon seit etwa 130 Jahren. Anfangs war er vor allem ein Soziolekt der unteren Schichten von Buenos Aires, doch mittlerweile ist der Lunfardo weiter verbreitet und man kann ihn auch aus dem Mund höherer Schichten Argentiniens hören. Deshalb kann man heute nur schlecht festlegen, ob es sich bei dieser Varietät um einen Soziolekt oder um einen Dialekt handelt. Gobello definiert den Lunfardo als „einen zusammengesetzten Wortschatz aus unterschiedlichen Wörtern verschiedener Herkunft, welcher der Sprecher aus
5 http://buscon.rae.es/draeI/SrvltConsulta?TIPO_BUS=3&LEMA=lunfardo, Real Academia Española
online-Wörterbuch, 21.03. 2007.
6 Vgl. Pérez Gauli, Carmen: El Lunfardo. S. 556.
5
Arbeit zitieren:
Anne-Marie Schulze, 2007, Der Lunfardo, München, GRIN Verlag GmbH
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