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Institut für Schulpädagogik
Veranstaltung: Schulstreitschlichtung – Interview - Auswertung, SoSe 2002
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Matthias Endlich
Lehramt Gymnasium Sport (8. Sem.) und Sozialkunde (8. Sem.)
Karsten Herfarth
Lehramt Gymnasium Sport (8. Sem.) und Sozialkunde (8. Sem.)
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Titelblatt Seite 1 Inhaltsverzeichnis Seite 2
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2.1. Gewalt an Schulen
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3.1. Ziele der Streitschlichtung in der Schule
3.2. Inhalte und Methoden der Schülerstreitschlichtung
3.2.1. Der Methodische Einsatz – Die Friedensbrücke
3.3. Das Trainingsprogramm
3.3.1. Das Paraphrasieren
3.3.2. Rollenspiele
3.3.3. Erfolgskontrolle
3.3.4. Rahmenbedingungen
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4.1. Bestandsaufnahme
4.2. Arbeitsweise
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In der folgenden Arbeit wird das Streitschlichterprojekt betrachtet, das an verschiedenen Schulen in Mecklenburg – Vorpommern vor einigen Jahren gestartet wurde. Eine von der Universität Greifswald in Auftrag gegebene Interviewreihe, mit dafür entworfenen Fragebögen für Schlichter, Betreuer und Schulleitung wird ebenfalls ausgewertet.
Zuerst werden wir uns mit der definitorischen und grundlegenden Erarbeitung des Themas der Konfliktschlichtung und Schülerstreitschlichtung befassen. Darauf folgen die Auswertung der Fragebögen, die kritische Auseinandersetzung mit dem Projekt der Schülerstreitschlichtung und schließlich nennen wir Lösungs- und Änderungsvorschläge.
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Die Konfliktschlichtung erfährt in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Konflikte und Auseinandersetzungen gehörten und gehören ständig zum Alltags- und Berufsleben. In verschiedenen Sektoren der Gesellschaft hat die Konfliktschlichtung eine bedeutende Funktion eingenommen. Ihr Einsatz erfolgt in den unterschiedlichsten Bereichen wie Wirtschaft und Tarifpolitik, Verkehr und Umwelt, Handwerk und Nachbarschaftskonflikte. Somit werden v.a. Zivilgerichte entlastet. Jedoch hat die Konfliktschlichtung zusätzlich einen erzieherischen und sozialen Effekt. Da den Konfliktparteien ermöglicht wird, ihr Problem mit mehr Eigenverantwortlichkeit zu lösen, hat diese Art von Schlichtung, durch ihre Bedeutsamkeit, in den Schulen Einzug gehalten.
Doch was ist ein Konflikt ?
Der interpersonelle Konflikt kann folgendermaßen definiert werden. „Ein interpersoneller Konflikt liegt dann vor, wenn eine Partei Verhaltenstendenzen verfolgt, die mit den Verhaltenstendenzen einer anderen Partei nicht zu vereinbaren sind oder mindestens einer Partei nicht vereinbar zu sein scheinen.“ (Deutsch 1976 in Müller-Fohrbrodt: Konflikte konstruktiv bearbeiten lernen, 1999)
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„Einen sozialen Konflikt sieht Glasl als eine Interaktion zwischen zwei oder mehreren Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, bei der mindestens eine Seite Unvereinbarkeiten in Gedanken, Gefühls- oder Willensleben erlebt. Entscheidend dabei ist, dass mindestens eine Seite sich durch die andere daran gehindert sieht, seine Vorstellungen, Gefühle oder Absichten durchzusetzen.“ (Glasl 1990 in Walker: Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sekundarstufe I, 1995 ).
Konflikte entstehen also durch Interessengegensätze oder geringfügige Regelverstöße. Um diese Spannungen zu lösen wird im Konfliktschlichtungsverfahren ein Kompromiss erzeugt oder ein beiderseitiges Wiedergutmachen ermöglicht. Bei schwerwiegenderen Verstöße gegen Gesetze oder Verordnungen kommt diese Konfliktschlichtung nicht zum Einsatz. Hierbei müssen die allgemeinen disziplinarische, gerichtliche oder außergerichtliche Verfahren eingesetzt werden. In einem Schiedsverfahren erfolgt die Konfliktschlichtung durch die Unterwerfung zweier Konfliktparteien der Entscheidung einer dritten Person.
Die Rechtfertigung der Konfliktschlichtung und Streitschlichtung liegt unter anderem in der Zunahme der gewaltsamen Auseinandersetzungen an Schulen. Die Verflechtung und Vielfältigkeit der Konflikte soll in der nachstehenden Abbildung verdeutlicht werden.
$EE: [aus Walker, J. (1995). *HZDOWIUHLHU8PJDQJPLW.RQIOLNWHQLQGHU6HNXQGDUVWXIH,
6SLHOHXQGhEXQJHQ, Seite 132. Frankfurt / M. Cornelsen.]
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Die Konfliktschlichtung soll ausnahmslos ohne Gewaltanwendung erfolgen. Hierbei spreche ich nicht von „richterliche Gewalt“. Da es zunehmend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in Schulen kommt, soll auch der Gewaltbegriff und deren Ursachen erörtert werden. Der Gewaltbegriff ist breit gefächert. „Gewalt in der Schule umfasstdas gesamte Spektrum von Tätigkeiten und Handlungen, die physische und psychische Schmerzen oder Verletzungen bei den im Bereich der Schule handelnden Personen zur Folge haben oder die auf die Beschädigung von Gegenständen im schulischen Raum gerichtet sind." (Hurrelmann, 1990). Um den Begriff der Gewalt zu erweitern, spricht Galtung noch von struktureller Gewalt. „Strukturelle Gewalt drückt sich in sozialen Ungerechtigkeiten aus, die Menschen an der Entfaltung ihrer potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten hindern.“ (Galtung, 1975).
In verschiedene Studien der Universität Greifswald wurde die Gewaltsituation an Schulen in Mecklenburg – Vorpommern untersucht. In einer Befragung der Gewalterfahrungen im sozialräumlichen Kontext von 1998 wurden Aussagen von sämtlichen Schülern der 9. Klassenstufe (45 Klassen) aller allgemeinbildenden Schulen (Förder-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien) aus Greifswald zum Ende des Schuljahres 1998 gesammelt. Einige Ergebnisse dieser Erhebung möchten wir hier wiedergeben.
• Rund 17% der Schüler waren mindestens einmal Opfer eines Gewaltdelikts geworden, der überwiegende Anteil war Opfer einer einfachen Körperverletzung.
• Täter und Opfer entstammten häufig aus der gleichen Altersgruppe. Gruppentäter waren häufiger vorhanden als Einzeltäter.
• Die Opfererfahrungen waren bei den männlichen Schülern höher als bei den weiblichen.
• Hauptort der Gewalt ist nach dieser Studie nicht die Schule, sondern der öffentliche (Freizeit-) Raum. Nur 22% aller Taten ereigneten sich in der Schule, 8% auf dem Schulweg, knapp 60% im öffentlichen Raum und sogar 9% im privaten Wohnraum. (Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung M – V, 2000)
Die gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Schülern sind häufig von geringer Schwere. Trotz Gewalterfahrungen von einigen Schülern fühlt sich jedoch die überwiegende Mehrheit der Schüler und Lehrer in ihrer Schule sicher und wohl. Das vermindert aber nicht die Rechtfertigung der Konflikt- und Streitschlichtung.
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Matthias Endlich, Karsten Herfarth, 2002, Schülerstreitschlichtung - Interview und Auswertung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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