Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 SPRECHAKTTHEORIE NACH AUSTIN 3
2.1 KONSTATIVE VS. PERFORMATIVE ÄUSSERUNGEN 3
2.1.1 Kriterien für performative Äusserungen 4
2.1.2 Das Verunglücken von performativen Äusserungen 5
2.1.3 Konstative Äusserungen können verunglücken 5
2.1.4 Wahr oder Falsch 8
2.2 EINE NEUE SPRECHAKTTHEORIE 8
2.2.1 Die drei Akte 8
2.2.1.1 Lokutionärer Akt 9
2.2.1.2 Illokutionärer Akt 10
2.2.1.3 Perlokutionärer Akt 10
2.2.2 Versuch einer Abgrenzung des illokutionären Aktes 10
2.2.3 Einbettung der Antithese konstativ performativ 11
3 SEARLE ZU AUSTIN 14
3.1 ILLOKUTIONÄRER AKT VS. LOKUTIONÄRER AKT 14
3.2 ILLOKUTIONÄRER AKT VS. RHETISCHER AKT 15
3.3 DREI LINGUISTISCHE GRUNDSÄTZE 16
3.4 PROPOSTIONALER AKT 17
4 SCHLUSS 18
BIBLIOGRAPHIE 20
2
1 Einleitung
John Langshaw Austin (1911 – 1960) gilt als Begründer der modernen Sprechakttheorie und leistete durch seine genaue Betrachtung des konkreten Sprachgebrauchs eine Annäherung der Philosophie an die Linguistik. Seine Studien lösten in der Philosophie der normalen Sprache, welcher Austin angehörte, grosses Echo aus und wurden ausgiebig diskutiert, kommentiert und weiterentwickelt. Dabei ist sicherlich John Rogers Searle (geb. 1932) zu nennen, welcher ganz explizit auf die Anregungen Austins Bezug nahm und dessen Theorie der Sprechakte weiterentwickelte. 1
Diese Arbeit versucht die Grundgedanken von Austin in Bezug auf performative und konstative Äusserungen aufzuzeigen und seine moderne Theorie der Sprechakte, welche er in seinen Vorlesungen in Harvard erarbeitete, darzustellen,. Auf dieser Grundlage wird der Aufsatz von Searle „Austin on Locutionary and Illocutionary Acts“ betrachtet. Da er eine explizite Antwort auf Austin darstellt, lassen sich daran zum einen die Schwächen in Austins Theorie, zum andern die Weiterentwicklungen durch Searle sehr gut darstellen. Die Arbeit hat somit einen ausschliesslich deskriptiven Charakter und soll die Gedankengänge der beiden frühen Sprechakttheoretiker in einer überschaubaren Weise darstellen. In einem ersten, etwas ausführlicheren Teil der Arbeit wird die Auseinandersetzung Austins mit dem vermeintlichen Gegensatz von performativen und konstativen Äusserungen und die daraus resultierende neue Sprechakttheorie aufgezeigt. In einem zweiten Teil werden die Ergebnisse aus der Optik Searles kommentiert und weiterentwickelt.
Zur verwendeten Literatur bleibt noch zu sagen, dass für die Arbeit die Originaltexte, sofern vorhanden in deutscher Übersetzung, verwendet wurden. Es wurde bewusst auf die Betrachtung von weiteren kommentierenden Werken verzichtet, um die Theorie Austins ausschliesslich aus der Optik Searles betrachten zu können.
2 Sprechakttheorie nach Austin
2.1 Konstative vs. performative Äusserungen
In einem Referat über analytische Philosophie erörtert Austin 1958 erstmals sein Konzept der konstativen und performativen Äusserungen, wobei es ihm um die Aufhebung des
1 P.V. Lamarque (1994): „Austin“. In: The Enzyklopedia of Language and Linguistics. Bd. 1. Oxford, New York u.a. S. 262.
3
Gegensatzes zwischen konstativ und performativ geht. 2 Bei dem Gegensatz ging man davon aus, dass jede Äusserung entweder als konstativ zu betrachten sei, das heisst, sie kann als wahr oder falsch taxiert werden, oder als eine performative Äusserung zu verstehen ist, welche nicht wahr oder falsch sein kann, sondern eine sprachliche Handlung darstellt. 3
2.1.1 Kriterien für performative Äusserungen
Nun soll in einem ersten Schritt die performative Äusserung genauer analysiert werden. Sie wird für den Vollzug der Handlung benötigt; „eine solche Äusserung tun, ist die Handlung vollziehen“ 4 . Einige Beispiele performativer Äusserungen:
Ein Kriterium für die Bestimmung von performativen Äusserungen ist nach Austin in der Grammatik oder im Vokabular kaum zu finden. 5 Allerdings existieren zwei sogenannte „Normalformen“, in welchen sich eine explizit performative Handlung ausdrückt. Die eine Form ist diejenige, welche bereits für die obigen Beispiele verwendet wurde: Die Äusserung beginnt mit einem Verb in der ersten Person Singular des Präsens Indikativ Aktiv. Die zweite Form benützt ein Verb im Passiv in der zweiten oder dritten Person des Präsens Indikativ, zum Beispiel: „Die Reisenden werden gebeten, beim Überqueren der Geleise die Fussgängerbrücke zu benutzen“. Als allgemeine Hilfe zur Identifikation einer performativen Äusserung dient die Möglichkeit, das Wort „hiermit“ einzusetzen. 6 Da diese Äusserungen den Akt deutlich kennzeichnen, das heisst mithilfe eines performativen Verbs konstruiert sind, nennt sie Austin explizit performative Äusserungen. Im Gegensatz dazu stehen die primär performativen Äusserungen: 7
2 John L. Austin (1968): „Performative und konstatierende Äusserung“. In: Bubner, Rüdiger (Hrsg.) (1968): Sprache und Analysis. Texte zur englischen Philosophie der Gegenwart. Göttingen. S. 187.
3 ebd., S. 140.
4 ebd.
5 ebd., S. 143.
6 Austin (1968), S. 143.
7 John L. Austin (2002): Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words). Bibliogr. ergänzte Aufl. Stuttgart: S. 89f.
4
Diese Äusserungen werden nicht explizit gekennzeichnet, das heisst, für sie ist der Kontext der Äusserung von entscheidender Bedeutung. Bei „Ich werde da sein“ kann es sich um ein Versprechen, eine Drohung oder auch eine Warnung handeln. Da diese Äusserungen eine primitivere Gestalt haben, also den Sprechakt nicht eindeutig kennzeichnen, stellt Austin die These auf, die expliziten Formen seien gegenüber den primären eine spätere Erscheinung in der Entwicklung der Sprache. Die Verdeutlichung der Sprache sei mit der Ausbildung komplexerer Formen in Gesellschaft und Wissenschaft einhergegangen. 8 Dabei denkt Austin wohl vor allem an die Verrechtlichung der gesamten Gesellschaft, da die Rechtsprechung explizit performative Formen von Äusserungen für die deutliche Kennzeichnung von sprachlichen Handlungen benötigt.
Die primär performativen Äusserungen lassen sich jedoch immer in eine explizit performative Äusserung überführen, ohne dass der Sinn verloren geht. „Gehen Sie!“ und „Ich befehle Ihnen zu gehen!“ ist bei gleichem Kontext eine absolut identische Äusserung. 9 Durch die Berücksichtigung von primär performativen Äusserungen wird klar, dass es auch kein verbales Kriterium zur Kennzeichnung performativer Äusserungen geben kann, da eine Äusserung lediglich durch Intonation oder durch Gebärden performativ werden kann. 10
2.1.2 Das Verunglücken von performativen Äusserungen
Austin widmet sich einer weiteren Eigenschaft von performativen Äusserungen, welche er das Verunglücken nennt. Er denkt dabei an ein Versprechen, das man unter keinen Umständen einhalten kann, eine Wette über ein bereits gelaufenes Rennen, etc. Austin erstellt eine Klassifikation aller sogenannten „Unglücksfälle“. Dazu stellt er folgende sechs Bedingungen auf, welche erfüllt sein müssen, damit eine sprachliche Handlung glücken kann: (A.1) Es muss ein konventionales Verfahren, im Rahmen dessen Personen unter bestimmten Umständen Wörter äussern, und das zu einem konventionalen Ergebnis führt, existieren.
(A.2) Die betroffenen Personen müssen zur Vollstreckung des jeweiligen Verfahrens von Amtes wegen befugt sein.
8 Austin (1968), S.144.
9 Austin (2002), S. 52.
10 Austin (1968), S. 144.
5
(B.1) Alle beteiligten müssen das Verfahren korrekt (B.2) und vollständig durchführen.
(Γ.1) Die Meinungen, Gefühle oder Verpflichtungen auf ein späteres Verhalten, auf die sich die betroffenen Personen berufen, müssen wirklich vorhanden und ernst gemeint sein, (Γ.2) und die betroffenen Personen müssen sich dann auch so verhalten. 11
Ist eine der oben aufgeführten Bedingungen nicht erfüllt kommt es zum Verunglücken der Handlung. Diese möglichen Verunglückungen stellt Austin in einer Tabelle dar:
Tabelle: Austin (2002), S. 40.
* Die Bezeichnung „Inkonsequenz“ erscheint bei Austin noch nicht in der Tabelle, wird jedoch später von ihm in diesem Zusammenhang erwähnt (vgl. Austin (2002), S. 156.).
Die Unglücksfälle schliessen sich gegenseitig nicht aus. Zum einen können mehrere Fehler gleichzeitig begangen werden, zum andern können sie ineinander übergehen und sich überschneiden. 12
2.1.3 Konstative Äusserungen können verunglücken
Nun wendet sich Austin den konstativen Äusserungen zu und stellt fest, dass auch diese nicht zwingend wahr oder falsch sein müssen, sondern ebenfalls eine Art von Verunglücken aufweisen können. Dabei handelt es sich um Absurditäten der folgenden Art:
(1) Jemand sagt: „Alle Kinder von Hans sind kahlköpfig, und Hans hat gar keine Kinder“. (2) Jemand sagt: „Die Katze ist auf der Matratze, und ich glaube nicht, dass sie dort ist“.
11 Austin (2002), S. 37.
12 vgl. dazu ausführlich: Austin (2002), S. 42ff.
6
Arbeit zitieren:
Urban Sager, 2006, Sprechakttheorie nach Austin, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sprachspiel und Wortbedeutung in der Philosophie Wittgensteins und Aus...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Von Austin zu Searle: Die Entwicklung der Sprechakttheorie
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Semiotische Codes in der Werbung - Plakative Zeichen in der Werbung
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Hauptseminararbeit, 25 Seiten
Akustischer Einsatz mittelalterlicher Lyrik im Deutschunterricht am Be...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hauptseminararbeit, 42 Seiten
Die Konkordanzdemokratie in der Schweiz - ein die Interessen von Minde...
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Seminararbeit, 14 Seiten
Das Wesen der Freundschaft in Platons Lysis
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 20 Seiten
Das Verhältnis von Zeit, Erzählen und Reflexion in Thomas Manns 'D...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Gleichheit als Bedingung für Gerechtigkeit? Alternativen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungshilfe
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Hausarbeit, 17 Seiten
Linguistische Textanalyse - Drei unterschiedliche Ansätze und deren Um...
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Die pragmatische Wende nach Ludwig Wittgenstein
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Merkmale des Naturalismus aufgezeigt am Werk "Die Weber"...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Situative und Dimissive Aspekte von Performanz
Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Die Entwicklung der Syntax vom Althochdeutschen bis zum Frühneuhochdeu...
Seminararbeit, 31 Seiten
Gewaltprävention in der Grundschule am Beispiel des Faustlos-Curriculu...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Vordiplomarbeit, 25 Seiten
Jean Jaques Rousseau als Wegbereiter einer neuen Pädagogik
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Urban Sager hat den Text Sprechakttheorie nach Austin veröffentlicht
Urban Sager hat einen neuen Text hochgeladen
Proseminar II. Neues Testament - Kirchengeschichte
Martin Meiser, Uwe Kühneweg, Rudolf Leeb, Petra von Gemünden, Thomas Schmeller
Siegfried Kreuzer, Dieter Vieweger, Friedhelm Hartenstein, Jutta Hausmann, Wilhelm Pratscher
Hablar, hacer, causar : la teoría de los actos de habla de J. L. Austi...
Alfonso Drake Diez de Ribera
David Austin's Englische Rosen
Die schönsten Sorten im Porträ...
David Austin, Clay Perry, Helga Urban
0 Kommentare