Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 2
2. Der werdende Vater 2
2.1. Motivation zur Vaterschaft 3
2.2. Phasen der Vaterschaft 5
3. Fallstudie eines werdenden Vaters 7
3.1. Fallbeschreibung 7
3.2. Diskussion der Analyse 10
4. Väterforschung im Wandel der Zeit 11
4.1. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vaterschaft 11
4.2. Studie zum Thema Vaterschaft 12
5. Schlussbemerkung 14
Literaturverzeichnis 15
1
1. Vorwort
Bis Mitte der siebziger Jahre galt die Mutter als wichtigste emotionale Bezugsperson eines Kindes, weshalb die Väterforschung lange vernachlässigt wurde. Dem Mann fiel die Rolle des Erzeugers und Versorgers zu, nicht aber die des Erziehers. Der Mangel an Studien über werdende Väter in der psychoanalytischen Literatur wurde in den vergangenen Jahrzehnten des Öfteren diskutiert. Die Untersuchung der psychischen Vorgänge des werdenden Vaters ist ein neueres Phänomen. Erst durch Studien zur Vaterabwesenheit fing man langsam an, die Vater-Kind-Beziehung zu erforschen. Bei Kindern, die ohne Vater aufwuchsen, hatte man vermehrt Probleme bei der Geschlechterrollenentwicklung, weniger moralisches Urteilsfähigkeit oder fehlendes Verantwortungsbewusstsein festgestellt.
Hauptziel dieser Arbeit ist jedoch nicht, den Einfluss von Männern auf ihre Kinder zu analysieren, sondern die Erwartungen und Empfindungen der werdenden Väter vor und während der Schwangerschaft aufzuzeigen. Meine Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zu Beginn werde ich mich mit Michael D. Diamonds 1 Werk von 1991 „Der werdende Vater: Psychoanalytische Ansichten über den vergessenen Elternteil“ befassen. In seiner Abhandlung charakterisiert Diamond den männlichen Kinderwunsch aus psychoanalytischer Sicht sowie die verschiedenen Phasen der Vaterschaft. Nachdem ich diesen Prozess des Vaterwerdens dargestellt habe, werde ich die von Diamond beschriebenen Stadien an einem Fallbeispiel des Psychoanalytikers Alan R. Gurwitt 2 verdeutlichen. Anschließend will ich auf eine Studie von Harald Werneck 3 eingehen, die 1998 in Österreich durchgeführt wurde, da sie meiner Meinung nach die Veränderung der Vaterrolle unserer Zeit gut widerspiegelt.
2. „Der werdende Vater“
Die Beziehung des Vaters zu seinem Kind entwickelt sich bereits vor der Zeugung. Elternschaft wird als wichtiger Schritt in der Entwicklung des Mannes angesehen und bedeutet zugleich eine große Veränderung der Paarbeziehung der werdenden Eltern. Ein Mann erlebt die Schwangerschaft, ja selbst die Geburt, aus zweiter Hand. Er hat keinen körperlichen Bezug zum Fötus, erlebt keine hormonellen Veränderungen. Nichtsdestotrotz stellt der Übergang zur Elternschaft auch für ihn eine sehr große Veränderung dar.
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Die Erforschung der prospektiven Vaterschaft ist noch immer nicht so ausgereift ist wie die der Mutterschaft. Diamond (1991, S. 39) versucht durch seine Abhandlung ein „integratives psychoanalytisches Rahmenkonzept zur Person des werdenden Vaters zu entwickeln“. Um die Motivation des Mannes zur Vaterschaft und die verschiedenen Phasen der „männlichen Schwangerschaft“ zu beschreiben, bezieht er sich auf fachspezifische Literatur, eigene Erfahrungen und Fallbeobachtungen.
2.1. Motivation zur Vaterschaft
Diamond skizziert den psychodynamischen männlichen Kinderwunsch im Laufe des Entwicklungsprozesses vom kleinen Jungen zum Mann, angefangen mit infantilen und ödipalen Kinderwünschen 4 . Die frühesten Kinderphantasien entwickeln sich – sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen – in der oralen und analen Phase. Diese Phantasien beziehen sich in diesem Stadium „auf Schwangerschaft und Entbindung, durch die orale Inkorporation und die anale Wiedergeburt der Mutter“ (Diamond, 1991, S. 44). Durch das Aufessen der Brüste will das Junge die Mutter reproduzieren, um somit die Mutter- Sohn-Beziehung umzukehren. Das Selbe phantasiert der Junge in einer späteren Phase über das Aufessen des Penis des Vaters. Und verlagert so seine Schwangerschafts- phantasien von der Mutter auf den Vater.
In der ödipalen Phase muss der Junge die Vorstellungen, ein Baby zu gebären, aufgeben. Ist der Kastrationskonflikt überwunden, werden frühere Phantasien von dem „Wunsch nach der Befruchtung der eigenen Mutter“ ersetzt, was als normale Entwicklung angesehen wird. Nach erfolgreicher Überwindung der ödipalen Phase identifiziert sich der Junge stärker mit dem eigenen Vater und hat somit zum Ziel, selbst Vater zu werden. Sind Kastrationsängste allerdings nicht überwunden worden, kann der Junge ein gestörtes Verhältnis zur Schwangerschaft bekommen.
Der Neid auf die Gebärfähigkeit der Mutter – und die gleichzeitige Furcht vor ihr – wird niemals ganz aufgegeben. Der kleine Junge identifiziert sich mit der Mutter, was im Falle einer gelungenen Sublimierung zu einer positiven Einstellung zum Thema Kinderwunsch und Vaterschaft führt. „Indem er das Kind seiner Frau bevatert und sich gleichzeitig mit dem Kind und mit der Mutter identifiziert, kann ein Vater seinen archaischen Wunsch nach dem Besitz der Mutterbrust befriedigen und somit vervollständigen“ (Diamond, 1991, S. 46) Werden jedoch Abwehrhaltungen gegen diese Neidgefühle entwickelt, kann das zu einem fehlenden Kinderwunsch oder zu späterer Impotenz führen.
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Eine weitere Motivation zur Vaterschaft können sublimierte Abhängigkeitswünsche sein. Abwehrvorgänge, wie etwa betont maskulines Verhalten zur Verdrängung weiblicher Identifikation, können einen Zeugungswunsch auslösen. Durch Fortpflanzung beweist sich der Mann seine Männlichkeit und identifiziert sich so mit dem eigenen Vater. Durch die Zeugung eines Kindes kann er sein Abhängigkeits- verhältnis umdrehen.
Auch der Wunsch eines Mannes nach der Kontinuität des eigenen Selbst kann einer der Beweggründe zur Zeugung eines Babys sein. Der Mann hat die Vorstellung durch seine Kinder weiterzuleben. So kann zum Beispiel die Eheschließung, die ein entscheidender Einschnitt im Leben eines Mannes ist, eine unbewusste Angst vor dem Tod verursachen. Daraus entstehende Omnipotenzwünsche können durch eigene Kinder befriedigt werden. Vaterschaft kann auch aus dem Wunsch, die nächste Generation aufzuziehen, entstehen. Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson bezeichnete die Aufgabe eines Mannes, die nächste Generation zu zeugen und sich um sie zu kümmern, als Generativität. Erikson zählt zur Generativität allerdings nicht nur, eigene Kinder zu zeugen, sondern auch soziales Engagement für die zukünftige Generation. Daher führt nicht jeder Kinderwunsch zur Generativität.
Dem Verlangen nach eigenem Fortbestand ähnlich ist der Wunsch nach der Erweiterung des Selbst. Durch die Zeugung werden das autonome Selbst eines Mannes, sowie seine Selbst- und Objektbeziehungen weiter ausgebildet. Durch die steigende Verantwortung und die Versorgung seines Kindes entwickelt sich die Persönlichkeit des Vaters.
Als weiteren Grund, ein Kind zu wollen, nennt Diamond den Wunsch nach der „primären Illusion“. Dieser von den Psychoanalytikern Shor und Sanville geprägte Begriff beschreibt den Wunsch nach Vollkommenheit. Man sehnt sich unbewusst nach der Rückkehr in den Mutterleib, also nach der bedingungslosen Liebe, die man als Baby erfahren hat. Durch ein eigenes Kind wird diese Art Liebe wieder möglich. Die daraus entstehende innige Zuneigung der Väter zu ihrem Kind und dessen völlige Inanspruchnahme nennen Greenberg und Morris 5 „Engrossment“.
Ein Kind kann nicht nur eine Bereicherung für den Mann sein, sondern auch zu einer Verbesserung der Partnerschaft beitragen. Diesen Wunsch nach einer Weiterentwicklung der Beziehung haben sowohl zufriedene als auch unzufriedene Paare. Während letztere – oft erfolglos – versuchen, ihre Ehe durch eine Schwangerschaft zu kitten, kann ein Baby einer gesunden Partnerschaft durchaus einen tieferen Sinn geben.
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2007, "Der werdende Vater" - Der Übergang zur Vaterschaft aus psychoanalytischer Sicht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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