Universität zu Köln Erziehungswissenschaftliche Fakultät Seminar für Theologie und ihre Didaktik Evangelische Theologie
Seminar: Das Buch Jona einschließlich der Geschichte seiner Interpretation im Judentum, im Christentum und im Islam Semester: SS 1999
Jona in der christlichen Tradition
Jörn Diercks
Michael Hinkel
Inhalt
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2.2.1 Martin Luther (1483-1546) 12
2.2.2 Johann Kaspar Lavater (1741-1801) 13
2.2.3 Ernst Lange (1927-1974) 14
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4.1.1Wiedergeburtsriten 24
4.1.2 Die Stadien der Wiedergeburtsriten 24
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4.2.1 Wiedergeburtssymbolik im Märchen 25
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Unsere Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema -RQD LQ GHU FKULVWOLFKHQ 7UDGLWLRQ. „Tradition“ kommt vom lateinischen tradere und bedeutet „übergeben“.
Damit ist die „Übernahme und Weitergabe von Sitte, Brauch, Konvention, Lebenserfahrung und Institutionen“ 1 gemeint. Traditionen werden von Generation zu Generation unabhängig von der jeweiligen historischen Situation übergeben. Auch religionsgeschichtlich sind Traditionen festzustellen.
Zunächst gehen unsere Überlegungen also dahin, in welchen Bereichen des christlichen Lebens die Jona-Geschichte Beachtung findet. Interessant erscheint uns hier auch der Umstand, daß viele die Jona-Geschichte kennen, wobei aber einige die Geschichte nicht mit der Bibel in Zusammenhang bringen. Dies führt uns zu dem Schluß, daß es noch andere Arten der Überlieferung geben muß als nur die christlich theologische, also durch Kirche und Bibel.
Uwe Steffen, dessen Buch „Die Jona-Geschichte: Ihre Auslegung und Darstellung im Judentum, Christentum und Islam“ die Grundlage des Seminars bildete, beschäftigte sich in diesem Buch neben dem theologischen Aspekt auch mit den Darstellungen der Jona-Geschichte in der Kunst. Er untersuchte verschiedene Epochen und ihre Bildnisse. An diesem Buch wollen wir uns orientieren, seine Untersuchungen aufgreifen und mit einer Bildbesprechung (Bilder im Anhang) ergänzen und vergleichen.
Im theologischen Bereich untersucht Steffen verschiedene Deutungen von Luther, Lange und anderen Exegeten. Auch hier wollen wir einen Vergleich mit anderen Interpretationen, wie die von Hans Walter Wolff, Rüdiger Lux, Wolfgang Schnell und noch einigen anderen anstellen.
Über Steffen hinausgehend möchten wir mit dieser wissenschaftlichen Arbeit auch noch einen anderen Aspekt des Lebens bearbeiten: den naturwissenschaftlichen Aspekt. Die Aufgabe der Naturwissenschaft besteht darin, „Erscheinungen und Vorgänge in der Natur ... zu ergründen und ... zu beschreiben und zu erklären.“ 2 Die Naturwissenschaften sollen also Antworten geben, also quasi eine Wahrheit beschließen. Hieraus entwickelt sich eine gewisse Problematik, wenn Naturwissenschaft und christliche Tradition aufeinander treffen. Die offenen Fragen, ungeklärte Wunder und andere Vorgänge der Bibel stoßen oft auf Widerstand im Bereich der
1
Meyers Großes Taschenlexikon: hrsg. von Meyers Lexikonredaktion.
3 Mannheim/Wien/Zürich 1990 . Bd. 22. S.175.
2 Meyers Großes Taschenlexikon. Bd. 15. S.178.
Naturwissenschaften. Gerade auch die Jona-Geschichte erscheint im
naturwissenschaftlichen Licht
geradezu unmöglich. Oder gibt es doch eine naturwissenschaftliche Erklärung für das Tierwunder? Wie vertragen sich naturwissenschaftliche Ansichten mit den christlichen Überlieferungen der Jona- Geschichte? Dieser Frage wollen wir mit Hilfe des Biologen Vitus B. Dröscher nachgehen.
Diese wissenschaftliche Arbeit ist der Versuch aufzuzeigen, wie die Jona-Geschichte in der christlichen Tradition behandelt wird. Dabei sollen die Bereiche Naturwissenschaft, Theologie und Kunst eine besondere Beachtung finden.
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In der Bibel ereignen sich viele Wunder, in denen Tiere eine entscheidende Rolle spielen, die sogenannten Tierwunder. Die bekanntesten Beispiele dafür sind neben der Jona-Geschichte Daniel in der Löwengrube oder auch die Plagen in Ägypten. Alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.
In unserer aufgeklärten Welt fällt es selbst gläubigen Christen schwer, den scheinbar den Naturwissenschaften widersprechenden Ereignissen glauben zu schenken. Denn wie sollte ein Mensch drei Tage unversehrt in einem Fisch überleben können? Es ist also recht verständlich, daß die Naturwissenschaftler, insbesondere die Biologen, die Tierwunder als bloße literarische Erfindung abtun.
Es gibt aber auch Tierforscher, wie Vitus B. Dröscher, die davon nicht überzeugt sind, sondern versuchen eine natürliche Erklärung für die Tierwunder zu finden. Auch Dröscher beschrieb zunächst seine Zweifel, doch legten diese sich nach den ersten Vergleichen der neuesten Forschungsergebnisse mit der Bibel. Diese waren so übereinstimmend, daß Dröscher weiter forschte und unter anderem auch die Jona- Geschichte untersuchte.
Bei der Untersuchung der Jona-Geschichte stellt sich direkt die Frage, welcher große Fisch im Mittelmeer in der Lage ist, einen Menschen komplett zu verschlucken ohne ihn zu verletzen. Ein Hai scheidet sofort aus, da dieser einen Menschen erst mal in Stücke reißen würde. Es kommt also nur noch ein Wal in Frage. Blau- und Finnwal scheiden aufgrund ihrer Nahrungsgewohnheiten aus. Ihre gewohnte Nahrung ist im Mittelmeer nicht auffindbar. Nach alten Überlieferungen „ sind in früheren Jahrtausenden Pottwale im Mittelmeer gesichtet worden“ 3 . Auch von seinen Körpermaßen wäre es ihm möglich einen ganzen Menschen zu schlucken, da seine Lieblingsspeise Riesenkraken sind, die er komplett verschluckt (vgl. Dröscher 1987, S.117). Diese These unterstreicht auch E.J.Slijper in dem Buch Whales 4 . Dort wird dargelegt, daß ein Pottwal, der über elf Meter große Riesenkraken verschlingt, auch Jonas hätte verschlucken können. Auch der Forscher I.I. Akimusin 5 bestätigt diesen
3
Dröscher, Vitus B.:„... und der der Wal schleuderte Jona an Land“. Die Tierwunder der Bibel naturwissenschaftlich erklärt. Rasch und Röhring Verlag. Hamburg-Zürich 1987. S.116.
4 Slijper, E.J.: Whales. London: Hutchinson 1962. In: Williams, H.: 14 . S Kontinent der Wale. Zweitausendeins Verlag. Frankfurt am Main 1990
5 Akimusin, I.I.: The feeding of the chachalot. in: Les Comptes Rendus de l´Academie des Sciences de l`U.R.S.S.. S.101. Moskau 1955. In:
Umstand, in dem er ein Beispiel anführt, in dem in einem Pottwalmagen mehr als 28000 Tintenfische gefunden wurden.
Die Existenz der Pottwale im Mittelmeer ist belegt durch Beschreibungen beim römischen Naturkundler Plinius, des Griechen Dio Cassius sowie Berichten aus der Zeit des Kaisers Claudius (41 bis 54 n. Chr.).
Nun stellt sich die Frage, warum der verschluckte Mensch vom Wal nicht verspeist worden ist und warum er Jona nach drei Tagen wieder ausspeit?
Warum Jona nicht getötet wird, läßt sich aus den erforschten Verhaltensweisen beim Wal ableiten. Es „ ist erwiesen, daß noch niemals ein Pottwal einen einzelnen im Meer schwimmenden Menschen angegriffen hat“ 6 . Forscher haben herausbekommen, daß die Meeressäuger, wie Pottwal oder Delphin, einen Menschen „ weder schlagen noch beißen oder gar töten“ 7 . Als Beweis werden japanische Fischer angeführt, die Delphinschwärme in eine Bucht treiben und sie dort durch das Wasser watend mit Lanzen abstechen, ohne daß die Delphine, die in der Lage wären, mit einer Schwanzflosse einen Menschen wegzuschleudern, sich wehren.
Im Gegenteil ist es von Delphinen bekannt, daß „ sie ertrinkende Menschen an die Meeresoberfläche heben und ans rettende Ufer bringen.“ 8 Dieses Verhalten erklärt sich durch das Verhalten der Delphine bei der Geburt eines Delphines. Hier kommt es oft vor, daß die neugeborenen Meeressäuger es nicht schaffen, von allein an die Oberfläche zum benötigten Sauerstoff zu gelangen. Die Delphine werden zu Lebensrettern, indem sie unter das Baby schwimmen und es an die Oberfläche heben. So können auch verletzte Tiere gerettet werden. „ Ganz ähnlich verhalten sich auch Pottwale.“ 9 Von der Rettung eines Matrosen im Magen eines Pottwals schreibt auch Ambrose John Wilson. Er berichtet von Walfängern in der Nähe der Falklandinseln, die beim Fangen eines Pottwals bemerkten, „ daß etwas in dem Magen wie lebendig zuckte.“ 10 Sie fanden dort einen vermißten Seemann, der zwar ohne Bewußtsein war, aber dennoch lebte.
Williams, H.: Kontinent der Wale. Zweitausendeins Verlag. Frankfurt am
14 Main 1990 .S 128.
6 Dröscher 1987. S.118.
7 Dröscher 1987. S.119.
8 Dröscher 1987. S.119.
9 Dröscher 1987. S.120.
10 Wilson, A.J.: The sign of the prophet Jonah and its modern confirmation. In: Princeton Theological Rview. 25 Jg. 1927. In: Williams, H.: Kontinent der Wale. Zweitausendeins Verlag. Frankfurt am 14 . S.165.
Main 1990
Es könnte also nach Dröscher und auch anderen Forschern denkbar sein, daß ein Pottwal Jona das Leben gerettet hat, indem er Jona drei Tage und drei Nächte in seinem Maul beherbergt hat und ihn dann an das rettende Ufer gespien hat. Dieses Speien ist sehr wohl möglich, denn ein Pottwal hat ein Lungenvolumen von ca. 2000 Litern. Bei seiner Fontäne von etwa acht Metern, würde Jona „ nicht viel mehr als ein Kaugummi“ 11 sein.
Kritisch anzumerken ist an dieser Theorie, daß wenn Jona auch das sogenannte Schlucken überstanden hätte, er bei einem möglichen Tauchgang des Wales kaum überlebt hätte. Ein Wal taucht in einer Minute etwa 120 Meter tief, also in einer Viertelstunde etwa 1000 m tief. Diesen Druck könnte kein Mensch ertragen. Die Theorie von Dröscher soll allerdings auch kein Beweis sein, sondern ein Erklärung, die der Jona-Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen soll. Die Möglichkeit, daß es sich so abgespielt haben könnte, ist also gegeben.
Eines zumindest zeigt diese Theorie bzw. dieses Buch von Vitus B. Dröscher jedoch ganz offensichtlich. Die Geschichte des Jona beschäftigt auch heute noch Wissenschaftler und beeinflußt somit heute noch unser Leben. In der christlichen Tradition hat die Jona-Geschichte, und haben somit alle Tierwunder, ihren festen Platz, also auch in den Naturwissenschaften, deren Forschungsergebnisse in unserer Welt als die einzige Wahrheit gelten.
Die Naturwissenschaften können die Wunder der Bibel nicht beweisen, aber wenn die Naturwissenschaftler den Wahrheitsgehalt von Bibelstellen erhöhen, verstärkt sich auch das Vertrauen in die Bibel.
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Jörn Diercks, 1999, Jona in der christlichen Tradition, Munich, GRIN Publishing GmbH
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