Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
2. Motive 2
2.1 Nicht-ökonomische Motive 2
2.1.1 Altruismus 3
2.1.2 Selbstverwirklichung 4
2.1.3 Sozialer Eigennutz Soziale Normerfüllung 5
2.2 Ökonomische Motive 6
2.3 Motive nach Tätigkeitsfeld 7
3. Determinanten 8
3.1 Status 8
3.2 Ethnische Herkunft 9
3.3 Alter und Geschlecht 9
3.4 Religion 10
3.5 Gesellschaftliche Determinanten 10
4. Empirisches Modell 11
4.1 Abgeleitete Hypothesen 10
4.2 Regressionsdiagnostik 12
4.3. Ergebnisse des Modells 15
5. Literaturliste 17
6. Abbildungsverzeichnis 21
7. Datensatz 22
1. Einleitung
In fast allen Definitionen von Non- Profit- Organisationen (Badelt 2002:9, Zimmer/Priller 2004:87, Brose 2000:141, Wex 2004:174, Definition des Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector-Projects) ist Freiwilligenarbeit ein Kennzeichen dieses Organisationstyps. Sie stellt zudem einen sehr wichtigen Beitrag zur Erhaltung von Non- Profit- Unternehmen (im Folgenden: NPOs) darstellt. Gleichzeitig besteht in der Definition von Freiwilligenarbeit in der „scientific community“ weitgehend Einigkeit im Vergleich zu anderen Begriffsbestimmungen. 1 Diese geteilte Definition möchte ich übernehmen: Freiwilligenarbeit ist durch das Fehlen direkter monetärer Gegenleistung von normaler Arbeit abgegrenzt. 2 In der Literatur finden sich neben dem Begriff der Freiwilligenarbeit auch Begriffe wie freiwilliges Engagement oder Ehrenamt. Da sich die Definitionen gleichen, sollen diese Begriffe im Folgenden synonym verwendet werden. Im Zuge der Hausarbeit möchte ich eine weitgefasste Definition von NPOs verwenden. Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Definition des Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector- Projects sollen auch kirchliche Organisationen und Parteien hinzugezählt werden. Weiterhin sollen für NPOs aber die Merkmale des Forschungsprojekts der Johns Hopkins University gelten: Privatheit, Gemeinnützigkeit, Selbstverwaltung, Organisation, Ehrenamtlichkeit.
Der Grund für diese weitgefasste Definition liegt darin, dass sonst wichtige Motive nicht in ihrer Ganzheit aufgeführt werden können.
Ich möchte in meiner Arbeit die Motive und Determinanten von Freiwilligenarbeit aufzeigen, um danach in einem empirischen Modell erste Indizien zu finden, welcher Erklärungsansatz am ehesten empirische Evidenz zu haben scheint.
Die Arbeit besteht aus zwei Blöcken: Im ersten Abschnitt werde ich unterschiedliche theoretische Motive und Determinanten darstellen. Daraus werden in einem zweiten Schritt vier Thesen abgeleitet, die anhand eines empirischen Modells getestet werden sollen. Der dritte Abschnitt beinhaltet die Auswertung der Ergebnisse. Die Unterteilung zwischen Motiven und Determinanten mag nicht immer trennscharf sein. Die grundsätzliche Überlegung ist, dass es Eigenschaften von Personen oder
1 Im begrenzten Rahmen der Arbeit erscheint es nicht zweckdienlich, Freiwilligenarbeit weiter zu unterteilen.
Cnaan et al. (1996) liefert eine solche Systematisierung.
2 Vgl. Badelt (1988), Gretschmann / Schulz (1988), The Volunteering Unit (1995:3), Werther / Berman
(2001:111)
1
der Umwelt gibt, die die Wahrscheinlichkeit von Freiwilliger Arbeit erhöhen, ohne ein persönliches Motiv darzustellen.
Um die Trennschärfe zu verdeutlichen kann man die Determinanten als extrinsische Motivation bezeichnen. Im Gegensatz dazu sind die Motive als zu intrinsische Motivation aufzufassen.
2. Motive
In der einschlägigen Literatur (Horch 1992:40ff.) finden sich verschiedene, teils auch konkurrierende Erklärungsansätze zur Erklärung von Freiwilligenarbeit. Es lassen sich zwei Erklärungsstränge identifizieren:
Auf der einen Seite stehen Autoren, die Freiwilligenarbeit durch altruistische und soziale Beweggründen erklären. Dem gegenüber stehen Autoren, meist aus ökonomischen Denkschulen, die Anreize als Erklärungsgrund für freiwilligen Einsatz postulieren. 3 Stebbins (1996:213) formuliert diese zwei Erklärungsstränge folgendermaßen:
„.[…] helping others (volunteer as altruism) and the
other is helping oneself (volunteer as self-interestedness)“
Im Folgenden werde ich versuchen, die verschiedenen Erklärungsansätze in zwei Ansätzen theoretisch zusammenzufassen. Auf der einen Seite möchte ich nicht- ökonomische Motive (Altruismus / Selbstverwirklichung / Sozialer Eigennutz bzw. soziale Normerfüllung) zusammenfassen, auf der anderen Seite die ökonomischen Motive. Klar ist, dass die individuelle Motivation zu freiwilligem Engagement zumeist aus einem Motivbündel, und nicht aus einem einzelnen Motiv besteht.
2.1 Nicht-ökonomische Motive
Nicht-ökonomische Motive für Freiwilligenarbeit anzunehmen liegt nahe, da keine direkte ökonomische Gegenleistung erfolgt. Es kann zwischen selbstlosem Einsatz,
3 Vgl. Osborne (1998:10)
2
moderne Selbstverwirklichung und dem Ziel der Erfüllung gesellschaftlicher Normen unterschieden werden. Die beiden letzten Motive weißen im Gegensatz zu dem Motiv des Altruismus eine Gemeinsamkeit auf. Beide Antriebsquellen liefern den Freiwilligen einen Gegenwert ihrer Leistungen. Bei der Selbstverwirklichung wird Zeit gegen Sinn getauscht, bei der Erfüllung von Normen Zeit gegen Anerkennung.
2.1.1 Altruismus
Altruismus sei wie folgt definiert:
„ [...] dass Menschen sich in ihren Wahlentscheidungen
(u.a.) vom Wohlergehen anderer Menschen leiten lassen.“ 4
Dabei soll offen bleiben, inwieweit der Freiwillige sich von den Bedürfnissen des Empfängers oder von seinen Vorstellungen von den Bedürfnissen des Empfängers leiten lässt. 5 Altruismus als Antrieb zur Freiwilligenarbeit wird in der Literatur 6 häufig postuliert. Eng verknüpft damit ist der Glaube an die Wirksamkeit und Gemeinwohlförderung:
„[...] research shows that political and civic engagement
is related to feelings of efficacy and the belief that participation in community activities leads to worthwile outcomes.“ 7
Der selbstlose Einsatz scheint auf den ersten Blick als Erklärungsgrund nahe zu liegen, da die geleistete Arbeit nicht direkt ökonomisch belohnt wird. Altruismus als Erklärungsfaktor scheint aber in den Hintergrund zu treten. Verknüpft mit christlicher Religiosität scheint er zwar der frühere Hauptgrund freiwilliger Arbeit 8 in europäischen Gesellschaften zu sein, jedoch tritt dieser Motivationsgrund wegen der durchdringenden Säkularisierung in den Hintergrund. Insofern wird von vielen Autoren der Charakter von Selbstlosigkeit bei der Freiwilligenarbeit bestritten. Zwei 4 Zitiert nach Badelt (1985:57)
5 Collard (1978: 7ff.) unterscheidet analog dazu zwischen „commodity related-altruism“ oder „utility-related- altruism“ 6 z. B. Badelt (1988), Collard (1978), Wardell et al. (2000:229) 7 Zitiert nach: Boris / Steuerle (1998:18) 8 Vgl. Wardell et al. (2000:229)
3
Argumente lassen sich dafür ins Feld führen: Altruismus als Beweggrund wird verneint, da die Freiwilligen einen ökonomischen oder nicht-ökonomischen Gegenstrom von Leistungen für ihre Tätigkeit beziehen. Und dieser Gegenstrom wird häufig als Antriebsquelle gesehen.
Zum anderen werden sich Menschen nach der institutionellen Sichtweise von Mancur Olson 9 nur dann gemeinsam zusammenschließen, wenn diesem Zusammenschluss, dem Organisieren, ein Ziel, ein gewisser Zweck, erreicht werden kann. Sie tun dies also zum Erreichen individueller und kollektiver Interessen und nicht aus Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit wird vor allem dann keine Rolle spielen, wenn die Motivationslage die eigene Betroffenheit darstellt. Dies dann als Altruismus zu etikettieren, wie es Rauschenbach et al. (1992:236) tun ist falsch. Im Gegensatz zu altruistischen Beweggründen steht die Selbstverwirklichung, die nicht aus weltanschaulichen Gründen heraus erklärt werden kann. Vielmehr spielt das persönliche Wohlempfinden eine große Rolle.
2.1.2 Selbstverwirklichung
Ein weiterer Erklärungsansatz 10 zur Motivation der Freiwilligen geht von einem Wandel der Motive aus. Standen früher altruistische Motive im Vordergrund, so geht es heute um Selbstverwirklichung bzw. Sinnstiftung durch Freiwilligenarbeit. Nicht nur deutschsprachige Autoren vertreten diese These, auch Untersuchungen in anderen Industriestaaten kommen zum selben Ergebnis 11 . Die alten Motivationsgründe bleiben zwar existent, werden aber von entfaltungsbezogenen Motiven verdrängt, die im Kontext der modernen Spaß- und Freizeitgesellschaft entstehen. Es wird argumentiert, dass die Individualisierung der Gesellschaft neue Motive für Freiwilligenarbeit hervorbringt. Traditioneller Sinnstifter wie Familie, Religion oder ein stabiles soziales Umfeld entfallen und werden unter anderem durch das Ehrenamt ersetzt. Empirisch gestützt wird dies vor allem vom Freiwilligensurvey 1997:
9 Vgl. Olson (1965)
10 Vertreten vor allem von Helmut Klages, aber auch von anderen Autoren, wie z.Bsp. Ursula Mathieu oder Heinze/ Strünck . Vgl Klages (2000), Heinze/Strünck (2000) und Mathieus Beitrag zu Politische Studien – Hanns Seidel Stiftung (1999) 11 Vgl. Ross (1990:20-27)
4
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Dipl. Verw. Wiss. Ralph Wenzl, 2006, Freiwilligenarbeit im Dritten Sektor - Motive und Determinanten der Freiwilligenarbeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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