Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 3
1. Der sozialpsychologische Terminus Feindbild 4
1.1 Definition des Terminus Feindbild 4
1.2 Zur Entstehung eines Feindbildes 7
1.2.1 Voraussetzungen zur Entstehung eines Feindbildes 7
1.2.2 Die Entstehung eines Feindbildes 9
2. Feindbild Islam in Deutschland 10
2.1 Voraussetzungen 10
2.2 Feinbild Islam 11
3. Darstellung des Islam in deutschen Zeitungen anlässlich der Karikaturendebatte im Januar
2006.......................................................................................................................................... 13
3.1 Die Karikaturendebatte im Januar 2006 13
3.2 Darstellung in deutschen Printmedien 13
3.2.1 Wochenzeitung Die Zeit vom 09 02 2006 14
3.2.2 Wochenzeitung Stern vom 09 02 2006 15
4. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 18
2
0. Einleitung
Die Reaktionen der sogenannten islamischen Welt auf die Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“, die im Herbst letzten Jahres veröffentlicht wurden, gehörten in den ersten Wochen diesen Jahres zu den wichtigsten Themen der deutschen Zeitungen. Fotos von brennenden Flaggen und Puppen, wutentbrannte Gesichter, Beschreibungen von terroristischen islamischen Gruppierungen und Umfragen mit Titeln wie „Jeder Dritte hat Angst vor dem Islam“ wurden dem Leser präsentiert. Das Resultat solcher Darstellungen sind Skepsis, Ablehnung, Vorurteile bis hin zur Entstehung beziehungsweise Verstärkung von Feindbildern.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich in erster Linie mit dem sozialpsychologischen Terminus Feindbild. So beinhaltet der erste Teil der Arbeit eine ausführliche Grundlagenklärung des Begriffes. Dabei werden neben einer Definition, die Voraussetzungen zur Entstehung von Feindbildern und somit auch die sozialpsychologischen Termini Stereotype und Vorurteile dargestellt.
Anschließend wird in Ansätzen skizziert, ob und inwieweit in den letzten Jahren in Deutschland vom Islam als Feindbild gesprochen wurde. Der letzte Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Islams anlässlich der Karikaturendebatte in den deutschen Printmedien. Für diese Untersuchung wird jeweils ein Beitrag aus den überregionalen Wochenzeitungen „Die Zeit“ und „Stern“ verwendet. Die Auswahl dieser Zeitungen beruht auf dem unterschiedlichen Leserpublikum („Boulevardzeitung“ vs. „seriöse Zeitung“, illustrierende Zeitung vs. textorientierte Zeitung, unterschiedliche politische Ausrichtung, etc.). Bei der Analyse werden die Darstellungsformen der Problematik unter Einbeziehung der oben genannten theoretischen Grundlagen untersucht.
Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, ob bei der Darstellung in den aktuellen deutschen Medien tatsächlich von einem Feindbild Islam gesprochen werden kann. Die Printmedien haben im Zeitalter des Fernsehens und des Internets einen entscheidenden Einfluss auf die Herausbildung und Vertiefung von Meinungen, Denkweisen und den daraus resultierenden Vorurteilen und Stereotypen bis eben hin zu Feindbildern, welche in einer modernen globalisierten Welt abgebaut und nicht vertieft werden sollten.+
3
1. Der sozialpsychologische Terminus Feindbild
1.1 Definition des Terminus Feindbild
Gerade in den Medien, in der Politik, aber auch im alltäglichen Miteinander von Menschen sind Handeln und Bewusstsein zwischen einzelnen Parteien, Gruppen oder Personen von einem „Feind-Freund-Denken“ 1 durchzogen. Auf diese Weise entstehen Bilder zwischen den Agierenden, zu welchen u.a. auch Feindbilder gehören. Doch bevor die Entstehung dieser Feindbilder näher erläutert wird, soll zunächst der Versuch einer Definition des Terminus Feindbild gegeben werden.
Grundsätzlich ist der Begriff in die Sozialpsychologie, dem Teilgebiet der Psychologie, welcher sich mit Verhaltensweisen von Individuen beziehungsweise Gruppen unter bestimmten gesellschaftlichen Faktoren befasst, einzuordnen. So stützt sich die unter Punkt
1.2 „Die Entstehung eines Feindbildes“ beschriebene Entwicklung auf eine
sozialpsychologische Sichtweise. Dennoch findet man im „Sozialpsychologie-Lexikon“ 2 von Günter Wiswede keine Erklärung des Terminus Feindbild. Eckhard Jesse beschreibt in seiner Arbeit „Funktionen und Strukturen von Feindbildern im politischen Extremismus“ eine „schlechte Erforschung der nicht in eine spezifische Wissenschaftsdisziplin fallenden Thematik“. 3 Für ihn zählt der Terminus Feindbild, der seiner Meinung nach bisher noch zu wenig erforscht wurde, somit nicht ausschließlich zur Sozialpsychologie. Er unterstreicht, dass sich in der deutschsprachigen Literatur vor allem Historiker mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Auf Grund dieser Aussagen kann auch in der vorliegenden Arbeit nur von einem Versuch einer Definition gesprochen werden, die sich ausschließlich auf den Terminus Feindbild aus sozialpsychologischer Sicht bezieht.
Natürlich existieren bereits verschiedene Ansätze zur Begriffserklärung von Wissenschaftlern, die sich mit der Problematik Feindbild auseinandergesetzt haben. Doch stellen sie tatsächlich oft nur Ansätze dar. Eine sehr kurze Definition gibt Alexander Solschenizyn: „Die Menschen vergaßen Gott, daher kommt alles“. 4 Diese Aussage ist sehr allgemein und religiös gehalten und trägt somit weniger zum vollständigen Verständnis des Terminus Feindbild bei.
1 Voit, Hartmut (1992): Geschichte ohne Feindbild? Perpektiven für das historische Lernen in Deutschland nach dem 9. November 1989. Erlangen, S. 13.
2 Wiswede, Günter (2004): Sozialpsychologie-Lexikon. München, Wien: R. Oldenbourg.
3 Jesse, Eckhard (o.J.): In: Bundesministerium des Inneren (Hrsg.; 2005): Feindbilder und Radikalisierungsprozesse. Elemente und Instrumente im politischen Extremismus. Berlin, S. 6. 4 Solschenizyn, Alexander: In: Wagenlehner, Günther (Hrsg.; 1989): Feindbild. Geschichte – Dokumentation – Problematik. Frankfurt am Main, S. 6.
4
Eine weitere, detailliertere Definition stammt von Hans Dieckmann: „Unter Feindbild verstehen wir nicht den Feind oder den Gegner selbst, sondern etwas Drittes, das sich zwischen ihn und uns selbst schiebt, ein Bild, das sich wie alle Bilder aus einer ganzen Anzahl von Komponenten zusammensetzt, die mit dem eigentlichen Objekt oft sehr wenig oder kaum etwas zu tun haben.“ 5
Diese Erklärung beschreibt den Terminus treffender als die erst genannte. Zunächst werden in ihr die mindestens zwei Individuen beziehungsweise Gruppen („wir“ versus „die Fremdgruppe“ beziehungsweise „der Feind“), welche notwendige Voraussetzung für die Existenz von Feindbildern sind, genannt. Ohne das Vorhandensein von mindestens zwei sozialer Gruppen 6 und das daraus resultierende Intergruppenverhalten, „das [....] Verhalten der Mitglieder einer Gruppe gegenüber den Mitgliedern einer anderen Gruppe“ 7 , kann kein Feindbild bestehen. Des weiteren wird ein Fakt beschrieben, welchen fast alle Wissenschaftler anführen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Ein Feindbild setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Diese unterschiedlichen Elemente resultieren aus der Entstehung des Feindbildes, welche im folgenden Punkt näher beschrieben wird. Da „Feindbilder eine Untergruppe von Vorurteilen“ 8 sind, basieren sie auch auf Stereotypen und Kategorien. So hängt die Begriffserklärung des Feindbildes von der Definition dieser Termini ab. Aber auch hier ergeben sich Probleme, weil Vorurteile und Stereotype aus der subjektiven Realität übernommen werden. Sie „sind daher auch nicht absolut zu definieren, beziehen sich vielmehr auf ein bestehendes Wertesystem.“ 9 Auch Kurt Spillmann bietet eine detaillierte Definition an. Er sieht ein Feindbild als „pathologisches Extrem der zum Überleben im Menschen ausgebildeten Fähigkeit zur Abgrenzung, Kategorisierung und Unterscheidung. Pathologisch deshalb, weil die Wahrnehmung des anderen auf die primitive Gut-Böse (Freund-Feind)- Spaltung reduziert wird. Dieses Feindbild hat mit der Realität, mit der tatsächlichen Beschaffenheit des anderen nichts zu tun.“ 10
Mit dieser Definition wird noch einmal die enge Verbindung zwischen Vorurteil beziehungsweise Kategorisierung und Feindbild unterstrichen. Die Umwelt wird für das
5 Dieckmann, Hans: In: Wagenlehner, Günther (Hrsg.; 1989): Feindbild. Geschichte – Dokumentation – Problematik. Frankfurt am Main, S. 6.
6 Eine genauere Definition des Terminus Gruppe wird unter Punkt 1.2.1.4 „Der Terminus Gruppe in der Sozialpsychologie“ gegeben.
7 Brown, R.: Beziehungen zwischen Gruppen. In: Stroebe, Wolfgang; Hewstone, Miles; Stephenson, Geoffrey M. (1992): Sozialpsychologie. Eine Einführung. Berlin, Heidelberg, New York, S. 400.
8 Sommer, Gert: Zur Psychologie von Feindbildern. In: Voit, Hartmut (1992): Geschichte ohne Feindbild? Perpektiven für das historische Lernen in Deutschland nach dem 9. November 1989. Erlangen, S. 13. 9 Bernhardt, Hans-Michael: Voraussetzungen, Struktur und Funktion von Feindbildern. In: Jahr, Christoph; Mai, Uwe; Roller, Kathrin (Hrsg.; 1994): Feindbilder in der deutschen Geschichte. Berlin, S. 12.
10 Wagenlehner, Günther (Hrsg.; 1989): Feindbild. Geschichte – Dokumentation – Problematik. Frankfurt am Main, S. 7.
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Arbeit zitieren:
Michael Dathe, 2006, Feindbild Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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