Michael Schmidt
Universität Flensburg
Institut für Soziologie
WS 2006 / 2007
Studiengang: RL
Flensburg, den 02. Februar 2007
Hausarbeit zum Seminar:
You`ll never walk alone
- Soziologie und Fußball
das Phänomen einer Massenkultur
Klischees vom
weiblichen Fußballfan
- Realität und Fiktion
Inhalt:
ab
Seite
1. Einleitung
und
Eingrenzung des Themas ... 1
2. Geschlecht und Identität ... 3
3. Männerdomäne Fußball
3.1 Frauen, Fußball und die ewigen Klischees ... 6
3.2 Gegenwärtige Situation des weiblichen Publikumanteils... 11
4. Schlussbetrachtung
... 13
5. Literatur- und Quellenangaben ... 15
Seite 1
1. Einleitung und Eingrenzung des Themas
Schon im Vorfeld der im Jahr 2006 stattgefundenen Fußball Weltmeisterschaft
wurde prophezeit, diese WM bei uns in Deutschland werde viel bewirken im eigenen
Land. Und tatsächlich, vieles von dem, was vor der WM gesagt wurde, hat sich
bewahrheitet. Und so kamen Diskussionen zu den verschiedensten Themen in den
unterschiedlichsten Medien zustande. In der Politik Talk-Sendung Sabine
Christiansen etwa stritt man über den neu gewonnenen Nationalstolz und ob er denn
in dem Ausmaß, in dem er neu entdeckt wurde, publik gemacht werden dürfe.
Anderswo wurden Debatten über den Wirtschaftsaufschwung, der sicherlich
ebenfalls in der WM mitbegründet werden muss, geführt. Aber es sind auch Themen
aufgegriffen worden, die der Welt des Fußballs noch viel näher stehen. So hat man
sich mit den Mannschaften und deren Abschneiden bei dieser Endrunde beschäftigt.
Die Stadien, die aufgrund ihres multifunktionalen Charakters heutzutage als Arenen
bezeichnet werden und für reichlich Erstaunen und Stolz hierzulande sorgten,
wurden hinsichtlich des Sicherheitsaspektes oder auch einfach nur der Faszination
wegen ebenfalls ausgiebig thematisiert. Und man hat sich auch denen gewidmet,
ohne die der Fußball nicht das wäre, was er ist den Fußballanhängern, den Fans.
Ohne sie wären die Stadien sinnlos. Ohne sie gäbe es keine Sportschau und der FC
Bayern München hätte niemals einen Roy Maakay verpflichten können. Und die so
genannten Fanmeilen wären nie erfunden. Der Fußball, wie wir ihn kennen, würde
schlicht und ergreifend gar nicht existieren. Apropos Fanmeilen. Dieser neue Begriff
wurde durch eben diese Fußball WM in Deutschland geprägt und bezeichnet
Zonen auf öffentlichen Plätzen, die Sportübertragungen mittels Großbildleinwand für
große Menschenmengen ermöglichen. Die Gesellschaft für deutsche Sprache
würdigte den prägenden Charakter der Fußballweltmeisterschaft auf die Stimmung in
Deutschland und wählte
»Fanmeile«
sogar zum Wort des Jahres 2006.
Unübersehbar war das große Interesse der Frauen auf diesen Fanmeilen. Sicherlich
sind nicht alle dort hingegangen, allein des Fußballs willen. Aber diese Thematik lädt
dennoch dazu ein, sich einmal darüber Gedanken zu machen, zumal auch zu den
Bundesliga Spielen immer mehr Frauen auf den Tribünen gezählt werden.
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Frauen und Fußball; was lange Zeit als zwei sich einander kategorisch
ausschließende Dinge galt, scheint sich sukzessiv zusammenzufinden.
Nichtsdestotrotz gilt der Fußball in Europa und einigen lateinamerikanischen Ländern
als klare Männerdomäne. Das ist unumstritten. Genauso unumstritten ist jedoch die
Tatsache, dass der Fußball (zumindest in Deutschland) immer mehr weibliche
Anhänger findet als Fans ihrer (Männer-) Vereine. Auch der von Frauen gespielte
Fußball ist in den letzten Jahren beliebter geworden, obwohl er in der Popularität
keineswegs mit dem der Männer zu vergleichen ist. Aber auch hier ist ein größerer
Zulauf erkennbar. Frauen und Fußball, das passte nicht immer zusammen. Das
durfte zeitweilig gar nicht sein. Es gehörte sich einfach nicht. Als Fans zwar mehr
oder minder akzeptiert, das Praktizieren jedoch gänzlich unerwünscht.
Es stellt sich hiermit die Frage, warum der Fußballsport (u. a. hierzulande) als
Männerdomäne gilt. Was macht ihn überhaupt unweiblich, wie die weitläufige
Meinung noch heute ist? Diese fundamentale Frage soll in dieser Arbeit fokussiert
werden, die automatisch auch den Aspekt der öffentlichen Wahrnehmung von
Frauen in Verbindung mit dem Fußball und die gegenwärtige Situation des
weiblichen Publikumanteils beinhaltet.
Zunächst soll jedoch etwas allgemeiner an diese Fragestellung herangeführt werden.
Dazu müssen die Begriffe Geschlecht und Identität kurz erläutert werden, um zu
klären, was mit Männlichkeit bzw. Weiblichkeit überhaupt verbunden wird.
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2. Geschlecht und Identität
Wir reden ständig von Frauen und Männern sowie über die Verhältnisse und den
Umgang derer zueinander. Für den Laien ist es zunächst vielleicht nicht plausibel,
sich den Begrifflichkeiten des
>>
Männlichseins
<<
und
>>
Weiblichseins
<<
eingehender
zu beschäftigen und zu hinterfragen, welche Bedeutung ihnen zukommt. Denn das
Geschlecht eines Menschen, so die Überzeugung der wohl meisten Leute, wird ganz
einfach durch die Geschlechtsteile determiniert. ,,Geschlecht" wird oftmals
automatisch mit den Geschlechtsteilen assoziiert und sogar als Äquivalent
angesehen. Es ist ja auch nicht falsch zu behaupten, dass diese Art der Zuschrei-
bung heutzutage üblich ist. Als konstruktive Feststellung des Geschlechts bezeichnet
der Soziologe Stefan Hirschauer diese Ansicht der Geschlechterzuschreibung. Damit
meint er beispielsweise die ,,Feststellung des Geschlechts des Neugeborenen, der
erste Blick auf gewisse Stellen, der in der Regel lebenslänglich über die
Geschlechtszugehörigkeit entscheidet."
1.1)
Um ganz allgemein jemanden etwas
zuschreiben zu können, d.h. denjenigen in eine bestimmte Kategorie zuzuordnen,
muss eine Zuschreibungsmenge existieren. Das heißt, es müssen voneinander
unterscheidbare Elemente vorhanden sein oder als solche angesehen und bestimmt
sein. In unserem zu behandelnden Fall sind es eben die Geschlechter, die
differenziert werden. Wie selbstverständlich gehen wir heute dabei von sich zwei
unterscheidbaren aus dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht. So simpel
uns diese Unterscheidung auch vorkommen mag; sie war nicht immer so einfach. Es
sollte bis zum späten 18. Jahrhundert dauern, ehe über Geschlechterdifferenz
erörtert und überhaupt von zwei Geschlechtern gesprochen wurde. Mit dem so
genannten ZweiGeschlechterModell entstand die Betrachtungsweise der
Unvergleichlichkeit der Geschlechter. Nicht nur eine ,,graduelle, sondern qualitative
Differenz zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen"
1.2)
wurde
hiermit behauptet. Und erst hier wurde auch in der Terminologie und der
Begrifflichkeit zwischen
>>
Vagina
<<
und
>>
Penis
<<
unterschieden.
1.1)
Maihofer, Andrea (1994): ,,Geschlecht als hegemonialer Diskurs (...)" in:
Wobbe, Theresa/Lindemann, Gesa: ,,Denkachsen", 1996, S. 242
1.2)
ebd., S. 238f.
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