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Jugendgewalt als Krisenbewältigung

Eine Auseinandersetzung mit Ursachen und sozialpädagogischen Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Title: Jugendgewalt als Krisenbewältigung

Diploma Thesis , 2000 , 62 Pages , Grade: 5.5

Autor:in: Dipl. Sozialpädagoge FH Josef Epper (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Ich befasse mich in dieser Arbeit einerseits mit den Ursachen, Umständen und Situationen, die Jugendliche zum Gewalthandeln bewegen und untersuche in einem zweiten Schritt Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Ich werde nach grundlegenden, allgemeinen Betrachtungen und Definitionen spezifiziertere Erklärungsansätze und Theorien heranziehen, um so schrittweise die Thematik zu vertiefen und zu differenzieren. Bei der anschliessenden Untersuchung von möglichen Handlungsansätzen zum Abbau von Gewalthandeln sollen nebst theoretischen Erwägungen vor allem Pragmatik und konkreter Praxisbezug im Vordergrund stehen.
Ich lasse mich für diese Arbeit von folgender Fragestellung leiten:
Welche sozialpädagogischen Präventionen und Interventionen können Jugendliche darin unterstützen, auf Gewalthandeln zu verzichten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Einleitung

1.1. Einführung und Motivation

1.2. Vorgehen

1.3. Fragestellung

1.4. Eingrenzung des Themas

1.5. Begriffsklärung

1.5.1. Aggression

1.5.2. Selbstbehauptung

1.5.3. Gewalt

1.5.4. Gewalthandeln

1.5.5. Jugendgewalt

1.6. Gender (Geschlechtsrolle)

2. Theorien zur Entstehung von Aggression

2.1. Instinkt- oder Aktionsmodelle

2.2. Reaktionsmodelle

2.2.1. Frustrations-Aggressions-Hypothese

2.2.2. Theorie der aversiven Reize

2.3. Lerntheoretischer Ansatz

2.3.1. Instrumentelles Lernen

2.3.2. Lernen durch Beobachtung und Lernen am Modell

2.4. Fazit

2.5. Interaktionsmodell

3. Adoleszenz

3.1. Dynamischer Interaktionismus

3.2. Jugendalter und Adoleszenz als kritische Lebensphase

3.3. Individualisierung und Desintegration

4. Biografische Lebensbewältigung

5. Jugendcliquen

6. Der Einfluss der Medien

7. Empirische Forschungsergebnisse

7.1. Thesen

7.2. Fazit

8. Grundlegendes zu Prävention und Intervention

8.1. Einleitung

8.2. Menschenbild

8.3. Adoleszenzverständnis

8.4. Leitsätze professioneller sozialpädagogischer Arbeit

8.5. Fazit

9. Prinzipien der Prävention und Intervention

9.1. Empowerment

9.2. Milieubildung

9.2.1. Die personal-verstehende Dimension

9.2.2. Die aktivierende Dimension

9.2.3. Die pädagogisch-interaktive Dimension

9.2.4. Die Dimension des Ressourcenmanagements

9.3. Die Verschmelzung von Intervention und Prävention

10. Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien (Coping)

10.1. Selbstwirksamkeit

10.2. Konstruktive Copingstrategien

11. Methoden

11.1. Trainingskurse und -programme

11.2. Jungenarbeit

11.3. Erlebnispädagogische Angebote

11.4. Medienpädagogische Projekte

11.5. Interaktionspädagogische Techniken

12. Zum Umgang mit gewaltbereitem Verhalten Jugendlicher

12.1. Zentrale Grundvoraussetzungen

12.2. Konkrete Verhaltensregeln

13. Die Grenzen in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen

14. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

14.1. Zusammenfassung der Bedingungen und Ursachen

14.2. Prävention und Intervention / Beantwortung der Fragestellung

15. Kritische Würdigung

16. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen von Jugendgewalt als Form der Krisenbewältigung und analysiert sozialpädagogische Möglichkeiten zur Prävention und Intervention. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche sozialpädagogischen Präventionen und Interventionen können Jugendliche darin unterstützen, auf Gewalthandeln zu verzichten?“

  • Ursachenanalyse von Jugendgewalt (psychologische und soziologische Theorien)
  • Die Rolle der Adoleszenz und biografische Lebensbewältigung
  • Die Bedeutung von Jugendcliquen und Medieneinflüssen
  • Empirische Erkenntnisse zu Jugendgewalt in Deutschland
  • Sozialpädagogische Konzepte (Empowerment, Milieubildung) und Methoden im Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen

Auszug aus dem Buch

1.5.1. Aggression

Der Begriff Aggression entstammt dem lateinischen „aggredi“, was sowohl herangehen, sich nähern, auf jemanden, eine Situation oder Sache zugehen als auch angreifen, anfallen, überfallen bedeutet. Diese etymologische Mehrdeutigkeit legt die Unterscheidung zwischen einer konstruktiven - ich nenne sie Selbstbehauptung - und einer destruktiven Form der Aggression nahe. Auch F. Hacker definiert den Begriff als „(...) manifestes oder latentes Angriffsverhalten (...) im Spektrum von (...) sozial gelerntem und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis hin zur Grausamkeit“ (Hacker, 1973, S. 73).

Im allgemeinen Sprachgebrauch und auch in der Fachliteratur wird unter Aggression meist die destruktive Bedeutung verstanden und der Begriff häufig mit Gewalttätigkeit, einem gewalttätigen Übergriff (vgl. unten "Gewalt/Gewalthandeln") gleichgesetzt. So lautet die Definition etwa bei P. Zimbardo (1988, S. 425) : „Aggression beim Menschen wird definiert als körperliches oder verbales Handeln, das mit der Absicht ausgeführt wird, zu verletzen oder zu zerstören. Gewalt ist Aggression in ihrer extremen und sozial nicht akzeptablen Form.“ Oder bei Ch. Scharfetter (1976, S. 98): „Aggression ist das Verhalten, das auf Vertreibung, Kränkung, Beschädigung, Verletzung oder Tötung eines Menschen, eines Tieres, einer Sache zielt.“

Auch ich verwende den Aggressionsbegriff im Folgenden in Übereinstimmung mit den meisten Autoren im destruktiven Sinne (ansonsten spreche ich von „Selbstbehauptung“, vgl. unten), plädiere jedoch für eine Entkoppelung der Begriffe "Aggression" und "Gewalt", da Aggressionen sich auch auf den emotionalen Bereich beschränken können und nicht jedes Gefühl der Aggression in eine Gewalthandlung nach aussen münden muss. Der Begriff der Aggression ist meines Erachtens also eher personenzentriert während Gewalt eine Interaktion zwischen mehreren Personen (oder bei Vandalismus zwischen „Person und Gegenstand“) beinhaltet (Ausnahme: Autoaggression, welche in Gewalt gegen sich selbst mündet).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Motivation des Autors, Eingrenzung des Themas auf männliche Jugendliche in der Adoleszenz sowie Klärung zentraler Begriffe wie Aggression, Selbstbehauptung und Jugendgewalt.

2. Theorien zur Entstehung von Aggression: Überblick über psychologische und soziologische Ansätze, von Instinkt- über Reaktionsmodelle bis hin zu lerntheoretischen Ansätzen und dem Interaktionsmodell.

3. Adoleszenz: Erörterung der Entwicklungsphase Adoleszenz als kritische Übergangsphase sowie der Bedeutung von Individualisierung und Desintegration in der heutigen Gesellschaft.

4. Biografische Lebensbewältigung: Vorstellung des Ansatzes von Böhnisch, der Gewalt als Versuch zur Wiedererlangung von Handlungsfähigkeit in Krisensituationen begreift.

5. Jugendcliquen: Analyse der Funktion von Peer-Groups für die Identitätsbildung und deren Bedeutung für die Verstärkung oder Abfederung von Gewaltverhalten.

6. Der Einfluss der Medien: Diskussion über die mediale Gewalt und deren tatsächliche Relevanz im Kontext sozialer Bedingungen.

7. Empirische Forschungsergebnisse: Gegenüberstellung theoretischer Erwägungen mit den Ergebnissen des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen.

8. Grundlegendes zu Prävention und Intervention: Reflexion über das Menschenbild und das pädagogische Verständnis im Umgang mit Jugendlichen in Krisen.

9. Prinzipien der Prävention und Intervention: Darstellung der Konzepte Empowerment und Milieubildung als zentrale Säulen sozialpädagogischen Handelns.

10. Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien (Coping): Fokus auf Selbstwirksamkeit und der Aufbau konstruktiver Fähigkeiten als Alternative zum destruktiven Verhalten.

11. Methoden: Zusammenfassung konkreter Angebote wie Anti-Gewalt-Trainings, Jungenarbeit und erlebnispädagogische Projekte.

12. Zum Umgang mit gewaltbereitem Verhalten Jugendlicher: Ableitung praktischer Verhaltensregeln aus der sozialpädagogischen Arbeit.

13. Die Grenzen in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen: Definition von professionellen Grenzen, bei deren Überschreitung institutionelle Maßnahmen erforderlich werden.

14. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Fragestellung hinsichtlich einer ganzheitlichen, beziehungsorientierten Jugendarbeit.

Schlüsselwörter

Jugendgewalt, Adoleszenz, Sozialpädagogik, Aggression, Gewaltprävention, Intervention, Empowerment, Milieubildung, Biografie, Handlungsfähigkeit, Coping, Männlichkeit, Delinquenz, soziale Integration, Interaktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen von Jugendgewalt bei männlichen Jugendlichen und entwickelt sozialpädagogische Ansätze zur Prävention und Intervention.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?

Im Zentrum stehen die Entstehung von Aggression, die Herausforderungen des Jugendalters, die Rolle von Jugendcliquen sowie moderne sozialpädagogische Konzepte wie Empowerment und Milieubildung.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Fragestellung der Arbeit?

Das Ziel ist es, sozialpädagogische Möglichkeiten zu identifizieren, die Jugendliche in der Adoleszenz dabei unterstützen, destruktive Gewalthandlungen zugunsten konstruktiver Bewältigungsstrategien aufzugeben.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven und Methoden werden verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus psychologischen Aggressionstheorien, dem sozialpädagogischen Ansatz der „biografischen Lebensbewältigung“ nach Böhnisch sowie aktuellen empirischen Forschungsbefunden der Kriminologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse (Theorien, Adoleszenz, soziale Einflüsse, Empirie) und einen praktischen Teil, der Prinzipien und Methoden der Prävention und Intervention, sowie die Rolle der pädagogischen Fachkraft beleuchtet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Neben Jugendgewalt und Sozialpädagogik sind Empowerment, Milieubildung, Selbstwirksamkeit und der Dynamische Interaktionismus zentrale Begriffe.

Welche Rolle spielt die „Männlichkeit“ bei der Entstehung von Jugendgewalt laut dem Dokument?

Der Autor führt aus, dass Gewalthandeln oft ein typisch männliches Bewältigungsmuster darstellt, bei dem eigene Hilflosigkeit externalisiert wird, um Stärke und Anerkennung zu demonstrieren.

Wie definiert der Autor das „Interventionsparadox“?

Das Interventionsparadox beschreibt die scheinbar unüberwindbare Kluft zwischen dem theoretischen Wissen über die psychosozialen Probleme der Klienten und der praktischen Umsetzung dieses Wissens im pädagogischen Alltag.

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Details

Title
Jugendgewalt als Krisenbewältigung
Subtitle
Eine Auseinandersetzung mit Ursachen und sozialpädagogischen Möglichkeiten der Prävention und Intervention
College
University of Applied Sciences Northwestern Switzerland
Grade
5.5
Author
Dipl. Sozialpädagoge FH Josef Epper (Author)
Publication Year
2000
Pages
62
Catalog Number
V86230
ISBN (eBook)
9783638909181
ISBN (Book)
9783638909280
Language
German
Tags
Jugendgewalt Krisenbewältigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Sozialpädagoge FH Josef Epper (Author), 2000, Jugendgewalt als Krisenbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86230
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