Hausarbeit
im Modul 3.3 des Bachelor - Studiengangs Politik und Organisation
der FernUniversität in Hagen
Thema: Hamas als politische Organisation
Eingereicht durch:
Denise Fritsch
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
3
2. HINTERGRUND DER HAMAS
4
2.1
D
IE
W
URZELN DER
H
AMAS
4
2.2
G
RÜNDUNG DER
H
AMAS
5
2.3
I
DEOLOGIE UND
Z
IELE
6
2.3.1
Z
IELE
6
2.4
D
IE
O
RGANISATIONSSTRUKTUR DER
H
AMAS
8
3. DIE FLÜGEL DER HAMAS 10
3.1
W
OHLFAHRTSWESEN
(D
A
'
WA
) 10
3.2
M
ILITÄRISCHE
A
KTIVITÄTEN
12
3.3
P
OLITISCHE
A
KTIVITÄTEN
13
4. AUSWERTUNG
15
5. FAZIT
17
LITERATURVERZEICHNIS 18
I
NTERNETQUELLEN
:
18
2
1. Einleitung
In der westlichen Welt ist die radikal-islamische Widerstandsbewegung Hamas, deren Ziel die
Errichtung eines palästinensischen Staates auf israelischem Gebiet ist, vor allem durch ihre
zahlreichen Selbstmordanschläge gegen Israelis bekannt geworden. Viele sehen die Hamas
deshalb als eine Gruppe an, die ihre Ziele mit Terror und Gewalt durchzusetzen versucht. Diese
Perspektive ist jedoch nicht richtig: Denn auch politisches Engagement und soziale Aktivitäten
zeichnen diese Bewegung aus.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll nun dargestellt werden, wie die Organisation aufgebaut
ist und mit welchen Mitteln sie ihre Ziele zu verwirklichen versucht.
Die Analyse basiert auf der inhaltlichen Auswertung von Sekundärliteratur. Dabei muss erwähnt
werden, dass die Autoren, auf die ich zurückgreifen konnte, ihre Erkenntnisse und ihr Wissen
über die Hamas nur bedingt aus Originaldokumenten dieser Bewegung ziehen konnten. Es gibt
nicht viele öffentlich zugängliche Quellen (zu nennen sind u. a. die Flugblätter, die Charta von
1988 oder das Wahlprogramm aus dem Jahr 2005), da die Hamas, wie viele Organisationen mit
terroristischem Hintergrund, kein Interesse daran hat, zu viele Informationen über ihre
Aktivitäten oder ihre Strukturen preiszugeben. So haben die Autoren, die sich mit Hamas
beschäftigt haben, v. a. auf Analysen von israelischen und amerikanischen Geheimdiensten oder
anderen Institutionen dieser Länder (CIA, FBI, Israel Security Agency (ISA)), auf persönliche
Interviews mit Hamas-Mitgliedern oder auf Mediendokumente zurückgreifen müssen (vgl. u. a.
LEVITT 2006: 7).
Um die Hamas hinsichtlich ihrer Motive und ihres Charakters darzustellen, werden zunächst die
Entstehungsgeschichte der Organisation, ihre Ideologie, ihre Ziele und ihre Organisationsstruktur
skizziert.
Im zweiten Teil der Arbeit wird es darum gehen, die drei Flügel der Hamas, den politischen, den
militärischen und den sozialen, zu untersuchen. Diese werden als die Instrumente der Hamas
angesehen, mit denen sie ihre Ziele zu erreichen versucht. Daran anschließend soll versucht
werden, einen Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Zweigen der Hamas und ihren
Zielen herzustellen.
3
2. Hintergrund der Hamas
2.1 Die Wurzeln der Hamas
Die Wurzeln der Hamas sind in der Muslimischen Bruderschaft zu finden, die bereits 1928 in
Ägypten gegründet worden ist und in den 1930er Jahren ihre Aktivitäten in die palästinensischen
Gebiete ausweitete (CROITORU 2007: 22). 1967 ist die ihre erste eigene Gemeinde in Gaza, im
Westjordanland und in Jordanien (,,Gemeinde der Muslimbrüder in Jordanien und Palästina")
errichtet worden (BAUMGARTEN 2006: 31).
Die von Hassan al-Banna gegründete Bruderschaft hat vorrangig eine ,,islamische Umerziehung
der Gesellschaft und die Stärkung der Solidarität unter Muslimen" (CROITORU 2007: 13) zum
Ziel. Ihre Weltanschauung richtet sich gegen den Säkularismus und die Moderne, die ihrer
Ansicht nach aus dem Westen importiert worden seien (BAUMGARTEN 2006: 10). Um ihre
Interessen umzusetzen, haben sie ein übergreifendes Sozialsystem aufgebaut, das Krankenhäuser,
Erziehungszentren, Schulen etc. umfasste. Diese Institutionen ermöglichen ihnen die
Einflussnahme v. a. auf die jüngere Generation (MISHAL & SELA 2000: 23).
Auch Scheich Ahmad Yassin, der spätere Hamas-Führer, hat sich bereits in jungen Jahren der
Bruderschaft angeschlossen. 1976 hat er als Führer der Muslimbrüder im Gaza-Streifen das
,,Islamische Zentrum" (al-mudschammaa al-islami) etabliert, das 1978 offiziell von der
israelischen Besatzung anerkannt worden ist. Mit der Zeit ist das Zentrum zu einer Art
Hauptquartier für die gesamte Arbeit der Muslimbrüder (BAUMGARTEN 2006: 33) geworden.
Es umfasste zunächst eine Moschee, eine Poliklinik, einen Jugendsportclub, einen Kindergarten,
eine Festhalle für muslimische Feierlichkeiten" etc. (ebd.). Nach und nach wurden von hier aus
immer mehr Moscheen und andere Institutionen der Bruderschaft kontrolliert und koordiniert
(ebd.).
Im Gegensatz zu anderen palästinensischen bzw. islamischen Organisationen (z. B. der PLO) ist
die Muslimische Bruderschaft von der israelischen Besatzung von Anfang an akzeptiert und
unterstützt worden, da sie Konfrontationen mit den Besatzern vermied und sich um die
palästinensischen Flüchtlinge kümmerte (LEGRAIN 1997: 163).
4
2.2 Gründung der Hamas
Im Dezember 1987 hat sich durch einen Verkehrsunfall, der von einem Israeli verursacht worden
ist und durch den mehrere palästinensische Arbeiter ums Leben gekommen sind, der angestaute
Hass der Palästinenser gegenüber den israelischen Besatzern in ,,explosionsartigen Unruhen"
entladen (vgl. HOFFMANN 2006: 231).
Der als ,,erste Intifada" (19871993) bekannt gewordene Aufstand gegen die Besatzung Israels
ist als eine Zäsur in der Geschichte der palästinensischen Muslimbruderschaft zu sehen. Bereits
mit der Abspaltung fanatischer Mitglieder und der Gründung des ,,Islamischen Dschihad" 1981,
einer radikalen Gruppe, die ab 1984 militärisch gegen die Besatzung agierte (vgl.
BAUMGARTEN 2006: 35, 45; JOHANNSEN 2004: 198), sahen sich die Muslimischen Brüder
der Gefahr ausgesetzt, dass sie ,,durch die aktivistischen Dschihad-Kämpfer mit ihrer enormen
Anziehungskraft v. a. auf die Jugend in Gaza zusehends marginalisiert würden"
(BAUMGARTEN 2006: 48). Dieser Druck auf die Bruderschaft hat sich mit dem Ausbruch der
Intifada verstärkt, so dass sich die Führungsspitze, u. a. Scheich Yassin, am 09.12.1987
1
dazu
entschied, ,,ihre in den achtziger Jahren im Rahmen der Aktivitäten des Islamischen Zentrums
entwickelten politischen Überzeugungen in die Praxis umzusetzen" (ebd.: 38) und eine neue
Organisation zu gründen. Zu dieser Neugründung hat man sich entschlossen, da die neue
Bewegung einen aktiven Widerstand gegen die israelische Besatzung anstrebte. Dies bedeutete
einen tief greifenden Kurswechsel der bisherigen Arbeit der Muslimbruderschaft (vgl. NÜSSE
1998: 3 und BAUMGARTEN 2006: 35). Mit dem neuen Konzept und dem neuen Namen sollte
der Muslimbruderschaft eine Türe offen gehalten werden, damit sie, falls die neue Organisation
scheitern würde, weiter in den Palästinensergebieten agieren konnte.
Erstmals in Erscheinung ist die Organisation am 14. Dezember mit einem Flugblatt, das noch mit
dem Namen ,,Bewegung des Islamischen Widerstandes" unterzeichnet ist. In diesem wird die
antisemitische Ideologie und der palästinensische Nationalismus propagiert (MISHAL & SELA
2000: 36). Diese werden von der Hamas in ihren späteren Flugblättern und in ihrer Propaganda
immer wieder aufgenommen (vgl. Kapitel 2.2). Der Name ,,Hamas" ist erstmals Mitte Februar
1988 auf dem 5. Flugblatt zu sehen. Es handelt sich um ein Akronym (steht als Abkürzung für
harakat al-Muqawama al-islamiyya) und bedeutet auf Arabisch ,,Eifer" (BEAUPAIN 2005: 83).
1
Dieser Tag wird von der Hamas als offizieller Gründungstag verstanden.
5
Am 18. August 1988 veröffentlichte die Hamas ihre Gründungscharta, die die politischen Ziele
und die Ideologie der Hamas umfasst. In dieser bezeichnet sie sich selbst als ,,Flügel der
Muslimbruderschaft" (Hamas Covenant, Art. 2).
Am Anfang der Intifada beschränkt sich die Aktivität der Hamas hauptsächlich auf das Verteilen
von Flugblättern mit propagandistischem Inhalt (BEAUPAIN 2005: 89). Während die
militärischen Aktivitäten sich im ersten Jahr der Intifada noch in Grenzen hielten (nach MISHAL
und SELA hat es zehn Anschläge gegeben), weiten sie sich im zweiten Jahr aus: Insgesamt 32
militärische Operationen können der Hamas zugeordnet werden (vgl. 2000: 57).
2.3 Ideologie und Ziele
2.3.1 Ziele
Das primäre Ziel der Hamas ist die Befreiung Palästinas von der israelischen Besatzung und die
Errichtung eines palästinensischen Staates auf dem Gebiet Israels. Dabei ist die maximale,
historische Lösung die Herstellung des Status quo ante, also ein Palästina in den Grenzen vor
dem Jahr 1948 (LEVITT 2006: 8). Seit den neunziger Jahren diskutiert die Hamas eine weitere
Lösungsmöglichkeit, die so genannte ,,Interimslösung" (BAUMGARTEN 2006: 102). Hier zeigt
die Hamas gegenüber Israel die Bereitschaft zur Konfliktlösung, indem sie ihre Forderung
insofern reduziert, dass sie nun einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 beansprucht.
Eine Zweistaatenlösung, wie sie von der PLO anerkannt würde, lehnt die Hamas ebenso ab wie
direkte Verhandlungen mit den israelischen Besatzern, da dies nach ihrer Interpretation eine
Kapitulation bedeuten würde (ebd.: 70). Auch eine Anerkennung Israels wird von der Hamas
ausgeschlossen.
Ein weiteres Ziel der Hamas ist die Re-Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft
(MISHAL & SELA 2000: vii). In ihrem Wahlprogramm von 2005/2006 propagieren sie deshalb
eine völlige Abkehr vom Westen und die Hinwendung zu den radikalen Kräften der islamischen
Staaten wie beispielsweise dem Iran (CROITORU 2007: 10).
2.3.2 Ideologie
Die Ideologie der Hamas ist islamistisch geprägt, was bedeutet, dass sie politische Forderungen
mit religiös motivierten Argumenten untermauert (BEAUPAIN 2005: 73).
Wie bereits geschildert, hat die Hamas die Zerstörung Israels und die Errichtung eines
palästinensischen Staates zum Ziel. Um Palästina von der israelischen Besatzung zu befreien,
sehen die Islamisten keinen anderen Weg als den Dschihad, den Kampf gegen Israel (ebd.: 77).
6
0 comments