Inhaltsverzeichnis
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2.1 Selbstverletzendes Verhalten allgemein
2.2 „Ritzen“ im Besonderen
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3.1 Betroffene Personen und Bedeutung des Ritzens
3.2 Gefühle vor, während und nach dem Ritzen
3.3 Umgang mit dem eigenen Problem, nachahmendes Verhalten
3.4 Auslösesituationen
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4.1 Problem des „Erwachsenwerdens“, Pubertät
4.2 Besondere Bedeutung der Menstruation
4.3 Autonomie - Abhängigkeitskonflikt
4.4 Mögliche familiäre Ursachen
4.5 Gesellschaftliche Ursachen
4.6 Ritzen in sozialen Einrichtungen
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6.1 Bewusstheit und Selbstkontrolle
6.2 Selbstentfremdung
6.3 Spaltung zwischen Körper und Selbst
6.4 Intention
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3
1 Einleitung
Ich habe Angst davor, ihn herauszulassen, Angst davor, dass er in Gewalt umschlägt. Ich schreie innerlich und wünsche mir doch so sehr, laut herauszuschreien,
Welche Umstände bringen junge Menschen dazu, sich auf diese Weise auszudrücken? Aus welchen Gründen müssen sie täglich mit solchen Gedanken und Gefühlen leben? Warum werden die Zahlen der selbstverletzenden Jugendlichen immer größer?
All dies sind Fragen, die mich seit längerer Zeit beschäftigen, nicht zuletzt deshalb, weil zwei meiner Freunde davon betroffen sind. Leider wird in der Öffentlichkeit kaum über dieses Thema berichtet, obwohl die Gruppe der sich selbst verletzenden Jugendlichen immer größer wird. Dazu muss man sagen, dass es in der Geschichte der Menschheit zu jeder Zeit Personen gegeben hat, die sich selbst Schaden zufügten, meist jedoch im Stillen. Entdeckungen wurden entweder verurteilt oder totgeschwiegen. Heute gibt es immerhin Ansätze, dieses gesellschaftliche Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und Verständnis für
1 Smith / Saradjian 2000, Seite 23, 25
4
die betroffenen Jugendlichen zu wecken. Wenn ich von Jugendlichen spreche, beziehe ich mich auf junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren, wobei ich mein Interesse fast ausschließlich weiblichen Betroffenen widme. Es gibt zwar auch junge Männer, die sich selbst verletzen, diese bilden jedoch eher die Ausnahme.
In dieser Arbeit möchte ich mich genauer mit den Ursachen, dem Vorgang und der Psychodynamik von selbstverletzendem Verhalten bei Jugendlichen auseinandersetzen. Den Schwerpunkt möchte ich dabei auf das Phänomen des „ Ritzens“ , also des Verletzens der eigenen Haut legen.
Ich hoffe, mit dieser Arbeit das Bewusstsein und auch das Verständnis des Lesers für dieses sehr aktuelle Thema zu wecken und auch ein wenig zum Nachdenken anzuregen, denn es muss sich in unserer Gesellschaft dringend etwas ändern, wenn wir in Zukunft nicht verstärkt mit diesen oder ähnlichen, neuen oder bekannten Problemen konfrontiert werden wollen.
2 Begriffsklärung
2.1 Selbstverletzendes Verhalten allgemein
Neben der Bezeichnung selbstverletzendes Verhalten werden noch folgende Begriffe häufig verwendet: Autoaggression, symbolische Verletzung, Para - suizid, selbstzerstörerisches oder selbstschädigendes Verhalten. Man versteht darunter aggressive Verhaltensweisen, die der Betroffene jedoch nicht nach außen, sondern gegen sich selbst richtet. Der eigene Körper wird also physisch gereizt oder geschädigt. Autoaggressivität kann unter anderem der Selbststimulation, Körperwahrnehmung, Autoerotik oder der Verletzung des Interaktionspartners dienen. 2 Dabei ist die Verletzung des eigenen Körpers nicht unbedingt vorrangiges Ziel, obwohl sie durchaus angenehmen Charakter für den Betroffenen haben kann
- sie kann in diesem Fall als „ weniger unangenehme Konsequenz“ 3 bezeichnet werden. Selbstverletzende Verhaltensweisen haben meist einen reflexähnlichen Ablauf, wobei die Kinder oder Jugendlichen eine gesenkte oder wechselnde Schmerzempfindung und Körperwahrnehmung haben. Selbsterhaltende Instinkte und Selbstkontrollmechanismen funktionieren nicht mehr, Bewusstheit oder kognitive Steuerung ist kaum noch vorhanden.
2 vgl. Rohmann / Hartmann 1988, Seite 12
3 Rohmann / Hartmann 1988, Seite 14
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Die autoaggressiven Verhaltensweisen können also durch eigene Anstrengungen teilweise nicht oder kaum mehr kontrolliert werden. Man unterscheidet hierbei drei Schweregrade:
OHLFKWH$XWRDJJUHVVLRQ keine sichtbaren Verletzungen, erkennbarer Situationsbezug
(Wut, Überforderung, Verweigerung); ein Beispiel hierfür wäre das Schlagen mit der flachen Hand.
PLWWOHUH $XWRDJJUHVVLRQ sichtbare Verletzungen, teilweise automatisiert, kommen
intensiver und häufiger zum Ausdruck. Hierunter fallen zum Beispiel Beißen, Kratzen, Zwicken der Haut und kräftiges Schlagen.
VFKZHUH $XWRDJJUHVVLRQ selbstverletzendes Verhalten ist sehr intensiv und kommt
ohne Grund vor, ist stark automatisiert und ohne jegliche Kontrolle. Verletzungen sind lebensbedrohlich, zum Beispiel Schlagen gegen scharfe Kanten, Stechen der Finger in die Augen etc...
Weitere Formen können sein: Schneiden, Stechen, Aufkratzen der obersten Hautschicht, (Nägel) Kauen, Nagen, Aufbeißen der Mundschleimhaut, regelmäßiges Abzupfen von Wundschorf, Verbrennen der Haut oder Verätzen mit Chemikalien, Ausreißen der Körperbehaarung, heftiges Schlagen, Abschnüren einzelner Körperteile, Einnahme geringer Mengen giftiger Substanzen. 4
2.2. „ Ritzen“ im Besonderen
Unter Ritzen versteht man jenes selbstverletzende Verhalten, bei dem mit scharfen Gegenständen in die eigene Haut geschnitten wird. Häufig verwendete Gegenstände sind zum Beispiel Messer, Rasierklingen, Nadeln, Scherben, Splitter oder scharfes Plastik. Die Verletzungen reichen von leichten Kratzern bis hin zu tiefen Schnittwunden, die teilweise ärztlich versorgt werden müssen. Es kommen großflächige, eher oberflächliche Verletzungen bis hin zu wenige, sehr tiefe Schnitte vor.
Das Ritzen kann alle Körperregionen betreffen, wobei an Armen und Beinen am häufigsten geritzt wird.
4 vgl. Smith / Saradjian 2000, Seite 16
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Manchmal werden auch Worte wie zum Beispiel „ Hass“ oder „ Tod“ eingeritzt. Weitere Bezeichnungen für „ Ritzen“ sind Schnibbeln, Schneiden, Schlitzen oder englisch „ selfcutting“ .
Ich werde in dieser Arbeit hauptsächlich den Begriff „ Ritzen“ verwenden.
3 Ritzen - erste Auseinandersetzung
3.1 Betroffene Personen und Bedeutung des Ritzens
Das Phänomen des Ritzens tritt hauptsächlich in der Jugendphase auf, das heißt also von 14 bis 24 Jahren. Betroffen sind meistens Mädchen, nur knapp 20% aller ritzenden Jugendlichen sind männlichen Geschlechts. Die Jugendlichen haben in ihrem Leben, meist schon in der Kindheit, Erfahrungen gemacht oder bestimmte wichtige Erfahrungen nicht gemacht, die es ihnen erschweren oder unmöglich machen, in der Pubertät und Adoleszenz mit Konflikten und Problemen angemessen umzugehen. So haben viele seelische oder körperliche Gewalt erfahren, sind Opfer sexuellen Missbrauchs oder Zeugen von Gewaltszenen. Bekommen Kinder oder Jugendliche nach solchen Vorfällen nicht die richtige Unterstützung kommt es meist zur Bildung von Traumata, deren Auswirkungen dann erst später (im Jugendalter) zu erkennen sind. Sie haben keine Möglichkeiten, ihre Gefühle auf „ normale“ Art und Weise auszudrücken. Sie lösen ihre Anspannung durch körperliche Gewalt gegen sich selbst und machen damit für sich positive Erfahrungen. So wird es sehr schwierig für sie, dieses Verhalten wieder aufzugeben wenn sie nicht professionelle Hilfe erhalten. Dabei gibt die Tiefe der zugefügten Wunden Hinweise auf die Ausweglosigkeit und Unerträglichkeit der Situation in der sich die Betroffenen befinden. 5
Die ritzenden Jugendlichen wählen bewusst Körperstellen aus, die dann entweder so gut wie nie entdeckt werden (zum Beispiel Bauch, Oberschenkel, Brust) oder die sie mit Ärmeln bedecken können (zum Beispiel Arme), und wahlweise provozierend zeigen können. Selten wird im Genitalbereich geritzt, was dann eine tiefe Ablehnung der eigenen Fraulichkeit anzeigt.
5 vgl. Teuber 1998, Seite 49
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Arbeit zitieren:
Jessica Kiss, 2002, Selbstverletzung bei Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung des Ritzens, München, GRIN Verlag GmbH
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Selbstverletzung bei jungen Frauen und Mädchen - Ritzen
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anica schön
ich habe eine freundin die sich weh tut zum bei speil ritzen und ich weis echt nicht wie ich mich ver halten so weil es mir einfach weh tun was soll ich nur tun
am Saturday, January 01, 2011-