Der Wandel des Wohnens
von Martin Runkel
Inhalt
Vorwort 2
1. Die Herausbildung modernen Wohn- und Lebensweise 5
Das vormoderne "ganze Haus" 5
Das moderne Wohnen. 6
2. Wohnen und Arbeiten 8
3. Individualisierung im Privaten 10
4. Neue Haustypen 12
Single und Einpersonenhaushalte 13
Nichteheliche Lebensgemeinschaften 13
Alleinerziehende 13
Wohngemeinschaften 14
5. Zwischen Bindungslosigkeit und Differenzierung 16
6. Politisch-soziologische Konsequenzen 19
Quellenverzeichnis 23
Vorwort
,,Zeige mir wie Du wohnst, und ich sage Dir, wer Du bist". Dieses Sprichwort könnte als Motto vor einer rein soziologischen Analyse des Wohnens und der Wohnung stehen, kann doch, im Sinne Norbert Elias′, ,,der Niederschlag einer sozialen Einheit im Raume, der Typus ihrer Raumgestaltung eine handgreifliche, eine - im wörtlichen Sinne - sichtbare Repräsenta-tion ihrer Eigenart" sein. Die Beschreibung des Wohnens der Gesellschaft ließe demnach Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Organisation zu, über die Verteilung des Reichtums, über den Grad der Urbanisierung, über familiäre Strukturen und viele andere, ähnlich dispara-te Themenbereiche.
Wohnen ist ein existentielles Grundbedürfnis des Menschen und in einem ständigen Wandel. Als eine mögliche Definition sei folgende angeführt: ,,Wohnen als elementare Erscheinungs- und Ausdrucksform menschlichen Seins umfasst alle die Tätigkeiten und Verhaltensweisen, die regelmäßig an einem bestimmten Ort stattfinden" . Die Wohnung, das "Dach über dem Kopf", hat zunächst sowohl physische, als auch soziale und sozialpsychologische Schutzfunk-tion: vor Witterungseinflüssen, vor Gefahren aller Art, vor Mitmenschen - gleichgültig ob Freund oder Feind, vor neugierigen Blicken usw. Doch gerade dieser Aspekt des Wohnens als Grundbedürfnis kann nicht im Zentrum einer soziologischen Analyse stehen, vermag er doch die historischen, interkulturellen und innergesellschaftlichen Differenzen der Wohnweisen der Menschen eben nicht zu erklären, sondern verweist lediglich darauf, dass alle Menschen wohnen, was banal ist. Eine Analyse, die sich auf neuartige Tendenzen in Wohn- und Le-bensweise bezieht, muss daher die historischen Bedingungen der jeweiligen Gesellschaften notwendig mit einbinden.
Themenstellung dieser Arbeit ist daher vor allem die soziologische Perspektive, die aber auch die ökonomischen und vor Allem die demographischen Bedingungen des Wohnens, in der gegenwärtigen Situation, mit einbeziehen muss. Der wohnungswirtschaftliche Sektor hat eine Reihe von Besonderheiten, die zur These des Marktversagens führen: ,,Der Markt kann je-doch eine angemessene Wohnungsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere für die einkommensschwächeren und die Bevölkerungsgruppen, die sozialen Diskriminierungen ausgesetzt sind, nicht gewährleisten" . Aus diesem Grunde, ist neben der sozialpolitischen, auch die ökonomische Komponente zu beachten. Der Staat ist in der sozialen Marktwirtschaft Deutschlands verantwortlich für eine angemessene Versorgung der Gesellschaftsmitglieder mit nicht substituierbaren Versorgungsgütern - in diesem Falle mit dem Wohnraum. Er greift also soweit in das Marktgeschehen ein, wie es nötig erscheint, um allen ein Minimum zu si-chern, ohne dabei aber den Marktmechanismus außer Kraft zu setzen! Er steht bei seinen so-zialpolitischen Eingriffen also im Spannungsfeld zwischen sozialpolitischer Verantwortung und ordnungspolitischer Zurückhaltung. Wie wird sich der Sozialstaat in Zukunft diesen Auf-gaben gerecht werden können?
Noch aus einem weiteren Grund lässt sich das Thema nicht eindimensional betrachten. Neben der Frage nach den Bauformen im Rahmen einer historisch-komparativen Analyse geht es stets um die räumliche Anordnung und Einbindung der Gesellschaft in den Wohnraum auf der Mikroebene von Wohnhäusern und Wohnungen.
Obwohl der moderne Typus des kleinfamiliären und privaten Wohnens das Produkt einer lan-gen Entwicklung ist, lässt sich diese, in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mani-festierte, Wohnform nicht ohne weiteres auf die heutige Zeit projizieren. Bis in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts lässt sich eine Verengung der Wohnweisen ausmachen, die sich in der Folgezeit permanent ausdifferenziert haben. Diese, keineswegs abgeschlossene Entwicklung zu neuen Wohntypen und -weisen soll in dieser Hausarbeit aufgezeigt werden.
Aus der Themenbeschreibung ergibt sich der Aufbau dieser Arbeit: Am Anfang steht eine kurze Beschreibung der historischen Entwicklung des Wohnens und der Wohnung, an die sich die Darstellung eines sozialen, politischen und ökonomischen Wandels der Wohnweisen, aus-gehend von der gegenwärtigen Situation, anschließt. Abschließend sollen mögliche politische Konsequenzen aus den aufgezeigten Befunden gezogen werden
Worpswede, im Dezember 2002 Martin Runkel
1. Die Herausbildung moderner Wohn- und Lebensweisen
[...]
Arbeit zitieren:
Martin Runkel, 2002, Der Wandel des Wohnens, München, GRIN Verlag GmbH
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