Inhaltsverzeichnis
(LQOHLWXQJ
'HU'HIHQVLEOH6 SDFH QVDW YRQ2 VFDU1 HZPDQ
Zur Person von Oscar Newman
'HU'HIHQVLEOH6 SDFH QVDW
/ VXQJVYRUVFKOlJHYRQ2 VFDU1 HZPDQ
8 QWHUVXFKXQJHQLQ'HXWVFKODQG
'HU'HIHQVLEOH6 SDFHDXV7lWHUVLFKW
XVDPPHQIDVVXQJ
/LWHUDWXUYHU HLFKQLV
2
1. Einleitung
„Gropiusstadt, das sind Hochhäuser für 45 000 Menschen, dazwischen Rasen und Einkaufszentren. Von weitem sah alles neu und gepflegt aus. Doch wenn man zwischen den Hochhäusern war, stank es überall nach Pisse und Kacke (F. 1981, S. 16). Man lernte in Gropiusstadt einfach automatisch zu tun, was verboten war. Verboten war, irgendetwas zu spielen, was Spaß machte. Es war überhaupt eigentlich alles verboten (...) wir durften also nur auf den Spielplatz. Der bestand aus verpissten Sand und ein paar kaputten Klettergeräten und natürlich einem Riesenschild“ (F. 1981 S. 23). So beschrieb Christiane F. in ihrem Buch: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo die Betonstadt, Gropiusstadt, in Berlin in der sie aufwuchs. Dieses Beispiel zeigt, ebenso wie neuere Untersuchungen, dass der Hochhausbau nicht für Kinder geeignet ist, sondern dass er möglicherweise kriminalitätsfördernde Wirkung haben kann (Schwind 1998, S. 306).
Auf der Suche nach den Ursachen für Wohnkriminalität, erhielt die Wissenschaft Anstoß von Oscar Newman, einen Architekten. Er untersuchte in New York die Kriminalitätsbelastung von Hochhäusern und kam zu dem Ergebnis, dass die Kriminalitätsrate nahezu proportional zur Gebäudehöhe steigt (Newman 1972, S. 27).
2. Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman
2.1 Zur Person von Oscar Newman
Oscar Newman ist ein international bekannter Architekt und Städteplaner. Er wurde am 30. September 1935 in Montreal, Kanada geboren. 1959 graduierte er von der McGill Universität in Montreal in den Fächern Architektur und Städteplanung. Zwischen 1959 und 1961 führte er sein Studium in Europa, hauptsächlich in den Niederlanden, weiter. 1972 nahm Newman die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Oscar Newman wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. 1974 mit dem Berlin Prix des Futura Film Festivals für eine Dokumentation über das Wohnen. Er ist Präsident des Institute for Community Design Analysis, das Untersuchungen zur Wohnpolitik in den USA im Auftrag der Regierung
3
durchführt. Vor der Gründung des Instituts, war Newman Professor an verschiedenen Universitäten in den USA.
Seine Bücher Defensible Space und Community of Interest haben geholfen, die Wohnpolitik in den USA aber auch in Europa maßgeblich mitzugestalten. 1995 wurde Oscar Newman vom Law Enforcement News zum Mann des Jahres gewählt. Oscar Newman lebt mit seiner Frau Irene Koning in Henderson, New York (www.defensiblespace.com).
2.2 Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman
Nach dem 2. Weltkrieg wurden u.a. in New York turmartige Wohnsilos erbaut. Diese Wohnsilos machten es möglich den knappen und daher teuren Wohngrund ökonomisch sinnvoll zu nutzen (Schwind 1998, S. 313). Der Nachteil war aber, dass diese Wohnsilos nicht den Bedürfnissen der Bewohner entsprachen. Den Bewohnern war es nicht möglich sich mit den Silos zu identifizieren. Den sie hatten keine Möglichkeiten ihre Wohnumwelt mitzugestalten oder sie nach der Erbauung nach ihren Wünschen zu verändern. Die Wohnsilos machten bald den Eindruck von Slums, denn die Bewohner, deren Freunde und Bekannte begannen die Gebäude zu zerstören. Briefkästen, Lampen, und Fenster wurden zerstört. Wände und Fahrstühle wurden mit Parolen beschmiert (Schwind 1998, S.313). Oscar Newman begann sich für dieses Problem als Architekt zu interessieren. Innerhalb von 3 Jahren hatte eine Forschungsgruppe der New York Universität, die sich Project for Security Design of Urban Residential Areas nannte, zusammen mit Newman Wohnprojekte in den Großstädten der USA untersucht. In diesen Städten machte man sich die Mühe das Wohnen von allen Einkommensgruppen zu untersuchen um die Ergebnisse hinterher miteinander vergleichen zu können. Verschiedene Untersuchungstechniken wurden benutzt, unter anderem auch Interviews mit Bewohnern und Hausmeistern der jeweiligen Wohnprojekte. Ebenso wurden Interviews mit der Polizei geführt. Wenn es Aufzeichnungen gab über Verbrechen, Vandalismus, und Instandhaltungskosten wurden diese auch für die Untersuchung verwendet. In New York City waren die Ergebnisse am detailgenauesten und am vollständigsten zusammen getragen worden. Das lag daran, dass die 169 Wohnprojekte in New York City, welche 150 000 Wohneinheiten mit insgesamt 528 000 Bewohnern haben, ausführliche, computerisierte Daten über ihre Mieter, deren Alter, Einkommen und wie viele Jahre sie schon dort wohnen, angelegt haben. Diese 169 Wohnprojekte werden von der New
4
York City Housing Authority verwaltet, die auch ein eigenes Polizeiaufgebot mit ca. 1 600 Polizisten beschäftigt. Die Polizisten halten jedes Verbrechen, jede Zerstörung und auch jede Beschwerde in ausführlichen Berichten fest. Diese Berichte beschreiben nicht nur genau das Verbrechen oder die Beschwerde, sondern auch den genauen Ort innerhalb des Wohngebietes. Aufgrund dieser Daten war es möglich, die gefährlichsten und gefährdeten Orte der Gebäude zu finden und mit anderen Gebäuden zu vergleichen.
Ein weiterer Grund warum die Housing Authority sich für Newmans Untersuchung eignete, war, dass die Housing Authority vom 2-Etagen-Reihenhaus bis zum Hochhaus mit 30 Etagen über fast alle Gebäudetypen verfügte.
Um festzustellen, in wie weit der Entwurf eines Gebäudes für die Kriminalitätsrate, in eben diesen Gebäuden verantwortlich ist, müssen auch andere Faktoren, die die Kriminalität beeinflussen (z. B. Alter, Einkommen, Familienhintergrund) in Betracht gezogen werden. Um den Einfluss der Wohnumwelt auf Kriminalität zu ermitteln, braucht es Vergleiche mit Wohnumgebungen in denen die sozialen Charakteristiken der Bewohner so konstant wie möglich sind: die einzige Abweichung ist die Form der Gebäude in denen die Bewohner wohnen.
Um das Problem der Wohnkriminalität zu lösen, müssen Nachbarn Hand in Hand arbeiten und wenn das Gebäudedesign helfen kann dieses Problem zumindest einzudämmen, muss es auch genutzt werden (Newman 1972, S. 1). Das Kriminalitätsproblem wird nicht durch Waffen und ein größeres Polizeiaufgebot gelöst. Denn ein kleines Polizeiaufgebot ist nicht die Wurzel der Kriminalität. Die Häuser und ihre schlechte Architektur, die Kriminalität begünstigen, tragen zur Kriminalität bei und das ist auch der Punkt wo Defensible Space ansetzt. Wenn die Polizei ohne Unterstützung der zu schützenden Hausbewohner arbeitet und nicht mit ihnen zusammen, dann wird die Polizei eher als störend und nicht helfend empfunden (Newman 1972, S. 1).
Ein Gebiet kann, dank Architekten und Design, von Bewohnern und Fremden gesehen werden, als wäre es unter Einfluss einer bestimmten Gruppe entstanden, die auch vorschreibt, welche Aktivitäten dort stattfinden und wer daran Anteil hat (Newman 1972, S. 3).Das kann so unmissverständlich klar gemacht werden, dass sich Bewohner selbstsicher fühlen, sie aber dennoch das Kommen und Gehen anderer Menschen, die nicht im Gebiet wohnen, kritisieren um auch weiterhin die Sicherheit ihres Wohngebietes garantieren zu können. Ein Defensible Space ist eine Wohnumwelt, die von ihren Bewohnern zur Verbesserung des Wohnens genutzt wird, während sie gleichzeitig Sicherheit für die Familien, Nachbarn, und Freunde bietet. Defensible Space ist ein stellvertretendes Wort für eine Reihe von
5
Arbeit zitieren:
Yvonne Dewerne, 2001, Defensible Space, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Konzept der Interaktionsmedien bei Talcott Parsons und Jürgen Habe...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Megastädte in der Dritten Welt
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 22 Seiten
Methoden der systemischen Therapie und Beratung
Psychologie - Beratung, Therapie
Hausarbeit, 17 Seiten
Handeln und Sprechen im Rahmen der systemischen Therapie und Beratung
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Seminararbeit, 26 Seiten
Yvonne Dewerne hat den Text Defensible Space veröffentlicht
Yvonne Dewerne hat einen neuen Text hochgeladen
Evolutionary Acquisition: Implementation Challenges for Defense Space ...
Mark A. Lorell, Julia F. Lowell, Obaid Younossi
Review of the U.S. Department of Defense Air, Space, and Supporting In...
Committee on Review of the U S Departmen, Air and Space Systems Science and Techno, National Research Council
Seize the High Ground: The U.S. Army in Space and Missile Defense
James Walker, Lewis Bernstein, Sharon Lang
In Defense of Japan: From the Market to the Military in Space Policy
Saadia M. Pekkanen, Paul Kallender-Umezu
Proceedings of a Conference he...
Franco Ghione, Christian Peskine, Edoardo Sernesi
Ein Leitfaden für die Praxis
Harrison Owen, Maren Klostermann, Sabine Burkhardt
0 Kommentare