Universität Potsdam
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Sommersemester 2004
Einführung in die Organisations- und Verwaltungssoziologie
Hausarbeit
Kontrolle der Bürokratie
Stefan Meißner
September 2004
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
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Die idealtypische Bürokratie nach Weber
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2.1
Der Idealtypus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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2.2
Bürokratie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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3
Überlegenheit und Verselbständigungstendenzen
4
4
Mögliche Lösungen
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4.1
Webers Lösungsvorschläge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
4.2
Erweiterungen und Alternativen mit Renate Mayntz . . . . . . . . .
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5
Fazit
10
Literatur
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Sämtliche Berufsbezeichnungen im folgenden Text (Beamter, Parteiführer, Politiker . . . ) sind geschlechtsneutral gemeint,
sie schließen ihre weiblichen Pendants mit ein.
ii
1 Einleitung
Gibt man in die Nachrichtensuchmaschinen von Google oder Yahoo den Begriff
,,Bürokratie" ein, so wird man mit ungefähr 1000 Meldungen überflutet. Über-
schriften wie ,,Bürokratie-Chaos findet kein Ende" (Eschbach u. Grass 2004),
,,Bürokratie schadet dem Standort" (Panitz 2004), ,,Platzeck fordert radikalen
Bürokratie-Abbau" (dpa 2004) stimmen ein im Chor derer, für die die Bürokratie
eines der Grundübel und Hemmnisse der modernen Gesellschaft darstellt: Eine
Flut von Vorschriften, Regeln und Anträgen steht einem vor dem geistigen Au-
ge, dazu kommen dann noch riesige Behörden, in denen ein teures Beamtenheer
jede Selbständigkeit des Bürgers im Keim zu ersticken droht. So der allgemeine
Tenor. Nach positiven Meldungen über die öffentliche Verwaltung kann man für
gewöhnlich lange suchen. Und sollte man doch fündig werden, so sicher deshalb,
weil ,,unbürokratisch" gehandelt wurde.
Zweifellos lässt sich feststellen, dass unser Leben durch bürokratische Organi-
sationen geprägt wird. Dazu gehören in erster Linie natürlich staatliche Institu-
tionen und Behörden, aber auch im privaten Bereich vor allem bei großen Firmen
ist immer auch ein nicht zu vergessender Teil der Beschäftigten mit Verwaltung
der betreffenden Organisation beschäftigt. Sie ermöglichen erst unser modernes
Leben und auch die moderne Herrschaft. Jede Regierung ist heute auf die Büro-
kratie angewiesen, weil ohne sie keine Steuern erhoben, keine Sozialleistungen
erbracht, keine öffentliche Sicherheit, keine erlassenen Regeln durchgesetzt wer-
den könnten. Nur durch bürokratische Verwaltung kann heute regiert werden.
Man kann also durchaus sagen, dass das eigentliche Ziel einer Verwaltung, Herr-
schaft durchzusetzen.
Jetzt stellt sich aber die Frage: Wessen Herrschaft? Die Herrschaft der Verwal-
tung selbst? Eine Antwort fällt gar nicht so einfach. Müsste man sie bejahen,
dann bliebe die Frage nach ihrer Legitimation in einer demokratischen Gesell-
schaft beziehungsweise wäre es fraglich, ob dann die Gesellschaft noch eine de-
mokratische ist. Historisch ist die Bürokratie gewachsen als ein Instrument im
Dienste seines Herrn, was heute die demokratisch gewählte Regierung ist.
Um diesen Aspekt dreht sich die vorliegende Arbeit. Sie möchte beantworten,
wie die Bürokratie Mittel bleibt und nicht Herrscher wird. Wie kann man die Ver-
waltung kontrollieren beziehungsweise diese Kontrolle institutionell absichern?
Auf dem Weg zur Beantwortung dieser Frage, wird im Abschnitt 2 darauf ein-
gegangen, was es nach Max Weber bedeutet, wenn eine Verwaltung ,,bürokra-
tisch" handelt. Anschließend soll im Teil 3 auf die Verselbständigungstendenzen
einer Bürokratie behandelt werden, während im Teil 4 darauf verwiesen wird,
1
welche Modelle der Kontrolle Max Weber
1
und Renate Mayntz entwickelten.
2 Die idealtypische Bürokratie nach Weber
2.1 Der Idealtypus
Der Bürokratiebegriff Max Webers, der im folgenden dargestellt wird, ist ein Bei-
spiel für sein Konzept des Idealtypus. Gleichzeitig ist dies ein Punkt an dem
sich viele Missverständnisse gegenüber seinen Überlegungen entzündeten (vgl.
Mayntz 1968, S. 28). Weber ging es nicht darum, die Wirklichkeit möglichst genau
abzubilden. Sein Hauptziel waren möglichst eindeutige, klare Begriffe, die durch
Abstraktion erreicht werden. Für reine Begriffe benötigt die Soziologie Idealty-
pen, die gewonnen sind durch ,,einseitige Steigerung eines oder einiger Gesichts-
punkte und durch Zusammenschluß einer Fülle von [. . . ] Einzelerscheinungen,
die sich [. . . ] zu einem in sich einheitlichen Gedankenbilde"
2
(Weber 1988b, S. 191)
fügen. Man sucht also von einem Phänomen (im vorliegenden Fall die Büro-
kratie) bestimmte Merkmale, zum Beispiel das Arbeiten auf Aktenbasis. Dieses
Merkmal wird jetzt besonders betont und mit anderen so übersteigerten und ab-
strakt gewordenen Merkmalen zusammengeschlossen. Damit werden diese Ide-
altypen natürlich realitätsfremd und utopisch. Ziel ist es, mit diesen Idealtypen
in die Wirklichkeit zu gehen und dort konkrete Ereignisse und Dinge zu betrach-
ten, die anhand ihres Abstandes zum Idealtyp eingeordnet werden. Daher ist
es für letztere umso besser, je schärfer, eindeutiger und auch realitätsfremder sie
konstruiert sind (vgl. Weber 1980, S. 9f.).
Damit ist Webers Bürokratiebegriff keine Definition und auch keine empirische
Beschreibung. Es ist die Darstellung, was theoretisch an Merkmalen zu finden
sein müsste, wenn man die wahre und reine Bürokratie charakterisieren möchte.
2.2 Bürokratie
Diese Bürokratie hat nach Max Weber idealerweise folgende Merkmale (vgl. We-
ber 1980, S. 650f.):
1. In einer Bürokratie sind die Tätigkeiten, Kompetenzen und Befehlsgewal-
ten durch Gesetze oder Verwaltungsvorschriften fest verteilt und die
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Die Darstellung beschränkt sich im wesentlichen auf den Aufsatz ,,Parlament und Regierung
im neugeordneten Deutschland", obwohl Weber im Zuge der Verfassungsdiskussion 1919 u. a.
für einen plebiszitären Präsidenten plädiert. Dies begründet er beispielsweise in (Weber 1988c,
S. 500) mit einem notwendigen gegenseitigen Austarieren der Verfassungsorgane.
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Hervorhebungen im Original
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