Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Musik 4
2 Die Identität musikalischer Werke 7
2.1 Das Identitätsprinzip 7
2.2 Die Musikalische Idee und das Werk 9
2.2.1 Die Musikalische Idee 9
2.2.2 Werke 10
2.3 Tonträger 13
3 Ästhetik 16
3.1 Die Musik und das Ding an sich 16
3.1.1 Die Musikalische und die Platonische Idee 17
3.2 Absolute Musik 18
3.2.1 Vokal- und Programmmusik 21
Schluss 22
Literaturverzeichnis 23
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Einleitung
In dieser Hausarbeit möchte ich versuchen, das Phänomen Musik anhand zweier Ka-tegorien zu beleuchten. Die erste dieser Kategorien ist die Art und Weise, in der uns musikalische Werke heute begegnen können und die damit verbundene Frage nach der Identität musikalischer Werke, also danach, was sie uns eben als ein bestimmtes Werk und nicht als ein anderes erkennen lässt. Die zweite Kategorie fällt in den Bereich der Ästhetik und der musikalischen Reflexion.
Da es sich bei Musik um akustische Ereignisse handelt, muss zuerst untersucht bzw. definiert werden, was genau ein akustisches Ereignis zur Musik macht und wie sich dieses manifestiert. Im ersten Kapitel gebe ich eine solche Definition unter Berücksichtigung des Ursprungs sowie der physikalischen Größen des Klangereignisses selbst. Das zweite Kapitel widmet sich dann der Frage nach der Identität musikalischer Werke, ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Die Ästhetik, die im dritten Kapitel behandelt wird, basiert auf den ästhetischen Überlegungen Arthur Schopenhauers, wie sie in „Die Welt als Wille und Vorstellung“ dargelegt wurden und führt diese weiter.
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1 Musik
In diesem Kapitel möchte ich zunächst in etwas allgemeinerer Form das beleuchten, was im weiteren Verlauf der Arbeit als Musik bezeichnet wird. Allgemein ausgedrückt könnte Musik als zeitliche Folge einzelner oder mehrerer akustischer Ereignisse definiert werden. Nun wird sicherlich jeder zustimmen, wenn man das Geräusch eines umfallenden Baumes für sich genommen noch nicht als Musik bezeichnet. Allerdings gibt es Strömungen in der klangschaffenden Gesellschaft, Gräusche natürlicher Ereignisse wie z.B. das Gezwitscher von Vögeln oder das Rauschen des Meeres in den Zusammenhang eines Werkes aufzunehmen. Ton und Geräusch sind wohl definiert, als solche auch meistens gut zu auszumachen und voneinander zu trennen; ein Teil von Musik können sie beide sein. Was nun das für sich stehende Geräusch des umfallenden Baumes als solches von der Musik ausschließt, ihr andererseits aber auch einverleiben kann, ist die Absicht des Klangschaffenden. Die Geräusche des Meeres und des umfallenden Baumes können erst dann zur Musik gezählt werden, wenn eine Absicht es schafft, das akustische Ereignis vom körperlichen zu trennen. Denn das Meer rauscht nicht um des Rauschens willen, so wenig wie ein Vogel zum Selbstzwecke zwitschert. Ein Komponist kann allerdings das Meeresrauschen, das Vogelgezwitscher oder das Geräusch des umfallenden Baumes aufnehmen und durch Weiterverarbeitung zu Musik machen. Es muss also die oben formulierte Definition von Musik dahingehend erweitert werden, dass sie mit Absicht wegen des Klanges an sich geschaffen sein muss. Fünf Parameter sind es, die sich in der Musik finden lassen und die, je nach Ausprägung, den Charakter einer Musik ausmachen. Sie lassen sich von den physikalischen Größen eines Tons - und bedingt auch eines Geräusches - Dauer, Frequenz und Amplitude ableiten. Das Aneinanderreihen unterschiedlicher bzw. gleicher Tondauern
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ergibt einen Rhythmus, die Gleichzeitigkeit von Frequenzen Harmonie und das Auftreten verschiedener Amplituden bezeichnen wir als Dynamik. Aus der Kombination von Tondauer und Frequenz entsteht Melodie. Der fünfte Parameter schließlich setzt sich aus der Harmonie und der Melodie zusammen: Die Polyphonie. Der ursprünglichste und ebenfalls allumfassendste dieser Parameter ist der Rhythmus. Ausgehend vom Metrum, bildlich dem Pulsschlag der Musik, ist er es, der den zeitlichen Ablauf einer Musik organisiert. Sie ist ohne ihn nicht möglich. Seit der Erfindung der Musik wird an ihm variiert und herumexperimentiert und Schwerpunkte werden ebenso auf seine einfachste Erscheinungsform gelegt wie auf die Bestrebungen, ihn aus der Musik (zumindest klanglich) zu verbannen. Sein Naturell macht jedoch seine Verbannung unmöglich, bzw. wäre eine Musik ohne einen Rhythmus, also ohne die Organisation der Abläufe akustischer Ereignisse in der Zeit, keine Musik. Diese kann sich zumindest jeweils einer der anderen Parameter entledigen und noch als Musik gelten. Den Rhythmus kann sie jedoch nicht ablegen, ohne sich ihrer eigenen Grundlage zu berauben.
Der Parameter Harmonie erfasst diejenigen akustischen Ereignisse, die in der Musik gleichzeitig geschehen. Durch Überlagerungen verschiedener Frequenzen bilden sich zwei Formen der Harmonie heraus. Auf der einen Seite diejenige, welche den tonalen Charakter, auf der anderen Seite diejenige, welche die Klangfarbe eines akustischen Ereignisses beschreibt. Beides sind Ergebnisse ein und desselben Phänomens, der Gleichzeitigkeit von Frequenzen. Der Ton a hat auf einer Violine oder auf einem Klavier gespielt die selbe Tonhöhe, die Klangfärbungen aber sind unterschiedlich. Verschiedene Frequenzen, die zusammen mit der Grundfrequenz des Tones a mitschwingen, sich aus ganzzahligen Vielfachen bzw. Teilern der Grundfrequenz zusammensetzten und z.B. im Klangkörper des jeweiligen Instrumentes entstehen, ergeben je nach unterschiedlicher Dominanz eine andere Klangfarbe. (Ein Ton, der nur aus einer einzelnen Frequenz besteht, wird als Sinuston bezeichnet.) Der Teil der Harmonie, der sich mit der Gleichzeitigkeit der Grundfrequenzen befasst und sich somit auf den tonalen Charakter von Zusammenklängen bezieht, ist die Harmonik. Geprägt ist sie von Begriffen wie Dur und Moll, Konsonanz und Dissonanz, Tonalität bzw. Atonalität. Alles Begriffe, die
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zu dem Zweck geschaffen worden sind, die Zusammenhänge verschiedener akustischer Ereignisse zu beschreiben, die auf den Überlagerungen von Grundfrequenzen beruhen. Die Dynamik, also das Auftreten verschiedener Lautstärken in der Musik, ist der Parameter, der, allgemein gesprochen, den Faktor des „musikalischen Audrucks“ wesentlich mitbestimmt.
Wenn von der Melodie als Kombination von Dauer und Frequenz die rede ist, dann denkt man bei Frequenz wohl zuerst an die Variation der Grundfrequenzen, weil einem wohl ein rhythmischer Verlauf verschiedener Tonhöhen als die erste Assoziation mit dem Begriff Melodie vor Ohren tritt. Ob die rhythmische Variation einzig der Klangfarbe, ohne eine Veränderung des Grundtones, als Melodie gewertet werden kann, möchte ich an dieser Stelle ausklammern.
Die Polyphonie schließlich bildet einen akustisch komplexeren Parameter, weil er sich aus mindestens zwei der bereits besprochenen Parameter und nicht nur aus dessen „urgrößen“ zusammensetzt. Polyphonie als „Mehrstimmigkeit“, also z.B. als zwei parallel ablaufende musikalische Stimmen, bildet automatisch Harmonie. Die einzelnen Stimmen bringen durch ihre Klangfarbe sowieso schon einen harmonischen Faktor mit sich. Durch eine zweite Stimme tritt nun auch eine zweite Grundfrequenz zum Klang hinzu und bildet den tonalen Charakter der Harmonie. Die Polyphonie beinhaltet also zum einen den parallelen Ablauf einzelner Melodien sowie die Harmonien, die sich aus deren Zusammenklang ergeben.
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Tim Schütte, 2007, Werk und musikalische Idee, Munich, GRIN Publishing GmbH
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