Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten 4
3 Zusammenhänge zwischen Arbeit Anerkennung und Nahrung 6
4 Erziehung bzw die Vermittlung der Zusammenhänge zwischen Arbeit Anerkennung
und Nahrung 6
5 Unerfüllte Erwartungen 7
6 Das Zeigen von Gefühlen durch Nahrung 8
a) Bereitstellen bzw Weitergeben von Nahrungsmitteln 8
b) Verweigern bzw Ablehnen von Nahrungsmitteln 9
7 Nahrungstabus als Kennzeichen für die soziale familiäre Struktur 10
7.1 Nahrungstabus 10
7.2 spezielle Rituale bei denen die Nahrungstabus außer Kraft gesetzt sind 11
8 Zusammenfassung 12
Literaturverzeichnis 16
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1 Einleitung
Nahrung und soziale Beziehungen stellen für die menschliche Existenz essentielle Faktoren dar.
Der Mensch braucht Nahrung, um biologisch am Leben bleiben zu können, soziale Kontakte sind in psychologischer Hinsicht aber ebenso wichtig. Dies sind sicherlich Universalien, die für nahezu alle Menschen auf der Welt gelten können. Es gibt nun aber dennoch Unterschiede, wie Nahrung innerhalb einer Gesellschaft gewichtet wird.
Das westliche Konzept sieht in Nahrung weitestgehend den biologischen Aspekt, den Menschen mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen und am Leben zu erhalten. In der westlichen schnelllebigen Gesellschaft, in der Nahrung und die Nahrungsaufnahme mehr und mehr in die Kategorie Fast Food eingeordnet werden können, verliert Essen im Alltag zunehmend die soziale Dimension.
Im Gegensatz zu unserer westlichen Gesellschaft nimmt Essen in verschiedenen Gesellschaften in Ozeanien unterschiedliche Stellenwerte ein. Nahrung dient hier nicht nur dem Erhalt der biologischen Funktionen des menschlichen Körpers, sondern ist vielmehr wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens.
Anhand der hier kurz vorgestellten verwendeten Literatur sollen in dieser Hausarbeit verschiedene Aspekte von Nahrung in unterschiedlichen Gesellschaften näher betrachtet werden und im Schlussteil mit westlichen Vorstellungen bzw. Praktiken verglichen werden.
In dem Artikel „Love Food: Exchange and Sustenance in the Cook Island Diaspora“ beschreibt Kalissa Alexeyeff, wie es Migranten der Cook Inseln durch Nahrung bzw. Nahrungsaustausch gelingt, weiter mit ihrem Heimatland verbunden zu bleiben und die sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen und Bekannten aufrechtzuerhalten. „Working Mothers and the Work of Culture in a Papua New Guinea Society“, ein Artikel von Kathleen Barlow, behandelt den Zusammenhang zwischen Arbeit, Nahrung und Anerkennung innerhalb der Gesellschaft der Murik mit besonderem Interesse an der Aufgabe der Mütter, die den Kindern eben diese Zusammenhänge in der Erziehung vermitteln.
Der Buchbeitrag ″Fighting Hierarchy. Relations of Egality and Hierarchy among the May River Iwam of Papua New Guinea″ von Rune Paulsen geht auf die soziale Struktur der May River Iwam ein, innerhalb derer Nahrungstabus eine hierarchisch klassifikatorische Bedeutung innehaben.
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Welche unterschiedlichen symbolischen Bedeutungen dem Essen bzw. der Nahrung zugeschrieben werden können, soll im ersten Teil dieser Hausarbeit verdeutlich werden. Somit eröffnet das erste Kapitel mit einem Beispiel der Cook Insulaner.
2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten
Migration stellt in vielen Teilen Ozeaniens ein probates Mittel dar, um verschiedene Aspekte des Lebens in einem anderen Land zu verbessern – eine bessere schulische Ausbildung für die Kinder, höhere Chancen einen Beruf zu finden, der adäquat bezahlt wird usw. Deshalb sind Migration, die Bildung von Diasporas und die Kontakte der Migranten zum Heimatland ein immer wichtigeres Thema.
Häufig werden hierbei Zahlungen, die Migranten an in der Heimat gebliebene Angehörige leisten, betont. Es wird zum Teil aber übersehen, dass das Verhältnis zwischen Migranten und Familienangehörigen in der Heimat von einem reziproken Charakter geprägt ist. Um dies zu veranschaulichen und als Beispiel dafür, wie es Migranten gelingt, ihre Verbundenheit mit dem Heimatland und ihre sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen aufrechtzuerhalten, soll das Beispiel der Cook Insulaner näher besprochen werden.
Als wichtiges Hilfsmittel hierbei dienen vor allem Nahrung und deren Austausch. Dies erklärt die Tatsache, dass Nahrungsmittel aus der Heimat für Cook Insulaner einen höheren Stellenwert einnehmen als das Essen, das im Einwanderungsland erhältlich ist. (vgl. Alexeyeff 2004: 72). Sie erachten Nahrung nicht nur als lebensnotwendig für den Körper, sondern sehen darin eine weitaus wichtigere symbolische Bedeutung. Eine in Neuseeland lebende Cook Insulanerin beschreibt dies wie folgt: ″Food nurtures not just our bodies but also our kinship ties and spiritual ties to homeland.″ (Alexeyeff 2004: 69). Die symbolische Bedeutung wird durch die Assoziation von Essen mit Liebe verständlich. Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass es in der Sprache der Cook Insulaner weder ein Wort für Liebe noch die Möglichkeit, „Ich liebe dich“ zu sagen, gibt (vgl. Alexeyeff 2004: 71).
Durch Nahrungsmittel werden also Gefühle vermittelt, die normalerweise mit Worten nicht ausgedrückt werden können.
Als Beispiel dafür, welch besondere Bedeutung Nahrung aus dem Heimatland für Migranten hat, sei das Beispiel einer Frau erwähnt, die das von den Cook Inseln mitgebrachte Essen nicht nach Neuseeland einführen durfte. Als ihr am Flughafen die
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Nahrung entwendet wird, bricht sie in Tränen aus. Sie weint sicherlich nicht über den Verlust der Nahrungsmittel, sondern vielmehr über die Tatsache, dass dieses Essen sie nicht mehr symbolisch mit ihren Verwandten und ihrer Heimat verbinden kann (vgl. Alexeyeff 2004: 69).
Aufgrund des hohen Stellenwertes von Lebensmitteln aus den Cook Inseln ist es daher wenig verwunderlich, dass Cook Insulaner, die im Ausland lebende Familienangehörige besuchen, stets Unmengen an Essen aus der Heimat als Geschenk mitbringen bzw. dass Migranten, die nach einem Heimaturlaub wieder ins Migrationsland zurückkehren, Lebensmittel von dort im Gepäck haben.
Im Gegenzug erhalten die Besucher bei ihrer Rückkehr entweder auch Lebensmittel, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten, Waren oder Geld, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Meistens übersteigen die Geschenke der Migranten den materiellen und quantitativen Wert des mitgebrachten Essens der Besucher aus der Heimat. Aber die Nahrungsmittel aus der Heimat haben einen umso größeren symbolischen und emotionalen Wert, der durch Geld nicht aufgewogen werden kann (vgl. Alexeyeff 2004: 70).
Anhand der Reise, die eine Frau mittleren Alters nach Neuseeland unternimmt, um dort ihre Eltern zu besuchen, den Vorbereitungen, die getroffen werden, und dem, was aus Neuseeland zurückgebracht wird, sind diese Zusammenhänge nochmals an einem Beispiel verdeutlicht. Hiervon werden nur die Vorbereitungen geschildert, anhand derer das reziproke Selbstverständnis der Cook Insulaner deutlich und das Aufrechterhalten sozialer Beziehungen durch schenken und beschenkt werden exemplarisch für alle anderen Bereiche des Lebens veranschaulicht wird. Der Frau liegt viel daran, ihren Eltern Essen aus der Heimat mitzubringen. Für dessen Vorbereitung nimmt sie Hilfe von Bekannten und Verwandten in Anspruch. Diese Hilfe basiert auf Reziprozität. Sie schickt ihrem Neffen zwei Ananascremetorten und ihrem Cousin eine Flasche Whiskey. Im Gegenzug erhält sie von ihrem Cousin wichtige Lebensmittel, die sie benötigt, und ihr Neffe, der bei einer Fluggesellschaft arbeitet, schickt die Lebensmittel per Flugzeug, ohne Kosten für die Ladung zu erheben (vgl. Alexeyeff 2004: 73f).
Das Essen, das sie nach Neuseeland bringt, hält also nicht nur den Kontakt mit den Eltern aufrecht, sondern schon in der Vorbereitung werden die Beziehungen mit anderen Verwandten ausgebaut. Ebenso wie die Frau von ihren Eltern als Gegenleistung für das mitgebrachte Essen Geschenke erhalten wird, so hat sie ihren Neffen und Cousin beschenkt, damit sie ihr einen Gefallen tun.
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Caroline Dorsch, 2006, Essen und Sozialität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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