E
UROPEAN
B
USINESS
S
CHOOL
International University Schloss Reichartshausen
Praxisarbeit
am Lehrstuhl für Management & Consulting
Sommersemester 2006
Benchmarking
-
Eine kritische Betrachtung am Beispiel
der deutschen Wasserwirtschaft
Abgabetermin:
29. September 2006
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung...1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit...1
1.2 Gang der Untersuchung...2
2
Grundlagen des Benchmarking...2
2.1 Definitionen und Ziele...2
2.2 Historische Entwicklung...4
3
Arten des Benchmarking...5
3.1 Kriterium Vergleichspartner...5
3.1.1 Internes Benchmarking...5
3.1.2 Externes Benchmarking...6
3.2 Kriterium Vergleichsobjekt...7
3.2.1 Prozess Benchmarking...8
3.2.2 Produkt - Benchmarking...8
4
Der Benchmarking Prozess...9
4.1 Planung...9
4.2 Analyse...10
4.3 Leistungstransfer...11
5
BkV Benchmarking...12
5.1 Vorstellung des BkV Benchmarking...12
5.2 Benchmarking am Beispiel der deutschen Wasserwirtschaft...12
6
Abschließende Bewertung und Ausblick...13
Literaturverzeichnis...16
I
- 1 -
1
Einleitung
1.1
Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Ein alter chinesischer Sinnspruch vermittelt eindrucksvoll den Grundgedanken des
Benchmarking:
,,Wenn Du den Feind und Dich selbst kennst, musst Du auch hundert Schlachten nicht
fürchten. Wenn Du Dich selbst kennst, aber den Feind nicht, wirst Du für jeden Sieg
auch eine Niederlage einstecken. Wenn Du weder den Feind kennst noch Dich selbst,
wirst Du in jeder Schlacht unterliegen."
1
Ein Blick auf die derzeitige Wirtschaftswelt lässt schnell erkennen, dass dieses
Sprichwort auch heute noch für Unternehmen von großer Aktualität ist. Besonders in
Zeiten einer sich ständig verändernden und immer komplexer werdenden Umwelt
stehen Unternehmen unter enormen Anpassungsdruck. Es ist festzustellen, dass nur die
Unternehmen dauerhaft am Markt erfolgreich sein werden, welche die nötigen
Anpassungsprozesse rechtzeitig erkennen und umsetzen. Benchmarking kann hierbei
ein sinnvolles Instrument zur erfolgreichen Durchführung dieser Anpassungsprozesse
sein. Benchmarking ist als Suche nach Lösungen zu verstehen, die auf den besten
Methoden und Verfahren der Industrie, den best practices, basieren, um auf diese Weise
Unternehmen zu Spitzenleistungen zu führen.
2
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen des
Benchmarking genauer darzustellen und diese anschließend auf deren praktische
Relevanz zu prüfen. Bereits an dieser Stelle lässt sich feststellen, dass es sich bei
Benchmarking nicht um ein klar vorgegebenes theoretisches Konstrukt handelt. Diese
Tatsache ist primär darin begründet, dass die Benchmarking Idee weder das zu
vergleichende Objekt noch das für einen Vergleich heranzuziehende Unternehmen
vorgibt.
3
So sind in der Praxis diverse Erscheinungsformen anzutreffen. Um
Benchmarking sinnvoll anzuwenden gilt es daher individuell für jedes Benchmarking
Projekt die passende Methodik zu identifizieren. Im Speziellen wird diese Arbeit auf
Benchmarking in der deutschen Wasserwirtschaft und die für diese Branche typischen
Besonderheiten
eingehen.
Es
soll
erläutert
werden,
welche
Vorteile
Versorgungsunternehmen in der Wasserwirtschaft aus Benchmarking Projekten
ziehen können und welche Schwierigkeiten sich insbesondere für diese Branche ergeben.
1
Sun Tzu, chinesischer General, um 500 v. Chr.
2
Camp (1994), Vorwort, S. IX.
3
Schmidt (2000), S.12.
- 2 -
1.2
Gang der Untersuchung
Um die eingangs erwähnte Zielsetzung umzusetzen wird in Kapitel zwei eine
Einführung in die Thematik des Benchmarking gegeben. An dieser Stelle ist es sinnvoll
grundlegende Begriffe zu definieren. Des Weiteren wird in diesem Abschnitt auf die
Entstehungsgeschichte des Benchmarking eingegangen. Aus dieser lassen sich die
grundlegenden Ziele und Funktionen des Benchmarking herleiten, welche im letzten
Abschnitt dieses Kapitels behandelt werden.
Aus der Historie des Benchmarking sind diverse Erscheinungsformen entstanden.
Kapitel drei befasst sich daher mit den unterschiedlichen Arten des Benchmarking. An
dieser Stelle wird eine Klassifizierung nach dem Benchmarking Objekt und dem
Benchmarking - Partner
vorgenommen, bevor Kapitel vier einen grundlegenden
Überblick über den theoretischen Ablauf eines Benchmarking Prozesses gibt. Kapitel
fünf stellt ein aktuelles Benchmarking Projekt, das BkV Benchmarking vor und geht
hierbei im Speziellen auf die Besonderheiten des Benchmarking in der deutschen
Wasserwirtschaft ein. In einer kritischen Betrachtung wird abschließend unter Punkt
sechs diskutiert, inwiefern Benchmarking sich als geeignetes Instrument zur
Modernisierung der deutschen Wasserwirtschaft eignet und welche Probleme an dieser
Stelle existieren.
2
Grundlagen des Benchmarking
2.1
Definitionen und Ziele
Die eigentliche Intention des Benchmarking lässt sich treffend durch das japanische
Wort dantotsu beschreiben. Es bedeutet das Bemühen ,,Der Beste der Besten" zu sein.
4
Da Benchmarking jedoch in vielen Bereichen angewendet wird und die jeweilige
Ausgestaltung durchaus unterschiedlich ausfallen kann, gilt es eine möglichst
allgemeingültige Definition zu finden. Dies führt zwangsläufig zu einer Vereinfachung
und Generalisierung des Begriffs. Robert Camp beschreibt Benchmarking durch seine
häufig zitierte Formulierung: ,,Benchmarking is the search for industry best practices
that will lead to superior performance."
5
An dieser Stelle ist anzumerken, dass Camp
den Begriff ,,performance" sehr weit auslegt.
6
Eine formale Definition wurde von
David T. Kearns (CEO, Xerox Corporation) aus den Erfahrungen und Erfolgen der
4
Camp (1994), S 3.
5
Camp (1989), S. 68.
6
Camp (1989), S. 68: ,,The definition covers all possible business methods endeavors whether a product,
service, or support process. "
- 3 -
ersten Benchmarking Anwendungen im Fertigungsbereich abgeleitet. Kearns definiert
Benchmarking demnach wie folgt: ,,Benchmarking ist der kontinuierliche Prozess,
Produkte, Dienstleistungen und Praktiken gegen den stärksten Mitbewerber oder die
Firmen, die als Industrieführer angesehen werden zu messen."
Es gilt daher, möglichst
aussagekräftige Kennzahlen (Benchmarks) zu definieren, um mit deren Hilfe eine
Leistungsaussage zu treffen. Übersetzt man den Begriff ins Deutsche wird die
relativierende Funktion der Benchmarks deutlich:
,,...
a point of reference from which
measurements of any sort may be made..."
.
7
Darüber hinaus sei an dieser Stelle
herausgestellt, dass die Kontinuität in der Literatur als entscheidender Erfolgsfaktor
genannt wird. Es handelt sich demnach nicht um eine Aufgabe, die einmal durchgeführt
wird und anschließend erledigt ist, sondern es gilt in einer sich ständig ändernden
Umwelt kontinuierlich auf diese Veränderungen zu reagieren.
8
In Kearns Definition
lässt sich das hohe Innovationspotenzial des Benchmarking erkennen, da er explizit auf
die Notwendigkeit hinweist, auch außerhalb der eigenen Industrie nach ,,world-class
best practices"
zu suchen und diese auf die eigene Geschäftsprozesse zu übertragen.
9
Grundlegend zielt Benchmarking auf die Erzeugung von Wettbewerbsvorteilen
gegenüber Konkurrenzunternehmen ab. Hierbei ist die Implementierung eines ständigen
Lernprozesses im Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Da Benchmarking den
Beweis für die Umsetzbarkeit von Problemlösungen und neuen Ideen durch ihre
tägliche Anwendung in anderen Unternehmen liefert, werden Veränderungs- und
Entscheidungsbereitschaft hinsichtlich dieser Verbesserungsvorschläge geweckt.
Benchmarking wird oftmals als Zielsetzungsprozess bezeichnet, mit dessen Hilfe Fehler
aufgezeigt und Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden können.
10
In der Literatur
werden vor allem die folgenden Zielvorgaben genannt:
· Begründung von Handlungs- bzw. Veränderungsbedarf
· Eigenmotivation und Überzeugung von Entscheidungsträgern
· Aufzeigen von alternativen Vorgehensweisen
· Gestaltung des Veränderungsprozesses in Bezug auf ,,Bestlösungen"
7
Webster's Third New International Dictionary (1981), S. 203.
8
Camp (1994), S. 13.
9
Vgl. Watson (1992), S. 5.
10
Camp (1994), S. 20.
- 4 -
· Input für Planungsprozesse
Diese übergeordneten Ziele sind jedoch entsprechend der unternehmensspezifischen
Gegebenheiten weiter zu detaillieren.
11
2.2
Historische Entwicklung
Die Benennung des branchenübergreifenden Vergleichsansatzes als ,,Benchmarking" ist
etymologisch dem Begriff des ,,benchmark" (Festpunkt) im Vermessungswesen
zuzuordnen.
12
Darüber hinaus werden Benchmarks in der Computerindustrie seit
langem als Fixpunkte zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit angewendet.
Als erstes Unternehmen, welches Benchmarking praktizierte wird in der Literatur
zumeist der Kopierer Hersteller Rank Xerox angeführt. Xerox brachte im Jahre 1959
den ersten Kleinkopierer auf den Markt und war bis Ende der 1970er Jahre
unangefochtener Marktführer in diesem Segment. Die Marktführerschaft endete jedoch
als der japanische Konkurrent Canon seine qualitativ gleichwertigen Geräte zu einem
Preis auf dem Markt anbieten konnte, der weit unter den Herstellkosten von Xerox lag.
Zunächst reagierte man bei Xerox mit der Untersuchung der technischen Merkmale des
Konkurrenzprodukts, dem sog. ,,reverse engineering".
13
Da diese Methode jedoch
keine Aufschlüsse für das vorliegende Problem gab, kam man bei Xerox zu der
Schlussfolgerung, dass der Wettbewerbsvorteil von Canon aus dem Produktionsprozess
und nicht aus dem Produkt selbst resultieren muss. Xerox startete infolgedessen ein
Maßnahmenpaket
14
, das u.a. auch das erstmalig so bezeichnete Benchmarking
enthielt.
15
Bahnbrechenden Erfolg hatte hierbei der Vergleich mit der Logistikabteilung
des Versandhandelsunternehmens L.L. Bean. Im Zuge der Auswertung implementierte
Xerox eine neue, aber auch teurere Technologie und ein automatisches Lager- und
Transportsystem, welches von L.L. Bean bereits erfolgreich angewendet wurde.
16
11
Pieske (1997), S. 28ff.
12
Hofjahn (1995), S. 156.
13
Kleinfeld (1994), S. 20.
14
Camp (1994), S. 8: Auf der jährlichen Aktionärsversammlung 1983 bezeichnete es der
Vorstandsvorsitzende als seine Priorität Nummer 1, Marktführung durch Qualität zu erreichen.
Benchmarking, zusammen mit der Beteiligung der Mitarbeiter und dem Qualitätsprozess, wurde als
Kernpunkt gesehen, um Qualität in Prozessen und Produkten zu erreichen.
15
Vgl. zur Entwicklung Walker (1992), S.9.
16
Vgl. Tucker et al. (1987), S9f: ASRS (automated storage and retrieval systems).
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