Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion
Fachbereich Literaturwissenschaft
Wintersemester 2005/2006
Proseminar: MaschinenMenschen
E.T.A. Hoffmanns ,,Der Sandmann"
Die einzigartige Liebe des Studenten Nathanaels
zur Automate Olimpia
von
Catharina Cerezo
Literatur-Kunst-Medien
3. Semester
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Begründung der Liebe Nathanaels zu Olimpia ... 4
2.1. Erste Begegnung Nathanaels mit Olimpia ... 4
2.2. Das Phänomen des Fernglases ... 4
2.3. Der Sandmann ... 5
2.3.1. Schreckliches Kindheitserlebnis... 6
2.3.2. Das Experiment Olimpia... 6
2.4. Räumliche Distanz ... 8
2.5. Jean Paul: Die Unauffälligkeit Olimpias... 9
2.6. Projektion seines Selbst... 10
2.6.1. Sigmund Freud: Narzisstische Liebe... 11
2.7. Vergleich Klara mit Olimpia... 12
3. Rückblick ... 14
4. Bibliografie... 15
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1. Einleitung
,,In der Novelle Der Sandmann verliebt sich der Student Nathanael in ein weibliches Automat,
in eine naturalistisch gestaltete schöne Puppe namens Olimpia, die Nathanaels
Physikprofessor Spalanzani für seine leibliche Tochter ausgibt."
1
Diese Worte beschreiben einen sehr bedeutenden Handlungsstrang innerhalb der von E.T.A.
Hoffmann 1815 verfassten Erzählung ,,Der Sandmann", der bis heute als Markenzeichen
dieses literarischen Werkes gilt.
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Der beschriebene Tatbestand erscheint jedoch, gerade für
Außenstehende, zunächst eher unglaubwürdig oder gar absurd. Doch auch als Kenner der
Lektüre wird schnell deutlich, dass es einer genaueren Betrachtung und Analyse bedarf, um
sämtliche Gründe für die Liebe Nathanaels zu der Automate benennen zu können.
Das genannte Zitat verweist zusätzlich auf einen weiteren, interessanten Aspekt. Es geht dabei
um die Frage nach Olimpias Beschaffenheit, die es offenbar möglich macht, sie als Tochter
eines Professors, eines Mannes mit hoher Stellung, zu präsentieren.
Ich möchte versuchen, die Fragen, die sich an dieser Stelle naturgemäß stellen, in dieser
Hausarbeit zu beantworten. So wird es mir zum einen um die Frage gehen, worin sich die
Liebe Nathanaels zu Olimpia begründet und was genau er an ihr für liebenswürdig empfindet.
Zum anderen möchte ich auch versuchen darzustellen, weshalb Olimpia als Puppe verkannt
wird und somit die notwendige Vorraussetzung für Nathanaels Liebe gegeben ist. Die
gesamten genannten Punkte sollen demzufolge die Struktur und Logik dieser einzigartigen
Liebe verdeutlichen.
Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass ich ausschließlich den oben genannten
Leitfragen meine Aufmerksamkeit widmen werde. Die Liebe Nathanaels hat bemerkenswerte
Folgen, die sich zwar als außerordentlich interessant erweisen, aber hier nicht zusätzlich von
Relevanz sein können. Auch möchte ich, um im Rahmen solch einer Arbeit zu bleiben, auf
die zusätzliche Bearbeitung des Leitmotivs des Auges verzichten, wobei sich jedoch eine
grobe Kenntnis darüber als durchaus hilfreich erweist.
Im dritten und letzten Teil möchte ich rückblickend auf die bis dahin genannten Punkte
eingehen, meine persönlichen Eindrücke sammeln und somit die Hausarbeit beenden.
1
Frank Witting, Maschinenmenschen, zum Wandel eines literarischen Motivs im Kontext von Philosophie,
Naturwissenschaft und Technik, Königshausen& Neumann, Würzburg, 1997, S. 64.
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Hanno Möbius, Jörg Jochen Berns, Die Mechanik in den Künsten, Studien zur ästhetischen Bedeutung von
Naturwissenschaft und Technologie, Jonas Verlag, Marburg, 1990, S. 201.
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2. Begründung der Liebe Nathanaels zu Olimpia
2.1. Erste Begegnung Nathanaels mit Olimpia
Um die aufeinander aufbauende Struktur der Liebe Nathanaels zu Olimpia verdeutlichen zu
können, möchte ich zunächst auf die neutrale Ausgangssituation hinweisen. Hierbei berichtet
Nathanael in einem Brief an seinen Freund Lothar ohne auffälliges Interesse von der ersten
Begegnung mit Olimpia. So habe er durch einen kleinen Spalt in der Türgardine ,,[...] ein
hohes, sehr schlank im reinsten Ebenmaß gewachsenes, herrlich gekleidetes Frauenzimmer
[...]"
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erblickt, wobei ihm jedoch gleichzeitig die Blicklosigkeit ihrer Augen aufgefallen sei.
,,Sie schien mich nicht zu bemerken und überhaupt hatten ihre Augen etwas Starres, beinahe
möcht ich sagen, keine Sehkraft, es war mir so, als schliefe sie mit offenen Augen."
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Trotz
ihres ,,engelschönen Gesichts"
5
, zeigt sich Nathanael von dieser ersten Begegnung ,,ganz
unheimlich"
6
berührt und ,,[...] schlich [deshalb] leise fort [...]"
7
. Obwohl dem Studenten
Olimpias Schönheit ganz offensichtlich auffällt, schafft die Automate es dennoch nicht, ihn
auf Anhieb tiefer zu beeindrucken oder gar zu berühren. Durch ihre starren Augen vermittelt
sie ihm vielmehr ein beängstigendes Gefühl, dem Nathanael naturgemäß auszuweichen
versucht.
Dennoch zeigt sich hier eine wichtige Vorraussetzung für Nathanaels Liebe zu Olimpia;
Indem er in seiner Beschreibung auf ihre Blicklosigkeit und ihr nahezu perfektes Aussehen
verweist, nennt er im Grunde deutliche puppenhafte Merkmale. In seinem Brief vermerkt er
jedoch keinerlei Hinweise auf das Erkennen einer Automate, sodass er offensichtlich ihre
tatsächliche Leblosigkeit nur unbewusst wahrnimmt.
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Daher erklärt er sich ihre Isoliertheit in
einem abgesperrten Zimmer mit vermuteter Blödsinnigkeit. Dieses Unwissen Nathanaels über
die wahre Beschaffenheit Olimpias ist grundlegend für die Entwicklung seiner Liebe.
2.2. Das Phänomen des Fernglases
Nathanaels Desinteresse an Olimpia ändert sich jedoch schlagartig. Nachdem der Student ein
Fernglas vom ,,Wetterglashändler" Coppola gekauft hat, blickt er damit erneut in das Zimmer
der Automate; ,,Nun erschaute Nathanael erst Olimpias wunderschön geformtes Gesicht. Nur
3
E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Hamburger Leseheft Verlag, Husum/Nordsee, 2001, S. 15.
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Ebd., S. 15.
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Ebd., S. 15.
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Ebd., S. 15.
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Ebd., S. 15.
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Ebd., S. 15.
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